Mädchen sind brav und fleißig, Jungs dagegen wild und laut – wem sich bei diesen Geschlechter-Klischees der Magen zusammenzieht, muss bei dieser neuen Studie sehr stark sein.

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    „Sei ein liebes Mädchen“ oder „Mädchen machen so etwas nicht“ – solche Sprüche kenne ich als Millennial-Frau natürlich aus meiner Kindheit. Auch wenn ich sie nicht direkt von meinen Eltern gehört habe, kamen Aussagen wie diese von Lehrer:innen, Fremden oder aus dem weiteren Umfeld. Bei Jungs habe ich dagegen noch Sätze wie „Lass ihn mal“ oder „Er ist eben ein wilder Junge“ im Ohr.

    Aber 2026 sind wir doch eigentlich viel weiter. Wir wissen, dass Nagellack an den Füßen nichts mit Geschlechterzuweisungen zu tun hat, dass Rosa keine ausschließliche Mädchenfarbe ist, dass auch Spielzeug keinem bestimmten Geschlecht gehört und eben auch, dass kein Geschlecht von Natur aus fleißiger ist.

    Wir sind doch alle aufgeklärt und schon weiter, dachte ich jedenfalls, bis ich diese neue Studie las

    Die Sinus-Jugendstudie 2025/2026 im Auftrag der Barmer hat ergeben, dass jede*r dritte Jugendliche unter Schulstress leidet. Es wurden bundesweit über 2.000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren befragt: „Wie sehr beeinträchtigen die folgenden Dinge dich und dein persönliches Leben?“– als Antwort wurde meist nicht Stress im Freundeskreis genannt, sondern vor allem mit 33 Prozent Stress in der Schule.

    Das Überraschende daran: Mädchen sind besonders betroffen

    Die Studie hat ergeben, dass sich vor allem Mädchen in der Schule unter Druck gesetzt fühlen.

     

    Insgesamt 42 Prozent gaben an, dass der Schulstress ihr Leben stark beeinträchtigen würde. Bei den Jungen sind es nur 25 Prozent.

    Ein Unterschied, der zum Nachdenken anregt.

    Aber woran liegt das?

    Gute Noten, volle To-do-Listen und der Wunsch, alles richtig zu machen: Für viele Schülerinnen gehört Leistungsdruck zum Schulalltag. Zwar sind nicht alle Mädchen gleichermaßen davon betroffen und auch Jungen erleben schulischen Stress.

    Trotzdem berichten Mädchen im Durchschnitt häufiger von Sorgen, hohen Erwartungen und dem Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

    Ein Grund dafür kann in den Erwartungen liegen, die Mädchen auch heute noch von klein auf vermittelt bekommen. Sie werden häufig dafür gelobt, fleißig, ordentlich, zuverlässig und angepasst zu sein. Daraus kann sich der Anspruch entwickeln, immer alles richtig machen zu müssen. Ein schlechter Test ist dann nicht einfach nur eine schlechte Note, sondern kann sich schnell wie ein persönliches Versagen anfühlen.

    Die Kommentare zeigen, dass die Ursache in der Vergangenheit liegt

    Auch ZDFheute griff das Thema auf Instagram auf. Die Kommentare unter dem Beitrag verdeutlichen noch einmal, wo einige Nutzerinnen und Nutzer die Ursachen für den hohen Leistungsdruck bei Mädchen sehen.

    Eine Userin schrieb beispielsweise: „Weil Erziehung von klein auf vermittelt: Aufgrund des weiblichen Geschlechts wird von dir erwartet, brav und fleißig zu sein. Mädchen tragen schon in Familie und sozialen Gefügen mehr Mental Load, während Jungen mehr sein dürfen – frecher, lauter, verspielter. ‚Er ist halt ein Junge‘. Deshalb fällt es Mädchen in der Schule leichter, ruhig zu sitzen, gleichzeitig sind sie aber von klein auf gestresster. Verschiedene Rollenideale von klein auf tun uns allen nicht gut, egal welches Geschlecht.“

    Ein weiterer Kommentar nimmt hingegen das gesellschaftliche System als Ursache in den Blick: „Das ganze kapitalistische System ist auf Konkurrenzkampf getrimmt. Zusätzlich haben es Frauen in diesem patriarchalen System noch schwerer. Da ist es kaum überraschend, dass nicht nur Erwachsene im Burnout landen, sondern schon jüngere Menschen permanent gestresst sind.“

    Jungs würden weniger über ihre Bedürfnisse sprechen

    Eine andere Überraschung in der Diskussion: Besonders viele männliche User kommentierten, dass diese Zahlen wohl daran liegen würde, dass Jungs weniger über ihre Gefühle sprechen würden. Wenn sie gestresst seien, würden sie es nicht veräußern, sondern sich andere Ventile suchen.

    Mädchen sind die fleißigen Bienen der Klasse? Warum hält sich diese Behauptung so hartnäckig?
    Mädchen sind die fleißigen Bienen der Klasse? Warum hält sich diese Behauptung so hartnäckig? Foto: Unsplash

    Das Schulsystem sollte sich ändern, damit der hohe Druck gar nicht erst entsteht

    Als Mama von zwei Mädchen wünsche ich mir für alle Kinder, dass ein besonderer Blick aufs Schulsystem gerichtet wird, damit sich alle Schüler:innen weniger gestresst fühlen: Weniger Fokus auf Noten, realistischere Arbeitsbelastungen und mehr individuelle Förderung könnten den Druck deutlich reduzieren. Gleichzeitig sollte psychische Gesundheit stärker berücksichtigt und offen über Stress und Überforderung gesprochen werden – und zwar mit allen.

    Vor allem aber sollte Schule vermitteln: Fehler sind ein Teil des Lernens – und der eigene Wert hängt nicht von einer guten Note ab.

    Und besonders meinen Mädchen und ihren Freund:innen möchte ich mitgeben:

    Eure Leistung bestimmt nicht euren Wert. Fehler gehören zum Lernen dazu – und niemand muss in der Schule perfekt sein.

    Und die neuen Zahlen belegen noch einmal, dass wir auch 2026 uns nicht zurücklehnen können, sondern, dass es immer noch viel zu tun gibt.

     

    Habt ihr auch das Gefühl, dass sich Mädchen heute noch mehr unter Druck setzen und kennt ihr auch diese alten Rollenklischees? Verratet es in den Kommentaren. 

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