Kita-Kosten in Deutschland:

Je nach Wohnort zahlen Familien für die Kita fast nichts – oder über 1.000 Euro im Monat. Wir erklären dir, wie groß die Unterschiede wirklich sind!

Inhalt dieses Artikels

    Wer sich mit anderen Eltern über Kita-Gebühren unterhält, erlebt manchmal einen kleinen Schockmoment – besonders, wenn man in unterschiedlichen Bundesländern und Kommunen lebt.

    Während manche Bundesländer kaum etwas für die Betreuung zahlen, berichten andere von mehreren hundert Euro pro Monat – teilweise sogar vierstelligen Summen. Und tatsächlich: Wie teuer ein Kita-Platz in Deutschland ist, hängt vom Wohnort ab.

    Genau darüber wird gerade auch auf LinkedIn heftig diskutiert. Die Finanzexpertin und Content Creatorin Victoria Sophie Sidhu stellt die These auf:

    „In Deutschland entscheidet nicht ihr, ob ihr euch ein Kind leisten könnt. Sondern euer Wohnort.“

    Wir haben uns angeschaut, was dran ist:

    Ganz so pauschal gesagt, ist es zwar nicht – aber der Blick auf die tatsächlichen Kita-Kosten zeigt: Die Unterschiede sind deutschlandweit wirklich enorm und Familien müssen je nach Wohnort eine unterschiedliche Last tragen.

    Dabei gibt es nicht nur preisliche Differenzen zwischen den Bundesländern, sondern auch schon die Kommune kann ausschlaggebend sein, wie tief ihr letztendlich für die Betreuung eures Kindes in die Tasche greifen müsst.

     

    Über 1.200 Euro für Kinderbetreuung: Hier wird’s für Eltern richtig teuer

    Wo tut es denn finanziell am meisten weh, wenn das Kind die Kita besucht? Laut einer Auswertung der IW (Institut der deutschen Wirtschaft) können in Bergisch Gladbach (NRW) für ein einjähriges Kind mit 45 Stunden Betreuung monatlich bis zu 1220 Euro fällig werden – abhängig vom Einkommen der Eltern.

    Bergisch Gladbach ist damit der traurige Spitzenreiter bei den Kosten für die Kinderbetreuung.

     

    Kann ich mir ein Kind noch leisten – angesichts solcher Kosten?

    Hohe Betreuungskosten können auch Auswirkungen darauf haben, ob Eltern ihre Arbeitszeit erhöhen – oder sich überhaupt für ein weiteres Kind entscheiden.

    Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten berichten viele Familien, dass Kita-Gebühren ein echter Belastungsfaktor im Alltag sind. Angesichts der sinkenden Geburtenraten ist das alarmierend.

    Doch manche Bundesländer zeigen: Kinderbetreuung geht auch günstiger.

     

    Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Kita weitgehend kostenlos

    So ist die Kita-Betreuung in Berlin seit 2018 beitragsfrei. Eltern zahlen dort in der Regel nur einen Verpflegungsanteil fürs Essen sowie mögliche freiwillige Zusatzangebote der Kita.

    Auch Mecklenburg-Vorpommern hat die Kita-Beiträge abgeschafft. Dort sind Krippe, Kindergarten und Hort grundsätzlich beitragsfrei.

    Allerdings heißt „kostenlos“ eben nicht automatisch komplett ohne Zusatzkosten: Essensgeld oder kleinere Zusatzbeiträge können trotzdem anfallen.

     

    Hamburg: Beitragsfreie Grundbetreuung

    In Hamburg sind bis zu fünf Stunden Betreuung täglich beitragsfrei. Je nach Einkommen, Betreuungsumfang und Einrichtung können allerdings Zusatzkosten entstehen – etwa fürs Essen oder freiwillige Angebote. Wer mehr Betreuung benötigt, zahlt einen Anteil, der je nach Gehalb berechnet wird. Die maximale Höchstgrenze liegt bei 190 Euro für den Elementarbereich und jede Kita kann dann noch weitere Kosten für Windeln, Verpflegung oder Zusatzangebote berechnen.

    Viele Familien sind auf die Kinderbetreuung angewiesen
    Viele Familien sind auf die Kinderbetreuung angewiesen. Foto: Adobe Stock

    Und wie sieht es in den anderen Bundesländern aus?

    Eines bitte beachten: Die tatsächlichen Kosten unterscheiden sich teilweise sogar innerhalb eines Bundeslandes deutlich, weil viele Kommunen eigene Regelungen haben.

     

    Rheinland-Pfalz

    Rheinland-Pfalz gehört zu den Bundesländern mit vergleichsweise großer Entlastung für Familien: Ab dem zweiten Geburtstag ist die Kita beitragsfrei.

    Für jüngere Kinder fallen allerdings je nach Kommune weiterhin Gebühren an – oft mehrere hundert Euro monatlich, besonders bei längeren Betreuungszeiten.

    Niedersachsen

    Das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung ist beitragsfrei, vielerorts inzwischen auch die Betreuung für ältere Kita-Kinder. Für Krippenkinder unter drei Jahren zahlen Familien häufig trotzdem mehrere hundert Euro monatlich.

    Nordrhein-Westfalen

    Hier wird es besonders kompliziert: Viele Städte arbeiten mit einkommensabhängigen Beiträgen. Manche Familien zahlen nichts, andere mehrere hundert Euro im Monat. Laut aktuellen Übersichten sind bei U3-Kindern sogar bis zu 800 Euro möglich.

    Baden-Württemberg

    Hier gibt es keine landesweite Beitragsfreiheit. Die Gebühren werden meist von den Kommunen festgelegt – und gelten als besonders hoch. Viele Familien zahlen mehrere hundert Euro im Monat.

    Bayern

    Auch Bayern hat keine komplette Beitragsfreiheit. Es gibt zwar Zuschüsse, trotzdem zahlen viele Eltern – vor allem bei kleinen Kindern – weiterhin hohe Beiträge. Für U3-Kinder liegen die Kosten oft zwischen 200 und 400 Euro monatlich.

    Los gehts, ein neuer Tag in der Kita!
    Los gehts, ein neuer Tag in der Kita! Foto: Adobe Stock

    Hessen

    In Hessen sind Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt für bis zu sechs Stunden täglich beitragsfrei. Für längere Betreuungszeiten oder Krippenkinder unter drei Jahren zahlen Familien aber je nach Stadt und Betreuungsumfang weiterhin oft mehrere hundert Euro monatlich – dazu kommen häufig noch Essenskosten.

    Brandenburg

    Brandenburg entlastet Familien inzwischen stärker als viele andere Bundesländer: Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung sind beitragsfrei. Für Familien mit niedrigerem Einkommen gibt es außerdem zusätzliche Entlastungen.

    Für Krippenkinder unter drei Jahren fallen je nach Einkommen und Betreuungsumfang weiterhin Beiträge an, die in manchen Fällen bei rund 200 Euro monatlich liegen können.

    Bremen

    In Bremen ist der Kindergarten ab drei Jahren beitragsfrei. Für Krippenkinder unter drei Jahren zahlen Familien weiterhin Beiträge.

    Saarland

    Die Gebühren wurden zuletzt deutlich reduziert, komplett kostenlos ist die Betreuung aber nicht überall.

    Sachsen

    Sachsen gehört weiterhin zu den Bundesländern ohne umfassende Beitragsfreiheit. Die Höhe der Gebühren richtet sich häufig nach den jeweiligen Kommunen und dem Betreuungsumfang.

    Sachsen-Anhalt

    Auch hier gelten je nach Stadt und Kommune unterschiedliche Gebühren. Im Schnitt zahlen Familien laut Landesangaben rund 145 Euro für den Kindergarten und etwa 184 Euro für einen Krippenplatz pro Monat – teilweise aber auch deutlich mehr.

    Schleswig-Holstein

    Schleswig-Holstein gehörte früher zu den teuersten Bundesländern bei den Kita-Kosten. Mittlerweile gibt es zwar einen Beitragsdeckel, günstig ist Betreuung für viele Familien trotzdem nicht: Für einen Ganztagsplatz zahlen Eltern je nach Alter des Kindes aktuell bis zu rund 230 Euro monatlich – Essensgeld noch nicht eingerechnet.

    Thüringen

    In Thüringen ist das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung beitragsfrei, teilweise gelten auch für jüngere Kinder Entlastungen. Trotzdem zahlen viele Familien – je nach Kommune und Betreuungsumfang – weiterhin mehrere hundert Euro im Monat, besonders bei Krippenkindern unter drei Jahren.

    Warum fallen die Kitakosten so unterschiedlich aus?

    Einheitliche Kita-Gebühren gibt es in Deutschland nicht, weil die Regelungen von Bundesländern und Kommunen unterschiedlich festgelegt werden – deshalb unterscheiden sich die Kosten je nach Wohnort teilweise enorm.

    Das Institut der deutschen Wirtschaft spricht deshalb selbst von einem „Flickenteppich“ bei den Kita-Gebühren.

    Entscheidend sind unter anderem:

    • das Alter des Kindes

    • der Betreuungsumfang

    • oft auch das Einkommen der Eltern

    Auch das IW sieht die massiven Unterschiede kritisch. Laut der Auswertung müssten die Kita-Gebühren bundesweit eigentlich vollständig abgeschafft werden, wenn Familien überall gleich behandelt werden sollen.

    Gleichzeitig betonen die Forschenden aber auch: Die Systeme sind extrem unterschiedlich organisiert und deshalb nur bedingt vergleichbar.

     

    Kein Wunder, dass die Kita-Kosten zu Diskussionen führen.

    Während manche Familien kaum Betreuungskosten zahlen, müssen andere jeden Monat enorme Summen stemmen, obwohl alle eigentlich denselben Anspruch auf Betreuung haben.

    Oder wie Victoria Sidhu schreibt:

    „Ein Kind ist ein Kind – egal ob in München, Mecklenburg oder Mannheim.“

    Fachleute und Verbände fordern seit Jahren gerechtere und einheitlichere Lösungen. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Kita-Betreuung bundesweit kostenlos werden sollte – ähnlich wie die Schule später auch.

     

    Enorme Kosten vs. Recht auf Betreuung für alle

    Befürworter:innen argumentieren, dass frühkindliche Betreuung keine Frage des Wohnorts oder Einkommens sein dürfe. Kritiker:innen geben dagegen zu bedenken, dass die vollständige Beitragsfreiheit enorme Kosten verursachen würde und vielerorts schon jetzt Personal und Plätze fehlen.

     

    Wie sieht es bei euch aus? Findet ihr die Unterschiede zwischen den Städten und Bundesländern fair?

    3 Kommentare

  1. User Avatar
    Emmi

    Absolut verrückt, wie groß die Unterschiede in Deutschland sind. Dass manche Familien fast nichts zahlen und andere für dieselbe Leistung eine vierstellige Summe hinblättern müssen, ist durch nichts zu rechtfertigen 😐 

  2. User Avatar
    Marie

    Ja genau, ich würde mir auch eine einheitliche Lösung deutschlandweit wünschen.

  3. User Avatar
    Lauraa

    Es ist schade, dass Eltern in Deutschland oft noch um bezahlbare Betreuungsplätze kämpfen müssen, während andere Länder zeigen, dass es auch anders geht. Kinderbetreuung ist keine Luxusleistung, sondern eine wichtige Unterstützung für Familien. Je einfacher Eltern Familie und Beruf vereinbaren können, desto mehr profitieren am Ende alle davon. 💛