Wisst ihr, wie viele Papas in Deutschland Elternzeit nehmen? Ja, ihr vermutet es bestimmt schon: viel weniger als wir Mamas. Im Jahr 2024 bezogen laut des Statistischen Bundesamtes etwa 432.000 Männer Elterngeld. Das entspricht einem Väteranteil von 25,8 Prozent aller Elterngeldbeziehenden.
Aber bitte nicht verwechseln: In diesen Zahlen sind keine 12 Monate abgebildet, es werden alle Väter integriert, die überhaupt Elternzeit nehmen – sei es auch nur für zwei Monate. Die Statistik des Statistischen Bundesamtes kann dies belegen: Die geplante Bezugsdauer lag 2024 durchschnittlich bei 3,8 Monaten für Männer gegenüber 14,8 Monaten für Frauen.
Familienministerin Karin Prien (CDU) würde das gern ändern und Papas länger in die Elternzeit schicken
Aktuell gilt: Elternpaare können zusammen 14 Monate Elterngeld beziehen. Davon muss ein Elternteil – in den meisten Fällen ist das also der Papa – mindestens zwei Monate nehmen. Die Höhe des Elterngeldes liegt bei 65 Prozent des Nettoeinkommens (mindestens 300 und maximal 1800 Euro).
Nun wird immer wieder über eine Reform des Elterngeldes gesprochen. Viele Eltern wünschen sich Erhöhungen des Elterngeldes, das seit 2007 nicht mehr angepasst wurde, auch nicht nach einer starken Inflation. Die Politik denkt jedoch eher an das Gegenteil.
Die Politik muss jedoch sparen und richtet den Blick immer wieder auf den größten Ausgabenposten der Familienpolitik: das Elterngeld.
Aufgrund der milliardenschweren Finanzierungslücke im Bundeshaushalt für 2027 muss Karin Prien rund 500 Millionen Euro einsparen. Wie das für die Politikerin funktionieren könnte, verrät sie dem Podcast „Politico“: „Ich könnte mir schon vorstellen, dass man (den Elterngeldbezugs-Zeitraum) einerseits verkürzt, aber andererseits die Lohnersatzrate und Mindest- und Höchstbetrag anhebt“, sagte Prien.
Eine weitere Idee: Väter sollen zukünftig mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen, um den vollen Bezugszeitraum ausschöpfen zu können
„Dass man da noch mal ein Stück entgegenkommt, jedenfalls wenn man den vollen Elterngeldbezug haben will“, könnte hierbei eine „Idee“ sein, schlägt Karin Prien vor. Hintergrund ist, dass CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine stärkere Partnerschaftlichkeit vereinbart haben.
Das klingt zunächst einmal sinnvoll: Wenn mehr Väter Elternzeit nehmen würden, könnten sie nicht nur eine engere Bindung zu ihren Kindern aufbauen, sondern auch die Care-Arbeit gerechter verteilt werden. Zudem könnte sich langfristig ein gleichberechtigteres Rollenverständnis in Familie und Arbeitswelt etablieren.
Andererseits gibt es bereits Widerstand gegen die Idee, die maximale Bezugsdauer eines Elternteils – in den meisten Fällen der Mutter – auf weniger als zwölf Monate zu verkürzen. Nicht jede Familie möchte die Betreuung gleich aufteilen, und individuelle Wünsche sowie Lebenssituationen unterscheiden sich. Hinzu kommt, dass in vielen Familien die Väter mehr verdienen als die Mütter (danke, Patriarchat!). Würden Väter länger Elternzeit nehmen, wären die finanziellen Einbußen für manche Familien daher größer.
Was beunruhigt? Es stehen einige Ideen im Raum, jedoch kein klarer Fahrplan
Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wurde gestern in einem Interview mit der Tagesschau zu den konkreten Sparplänen rund ums Elterngeld befragt, dort sagte er: „Ich möchte mit ein paar Sachen, die in der Öffentlichkeit sind, aufräumen. Es ist keine Sparvorgabe, sondern die Unions-Seite hat gesagt: „Wir sind in der Lage, 500 Millionen Euro beim Elterngeld zu sparen.“ Das haben sie mir irgendwann mitgeteilt.“
Weiter sagt er: „Ein Punkt, den ich auch richtig finde, ist, dass wir die Partnerschaftlichkeit im Elterngeld stärken, also, dass wir die Männer stärker verpflichten, auch Vätermonate zu nehmen. Das ist etwas, das ich in der Erziehung von Kindern ganz wichtig halte, dass man das stärkt.“
So weit, so gut. Doch:
Wenn mehr Väter Elternzeit nehmen, würde das Familienministerium nicht automatisch sparen. Tatsächlich können die Ausgaben für Elterngeld in manchen Konstellationen sogar steigen.
Langfristig betrachtet könnte dies jedoch auch positive (finanzielle) Auswirkungen haben. Wenn Väter einen größeren Teil der Kinderbetreuung übernehmen, kehren Mütter häufig früher in den Beruf zurück. Dadurch steigen ihre Einkommen sowie die daraus resultierenden Steuer- und Sozialabgaben früher wieder an. Gleichzeitig könnten andere staatliche Leistungen in geringerem Umfang benötigt werden. Das kann die öffentlichen Haushalte insgesamt entlasten, auch wenn sich dieser Effekt nicht unmittelbar im Elterngeld-Etat widerspiegelt.
Studien zeigen zudem, dass eine stärkere Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung die Erwerbschancen von Müttern verbessern kann. Eine gleichmäßigere Aufteilung der Care-Arbeit trägt dazu bei, dass weniger Frauen ihre Erwerbstätigkeit dauerhaft reduzieren oder ihre berufliche Entwicklung einschränken müssen.
Was ich mir wünsche?
Der Druck auf viele Eltern ist derzeit enorm: Das Leben wird immer teurer, während die Geburtenraten auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau liegen. Umso mehr würde ich mir wünschen, dass die Politik nicht über Kürzungen beim Elterngeld diskutiert, sondern einen überzeugenden Plan vorlegt, der Menschen mit Kinderwunsch Sicherheit gibt und sie in ihrer Entscheidung für eine Familie bestärkt.
Und auch bei der Diskussion über die Verteilung der Elterngeldmonate wünsche ich mir mehr Fingerspitzengefühl. Natürlich ist es wichtig, dass Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können und Verantwortung übernehmen. Aber Familien sind unterschiedlich, und nicht jedes Modell passt für jede Lebensrealität. Statt neue Sorgen zu schaffen, sollte Politik Vertrauen schaffen und Familien die Unterstützung geben, die sie brauchen. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen fragen, ob sie sich Kinder überhaupt noch leisten können, braucht es Signale der Ermutigung statt weiterer Verunsicherung.
Wie seht ihr das? Würdet ihr es gut finden, wenn Papas mehr Elternzeit nehmen müssen? Verratet es uns doch in den Kommentaren.
Danke für deine Einschätzung. Ich denke auch, dass jede Familie ein Modell für sich finden muss, das funktioniert – von der Care-Arbeit, von der finanziellen Situation und auch z.B.: vom Stillen. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn mehr Papas Elternzeit nehmen würden, auch um zu verstehen, was mit einem Kind alles an Care-Arbeit anfällt. Toll wäre, wenn Arbeitgeber auch Männer bestärken würden, sich in der Elternzeit einzubringen
Das jst alles so ein Quatsch. Wieso sollen Mütter jetzt weniger Elternzeit nehmen? Wie wäre es mit gleichzeitig Elternzeit. Vorallem zu Beginn. Mein Mann konnte nur 2 Monate zu Beginn gleichzeitig mit mir nehmen. Sonst hätten wir auch Geldprobleme. Er hätte schon gerne mehr Zeit mit den Kind, aber wie soll das gehen? Und die Mutter dafür eher arbeiten schicken? Wtf? Ich meine wie viele Mütter wollen das? Wie viele Mütter stillen ihr Kind? Es ist absolut unpraktisch und unnatürlich… Und ganz ehrlich. Was ist so schlimm an dem Rollenbild? Wer hat wirklich ein Problem damit? Ich persönlich kenne niemanden. Mein Mann verdient fast das Doppelte. Aber nicht wegen dem bösen Patriarchat, sondern er hat sich hochgeackert, er kann so gut von sich überzeugen und das wichtigste, er fragt einmal im Jahr nach einer Gehaltserhöhung und tut auch alles dafür. Falls sie noch zweifeln, fragt er, was er denn machen muss, damit er eine bekommt. Viele Frauen trauen sich das gar nicht oder interessiert das nicht so sehr. Aber zurück zum Thema. Ganz ehrlich. Ich persönlich würde lieber Bürgergeld oder sowas beziehen, wenn ich ein Baby oder Kleinkind hätte, anstatt es abzugeben um arbeiten zu gehen. Was soll denn das? In der Natur bleiben die Babys auch bei Mama. Warum sollen wir auf zwang etwas ändern? Hauptsache man passt ins system und wird als Arbeitskraft herangezüchtet…
Oh man… Am Ende sollte das Wohl der Familien im Mittelpunkt stehen, nicht Sparziele:/
Hi Emmi, ja da hast du Recht. Beim Elterngeld zu sparen, das eh seit 2007 nicht angepasst wurde, kommt mir auch falsch vor