Vanessa wurde selbst sehr früh Mutter, mit gerade mal 17 Jahren – und mit 37 hält sie plötzlich ihr eigenes Enkelkind im Arm.

Inhalt dieses Artikels

    „Ich bin Vanessa, 38 Jahre alt, Mama von vier Töchtern im Alter von fünf bis 20 Jahren – und seit Kurzem auch Oma.

    Im letzten Jahr rief meine Älteste mich plötzlich nachts an. Ich wusste sofort: Irgendetwas ist anders. Sie sagte mir, dass sie schwanger sei und ich war erstmal sprachlos. Nicht, weil ich es schlimm fand – sondern weil ich es einfach nicht erwartet hatte.

    Ich musste mich sammeln.

    Am nächsten Tag haben wir in Ruhe gesprochen. Und für mich war sofort klar: Egal, was sie entscheidet – ich bin da. Ohne Wenn und Aber. Ich glaube, genau das ist eines der wichtigsten Gefühle in so einer Situation: zu wissen, ich bin nicht alleine.

    Natürlich hatte ich mir für sie ein anderes Timing vorgestellt. Dass sie erstmal ihr Leben lebt, Erfahrungen sammelt. Aber wer sagt eigentlich, dass ein Kind das verhindert? Für sie fühlte es sich richtig an – und am Ende ist genau das entscheidend.

    Oma zu sein – das war für mich erstmal ein Gedanke, an den ich mich gewöhnen musste. Es war in meinem Kopf noch so weit weg.

    Ich hatte kein Bild davon, keine Vorstellung. Und dann ist man plötzlich mittendrin.

    Ich bin selbst mit 17 Mutter geworden.

    Meine erste Schwangerschaft war nicht geplant. Ich war mitten im ersten Ausbildungsjahr, hatte das Gefühl, mein Leben fängt gerade erst an – und dann war ich schwanger.

    Als wir es damals am 1. April erzählt haben, dachten erstmal alle, es wäre ein Scherz. Ich konnte es auch selbst gar nicht richtig glauben. Mit der Zeit wurde aus dieser Nachricht Realität. Und mein Leben hat sich komplett verschoben. Freundschaften haben sich verändert.

    Ich habe meine Ausbildung trotzdem durchgezogen.

    Sogar als Jahrgangsbeste – und später noch BWL studiert. Nicht, weil es leicht war. Es war oft einfach nur anstrengend: wenig Schlaf, viel Druck, kaum Raum für mich.

    Aber ich hatte diesen inneren Antrieb: Ich will, dass mein Kind stolz auf mich sein kann.

    Meine Mutterschaft hat sich nie geplant angefühlt – eher wie ein Weg, der sich Schritt für Schritt ergeben hat.

    Nach meiner dritten Tochter war ich eigentlich sicher: Das war’s. Meine Familie ist komplett. Und dann kam unsere Jüngste. Und plötzlich hat sich nochmal alles verschoben – im schönsten Sinne. Seitdem fühlt es sich wirklich rund an.

    Ich liebe es, Mama zu sein.

    Meine Kinder zu begleiten, wie sie wachsen, wie sie sich entwickeln, wie sie ihren eigenen Kopf bekommen. Diese Dynamik zwischen ihnen – manchmal laut, manchmal chaotisch, aber immer voller Leben.

    Vanessa und ihr drei jüngeren Kids.
    Vanessa und ihr drei jüngeren Kids.

    Genauso liebe ich auch Momente, die ich ganz für mich habe. Beides darf sein.

    Letztes Jahr im Sommer kam das Baby meiner Tochter zur Welt.

    So bekam ich also mit 37 Jahren mein erstes Enkelkind. Meine jüngste Tochter ist damit schon mit vier Jahren Tante geworden. Für viele vermutlich erst einmal eine ungewohnte Vorstellung. Aber meine Töchter sind unglaublich stolze Tanten.

    Es ist so schön zu sehen, wie liebevoll und neugierig sie mit ihrem kleinen Neffen umgehen. Und ja – bis er anfängt zu schreien. Dann ist die Begeisterung manchmal ganz schnell wieder vorbei.

    Der geringe Altersunterschied macht sich dabei natürlich bemerkbar.

    Für Außenstehende ist das oft erstmal schwer einzuordnen – gerade, wenn wir gemeinsam unterwegs sind und erklären müssen, dass es nicht mein Sohn ist, sondern mein Enkel. Daran mussten wir uns alle erst gewöhnen.

    Auch die Reaktionen im Umfeld waren gemischt. Überraschung – ganz klar. Und plötzlich hatten viele Menschen eine Meinung dazu. Da habe ich schnell gemerkt: Manche Dinge ändern sich einfach nie.

    Aber enge Freunde und Familie haben nach der ersten Überraschung sehr liebevoll reagiert. So nach dem Motto: ‚Wir kennen euch – das wird anders, aber gut.‘

    Heute sehe ich meine Tochter als Mama – und bin wirklich stolz auf sie.

    Sie hat eine Ruhe in sich, die mich beeindruckt. Eine Präsenz, die man nicht lernen kann – die einfach da ist.

     

    Vanessa hält stolz ihren Enkel in den Armen.
    Vanessa hält stolz ihren Enkel in den Armen. Foto: Privat

    Was mir dabei wichtig ist: meine Tochter nicht zu verlieren. Sie ist jetzt Mama – ja. Aber sie ist auch immer noch meine Tochter. Mit all ihren Gefühlen, Zweifeln und Momenten von Überforderung.

    Ich freue mich jedes Mal, wenn sie sich meldet. Wenn sie mich teilhaben lässt. Wenn sie Unterstützung möchte. Diese Verbindung ist nichts, was ich für selbstverständlich halte.

    Die Wahrheit ist: Muttersein ist immer eine riesige Veränderung im Leben. Egal, ob mit 17 oder mit 37.

    Ich finde, wir machen es uns oft zu einfach, wenn wir sagen: ‚Du hast es dir ja ausgesucht, Mama zu sein.‘ Damit sprechen wir Frauen genau die Gefühle ab, die sie eigentlich am meisten brauchen, um gesehen zu werden.

    Beruflich begleite ich heute Frauen durch Krisen und schwierige Lebensphasen – aus eigener Erfahrung heraus. Außerdem spreche ich in meinem Podcast ‚any questions‘ über das echte Leben, über Zweifel und Perspektiven. Nicht perfekt, sondern ehrlich.

    Ich kenne dieses Gefühl, funktionieren zu müssen, während innerlich alles wackelt.

    Und ich weiß, wie still es manchmal um uns Frauen wird, wenn wir versuchen, alles alleine zu tragen. Genau daraus ist mein Wunsch entstanden, andere Frauen in solchen Phasen nicht alleine zu lassen.

    Ich würde mir wünschen, dass wir Mamas uns mehr gegenseitig sehen. Ohne Bewertung. Ohne dieses ständige Vergleichen. Vielleicht einfach mal ein ehrliches ‚Ich kenn das‘.

    Vanessa und ihre Jüngste.
    Vanessa und ihre Jüngste. Foto: Privat

    Niemand kann alles perfekt machen – und es gibt auch nicht das ‚richtige‘ Alter, um Mama zu werden. Es gibt nur unterschiedliche Wege. Und am Ende sind es oft die gleichen Momente, die zählen und alle Mamas miteinander verbinden – zum Beispiel, wenn dein Kind dich anschaut und dir zeigt: „Ich hab dich lieb, Mama.“

    Vielen Dank, liebe Vanessa, dass wir deine außergewöhnliche Geschichte erzählen dürfen!

    Mehr über Vanessa und ihre Arbeit erfahrt ihr auf vanessakeller.de oder über ihr Instagram-Profil @vanessa.klarheit.

    Wie alt wart ihr bei eurem ersten Kind – was denkt ihr, wäre ein gutes Alter für euch gewesen?

    7 Kommentare

  1. User Avatar
    gina_0712

    Mein Papa war damals 16, als er Vater geworden ist und meine Oma 34 Jahre jung (auch jung Mutter geworden). Heute (mit fast 30) kann ich sagen, dass es wirklich toll ist noch so junge Eltern und auch Großeltern zu haben! Auch wenn es mal ungewöhnliche Situationen gab (mit 18 beim feiern den Vater treffen) lachen wir heute genau darüber! Ich bin ein Oma/Opa Kind durch und durch, da meine Eltern noch zur Schule gingen und/oder studiert haben und ich viel bei Oma und Opa war. Es ist wirklich toll eine so junge Oma zu haben und wir fahren heute noch gemeinsam in Urlaub und werden (manchmal) immer noch als Mutter/Tochter gesehen haha! 

  2. User Avatar
    Tamara

    Ich stelle mir das total cool vor, so eine junge Oma zu haben. 😀 

  3. User Avatar
    Andrea Woersdoerfer

    Dieser Beitrag hat mich sehr berührt – was für eine wundervolle Familie. Ich glaube es gibt nie einen passenden Zeitpunkt für Kinder. Ich würde mir für meine eigene Tochter nicht unbedingt wünschen, dass sie im Teenager Alter Mutter wird, aber ich wäre  auf jeden Fall 100 %ig für sie da, sollte es so sein. Früh Oma zu sein hat ja auch Vorteile;-)

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