Neurodermitis: Schläft dein Kind auch zu wenig? Was hilft

Als Mama eines Kindes (3) mit Neurodermitis lebe ich die meiste Zeit in Hab-Acht-Stellung. Ich bange darum, dass die nächste akute Phase der Hauterkrankung noch ein paar Wochen auf sich warten lässt. Aufmerksam beobachte ich die Wangen meiner Tochter, da diese meist zuerst rote Stellen aufweisen. Ist die akute Phase dann da und die Haut schuppt und leutet rot, dann stecke ich meine ganze Energie darein, dass sich meine Kleine nicht wund kratzt.

Fragen bleiben natürlich immer, auch wenn ich inzwischen ein Profi im Umgang mit der Hauterkrankung bin, die in regelmäßigen Abständen ausbricht. Als meine Tochter die Diagnose im zarten Babyalter von vier Monaten bekam, waren mein Mann und ich natürlich geschockt. Aber auch wenn es erstmal schlimm klingt: Irgendwann setzt so etwas wie Gewöhnung ein. Inzwischen kenne ich auch viele Mütter, die vor der gleichen Herausforderung stehen. Inzwischen sind weltweit nämlich schon 10 Prozent der Kinder von Neurodermitis betroffen.

Neurodermitis ist eine Krankheit, die man – wenn man Pech hat – sein ganzes Leben mit sich herumträgt. Manche Kinder haben Glück und sie „verwächst“ sich im Jugendalter. Die Veranlagung für eine gestörte Hautbarriere ist zwar noch da, da die Hauterkrankung unter anderem genetisch bedingt ist, aber sie bricht nicht mehr aus. Prinzipiell ist Neurodermitis nicht heilbar, aber bis zu einem gewissen Grad gut kontrollierbar – zum Beispiel mit einer guten Ernährung, einer reizarmen Umgebung und der richtigen Pflege.

Warum mindestens eine Stunde Schlaf fehlt

Hat schon mal jemand von euch versucht, ein Baby oder Kleinkind davon abzuhalten, sich zu kratzen, wenn die Haut juckt wie verrückt? Ein schwieriges Unterfangen, als die Wohnung komplett neu zu reparieren. Und dann tut mir meine Tochter auch noch so leid! Ich möchte nicht, dass sie Schmerzen hat, blutende Wunden – und schlaflose Nächte!

Letzteres Thema ist mir erst vor kurzem so richtig bewusst geworden. Denn Kinder, die sich nachts mit juckender Haut rumschlagen, schlafen natürlich nicht so lange und tief wie sie sollten. Eigentlich logisch. Der Dermatologe Dr. Richard Travnik von der Dermatologie & Urologie Kastanienhof Köln  bringt es auf den Punkt: „Kinder verlieren in einer akuten Phase von Neurodermitis rund eine Stunde Schlaf in der Nacht – und die Eltern meistens auch.“ Das heißt, mein Mann, meine Tochter und ich sind in diesen anstrengenden Krankheitstagen auch noch unausgeschlafener und gestresster als sonst. Was natürlich der Situation nicht zuträglich ist.

Zum Glück war das nicht das Einzige, was ich  Dr. Travnik zu diesem Thema gehört habe. Meine erste Frage war natürlich: „Kann ich da was dagegen tun?“ Man – ich – kann, aber es erfordert viel Disziplin. Sehr viel Disziplin. Natürlich weiß ich, dass wir unser Kind täglich eincremen müssen, auch in den Phasen, in denen die Haut scheinbar gesund ist und gut aussieht. Weil sich die Phasen zwischen den akuten Schüben dadurch nachweislich verlängern. Aber ich hatte keine genaue Vorstellung von einem Ritual.

So werden Schübe kürzer und die Nächte besser

Doch Dr. Tavnik hatte noch zwei weitere Tipps für mich, die meinem Kind sehr weitergeholfen haben und an die ich mich seitdem stoisch halte:

  1. Akute Phase: Kortison so kurz, aber so früh wie möglich einsetzen.

Keine Mama cremt ihr Kind gerne mit Kortisonsalbe ein. Verständlich, da sie nur die Symptome und nicht die Ursache bekämpft bzw. Nebenwirkungen haben kann. „Trotzdem ist eine Kortisonsalbe immer noch das Mittel der ersten Wahl,“ so der Dermatologe. „Bitte gleich beim ersten Auftreten des Exzems damit anfängen. Je länger man wartet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man das Kortison länger anwenden muss, um die betroffenen Hautstellen effektiv zu behandeln.“ Gegen den Juckreiz kann auch ein Pflege-Stick für unterwegs helfen (z. B. „Lipikar Stick AP+“ mit beruhigenden und pflegenden Inhaltsstoffen wie Sheabutter und Zinkglucat. Von La Roche-Posay, ca. 12 Euro).

2. Symptomfreie Phase: Tägliche Haut- und Haarpflege – am besten am Abend

Die Übergänge sind oft fließend, die akute Phase sollte aber immer direkt in ein tägliches Ritual übergehen. Ich wache meine Tochter jetzt immer abends statt morgens, da sich im Laufe der Tages Schmutz auf der Haut absetzt. Reicht die Zeit nur für eine kleine Wäsche, reibe ich sie mit einem feuchten Tuch ab. Ihre Haare kommen mir immer unter die Bürste, da sich dort gerne Allergene festsetzen. Und danach gilt: Immer, immer eincremen! 

Schon ab der Geburt geeignet: Die Produkte aus der „Lipikar AP+“-Linie helfen Babys und Erwachsenen bei Neurodermitis gleichermaßen. Ein spezieller Mix aus Wirkstoffen wirkt entzündungshemmen. Die Duschcreme, das Reinigungscreme-Gel und den Stick bei akutem Juckreiz gibt es jetzt als „Durchschlafset“ mit einem kostenlosen Kinderbuch „Schlaf ein, Kritze Kratze.“ Foto: PR

Eine Neurodermitis-Studie von L’Oréal hat gezeigt, dass die regelmäßige Körperpflege tatsächlich Viel bringt: So empfanden Studienteilnehmer 41 Prozent weniger Juckreiz, wenn sie sich jeden Tag duschten und eincremten. 69% derjenigen, die sich an ein tägliches Pflegeritual hielten, fühlen sich damit besser als davor.

So setze ich mein Ritual im Alltag um

Für uns ist das tägliche Vollwaschprogramm inzwischen so wie Zähneputzen – wir würden es nie ohne sehr guten Grund ausfallen lassen. Schläft meine inzwischen knapp 3-jährige Tochter zum Beispiel auf der Nachhausefahrt vor dem Schlafengehen ein, wecke ich sie entweder oder ziehe sie im Schlaf um und reibe ihre Haut vorsichtig ab.

Oma und Opa wissen auch Bescheid und haben auch ein Pflegeset zu Hause, wenn eine Spontanübernachtung anfällt. In der KiTa steht nächstes Jahr der erste Übernachtungsausflug an, da gebe ich den Erzieherinnen Bescheid.

Und so ein Pflegeritual wird meiner Tochter ja nicht dauerhaft auf die Nerven gehen. Spätestens im Teenager-Alter wird sie sehr viel Zeit im Bad verbringen 😉

 

Echte Mamas

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