Mutter-Vater-Kind oder eine Playmobil-Schlacht? Viele Kinder lieben Rollenspiele und haben euch bestimmt auch schon mal gefragt, ob ihr mitspielt. Warum ihr das unbedingt tun solltet, verrät unsere Expertin.

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    „Du bist jetzt im Spiel die Oma und dann würdest du fragen…“ Als Mamas kennen wir diese Szenen vermutlich sehr gut: Unsere Kinder denken sich Rollenspiele aus, bei denen wir unbedingt mitmachen müssen – unsere Rolle ist dabei klar definiert, sogar der Text oft vorgegeben. Was den Kleinen so viel Spaß macht, kann als Mama schon mal anstrengend werden. Vor allem, wenn man tausend andere Dinge erledigen müsste, während man „im Spiel die Oma ist.“

    Aber: Rollenspiele sind für Kinder super wichtig, in ihnen können sie ganz viel lernen – und oft profitieren wir später als Eltern davon, wenn Kinder ganz viel Zeit in dieser Art des Spiels verbringen. Warum das so ist und wie wir es schaffen, dass wir selbst und die Kinder Rollenspiele genießen: Das erfahrt ihr hier.

    Was Rollenspiele so wertvoll macht

    Im Kaufladen spielen, im Sofakissen-Auto in den Urlaub fahren, eine Kuscheltier-Praxis eröffnen oder eine Familie mit Puppen-Baby gründen: Rollenspiele können ganz unterschiedlich aussehen – aber sie haben immer ähnliche Effekte. „Sie helfen Kindern, Erlebtes zu verarbeiten, sie unterstützen die Kreativität, das Sozialverhalten, die Konzentration und die Empathie. Und sie helfen Kindern, überhaupt ins Spielen zu kommen“, sagt Heike vom Heede, die als Familiencoach und Pädagogin schon sehr viele Eltern und Kinder begleitet hat.

    Als Familiencoach und Pädagogin begleitet Heike vom Heede seit Jahren Familien und bekommt auch oft Fragen zum gemeinsamen Spielen gestellt. Foto: Heike vom Heede
    Als Familiencoach und Pädagogin begleitet Heike vom Heede seit Jahren Familien und bekommt auch oft Fragen zum gemeinsamen Spielen gestellt. Foto: Heike vom Heede

    Es gibt sogar Studien, die die positiven Effekte von Rollenspielen zeigen: So kam bei einer australischen Untersuchung im März 2026 heraus, dass Rollenspiele die mentale Gesundheit stärken.

    Wer im Kleinkindalter viel Zeit mit Rollenspielen verbringt, hat später weniger emotionale Schwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und psychische Erkrankungen. Vor allem in einer Lebenswelt, in der Kinder mit tendenziell viel Bildschirmzeit aufwachsen, sind Rollenspiele ein wichtiger Faktor für psychische Stabilität.

    Sie werden dem Forschungsteam zufolge oft übersehen und unterschätzt.

     

    Warum Eltern dabei so wichtig sind

    Schon das sollte uns motivieren, bei den Rollenspielen unserer Kinder mitzumachen oder sie aktiv zu gestalten – denn Heike vom Heede zufolge ist das sogenannte „geleitete Rollenspiel“ vor allem für kleinere Kinder wichtig. Oft brauchen sie uns, um ins Rollenspiel zu finden, überhaupt erst zu lernen, wie es funktioniert, wie viel Spaß es macht.

    „Ich erlebe immer wieder, dass Kinder so viele Kuscheltiere und Puppen geschenkt bekommen und sich Eltern dann wundern, dass damit nicht gespielt wird“, sagt die Expertin. „Als Mutter zeige ich, wie wir Leben in die Puppen bringen: Ich füttere sie, ich wickele sie, ich spiele mit ihnen – das übernehmen die Kinder dann. Und wenn ich meinem Kind viele Stofftiere schenke, spiele ich öfter Zoo oder Wildpark.“

    „Mama, können wir „Mutter, Vater, Kind
    „Mama, können wir „Mutter, Vater, Kind" spielen?" – wer bei dieser Frage auch mit den Augen rollt, sollte die Tipps unserer Expertin lesen. Foto: Unsplash

    Es gibt natürlich auch Kinder, die von sich aus ein Rollenspiel starten, dafür nicht viel mehr brauchen als sich selbst, ihre Puppe, vielleicht ist auch eine Freundin da oder der Bruder spielt mit. Wenn die Kinder allein im Rollenspiel versinken, sollten wir sie machen lassen – doch wenn das nicht klappt, ist es unsere Aufgabe, hier den Anstoß zu geben und mitzumachen. Auch wenn das vielleicht ein Punkt ist, der Mamas in diesem Moment nervt.

    „Aus meiner Erfahrung ist eines der größten Nerv-Themen für Eltern, dass ihre Kinder nicht ins Spiel finden, dass sie sich nicht allein beschäftigen können. Ich frage dann: Wie soll ein Kind da allein hereinkommen, wenn es nie angeleitet wurde?

    Unsere Kinder brauchen dieses Geschenk von uns, dass wir ihnen zeigen, wie Rollenspiele funktionieren, dass wir ihnen die Möglichkeiten geben, in diesem Kontext Erfahrungen zu machen und zu lernen.“

    Auf welchen Ebenen das Rollenspiel noch wirkt

    Wir haben keine Lust, ständig Tierklinik oder Puppenfamilie zu spielen? Wie wäre es dann, den eigenen Beruf nachzuspielen? Das hat aus Sicht von Heike vom Heede mehrere Vorteile: „Kinder haben oft kein Verständnis dafür, was der Beruf ihrer Eltern bedeutet – im Rollenspiel können wir es ihnen zeigen. Das macht ihnen einen riesigen Spaß und es stärkt das Verständnis innerhalb der Familie untereinander.“

    Und das geht bei fast allen Berufen, auch wenn es sich um vermeintlich langweilige Schreibtischjobs handelt: Wir fahren mit dem Auto, der Bahn oder dem Fahrrad hin, setzen uns an den Schreibtisch und an einen (ausgedachten) Computer, wir telefonieren, wir gehen zur Kaffeemaschine, wir freuen uns, wenn am Ende zum Beispiel ein Artikel fertiggeschrieben ist oder wir mit dem Taschenrechner etwas berechnet haben, was uns bei der Arbeit weiterbringt.

    Nach einem langen Tag hat man als Mama meist nicht noch Lust als Superheldin durchs Wohnzimmer zu toben, doch wenn man sich doch aufrafft, können Eltern wie Kinder davon profitieren. Foto: Unsplash
    Nach einem langen Tag hat man als Mama meist nicht noch Lust als Superheldin durchs Wohnzimmer zu toben, doch wenn man sich doch aufrafft, können Eltern wie Kinder davon profitieren. Foto: Unsplash

    Ein Kind ist frisch eingeschult, erzählt aber nicht viel aus dem Unterricht? Wenn wir Schule spielen, erfahren wir oft plötzlich viel mehr über die Abläufe in der Klasse, über die Inhalte im Unterricht oder darüber, wie miteinander geredet wird.

    Steht ein wichtiges Ereignis wie die Einschulung noch bevor, kann das Rollenspiel darauf vorbereiten – das geht genauso, wenn eine unbekannte Untersuchung oder ein Krankenhausaufenthalt ansteht oder wenn ein Geschwisterchen auf die Welt kommt.

    Durch das Rollenspiel kann ich mein Kind super auf die neue Geschwistersituation vorbereiten und dafür sorgen, dass es später wenige unbekannte Situationen gibt“, sagt Heike vom Heede.

     

    Und wenn mein Kind keine Rollenspiele mag?

    Es gibt Kinder, die lieben es, in andere Rollen zu schlüpfen – anderen ist diese Art des Spielens eher unbehaglich. Was dann? „Es gibt definitiv Kinder, die schwerer in Rollenspiele finden“, sagt die Expertin. „Wenn ich nach einigen Versuchen merke, dass es wirklich nichts für mein Kind ist, sollte ich es irgendwann akzeptieren, aber ich würde nicht zu früh damit aufhören.“ Vielleicht spielt das Kind lieber Feuerwehr oder Detektivbüro statt Kaufladen? Vielleicht will es die Briefträgerin sein und den ganzen Nachmittag selbst gebastelte Post austragen? Vielleicht möchte es einen Laternenzug durchs Wohnzimmer organisieren oder im Spiel der Osterhase sein.

    Die Bandbreite ist so riesig, dass wir gemeinsam vieles ausprobieren können, bevor wir das Thema aufgeben. „Wichtig ist es, dass ich mich als Mama auf Kinderhöhe begebe“, sagt Heike vom Heede. „Wenn ich immer nur von oben herab mitspiele, verlieren Kinder schneller die Lust daran.“ Und vielleicht macht es uns auch mehr Spaß, wenn wir uns auf Augenhöhe voll ins Spiel einzulassen, anstatt ständig nur halb dabei zu sein.

    Rollenspiele sind so wichtig, damit Kinder sich ausleben können, andere Perspektiven annehmen und lernen, sich in andere hineinzuversetzen. Foto: Unsplash
    Rollenspiele sind so wichtig, damit Kinder sich ausleben können, andere Perspektiven annehmen und lernen, sich in andere hineinzuversetzen. Foto: Unsplash

    Im Rollenspiel alles ausleben

    Was im Spiel selbst auch wichtig ist: Die Kinder dürfen sich hier ausleben, sie können bewusst in andere Rollen schlüpfen, sie dürfen dabei auch mal laut und wütend sein. „Kinder können im Spiel alle Rollen, die sie im Kindergarten oder in der Schule erleben, selbst einnehmen, ohne dass es für sie problematisch wird“, sagt Heike vom Heede.

    Wurde das Kind am Morgen von einem anderen geschubst oder geärgert, möchte es vielleicht eine ähnliche Situation nachspielen und dabei herumbrüllen. Oder es hat den ganzen Tag nur mit größeren Kindern gespielt und möchte jetzt im Spiel endlich mal die oder der Große sein.

    Im Spiel können Kinder die Starken sein, die Heldinnen und Helden sein, sie können das rauslassen, was in Kita und Schule oft nicht raus darf.

    Fressen sie all diese Gefühl stattdessen in sich hinein und haben Kinder kein Ventil dafür, zeigt es sich später auf anderen Wegen – vermutlich deutlich unangenehmer als im Rollenspiel.

    Wenn wir alle diese Hintergründe im Kopf haben und wissen, wie sehr unsere Kinder von Rollenspielen profitieren und wie diese Art des Spielens späteren Problemen vorbeugen kann (zum Beispiel, weil die Kleinen mehr Verständnis für unseren Beruf haben oder ihre mentale Gesundheit stabiler ist), dann fällt es uns sicher leichter, heute Nachmittag zum hundertsten Mal das verletzte Kanguru in der Tierklinik zu versorgen.

     

    Wie sieht’s bei dir aus? Magst du Rollenspiele und spielst du aktiv mit deinen Kindern? Erzähle uns davon in den Kommentaren.