„Mein Name ist Alina, ich bin 32 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und lebe heute in einem sehr glücklichen Patchwork-Familienmodell.
Mit 22 Jahren wurde ich zum ersten Mal Mutter, habe jung geheiratet und zunächst den klassischen Familienweg eingeschlagen. Nach der Geburt unserer Tochter haben mein Mann und ich uns dann allerdings getrennt.
Heute bin ich in zweiter Ehe verheiratet, habe mit meinem Mann zwei weitere Kinder bekommen, bin auf dem Weg zu Baby Nummer vier und sehr dankbar für das Familienleben, das wir uns gemeinsam aufgebaut haben.
Ich empfinde unsere Familiensituation als großes Geschenk.
Doch der Weg dorthin war nicht immer leicht, denn unser Start als Patchwork-Familie war von vielen Herausforderungen geprägt.
Mein Ex-Mann und ich waren seit unserem 18. Lebensjahr ein Paar. Mit 22 Jahren bekamen wir unsere Tochter, heirateten und kauften sogar ein Haus. Bereits ein Jahr später trennten wir uns, die Scheidung erfolgte einige Jahre danach.
Rückblickend waren wir sehr jung. Vor allem aber hatte ich mich selbst noch nicht gefunden. Ich wusste nicht, wer ich wirklich war und was ich vom Leben wollte.
Ich erinnere mich noch gut an einen Moment, in dem ich mit meinem Baby auf dem Arm in unserem Haus saß und dachte: ‚Und jetzt?‘ Ich hatte scheinbar alle Ziele erreicht, die man sich gesellschaftlich wünscht – Ehe, Kind, Haus. Trotzdem fühlte ich mich nicht erfüllt. Heute weiß ich, dass ich damals zuerst mich selbst finden musste.
Die Trennung verlief zunächst alles andere als freundschaftlich.
Es gab viele Konflikte, Diskussionen und verletzte Gefühle. Auch ich habe in dieser Zeit nicht immer alles richtig gemacht. Wir beide mussten lernen, mit Enttäuschungen und Schmerz umzugehen.
Unsere Tochter hat die Konflikte glücklicherweise nicht in vollem Ausmaß mitbekommen. Dennoch merkte man, dass ihr etwas fehlte und sie zeitweise Verlustängste entwickelte
Wir haben sie dabei bewusst begleitet und unterstützt. Gleichzeitig habe ich versucht, meinen eigenen Heilungsprozess offen vorzuleben. Rückblickend glaube ich, dass sie dadurch viel über Gefühle, Verarbeitung und persönliche Entwicklung lernen konnte.
Irgendwann hat mein Mann mir erzählt, dass er eine neue Partnerin hat.
Kurz darauf habe ich Katja dann auch persönlich kennengelernt. Unser erstes Treffen war für mich emotional sehr herausfordernd.
Ich hatte große Angst, als Mutter ersetzt zu werden. Gleichzeitig sorgte ich mich darum, was eine weitere Trennung für unsere Tochter bedeuten würde.
Nach einigen Tagen wurde mir jedoch bewusst, dass viele meiner Gefühle aus meinem eigenen Ego und meinen Ängsten entstanden.
Ich entschuldigte mich für mein Verhalten und begann, die Situation mit mehr Offenheit zu betrachten. Dennoch brauchte es Zeit. Letztendlich waren es vor allem die gemeinsamen Erfahrungen, die Vertrauen geschaffen und alte Wunden geheilt haben.
Trotzdem gab es definitiv auch Eifersucht und andere schwierige Gefühle.
Schließlich war die neue Partnerin meines Ex-Mannes die erste Frau nach mir, und das löste viele Unsicherheiten bei mir aus. Besonders die Sorge, welche Rolle sie im Leben meiner Tochter einnehmen würde, beschäftigte mich sehr.
Mit der Zeit lernte ich jedoch, diese Gefühle einzuordnen und loszulassen. Je mehr Vertrauen entstand, desto mehr verschwanden Eifersucht und Ängste.
Später kam dann mein heutiger Mann in unser Leben.
Dadurch mussten wir als gesamte Familie erneut unsere Rollen finden. Auch bei meinem Ex-Mann entstanden zeitweise ähnliche Ängste, die ich früher selbst erlebt hatte – beispielsweise die Sorge, ersetzt zu werden.
Themen wie die Anrede ‚Papa‘ sorgten kurzfristig für Unsicherheiten. Doch auch diese Phase haben wir gemeinsam gemeistert. Heute ist unser Familienmodell für alle Beteiligten selbstverständlich und harmonisch.
Auch unsere Tochter hat die neuen Partner grundsätzlich positiv aufgenommen.
Für mich war dabei jedoch immer entscheidend, dass sie sich mit meinem Partner wohlfühlt. Ich habe mir damals sehr bewusst gesagt:
Hätte meine Tochter meinen heutigen Mann nicht gemocht, wäre er niemals mein Ehemann geworden.
Als ich erfahren habe, dass mein Ex-Mann noch einmal Vater wird, habe ich mich zunächst ehrlich gefreut. Kurz kam der Gedanke auf, dass unsere Tochter nun nicht durch mich zum ersten Mal große Schwester wird. Dieser Moment war jedoch nur sehr kurz. Danach überwog die Freude. Ich habe mich vor allem für meinen Ex-Mann gefreut und fand es schön, dass auch er dieses Familienglück noch einmal erleben durfte.
Heute habe ich zu Katja sogar ein engeres Verhältnis als zu meinem Ex-Mann.
Der Grundstein für unsere Freundschaft entstand, als mein heutiger Mann bereits Teil unseres Lebens war, und wir begannen, uns auch privat häufiger zu treffen.
Mit den Jahren kamen weitere Kinder dazu, unsere Familien wuchsen zusammen und wir verbrachten immer mehr Zeit miteinander.
Besonders wichtig waren die tiefen Gespräche, die wir irgendwann führen konnten.
Auch über meine Vergangenheit mit meinem Ex-Mann, die Herausforderungen, die wir alle erlebt hatten, über unsere Geburten, die am Anfang sehr ähnlich waren, und eben auch über unsere Familien.
Diese Offenheit hat uns sehr zusammengeschweißt.
Heute treffen wir uns auch gern unabhängig von meinem Ex-Mann. Wir trinken zusammen einen Kaffee, verbringen Zeit mit den Kindern und genießen die gemeinsame Zeit. Zum Beispiel auch morgens, wenn unser Trennungsmädchen in der Schule ist. Oder wir gehen zusammen auf Events.
Es ist eine Verbindung entstanden, die weit über das reine Co-Parenting hinausgeht. Wir sind eben wirklich ein gutes Team.
Auch das Verhältnis zu meinem Ex-Mann hat sich über die Jahre deutlich verbessert.
Tatsächlich hat die neue Partnerschaft auf seiner Seite dazu beigetragen, dass sich vieles entspannen konnte.
Wir arbeiten als Eltern sehr gut zusammen. Natürlich gibt es gelegentlich Meinungsverschiedenheiten, beispielsweise bei organisatorischen Themen wie Geburtstagen oder besonderen Anlässen. In solchen Situationen sprechen wir miteinander, tauschen unsere Sichtweisen aus und finden in der Regel schnell einen Kompromiss.
Auch in der Vergangenheit gab es schwierige Phasen und Konflikte. Entscheidend war jedoch, dass wir immer wieder den Weg zurück zueinander gefunden haben.
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, als Eltern gemeinsam weiterzugehen und den Frieden über den Konflikt zu stellen.
Mittlerweile verstehen wir uns als Eltern sehr gut und ziehen gemeinsam an einem Strang.
Heute würde ich unser Verhältnis als freundschaftlich-familiär bezeichnen. Natürlich stehen wir weiterhin gemeinsam als Eltern für unsere Tochter ein, aber darüber hinaus kommen wir auch als Menschen gut miteinander klar.
Für unsere älteste Tochter bedeutet das, dass sie von vier Erwachsenen begleitet wird, die sie lieben und unterstützen. Diese Entwicklung erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.
Aus meiner Sicht erleben die Kinder eine sehr schöne Kindheit.
Bei uns gibt es keine Unterschiede. Wir sprechen nicht von Halbgeschwistern oder ähnlichen Bezeichnungen. Für uns sind alle Kinder Geschwister – unabhängig davon, aus welcher Beziehung sie stammen.
Unsere Kinder wachsen miteinander auf, spielen zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. Die jüngeren Kinder besuchen ab Sommer sogar dieselbe Kita-Gruppe.
Für sie ist unsere Familienkonstellation vollkommen normal. Das wird gar nicht hinterfragt.
Vor allem erleben sie ein Umfeld ohne Streit und Loyalitätskonflikte. Sie dürfen alle Menschen lieben, die zu ihrer Familie gehören, ohne sich entscheiden zu müssen.
Auch bei der Umgangsregelung sind wir flexibel.
Mein Ex-Mann und ich haben feste Umgangstage vereinbart: Unsere Tochter verbringt einen Tag unter der Woche und einen Tag am Wochenende bei ihrem Vater und seiner Frau. Übernachtungen gibt es aktuell nicht. Für uns ist das vollkommen in Ordnung. Denn ihre Bedürfnisse zählen.
Ein großer Vorteil ist, dass wir mittlerweile im selben Dorf wohnen. Dadurch können wir sehr flexibel aufeinander reagieren.
Unsere Tochter kann jederzeit auch außerhalb der vereinbarten Zeiten ihren Papa besuchen. Ebenso können wir Tage unkompliziert tauschen, wenn es organisatorisch besser passt.
Auch Feiertage regeln wir flexibel und gemeinsam. Besonders wichtig ist uns dabei, dass unsere Tochter inzwischen mitentscheiden darf. Mit zehn Jahren kann sie ihre Wünsche sehr gut äußern, und diese beziehen wir bewusst in unsere Entscheidungen ein.
Dass sie trotz der Trennung eine glückliche und liebevolle Kindheit erleben darf, darauf bin ich wirklich stolz.
Die Zeit als alleinerziehende Mutter habe ich unendlich geliebt. Ich bereue keinen einzigen Tag davon. Meine Tochter und ich haben schon immer eine ganz besondere Verbindung und uns gemeinsam ein wunderschönes Leben aufgebaut. Ein bisschen wie die Gilmore Girls.
Genauso stolz bin ich auf die tiefe Bindung, die ich zu all meinen Kindern habe. Und ich bin dankbar, dass wir mit unserer Geschichte vielleicht anderen Familien Mut machen können.
Wie wir es geschafft haben, ein so gutes Patchwork-Verhältnis aufzubauen?
Ich bin überzeugt davon, dass unser eigenes Verhalten maßgeblich beeinflusst, was im Außen entsteht. Der entscheidende Wendepunkt kam für mich, als ich aufgehört habe zu kämpfen. Statt gegen die Situation anzukämpfen, habe ich angefangen, sie anzunehmen.
Nach der Trennung begann meine Reise der Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe mich intensiv mit Themen wie Glück, alten Glaubenssätzen, Ängsten, persönlichem Wachstum und Heilung beschäftigt.
Rückblickend glaube ich, dass der größte Schlüssel für unser funktionierendes Patchwork-Leben darin liegt, dass ich zuerst bei mir selbst angefangen habe.
Ich habe Verantwortung für meinen Anteil übernommen, Fehler aufgearbeitet, Dinge wiedergutgemacht und gelernt, mich verletzlich zu zeigen. Ich musste nicht länger die Starke sein, sondern durfte offen über meine Ängste und Unsicherheiten sprechen.
Mit der Zeit haben wir alle gelernt, unsere Egos ein Stück weit beiseitezulegen.
Und den Fokus auf das zu richten, was für unsere Tochter am besten ist – und auch für uns alle. Wir haben uns immer wieder bewusst für Frieden statt für Kampf entschieden.
Ich glaube, dass viele Konflikte in getrennten Familien entstehen, weil Erwachsene in ihren Verletzungen und ihrem Ego feststecken
Wir haben irgendwann alle die Entscheidung getroffen, Frieden wichtiger werden zu lassen, als Recht haben zu wollen. Das hat alles verändert.
Auch mein Bild einer Familie hat sich sehr gewandelt.
Früher hatte ich ein eher klassisches Familienbild. Heute weiß ich, dass Familie viele verschiedene Gesichter haben kann.
Für mich bedeutet Familie nicht zwingend mehr derselbe Nachname, dieselbe Wohnadresse oder dieselbe Herkunft. Familie bedeutet Liebe, Zusammenhalt, Geborgenheit und das Gefühl, zuhause zu sein.
Auch unser Umfeld reagiert sehr positiv auf unser Patchwork-Modell.
Der Satz, den ich am häufigsten höre: ‚Ich kenne keine Patchwork-Familie, bei der das so gut funktioniert wie bei euch.‘ Viele Menschen sagen uns, dass unser Umgang miteinander ein Vorbild für getrennte Eltern sein könnte.
Natürlich gab es direkt nach der Trennung auch kritische und skeptische Stimmen. Wir waren zeitweise sicherlich Gesprächsthema Nummer 1 in unserem Umfeld. Aber das gehört auf dem Land wohl dazu.
Auch diese Erfahrungen haben mich wachsen lassen. Heute bekommen wir sehr viel Wertschätzung und Bewunderung für unseren Weg.
Das Wichtigste, was ich meinen Kindern mitgeben möchte: Heilung ist möglich.
Das Leben verläuft nicht immer geradlinig. Es gibt Herausforderungen, Rückschläge und schmerzhafte Erfahrungen. Entscheidend ist jedoch immer, wie wir damit umgehen.
Ich möchte meinen Kindern zeigen, dass sie schwierige Zeiten überstehen und sogar an ihnen wachsen können.
Dass sie Gefühle zulassen dürfen. Dass sie schwach sein dürfen. Und dass in jeder Herausforderung auch eine Chance steckt. Dass Respekt, Zusammenhalt und Liebe stärker sein können als jede schwierige Situation. Und: dass wir gemeinsam immer alles schaffen können.
Meine wichtigste Botschaft an andere getrennt Eltern: Kümmere dich zuerst um dich selbst.
Du kannst nicht kontrollieren, wie dein*e Ex-Partner*in handelt, erzieht oder Entscheidungen trifft. Was du beeinflussen kannst, ist dein eigener Umgang mit der Situation.
Deshalb investiere in deine Heilung, dein persönliches Wachstum und dein eigenes Glück. Beschäftige dich mit deinen Ängsten, deinen Glaubenssätzen und deinen Verletzungen. Lerne, Kontrolle loszulassen.
Zeige dich verletzlich. Sprich über deine Gefühle. Setze Grenzen, aber öffne gleichzeitig dein Herz.
Vor allem aber: Bleibe in Verbindung mit deinem Kind!
Bindung steht für mich über allem. Sie ist das Fundament jeder Elternschaft. Wenn ich mich zwischen Perfektion und Bindung entscheiden müsste, würde ich immer die Bindung wählen. Die Verbindung und emotionale Nähe zu unseren Kindern ist das aller allerwichtigste. Immer. In jedem Lebensbereich.
Kinder lernen nicht durch unsere Perfektion. Sie lernen durch unser Vorbild.
Wenn wir ihnen zeigen, wie Heilung, Wachstum, Verantwortung und Liebe aussehen können, geben wir ihnen etwas mit, von dem sie ein Leben lang profitieren.
Und: Trennungskinder können (entgegen dem Klischee) wundervoll glückliche Kindheiten haben!“
Liebe Alina, vielen Dank, dass Du Deine mutmachende Geschichte mit uns geteilt hast! Wenn du mehr über Alina wissen möchtest, schau bei ihrem Insta-Profil @familie.mit.liebe vorbei.
Wie ist es denn bei euch: Funktioniert das Co-Parenting nach der Trennung, oder ist es eher schwierig? Und wie geht ihr mit neuen Partner*innen um? Schreibt es uns in die Kommentare oder diskutiert in unserem Forum.
Triff Alina beim Echte Mamas-Festival am 3. September 2026 in Hamburg!
An diesem Tag wird das Curio-Haus Hamburg zum Treffpunkt für Mütter, Familien und prominente Persönlichkeiten aus ganz Deutschland – und Alina ist auch dabei. Du kannst sie treffen, dich mit ihr austauschen und ihr all deine Fragen stellen. Außerdem warten viele andere bekannte Creator*innen, Promis und natürlich Mamas aus der Community auf dich, spannende Live-Talks, Masterclasses und ganz viel Raum für offenen, ehrlichen Austausch. Deine Kinder kannst dz natürlich mitbringen!
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Neue Frau meines Ex: „Ich hatte Angst, als Mutter ersetzt zu werden“
Von
Wiebke Tegtmeyer
24. Juli 2026