Jungs spielen anders! Warum kleine Männer einfach sie selbst sein dürfen sollten

Manchmal wäre ein ruhig vor sich hin bastelndes Mädchen einfach herrlich! Ich bin doppelte Jungsmama und habe meist schon die vierte Massenkarambolage im Kinderzimmer hinter mir, noch bevor es in die Kita geht. Und während ich darauf warte, dass gleich der Nachbar klingelt, weil es eben mal wieder furchtbar laut war, frage ich mich, warum Jungs überhaupt so anders spielen müssen. Und ist das eigentlich wirklich so?

„Natürlich spielen Jungs anders als Mädchen. Das kann man sehen und meistens auch hören“, sagt Imke Dohmen von „Mutterhelden“. Die 43-Jährige ist Expertin für Mama Coaching, zweifache Mädchenmutter und absolut niemand, der auf Verallgemeinerungen setzt. Selbstverständlich weiß auch sie, dass es ganz sicher kleine Jungs gibt, die gern malen, stundenlang LEGO® DUPLO® Türme bauen und handfesten Rangeleien lieber aus dem Weg gehen. „Es gibt bei Studien keine eindeutigen Ergebnisse, die sicher belegen können, warum kleine Männer in der Regel körperlicher spielen als Mädchen. Die Vermutung liegt nahe, dass es sowohl mit dem X-Chromosom zusammenhängen kann oder eben auch damit, dass unsere Vorfahren Jäger waren. Am Ende geht es einfach darum, auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes einzugehen.“

Raus an die Luft und bewegen!

Und wenn also ganz offensichtlich das Bedürfnis nach Bewegung vorhanden ist, dann heißt es eben raus an die Luft, um Ball zu spielen oder auf Bäume zu klettern. Bei Wind und Wetter und gerade dann, wenn du als Mama nicht schon wieder Lust hast, mit Holz- oder Laserschwertern zu „kämpfen“. Schubladendenken oder nicht – überlegt doch mal, wie eure eigenen Männer ticken: Beim Picknick auf der Wiese sind auch große Jungs meist froh, wenn sie eine Frisbee oder Federballschläger zu fassen kriegen. Und wir Mädels? Sitzen oft lieber stundenlang auf der Decke, um uns in Ruhe unterhalten zu können. Ob es am Testosteron liegt? Für uns Mamas ist das Wilde und Laute manchmal jedenfalls nicht so leicht auszuhalten. Gerade, wenn wir müde sind, finden wir oft alles irgendwie anstrengend.

Das „Problem“ liegt meist bei den Eltern

„Wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann kommen wir immer dann nicht gut mit diesem Wilden und Lauten klar, wenn wir selbst gestresst sind“, sagt Imke Dohmen. Und ich muss ihr absolut recht geben. Am Wochenende setze ich mich nämlich sogar gern mit meinem Jüngsten hin, um lange Staus mit den vielen LEGO DUPLO Fahrzeugen zu bauen, die er so liebt. Und weil die so wunderbar robust sind, halten sie sowieso jeden Crash aus, den wir uns dann ausdenken. Das, was die Expertin den „Wunsch nach dem funktionierenden Kind“ nennt, ist in solchen Momenten gar nicht bei mir vorhanden. Warum? Weil ich mir Zeit nehme und auf meinen Sohn eingehen kann. „Je mehr ich vom Stresshormon Cortisol freisetze, umso weniger Platz ist für Empathie und Mitgefühl“, erklärt Imke Dohmen. Statt also das Problem beim Kind zu suchen, sollte ich mich lieber einmal fragen, wie es mir gerade geht.

Egal, ob Junge oder Mädchen - jedes Kind hat laute und ruhige Momente.

Egal, ob Junge oder Mädchen – jedes Kind hat laute und ruhige Momente. Foto: Bigstock

Jungs einfach sie selbst sein lassen

Unsere Kleinen sind also KEINE unerträglichen Rabauken, nur weil sie ab und zu gern lautstark spielen. Wie das Umfeld ein Kind wahrnimmt, hat viel mit der eigenen inneren Prägung zu tun. Natürlich auch mit den persönlichen Umständen, also etwa damit, ob man alleinerziehend ist oder krank.

„Ist es nicht auch interessant, dass das Wort ADS und ADHS meist nur im Zusammenhang mit Jungs vorkommt?“, gibt die 43-Jährige zu bedenken. Sie ist dafür, Jungs einfach Jungs sein zu lassen. Und wenn die sich ausprobieren und vielleicht mal Nagellack oder ein Elsa-Kleid tragen wollen, dann soll man sie auch das tun lassen! „Jungen sind tatsächlich oft ziemlich gut darin, sich im Spiel anzupassen. Das weiß ich als Mädchenmutter, die auch Jungs zu Besuch hat“, sagt Imke Dohmen. Stimmt genau! Ich selbst verabrede meinen Kleinen zwischendurch immer sehr bewusst mit Mädchen, weil ich weiß, dass das Spiel dann eine andere Dynamik hat. Statt Auto-Crash wird dann eben schön harmonisch der LEGO DUPLO Bauernhof aufgebaut. Jeder wurschtelt ruhig vor sich hin, zwischendurch gibt ein Kind dem anderen einen neuen Spielimpuls, und ganz automatisch entstehen eigene kleinen Welten. Danach hüpfen die Kinder möglicherweise noch ein bisschen als Pferde durch die Gegend – und das sogar ganz ohne Ritter mit Schwert.

Schubladendenken abschlaten

Was wir daraus lernen? Wir sollten endlich aufhören, immer in Schubladen zu denken. Das machen wir übrigens nur, weil es viel einfacher ist, als sich wirklich mit einer speziellen Situation auseinanderzusetzen. Gerade, wenn diese vielleicht mit Vorurteilen oder Ängsten zu tun hat. Und wenn ein kleiner Mann gern tobt und rangelt? Dann ist vielleicht doch der Karate-Kurs besser für ihn geeignet als Fußball. „Lass dein Kind so wie es ist. Und sorg dich um dich“, rät Imke Dohmen. Unsere Süßen sind nämlich gut so wie sie sind. Und wetten, dass der Nachbar, der manchmal die Augen verdreht, wenn er uns im Flur trifft, auch nicht anders war als Kind?

Alma Ettwig

Ich bin Mutter zweier Söhne (2010 und 2015 geboren) – und oft ist es nicht so einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie gut, dass ich das, was ich tue, so sehr liebe! Schreiben ist immer auch Ausgleich für mich. Für Abwechslung sorgt außerdem unser Labradoodle Kalle, der uns freudig zu Ausflügen an Alster, Elbe und Ostsee begleitet. Der vierte Mann im ohnehin ziemlich lebendigen Haus. Aber ich find’s herrlich!

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