Neue Empfehlungen der WHO

Eine neue Einschätzung der WHO zeigt, dass immer noch viel zu viele Frauen an postpartalen Blutungen nach der Geburt sterben. Es gibt jedoch einen Lösungsvorschlag!

Inhalt dieses Artikels

    Der erste Schrei des Babys, Tränen der Erleichterung, ein Moment voller Glück – für viele Familien ist die Geburt der Augenblick, auf den sie monatelang gewartet haben.

    Doch während sich die Aufmerksamkeit ganz auf das neue Leben richtet, kann für die Mutter eine unsichtbare Gefahr entstehen. Starke Blutungen nach der Geburt gehören weltweit zu den häufigsten Komplikationen im Wochenbett – und sie werden oft zu spät erkannt.

    Jedes Jahr sind rund 27 Millionen Frauen von sogenannten postpartalen Blutungen betroffen, etwa 43.000 sterben an den Folgen.

    Dabei zählt jede Minute: Je früher eine Blutung erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, schwere Komplikationen zu verhindern. Dennoch bleibt nach Schätzungen etwa die Hälfte der Fälle zunächst unentdeckt. Eine aktuelle Untersuchung unterstreicht deshalb, wie wichtig es ist, den Blutverlust nach der Geburt nicht nur zu schätzen, sondern präzise zu messen – und damit Mütter besser zu schützen, wenn sie gerade erst ein neues Leben willkommen geheißen haben.

    Wie können Mamas besser vor dem Blutverlust nach der Geburt geschützt werden?
    Wie können Mamas besser vor dem Blutverlust nach der Geburt geschützt werden? Foto: Unsplash

    Die Ursachen für postpartale Blutungen sind verschieden

    Folgende Faktoren werden jedoch häufig mit postpartalen Blutungen in Verbindung gebracht.

    • Verletzungen des Genitaltraktes
    • eine unvollständige Ablösung der Platzenta
    • ein nicht ausreichendes Zusammenziehen der Gebärmutter
    • Blutgerinnungsstörungen

    Häufiger betroffen sind laut der WHO Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, nach Kaiserschnitt-Geburten, mit starkem Übergewicht oder bei weiblicher Genitalverstümmelung.

    Aber was können Ärzte und medizinisches Personal tun, um dies zu verhindern?

    Um starke Blutungen nach der Geburt zu verhindern oder zumindest abzumildern, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei jeder Geburt den Einsatz sogenannter Uterotonika.

    Diese Medikamente unterstützen die Gebärmutter dabei, sich nach der Entbindung zusammenzuziehen – ein natürlicher Vorgang, der wichtig ist, damit sich die Blutgefäße an der ehemaligen Plazentastelle verschließen. So kann das Risiko für gefährliche Blutverluste deutlich gesenkt werden und Mütter starten sicherer in die ersten Stunden mit ihrem Baby.

    Was sind Uterotonika?

    Uterotonika sind Medikamente, die die Muskulatur der Gebärmutter anregen, sich zusammenzuziehen. Der Name leitet sich von „Uterus“ (Gebärmutter) und „Tonus“ (Spannung) ab.

    Nach der Geburt haben diese Kontraktionen eine wichtige Aufgabe: Sie helfen der Gebärmutter, sich wieder zu verkleinern und die Blutgefäße an der Stelle zu verschließen, an der zuvor die Plazenta saß. Dadurch wird der Blutverlust reduziert und das Risiko für starke Nachblutungen gesenkt.

    Zu den am häufigsten eingesetzten Uterotonika gehört das Hormon Oxytocin, das auch vom Körper selbst während der Geburt und beim Stillen produziert wird. Je nach Situation können Ärzte und Hebammen auch andere Wirkstoffe verwenden.

    Für uns Eltern lässt sich vereinfacht sagen: Uterotonika unterstützen die natürliche Rückbildung der Gebärmutter direkt nach der Geburt und tragen dazu bei, gefährliche Blutungen zu verhindern.

    Außerdem rät die WHO noch zur vermehrten Behandlung von Blutarmut sowie dazu, dass nur Kaiserschnittgeburten genehmigt werden, die auch wirklich medizinisch notwendig sind.

    Das Gravierende:

    Laut der WHO wird etwa die Hälfte der postpartalen Blutungen übersehen.

    Deshalb ruft die WHO dazu auf, den Blutverlust im Krankenhaus genauer messen zu lassen, damit weniger Fälle unter dem Radar laufen.

     

    Was das genau bedeutet?

    Damit starke Blutungen nach der Geburt schneller erkannt werden, schlagen Forschende eine angepasste Definition vor. Demnach sollte bereits dann von einer behandlungsbedürftigen Blutung ausgegangen werden, wenn eine Frau mindestens 300 Milliliter Blut verliert, und gleichzeitig Warnzeichen wie Herzrasen oder ein zu niedriger Blutdruck auftreten.

    Unabhängig von solchen Symptomen gilt auch ein Blutverlust von mindestens 500 Millilitern als postpartale Blutung. Im deutschsprachigen Raum wird eine postpartale Hämorrhagie (PPH) derzeit nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe definiert als ein Blutverlust von mindestens 500 Millilitern nach einer vaginalen Geburt oder mindestens 1.000 Millilitern nach einem Kaiserschnitt.

    Die Forschenden hoffen, dass die neue Definition dazu beitragen kann, gefährliche Blutungen früher zu erkennen und schneller zu behandeln – noch bevor größere Mengen Blut verloren gehen.

    Schnelles Handeln zur Vermeidung dieser Verzögerung kann für eine Frau mit postpartaler Blutung den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

    Expert:innen der WHO

    Die Geburt eines Kindes markiert den Beginn eines neuen Lebensabschnitts – voller Hoffnung, Freude und großer Gefühle.

    Umso wichtiger ist es, dass auch die Gesundheit der Mutter in diesen entscheidenden Stunden im Mittelpunkt steht. Jede Blutung, die früher erkannt wird, kann Leben retten.

    Neue Erkenntnisse und präzisere Diagnosemethoden könnten dazu beitragen, dass mehr Frauen die ersten Momente mit ihrem Baby sicher erleben können – und aus einem riskanten Augenblick ein unbeschwerter Start ins Familienleben wird – und das sollte sofort angegangen werden.

     

    Hattet ihr nach der Geburt mit Blutungen zu kämpfen? Verrate es uns gern in den Kommentaren.

    Quellen

    1 Kommentar

  1. User Avatar
    Lauraa

    Was Frauen durchmachen müssen und welches Risiko eine Schwangerschaft hat… warum hat die WHO so lange damit gewartet?