Wir bekommen ein Haustier! Aber ist mein Kind wirklich schon bereit dafür?

Schon wieder steht meine fünfjährige Tochter vor mir, in jeder Hand einen Kuscheltier-Hasen: „Ich möchte sooo gern ein Kaninchen!“ Es folgt ein herzerweichender Augenaufschlag. Erstaunlich, wie hartnäckig die kleinen Süßen sein können, wenn sie unbedingt etwas wollen. Ich habe tatsächlich nachgegeben…. Schon in einer Woche wollen wir ihren „Hoppel“ (ja, so soll das Kaninchen heißen) aus der Zoohandlung holen. Warum ich so schnell schwach wurde? Weil ich als Kind selbst so ein zauberhaftes Langohr hatte. Darum weiß ich nicht nur, dass ein Haustier meist ein Familienprojekt ist. Sondern auch, dass so ein kuscheliger Freund auf vier Beinen ein toller Lehrer in Sachen Verantwortung sein kann

Tier als bester Freund

Egal, ob es nun am Umstand liegt, dass man selbst mit Vierbeinern aufgewachsen ist oder eben nie ein Tier haben durfte – die Anschaffung eines solchen Familienmitglieds muss gut überlegt sein. Auch wenn die Sehnsucht nach einem Spiel- und Schmusegefährten gerade in der Corona-Zeit doppelt groß sein mag. „Besonders bei Einzelkindern können Tiere wie ein Kaninchen oder Meerschweinchen etwas ganz Tolles sein“, sagt auch Imke Dohmen von mutterhelden.de. Schon mal vom Kuschelhormon „Oxytocin“ gehört? Das macht uns schon glücklich, wenn wir unseren Liebling nur anschauen! Die 43-Jährige Expertin für Mama-Coaching gibt jedoch etwas ganz Wichtiges zu bedenken: „Die Eltern müssen das Kind bei dieser Aufgabe begleiten. Nicht umsonst raten Experten, Kindern nicht vor acht Jahren ein eigenes Tier anzuvertrauen.“ Sie selbst besitzt zwei Katzen, die zwar fest zur Familie gehören, um deren Pflege sie sich jedoch meistens allein kümmert.

warten auf das Haustier: Mit dem LEGO DUPLO Bauernhof Set haben kleine Tierfreunde großen Spaß

Warten auf das Haustier: Mit dem LEGO DUPLO Bauernhof Set haben kleine Tierfreunde großen Spaß! Foto: PR LEGO DUPLO

Vorbereitung auf das neue Familienmitglied

Meine Tochter erfindet gefühlt seit Wochen ganze Kaninchen-Welten. Gerne kommt dafür auch das LEGO® DUPLO® Bauernhof Set des kleinen Bruders zum Einsatz. Wir bauen großzügige Ställe aus bunten LEGO Steinen, legen selbstgepflückten Löwenzahn dazu, und regelmäßig kommen die anderen Bauernhoftiere Frau Kuh und Herr Schwein vorbei, um ihren Plüsch-Hoppel zu besuchen. Die Kaninchen-Mama ist natürlich der Meinung, allerbestens auf den lebendigen Hoppel vorbereitet zu sein. Schließlich haben wir schon sehr früh die einschlägigen „Fachbücher“ gelesen: „Max bekommt ein Kaninchen“ und „Conni bekommt eine Katze“ kann ICH jedenfalls fast schon auswendig. Ob die Lektüre später hilfreich sein wird, wage ich zu bezweifeln. Mir ist klar, dass die eigentliche Arbeit an mir hängenbleiben wird, aber damit bin ich auch fein. „Selbstverständlich versprechen Kinder viel, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben“, sagt Imke Dohmen. „Sie glauben in dem Moment auch selbst an das, was sie sagen, doch sie besitzen noch gar nicht die nötigen kognitiven Fähigkeiten, das Gesagte richtig einzuschätzen.“ Und weil kleine Kinder lediglich nach dem Lust-Unlust-Prinzip handelten, stehe bei ihnen auch der Spielaspekt im Vordergrund. Und eben nicht die Fürsorgepflicht.

Kinder wollen in erster Linie Spaß haben

Wenn ich ehrlich bin, dann erinnere ich mich selbst noch gut daran, wie es bei mir zu Hause ablief. Wenn meine beste Freundin zu Besuch kam, dann habe ich meinen Hasen Rudi immer stolz aus dem Käfig geholt, mit ihm gekuschelt und ein bisschen damit angegeben, was ich da für einen tollen Freund habe. Und wenn wir danach Gummitwist spielen wollten, dann habe ich ihn schnell zurückgesetzt und war weg, ohne mich noch einmal umzudrehen. Wer ihn gefüttert hat? Ich natürlich – Ehrensache. Wer den Käfig sauber gemacht hat? Naja, wenn ich ehrlich bin, dann ist da meine Mama ziemlich oft eingesprungen … Als ich jedoch älter war, habe ich mich mit ihr abgewechselt. „Kinder leben über Impulse. Sie tun einfach das, wonach ihnen der Sinn steht. Deshalb denken sie auch nicht über die Konsequenzen nach, etwa darüber, dass ihr Liebling verhungern könnte, wenn er sein Futter nicht bekommt“, sagt die Expertin.

Die Verantwortung liegt bei den Eltern

Was von Anfang an klar sein muss: Die letzte Verantwortung liegt bei uns Eltern. Man muss also später gar nicht meckern und darauf rumreiten, dass man wieder alleine den Käfig sauber machen musste. Lieber einfach darauf hinarbeiten, dass das Kind – allerdings erst mit fortschreitendem Grundschulalter – etwas verlässlicher mit seinen Hilfsangeboten ist. Dann nämlich, wenn es sich selbst dazu entscheidet, Verantwortung zu übernehmen. Ganz ohne Druck – denn das erzeugt nur Gegendruck. Kennen wir auch von uns selbst. Übrigens: Gassi-Gehen mit dem Hund ist bei vielen älteren Kindern ja sehr beliebt. Manche bieten sogar Nachbarn ihre Dienste an. Als Hundebesitzer sollte man sich jedoch unbedingt schlau machen, ab wann ein Kind nach Gesetz überhaupt alleine Gassi gehen darf!

Meerschweinchen und Kaninchen sind als Haustier für Kinder geeignet.

Meerschweinchen und Kaninchen sind als Haustier für Kinder geeignet. Foto: bigstock

Welches Tier soll das erste Haustier sein?

Noch etwas ganz Wichtiges: Nicht jedes Tier ist für Kinder geeignet. Mäuse oder Hamster mögen als „Anfängertiere“ gelten, weil sie nicht zu viel Arbeit machen, wenig Platz brauchen, in den Ferien leicht abzugeben sind und – auch wenn es traurig klingt – nicht so eine lange Lebenszeit haben. Aber mal ehrlich: Wie sinnvoll sind kleine Gefährten, die man nur schlafend beobachten und lediglich mit der Fingerkuppe streicheln kann? Oder die auch noch nachtaktiv sind? Wer schon mal ein rotierendes Hamsterrad neben dem Bett hatte, der weiß Bescheid. Meerschweinchen und Kaninchen sind natürlich der Klassiker in der Kinderstube. Trotzdem: Auch Mümmelmann und Mümmelfrau sind eigentlich Fluchttiere. Es wird also viel Geduld erfordern, Hoppels Vertrauen zu gewinnen. Ich glaube aber, dass wir das alle zusammen hinbekommen: Mit meiner Hilfe und etwas Nachsicht wird meine Kleine ganz sicher lernen, was es heißt, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Und genug Liebe für noch einen Mitbewohner ist definitiv bei uns allen da!

Judith Sylla

Ich habe zwei Kinder (2015 und 2019 geboren). Als Mama habe ich eines früh gelernt: Vorsätze sind da, um sie wieder über Bord zu werfen. Intuitiv handeln, statt nach Prinzipien, macht so ziemlich alles und alle entspannter.

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