Mein Kind will nie teilen! Dieser Trick hilft bei Streit:

„Das ist MEIN Dino!!“ Und schon reißt mein kleiner Sohn seinem Freund das Gummitier aus der Hand. Fast hätte er ihn dabei umgeworfen. Jetzt hebt er auch noch drohend die Hand – und natürlich heult der andere sofort los. Peinlich! Die andere Mutter guckt auch schon. Ihr Blick sagt mir, dass mein Sohn eine verwöhnte Göre ist. Aber stimmt das? Oder ist er einfach nur durchsetzungsstark? Ihr kennt diese Situation vermutlich vom Spielplatz oder aus dem Kinderzimmer. Mit geht es dann immer so, dass ich mich „verpflichtet“ fühle zu reagieren – möglichst richtig. Aber was ist richtig, wenn das eigene Kind nicht abgeben möchte? Soll ich mich einmischen und zum Teilen auffordern? Lernen kleine Menschen nicht nur so ein vernünftiges Sozialverhalten? Nein.

Große emotionale Verbundenheit zum Objekt der Begierde ­

„Wir messen viel zu häufig mit den sozialen Maßstäben eines Erwachsenen“, sagt Imke Dohmen von mutterhelden.de. Die 43-Jährige ist Expertin für Mama Coaching. Und sie weiß, dass Teilen wenig mit Sozialverhalten oder Charakter, sondern vielmehr damit zu tun hat, wie lieb das Kind die Sache hat, um die es gerade geht. Und darum, ob es an diesem Tag schon viel entbehren musste: Wenn es in der Kita dauernd auf andere Rücksicht nehmen soll, ist es kein Wunder, dass es sich zu Hause durchsetzen will. Schließlich fühlt es sich dort sicher und geliebt. Und WIR würden unserer Nachbarin ja auch nicht unser lang ersehntes neues Smartphone geben, bloß weil sie danach verlangt, oder? Ganz klar also, dass mein Sohn nicht seinen Dino abgeben möchte, den der Weihnachtsmann extra für ihn unter den Baum gelegt hat. Stand doch sogar sein Name auf dem Paket… Aber vielleicht kann er ja stattdessen für eine Weile auf den Löwen verzichten, der sich schon etwas länger hinten im Regal ausruht?

Erst Harmonie pur, dann plötzlich Streit – was können Eltern tun?

Erst Harmonie pur, dann plötzlich Streit – was können Eltern tun? Foto: Bigstock

Dieser Trick hilft bei Streit

Imke Dohmen hat einen tollen Tipp für uns Mamas, den wir am besten schon vor einer Verabredung vorbereiten: „Einfach eine hübsche Schatzkiste packen, bevor Spielbesuch kommt. Dort hinein gehören drei bis fünf Spielzeuge, die der Nachwuchs heute absolut nicht teilen möchte. Und die Kiste kommt dann an einen Ort, den nur Mutter und Kind kennen.“ Der Rest wird also geteilt, und sollte die Stimmung trotzdem mal kippen – nichts Ungewöhnliches bei Kleinkindern –, dann schauen Mama und Kind zum Beruhigen mal kurz beim Geheimversteck vorbei. Und nicht selten werden die Spielzeuge dann doch ins gemeinsame Spiel integriert. „Es geht dem Kind nicht ums Teilen an sich, sondern darum, selbst zu entscheiden. Wenn Kinder über ihr Eigentum verfügen dürfen, dann lassen sie auch los.“

Kommunizieren müssen wir Eltern

Als mein Kind nach dem Gespräch mit Imke Dohmen das nächste Mal auf dem Spielplatz nicht teilen wollte – sogar anfing, mit Sand zu schmeißen – hat mir ein Perspektivwechsel gut geholfen. Denn ein zwei- oder dreijähriges Kind kann sich noch nicht gut mit Worten ausdrücken. Das fällt selbst Sechsjährigen noch schwer. Vor allem, wenn es gerade hochemotional im Innern zugeht. Aus Sicht des Kindes ist Aggression, die einzige Möglichkeit, den eigenen Standpunkt zu verteidigen. Deshalb ist es in Ordnung, wenn wir als Eltern an dieser Stelle übernehmen. Schlichtend statt fordernd und mit den Kindern gemeinsam einen Kompromiss findend: Schau mal, während der Junge mit deinem Bagger spielen darf, kannst du sicher einen Keks aus seiner Knabberdose essen. So fühlt sich auch die andere Mutter gleich besser, weil sie etwas zum Schlichten betragen kann. Keiner fühlt sich als Verlierer und die Kinder merken, dass Teilen Vorteile hat.

Mit LEGO DUPLO Sets spielen Kinder gern gemeinsam

Mit LEGO DUPLO Sets spielen Kinder gern gemeinsam. Foto: PR LEGO DUPLO

Geschwisterliebe? Hört (oft) beim Spielzeug auf

Dass auch Geschwister nicht gern teilen, wissen wir noch aus der eigenen Kindheit. Auch Imke Dohmen kennt solche Situationen: „Es ist nun einmal so: Im Zweifel müssen auch mal Dinge doppelt angeschafft werden. Oder eben Spielzeuge, die die Kinder tauschen können, weil sie sich gut ergänzen.“ Da muss ich sofort an unsere LEGO®DUPLO® Sets denken: Der eine hatte die Feuerwehr, der andere die Polizei. Konnten meine Jungs prima mit abwechseln, und so manche Kabbelei endete mit einem gemeinsamen Großeinsatz. Funktionierte übrigens auch reibungslos mit dem Bauernhof. Und das Auftürmen von LEGO DUPLO Steinen machte beiden Streithähnen zusammen sowieso immer mehr Spaß. Und wenn ein Kind etwas partout nicht abgeben will – selbst innerhalb der Familie – ist das auch okay und eine gute Gelegenheit, Akzeptanz vorzuleben.

Für Kinder zählt immer nur der Moment, wir Eltern sehen in den Situationen gerne schon die ganze zukünftige Entwicklung geprägt. Es gilt nicht, Konflikte zu verhindern. Im Gegenteil: Konflikte sind wichtig. Noch wichtiger ist aber der Umgang von uns Eltern damit: Nehmen wir die Bedürfnisse unserer Kinder ernst und lassen sie mitentscheiden, lernen sie, lösungsorientiert mit Konflikten umzugehen. Mit jedem gut geschlichteten Streit festigt sich diese Kompromissbereitschaft ein bisschen mehr.

 

Judith Sylla

Ich habe zwei Kinder (2015 und 2019 geboren). Als Mama habe ich eines früh gelernt: Vorsätze sind da, um sie wieder über Bord zu werfen. Intuitiv handeln, statt nach Prinzipien, macht so ziemlich alles und alle entspannter.

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