„Hallo, ich bin Lara-Victoria, Jahrgang 1992 und Mama von zwei wundervollen Kindern, die 2021 und 2022 geboren sind. Das Leben mit ihnen ist intensiv, lebendig und voller kleiner, großer Momente. Sie haben meine Perspektive auf so vieles noch einmal ganz neu verändert – zum Beispiel auf meinen Job.
Ich arbeite seit über sieben Jahren als Managerin für Marketing und neue Geschäftsfelder – und liebe bis heute die Vielfalt und Dynamik meines Jobs. Schon vor der Geburt meiner Kinder war mir wichtig, beruflich nicht aufs Abstellgleis zu geraten. Ich wollte weiterhin spannende Projekte verantworten und Teil von Entwicklung und Wachstum sein. Gleichzeitig habe ich mir eine Arbeitswelt gewünscht, die Raum für Familie lässt.
Nach der Geburt wurde mir schnell klar, dass sich nicht nur meine Prioritäten, sondern auch meine beruflichen Rahmenbedingungen verändern müssen.
Drei Stunden Pendeln am Tag waren für mich einfach nicht mehr vorstellbar – und auch bei meinem damaligen Arbeitgeber habe ich gemerkt, dass meine Rolle nicht mehr ganz zu meinen Erwartungen gepasst hat. Hinzu kam der Traum Mamas miteinander zu vernetzen, ihnen den Support zu geben, den sie in der ersten Zeit mit Baby benötigen und einen Raum zum Austauschen zu schaffen. Es begann mit einer leisen Idee und wuchs während der Elternzeit immer stärker zu einer Passion heran.
Ich höre oft von Mamas, das es ihnen ähnlich geht, weil man in der Elternzeit zum ersten Mal Zeit findet zu reflektieren, ob die aktuelle Karriere noch zu einem passt und ob sich der Job mit der neuen Identität als Mama wirklich vereinen lässt.
Aber kann ich alleine von meinem Traum auch leben? Ich habe mich erstmal für eine Zwischenlösung entschieden und mir ein Setup aufgebaut, das beide Welten miteinander vereint: ein Job als Produktmanagerin, ebenfalls in der Medizintechnik, der mich fordert und inspiriert, und eine Führungskraft, die selbst Mutter ist und versteht, dass Ambitionen nicht mit der Elternschaft enden. Gleichzeitig lässt sie mir den Raum, mein eigenes Business aufzubauen, das ich während meiner Elternzeit gegründet habe: Das Tiny Hamburg – ein Ort in Hamburg-Winterhude für Mütter, in dem wir viele Kurse anbieten, Events veranstalten, Raum zum Austauschen bieten und Mamas miteinander verbinden.
Das Gründen während der Elternzeit war aber nicht nur leicht.
Der Wunsch nach einem eigenen Unternehmen entstand ganz ehrlich aus einem eigenen Bedarf heraus. Ich habe einen Ort gesucht, an dem Eltern sich wirklich gesehen, gehört und willkommen fühlen – gemeinsam mit ihren Kindern. Einen Ort, an dem man nicht nur Kurse besuchen, sondern auch Termine wie Osteopathie oder Massagen mit Baby wahrnehmen kann. 2022 gab es so ein Konzept für mich noch nicht.
Also habe ich während meiner Elternzeit eine Ausbildung zum Familien- und Elterncoachin gemacht und schnell gemerkt, dass ich mein Wissen weitergeben möchte. Durch meinen beruflichen Hintergrund im Marketing und Business Development habe ich mein Branding selbst entwickelt, meine Marke aufgebaut und geschützt, den Businessplan geschrieben und mein „Online-Zuhause“ geschaffen.
Ich habe Flyer gedruckt und sie beim Spazierengehen an andere Mamas verteilt, erste Kurse kostenlos angeboten, um ehrliches Feedback zu bekommen – und auch, um für mich selbst zu spüren, ob es sich richtig anfühlt.
Viele von uns zweifeln, ob wir neue Wege gehen dürfen – gerade mit Kindern. Aber wenn du spürst, dass dein Herz für etwas anderes schlägt, dann geh los.
Wenige Wochen nach der ersten Idee wusste ich sicher: Ich traue mich. Und habe mein eigenes Studio angemietet. Mein Rat: Traut euch. Wir werden noch viele Jahre arbeiten. Und ich möchte meinen Kindern vorleben, wie erfüllend es sein kann, einen Beruf zu haben, der wirklich glücklich macht.
Gründen mit Baby – wie bekommt man das gewuppt?
Ich habe meine jüngste Tochter Lene in der Trage zu Gründungsterminen, Messebesuchen und sogar auf die Baustelle mitgenommen – mit Ohrschützern und ganz nah bei mir. Sie war meist zufrieden, denn sie brauchte vor allem mich. Na klar, auch ich war müde von zerrenden Nächten oder musste Pläne umstellen, wenn das Baby krank war, dann habe ich versucht, mich nicht unter Druck zu setzen, einen Schritt nach dem nächsten zu gehen und flexibel zu bleiben. Es läuft nicht immer alles nach Plan.
Gleichzeitig hatte ich das große Glück, eine Familie zu haben, die mich jederzeit unterstützt hat. Ich glaube, wenn man ein klares Ziel hat und zu 1000 Prozent von seiner Idee überzeugt ist, fühlt sich vieles leichter an, als es vielleicht von außen wirkt.
Ich versuche, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Denn selbst mit viel Planung lässt sich nicht alles kontrollieren. Statt mich zu stressen oder über Dinge zu ärgern, spüre ich vor allem große Dankbarkeit – für zwei gesunde Kinder, meinen Partner und meine Familie.
Die Bürokratie in Deutschland bringt mich teilweise bis heute an meine Grenzen. Es kommen immer wieder neue Themen auf einen zu – gerade auch beim Einstellen von Mitarbeiterinnen, was aus meiner Sicht deutlich einfacher sein könnte.
Auch finanziell gibt es nur begrenzte Unterstützung. Da ich nicht aus der Arbeitslosigkeit gegründet habe, hatte ich keinen Anspruch auf den Gründungszuschuss. Die ersten zwei Jahre habe ich daher praktisch ohne Gehalt gearbeitet und alles ins Unternehmen reinvestiert. Aber das Wachstum zu sehen und mitzuerleben, wie sich alles entwickelt und aufblüht, ist unglaublich motivierend – und zeigt mir immer wieder, dass sich dieser Weg lohnt.
Trotzdem musste ich auch gut lernen auf mich und meine Ressourcen aufzupassen
Ein großes Learning war zum Beispiel, dass ich nicht 24/7 erreichbar sein muss – zumindest nicht für alles und jeden. Am Anfang habe ich jede Anfrage angenommen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass jede zusätzliche Beratung auch eine Entscheidung gegen Zeit mit meinen eigenen Kindern ist.
Heute delegiere ich mehr, gebe Anfragen an mein Team weiter oder schlage bewusst andere Termine vor.
Trotzdem: Gedanklich ist man immer im eigenen Business. Es gibt selten einen klaren Feierabend. Genau deshalb versuche ich, mir aktiv Pausen zu gönnen – durch Sport, kleine Auszeiten und bewusste Momente nur für mich.
Ich selbst habe mich 2026 weitestgehend aus dem Kursgeschehen zurückgezogen, um meine Ressourcen zu schützen. Dafür kümmere ich mich heute stärker um Events, Brand-Kooperationen, unser Sortiment und mein Team. Seit Ende 2025 habe ich außerdem Annika als Partnerin an meiner Seite – gemeinsam führen wir Tiny Hamburg und entwickeln es weiter.
Heute ist das Tiny Hamburg ein Ort für Familien – mitten in der Stadt und gleichzeitig ein geschützter Raum zum Ankommen, Durchatmen und Verbinden. Im Mittelpunkt steht eine bindungsorientierte Begleitung rund um Schwangerschaft, Babyzeit und die ersten Jahre mit Kind. Es geht nicht um Perfektion, sondern um ein bewusstes, informiertes Elternsein.
Wir verbinden Wissen mit Alltag – in Kursen, Beratungen und Events zu Themen wie Tragen, Schlafen, Ernährung oder Mobilität. Gleichzeitig schaffen wir Raum für Begegnung und echte Community. Ergänzt wird das Konzept durch eine kuratierte Auswahl an Produkten, die den Familienalltag wirklich erleichtern.
Das beschäftigt die Mamas bei uns aktuell am meisten
Ein großes Thema in unseren Kursen ist die Veränderung der Partnerschaft. Viele Mamas fühlen sich nicht gesehen, manchmal allein gelassen oder vermissen die Verbindung zu ihrem Partner.
Ein Kind verändert vieles – und oft stellt es eine Beziehung erstmal auf die Probe. Darüber wird vorher wenig gesprochen, obwohl es so vielen ähnlich geht.
Genau dann weiß ich, dass ich beruflich den richtigen Weg eingeschlagen habe und dass sich alle Herausforderungen rund ums Gründen gelohnt haben, denn Mamas fühlen sich weniger allein.
Es gibt mir so viel Kraft Mamas miteinander zu verbinden. Zu sehen, wie in unseren Räumen Freundschaften entstehen und sich echte Unterstützung entwickelt, bedeutet mir unglaublich viel. Ich liebe wirklich alles an meinem Job – selbst die kleinen, unsichtbaren Aufgaben. Wenn ich das Studio vorbereite, weiß ich, wofür ich es tue.
Für die Zukunft wünschen wir uns, tiny in weitere Städte zu bringen. Mehr Orte zu schaffen, an denen Familien sich willkommen fühlen, sich vernetzen und gemeinsam wachsen können. 🤍 Mein Tipp: Es lohnt sich auf dieses Gefühl im Bauch zu hören, wenn man in der Elternzeit von einem anderen Beruf träumt und einmal den Reset-Knopf zu drücken. Es wird nicht immer leicht – vor allem nicht mit kleinem Baby in der Trage vor der Brust, doch schlussendlich kann ich sagen, dass das Gefühl seiner Passion zu folgen unbezahlbar ist.“
Danke liebe Lara für das Teilen deiner Geschichte.
Träumst du auch von einem eigenen Business und wenn ja, was würdest du gern beruflich umsetzen? Verrate es uns in den Kommentaren.
So toll, was die beiden aufgebaut haben! Ich kenne Lara schon lange und freue mich immer, wenn ich im Tiny bin.
Etwas ganz Tolles, was da geschaffen wurde! Ich war selbst schon im Tiny und finde es wunderschön dort – gemütlich und ideal für Kids & Familien.
Ich spüre richtig die Leidenschaft für den Job bei Lara und Annika -wie toll, dass sie sich getraut haben das Tiny zu gründen!
Ich find es einfach super mutig und toll, sich als frische Mama selbstständig zu machen. Ich hätte da immer und immer wieder so viele Geldsorgen, aber an sich selbst glauben, kann echt Berge versetzen