Am Monatsende wird es plötzlich knapp: Die Miete ist bezahlt, dazu kommen Strom, Lebensmittel, Kleidung für die Kinder und all die anderen Ausgaben, die im Familienalltag eben so anfallen. Und wenn dann noch etwas Unvorhergesehenes dazukommt, kann es schnell schwierig werden, finanziell noch hinterherzukommen.
Für Alleinerziehende ist das offenbar besonders häufig ein Problem. Laut dem aktuellen Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) sind sie überdurchschnittlich oft von Überschuldung betroffen, wie zum Beispiel die ZEIT berichtet.
5,67 Millionen Menschen konnten ihre Schulden nicht bezahlen
Insgesamt waren 2025 in Deutschland 5,67 Millionen Menschen überschuldet. Das sind 111.000 mehr als im Jahr zuvor. Als überschuldet gelten dabei Menschen, die ihre Schulden auch dann nicht bezahlen können, wenn sie ihren Lebensstandard bereits eingeschränkt haben.
Gut zu Wissen
Der iff-Überschuldungsreport ist eine jährlich vom Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) herausgegebenen Studie zur Situation überschuldeter Haushalte in Deutschland. Für den jährlichen Überschuldungsreport hat das iff insgesamt 224.768 Beratungsfälle aus den Jahren 2015 bis 2025 ausgewertet. Grundlage sind Angaben von Schuldnerberatungsstellen aus ganz Deutschland.
Besonders auffällig ist: 14,4 Prozent der überschuldeten Menschen waren alleinerziehend. Vier von fünf von ihnen waren Mütter. Damit sind alleinerziehende Mütter im Report fast doppelt so häufig vertreten, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht.
Bei Alleinerziehenden mit drei oder mehr Kindern ist die Überrepräsentation sogar siebenmal so hoch.
Wer im vergangenen Jahr überschuldet war, hatte laut Report im Schnitt gut 19.000 Euro Schulden.
Warum geraten Menschen in finanzielle Not?
Eine Überschuldung hat laut Report meistens nicht nur einen einzigen Grund. Häufig kommen mehrere Dinge zusammen. Besonders problematisch können dabei hohe Wohnkosten sein, wenn ohnehin nur wenig finanzieller Spielraum vorhanden ist.
Der häufigste einzelne Auslöser waren wie schon im Vorjahr Krankheit, Sucht oder ein Unfall. In 17,8 Prozent der Fälle stand eine dieser Ursachen an erster Stelle.
Danach folgten:
Arbeitslosigkeit oder weniger Erwerbsarbeit: 14,9 Prozent
Gescheiterte Selbstständigkeit: 9,9 Prozent
Konsumverhalten: 9,5 Prozent
Einkommensarmut: 9,1 Prozent
Scheidung oder Trennung: 8,8 Prozent
Philipp Blomeyer, Vorstandschef der auf Überschuldungsprävention spezialisierten Stiftung Deutschland im Plus, betont deshalb, dass finanzielle Not meist nicht einfach mit Leichtsinn oder mangelnder Disziplin zu erklären sei. Krankheit, Jobverlust oder eine Trennung könnten die finanzielle Situation eines Haushalts innerhalb kurzer Zeit verändern.
Für junge Menschen werden auch Smartphone und Co. zum Risiko
Der Report schaut außerdem auf die Situation junger Menschen. Bei unter 25-Jährigen sind Verbindlichkeiten gegenüber Telekommunikationsunternehmen mit 17,7 Prozent der wichtigste einzelne Auslöser für Überschuldung. Dazu können beispielsweise Ratenzahlungen für Smartphones, In-App-Käufe oder Streaming-Abos gehören. Auch Schulden bei Onlinehändlern und Ratenkredite spielen eine Rolle.
Über alle Altersgruppen hinweg sind Ratenkredite mit 21,8 Prozent die häufigste Forderungsart.
Deshalb gewinnt laut iff und Stiftung Deutschland im Plus auch die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie an Bedeutung. Ab November sollen Buy-Now-Pay-Later-Angebote stärker reguliert werden. Außerdem sollen die Anforderungen an die Prüfung der Kreditwürdigkeit verschärft werden. Menschen mit finanziellen Problemen sollen von Kreditgebern konsequenter an Schuldnerberatungsstellen verwiesen werden.
Gerade für alleinerziehende Mütter kann die finanzielle Belastung enorm sein. Sie müssen die Kosten für Miete, Lebensmittel, Kleidung und alles, was im Alltag anfällt, häufig allein stemmen – und haben gleichzeitig weniger Möglichkeiten, finanzielle Engpässe durch ein zweites Einkommen abzufedern.
Umso wichtiger wäre aus unserer Sicht mehr Unterstützung für Alleinerziehende.
Gleichzeitig sind auf staatlicher Ebene Kürzungen bei Leistungen vorgesehen, über die wir bereits berichtet haben. Die Zahlen des aktuellen Reports sollten deshalb auch als Warnsignal verstanden werden: Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung, bevor aus einer finanziellen Belastung eine Überschuldung wird.
Vielleicht sollte dieser Report deshalb vor allem eines sein: ein Hilfeschrei für Alleinerziehende, die mit ihren finanziellen Sorgen nicht allein gelassen werden dürfen.
Wie erlebt ihr das in eurem Umfeld? Habt ihr das Gefühl, dass es für Familien heute schwieriger geworden ist, finanziell über die Runden zu kommen?
Mich schockt das ja leider gar nicht 🙁 An so vielen Menschengruppen wird gespart – unter ihnen die Alleinerziehnden. Und wem schadet es dann am meisten? Den Kindern, as always. Das macht mich einfach so traurig.