Pseudokrupp: Richtig reagieren, wenn der nächtliche Schrecken kommt

Es ist eine Situation, die Eltern so schnell nicht wieder vergessen: Mitten in der Nacht wachen sie davon auf, dass ihr Kind bellend hustet, panisch weint und vielleicht sogar nach Luft ringt. Besonders, wenn er das erste Mal vorkommt, versetzt so ein Anfall die Eltern in Angst und Schrecken. Zu furchtbar sind diese pfeifenden Geräusche, zu schlimm die Panik des erschrockenen Kindes.

Leider ist so ein Erlebnis gar nicht so selten, es handelt sich dabei um Pseudokrupp.

Was genau dahinter steckt und wie man am besten reagiert, das weiß Dr. med. Snježana-Maria Schütt. Die Kinderärztin aus Lübeck hat uns die wichtigsten Fragen zum Thema Pseudokrupp beantwortet.

Was ist Pseudokrupp und was passiert während eines Anfalls?

„Pseudokrupp ist eine Atemwegserkrankung. Dabei kommt es – meist durch eine Viren-Infektion – zur Schwellung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes, unterhalb der Stimmritze,“ erklärt Dr. Schütt. Die geschwollene Schleimhaut führt zu einer Einengung der Atemwege, und zwar möglicherweise bis hin zu einer akuten Atemnot. Deswegen KANN „in schwerwiegenden Verläufen!!!“ der Pseudokrupp sogar lebensbedrohlich sein.

Die Kinderärztin: „Typisch für Pseudokrupp sind Hustenanfälle, die sehr trocken sind und sich anhören, als ob ein Hund oder auch ein Seehund bellen würde. Die Anfälle treten hauptsächlich in der Nacht und tatsächlich oftmals aus heiterem Himmel auf. Häufig wiederholen sie sich in den darauffolgenden Nächten, dann aber meist nicht so heftig.“

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Welche Ursachen hat Pseudokrupp und warum trifft es meist nur kleine Kinder?

In den meisten Fällen wird ein Anfall durch Viren ausgelöst. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten schwirren die typischen Erkältungsviren überall herum und bewirken Entzündungen – und gerade bei kleinen Kindern auch Schwellungen – der Atemwege. Deswegen kommt Pseudokrupp auch vorwiegend in der kalten Jahreszeit vor. Darüber hinaus können aber auch einige Bakterien oder Allergene einen Pseudokrupp-Anfall verursachen.

Wenn Kinder in Raucher-Haushalten leben und hier passiv mitrauchen, löst das zwar allein keinen Pseudokrupp aus, hat aber einen deutlich begünstigenden Effekt.

Die Kinderärztin: „Es trifft meist Säuglinge und Kleinkinder, da bei ihnen der Bereich der Luftröhre und des Kehlkopfes noch sehr eng ist. Bereits bei Schulkindern kommt Pseudokrupp schon deutlich seltener vor. Übrigens sind – statistisch gesehen – Jungen und Kinder, die zu Übergewicht neigen, am häufigsten betroffen.“ Meistens kommt es in der Nacht zu Husten und Atemnot. „Hier vermutet man, dass die Ursache für diesen Zeitpunkt die Kortisonproduktion des Körpers ist, die dann auf ein Minimum heruntergefahren wird.“

Die Diagnose: Wie stellt der Arzt fest, dass es sich wirklich um Pseudokrupp handelt?

Die typischen Symptome erlauben meist schon die Diagnose Pseudokrupp. Tatsächlich sollte man aber mit seinem Kind besonders nach dem ersten Anfall unbedingt rasch zum Kinderarzt gehen, damit dieser den Verdacht sichern und den Schweregrad der Erkrankung richtig einschätzen kann. Auch ein anfangs scheinbar leichter Pseudokrupp-Anfall kann sich in seinem Verlauf verstärken – beispielsweise, wenn das Kind Panik bekommt. Daher sollte er vom Kinderarzt abgeklärt werden. Und: Der Besuch in der Praxis ist auch wichtig, um eine gefährliche Kehldeckelentzündung auszuschließen, die sich ähnlich äußern kann.

Welche Schweregrade gibt es beim Pseudokrupp?

Ärzte teilen Pseudokrupp in vier Schweregrade ein. Die meisten Fällen sind glücklicherweise leichte Verläufe (Schweregrad 1-2). Dabei haben die Kinder neben Heiserkeit und dem bellenden Husten keine oder allenfalls eine leichte Atemnot, wenn sie in Panik geraten. In schwerwiegenderen Fällen (Grad 3-4) besteht bereits in Ruhe eine Atemnot, die die Kinder panisch werden lässt – mit dem Resultat, dass die Erstickungsgefühle immer schlimmer werden oder zur realen Erstickungsgefahr werden.

Dr. Schütt: „Eine Atemnot beim Kind erkennt man an folgenden Punkten:

• Haut zieht sich während des Einatmens ein, z. B. zwischen den Schlüsselbeinen.

• beim Einatmen pfeift es

• die Nasenflügel bewegen sich beim Einatmen mit

• die Atmung geht sehr schnell

• die Haut ist blass, die Lippen bläulich verfärbt

Eines ist sehr wichtig: Bei Atemnot muss bitte immer sofort der Notarzt gerufen werden!

Wie handele ich am besten, wenn mein Kind einen Anfall hat?

„Grundsätzlich das Allerwichtigste, wenn auch in der Situation superschwer: Ruhe bewahren und versuchen, das Kind zu beruhigen! Denn durch die geschwollene Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder kann es, wie oben beschrieben, zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Atemnot kommen. Diese wiederum führt zu Erstickungsängsten und zunehmender Unruhe, was dann zu einer Verschlimmerung der Symptome führt. Dieser Teufelskreis sollte daher unbedingt durch die Eltern durchbrochen bzw. sogar komplett vermieden werden, wenn das klappt,“ betont die Kinderärztin.

Dafür können die Eltern ihr Kind hochnehmen oder aufrecht hinsetzen. Um den Hustenreiz und die Atmung zu beruhigen, hilft am besten feuchte, kühle Luft. „Zieht euer Kind an oder wickelt es fest in eine Decke. Am besten geht ihr dann ins Freie. Wenn das aus irgendeinem Grund nicht geht, kann man auch versuchen, sich wenigstens ans weit geöffnete Fenster oder auch vor den geöffneten Kühlschrank zu stellen!“ rät Dr. Schütt. „Eine Inhalation mit Kochsalzlösung hätte übrigens einen ganz ähnlichen Effekt. Im Akutfall wird ein Kind aber die Inhalationsmaske kaum in seinem Gesicht tolerieren.“

Wenn sich das Kind dann beruhigt hat, bietet man ihm schlückchenweise kühles Wasser oder kalten Tee an.

Leidet das Kind unter Atemnot (Symptome siehe weiter oben), bitte sofort den Notarzt rufen!

Therapie: Kann der Arzt etwas machen, z. B. durch Medikamente?

Gegen die häufigste Ursache der Erkrankung, nämlich Viren, gibt es keine spezifische Therapie. Man kann immer nur die begleitenden Erkältungssymptome lindern.

Der Kinderarzt kann vorsorglich ein Kortison-Präparat verschreiben, das bei einem eventuellen nächsten Anfall die Atemnot lindern kann.

Dr. Schütt: „Ich weiß aus meiner praktischen Erfahrung, dass viele Eltern Angst vor Kortison haben. Kurz gesagt: Wird dieses Hormon, das der Körper auch selbst produziert, bei schwerwiegenden Erkrankungen über einen langen Zeitraum und in hohen Dosen eingesetzt, kann es verschiedenste und ja, auch schwere Nebenwirkungen haben. Aber in diesem Fall, einer auf das Körpergewicht des Kindes angepassten Dosis und sehr kurzen Therapiedauer, müssen Eltern diese Nebenwirkungen nicht fürchten!

Ganz im Gegenteil: Wenn das Kind unter Atemnot leidet, ist es in einem potenziell lebensbedrohlichen Zustand und benötigt schnellstmöglich eine Therapie, die zu einer Linderung führt, hier eben das Kortison.“

Wichtig: Kortison wirkt erst nach 20-30 Minuten, so dass das Kind trotzdem unbedingt beruhigt und an die frische Luft gebracht werden sollte – und zusätzlich sofort der Notarzt informiert.

„In manchen Fällen von Pseudokrupp (meist bei mittleren oder schweren Verläufen) verschreibt der Arzt zudem Adrenalin-Präparate zum Inhalieren.“ erklärt die Kinderärztin.

Foto: Bigstock

Zu guter Letzt: Können Eltern denn vorsorgen, um einen Pseudokrupp-Anfall unwahrscheinlicher zu machen?

Die beste – und leider auch einzige – Vorsorge gegen Pseudokrupp ist die, die hilft, Infekte zu vermeiden. Also die Abwehrkräfte durch eine ausgewogene Ernährung, viel Flüssigkeit, ausreichend Schlaf und genügend Bewegung, am besten an der frischen Luft, zu stärken.

Dr. Schütt: „Da die Diphtherie-Erreger und Erreger der gefährlichen Epiglottitis (Haemophilus influenzae) ähnliche Symptome verursachen können, ist gerade auch in diesem Zusammenhang ein ausreichender und kompletter Impfschutz als Vorsorge wichtig! Und: Ein weiterer vorbeugender Effekt ist ein Haushalt, in dem nicht geraucht wird.“

Wir wünschen jeder Mama, dass sie so einen Anfall nie miterleben muss. Wenn es denn doch passiert, versucht bitte  immer daran denken: Ruhe zu bewahren ist das A und O!

 

Foto: privat

Unsere Expertin: Kinderärztin Dr. med. Snježana-Maria „Snježi“ Schütt, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin aus Lübeck.

Auf ihrem Blog www.die-kinderherztin.de findet ihr alles, was die „Kinderherztin“ liebt: Hilfreiche Texte über medizinische Themen, leckere Rezepte, Reiseberichte und coole Bastel-Tipps.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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