Ein Baby zu bekommen, auf das man lange gewartet hat, sollte eigentlich einer der glücklichsten Momente im Leben sein. Für ein Paar aus Neapel wurde genau dieses Glück jedoch zum Ausgangspunkt eines Albtraums. Wie die BILD berichtet, soll bei einer künstlichen Befruchtung im Krankenhaus San Paolo ein falscher Embryo eingesetzt worden sein.
Luca und Elisa (Namen geändert) wurden dort nach einer Kinderwunschbehandlung Eltern eines Mädchens. Heute sagen sie: Sie lieben ihre Tochter uneingeschränkt. Gleichzeitig wollen sie endlich wissen, wie es zu der mutmaßlichen Verwechslung kommen konnte – und was mit ihren eigenen eingefrorenen Embryonen passiert ist.
Eine Blutgruppe bringt die Eltern ins Grübeln
Dass etwas nicht stimmen könnte, bemerkten die Eltern laut BILD bereits nach der Geburt ihrer Tochter im Juni 2025. In ihrem Gesundheitsbuch war die Blutgruppe des Babys mit B angegeben. Luca und Elisa haben nach eigenen Angaben beide Blutgruppe A.
Als seine Frau ihm den Eintrag zu Hause zeigte, sei Luca sofort aufgesprungen und habe gerufen: „Wie kann das sein?“
Zunächst erklärte die behandelnde Ärztin Dr. Teresa S. die abweichende Blutgruppe dem Paar mit einer fehlerhaften Blutuntersuchung. Doch auch eine erneute Blutabnahme änderte nichts am Ergebnis: Das Mädchen hatte weiterhin Blutgruppe B, die Eltern Blutgruppe A.
„Wir mussten einen DNA-Test machen. Das Resultat war frustrierend und beunruhigend. Vom größten Glück, eine Tochter zu haben, sind wir in einen Albtraum wie in einem schlechten Film geraten. Wie kann so etwas bei einem so heiklen medizinischen Verfahren geschehen?“
Fünf Jahre zuvor hatte sich das Paar an Dr. Teresa S. gewandt, um eine In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, durchführen zu lassen. Dabei wurden Spermien und Eizellen entnommen und die befruchteten Eizellen eingefroren.
2021 kam auf diesem Weg der Sohn des Paares zur Welt. Weil sie ihm ein Geschwisterchen schenken wollten, versuchten sie es erneut. Ein zweiter Versuch scheiterte zunächst, ein weiterer im Jahr 2024 war erfolgreich.
Gut zu Wissen
In-vitro-Fertilisation (kurz IVF) ist eine Methode der künstlichen Befruchtung. Dabei werden Eizellen der Frau und Spermien des Mannes außerhalb des Körpers in einem Labor (im Reagenzglas oder einer Nährschale) zusammengebracht. Kommt es zu einer Befruchtung, wird ein entstandener Embryo nach wenigen Tagen in die Gebärmutter eingesetzt.
Laut BILD beschreibt Luca die damalige Behandlung als chaotisch. Vor dem Eingriff habe das Paar die Ärztin sogar gefragt, ob der Embryo tatsächlich ihnen gehöre. Ihre Antwort habe sie beruhigt.
Heute stellen sich die Eltern umso mehr die Frage, wie es trotzdem zu einer Verwechslung kommen konnte.
Staatsanwaltschaft und Carabinieri ermitteln
Der Fall beschäftigt inzwischen die italienischen Behörden. Die Staatsanwaltschaft und eine Spezialeinheit der Carabinieri ermittelt. Auch die Gesundheitsbehörde ASL Napoli 1 Centro bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA, dass es einen Fehler beim Implantationsverfahren gegeben habe.
Für Luca und Elisa bleiben trotzdem viele Fragen offen. Denn neben ihrer Tochter hatten sie noch vier weitere Embryonen in der Klinik einfrieren lassen.
Die Eltern fragen sich: „Wurden sie einer anderen Frau eingesetzt? Kommen eines Tages Eltern zu uns und sagen, wir sollten ihre Tochter kennenlernen, die eigentlich unsere ist?“
Trotz all der offenen Fragen betont Luca gegenüber BILD, dass seine Tochter für ihn nicht weniger seine Tochter ist. „Wir lieben unsere Tochter, als wäre sie unsere eigene“, sagt er.
Gleichzeitig belastet die Situation die Familie psychisch. Luca berichtet, dass er und seine Frau sich nur schwer auf ihre Arbeit konzentrieren könnten und Angst davor hätten, ihrer Tochter eines Tages die Wahrheit erklären zu müssen.
„Wir leben mit der ständigen Angst, dass eine andere Familie Anspruch auf unser Kind erhebt. Dieses Kind hat keine Schuld, und wir lieben es uneingeschränkt. Meine Frau hat es neun Monate in ihrem Bauch getragen.“
Auch die Vorstellung, möglicherweise vier weitere Kinder „verloren“ zu haben, belastet die Familie, da zurzeit ungeklärt ist, was mit den vier anderen Embryonen des Paares geschehen ist. Luca bereitet deshalb laut BILD eine Schadenersatzklage gegen das Krankenhaus und die behandelnde Ärztin vor.
Eine Geschichte, bei der viele Fragen offenbleiben
Der Fall zeigt vor allem, wie weitreichend die Folgen sein können, wenn bei einer Kinderwunschbehandlung etwas schiefgeht. Für die Familie geht es längst nicht mehr nur um einen medizinischen Fehler. Es geht um ihre Kinder, ihre Familiengeschichte und die Frage, wie sie mit dieser Situation in Zukunft leben sollen.
Fest steht derzeit: Die italienischen Behörden untersuchen den Fall, die Gesundheitsbehörde hat einen Fehler beim Implantationsverfahren bestätigt. Viele weitere Fragen sind dagegen noch ungeklärt.
Wie würdest du mit einer solchen Situation umgehen? Könntest du dir vorstellen, trotz einer solchen Nachricht dein Kind weiterhin bedingungslos als dein eigenes zu sehen? Wir sind gespannt auf eure Gedanken in den Kommentaren.
Nach künstlicher Befruchtung: Familie erlebt schlimmsten Albtraum
Von
Lena Krause
20. August 2026