Vielleicht kennt ihr Alina Merkau als gut gelaunte Moderatorin des SAT.1-Frühstücksfernsehens oder als Co-Host des Podcasts „Out of Office“, den sie gemeinsam mit ihrem Mann produziert. Vielleicht ist sie euch aber auch aus der Yoga- und Pilates-App DAYLY bekannt, in der die Berlinerin kurze Workouts für den Alltag zeigt. Oder ihr folgt ihr auf Instagram, wo sie mehr als 300.000 Menschen Einblicke in ihr Leben zwischen TV-Studio sowie ihrem Alltag in Berlin und auf Ibiza gibt.
Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern ist Alina im vergangenen Jahr auf die Baleareninsel ausgewandert – mit dem Ziel, als Familie mehr Zeit miteinander zu verbringen. Hat sich dieser Schritt gelohnt?
Darüber haben wir mit ihr gesprochen. Im Interview erzählt sie außerdem, wie sie mit verletzenden Kommentaren umgeht, die sie als Mutter immer wieder erreichen, und wie sie sich nach den Geburten ihrer Kinder Schritt für Schritt ein gutes Körpergefühl zurückerarbeitet hat.
Ein Prozess, wie sie selbst sagt. Vielleicht ist genau das Alinas Erfolgsgeheimnis: Sie beschönigt nichts, sondern spricht offen und ehrlich über die Dinge, die sie bewegen.
So auch in unserem Interview. Los geht’s!
Liebe Alina, du bist Zweifach-Mama lebst derzeit auf Ibiza sowie in Berlin, bist Moderatorin, auf Social Media präsent, hast einen Podcast und eigene Firmen wie eine eigene Pilates-App – wie schaffst du das alles?
Wenn ich das so selber höre, denke ich manchmal: „Aaah, ganz schön viel – und ganz schön viel Verantwortung.“
Aber im eigenen Kosmos fühlt es sich gut an und ich sehe da nicht den ganzen Berg an Aufgaben, sondern habe in meinen 30ern gelernt, im Moment zu leben und immer nur den nächsten Step zu sehen, nicht mehr das große Ganze.
Aber trotzdem, wie machst du das? Und wann findest du dann noch Zeit für dich zum Beispiel um Sport zu machen?
Ehrlich gesagt ist mein Sport eine der Säulen, die mich durch einen wilden Alltag trägt. Und ich spüre es sofort, wenn ich keinen Sport mache. Dann werde ich nämlich fahrig, müde und bekomme Nackenschmerzen.
Ich stütze mich auf diese Säulen, damit es mir gut geht: Zum einen ist das Bewegung. Ich sehe es, wie ein kleiner Termin mit mir selber – dieser wird nicht verschoben und ist nicht verhandelbar.
Ich muss mich mindestens drei Mal pro Woche bewegen, weil ich sonst spüre, dass es mir nicht gut geht. Ich trage es mir richtig in den Kalender ein. Es hilft mir, dran zu bleiben.
Und dann glaube ich auch, dass wir Menschen unterschiedliche Kapazitäten und unterschiedliche Stärken haben. Ich stehe gern früh auf, habe gern viel zu tun, hake gerne Dinge ab, das ist etwas, was wir eher Energie gibt und ich schaffe mir mittlerweile – das war nicht immer so – ganz klar Pole, in denen ich auftanke.
Ich habe mich in den letzten zehn Jahren als Mama gut kennengelernt und weiß, wo ich meine Energien auflade.
Dass kann mal ein schönes Abendessen mit einer Freundin beim Italiener sein, das kann ein Serienmarathon mit meinem Mann auf der Couch sein. Diese Zeit tut mir gut und ich schaffe sie mir dann – und dazu möchte ich auch andere Mamas ermutigen:
Nehmt eure Wünsche und das, was euch gut tut, ernst.
Alina Merkau
Wie beginnt man nach der Schwangerschaft wieder mit Sport?
Wir hören ganz oft von Müttern, dass sie gar nicht wissen, wo sie wieder anfangen sollen mit Sport und Bewegung nach der Schwangerschaft. Was würdest du ihnen raten?
Das ging mir auch so. Eine Schwangerschaft und eine Geburt machen etwas mit dem Kopf und mit dem Körper. Man spürt diese unheimliche Kraft für das, was der Körper geleistet hat, aber ich kenne auch die Frage nach den Schwangerschaften: „Wer war ich denn eigentlich nochmal und wer möchte ich zusätzlich zur Mama-Rolle sein?“
Ich würde es eher als Neustart sehen.
Heute kann ich sagen: Ich will nicht mehr 25 Jahre alt sein und meinen Körper zurück, denn er hat in den Schwangerschaften krasses geleistet. Ich habe Narben, Dehnungsstreifen und der Bauch wird nie wieder so straff sein, wie er mal war. Damit Frieden zu schließen, hat mir geholfen.
Und man versteht als Mama auch, wie wichtig Bewegung ist: für den Nacken, für den Beckenboden, für den Rücken.
Ich mache Sport nicht mehr nur fürs Äußere, sondern es auch um eine Haltung zu haben, um fit zu sein, um gut laufen zu können und um tragen zu können. Wenn das alles funktioniert, fühle ich mich stark.
Alina Merkau
Der erste Schritt: Nimm den Druck raus, Mama!
Und wie findet man zu einer Routine zurück?
Als allererstes würde ich jeder Frau raten: Nimm dir den Druck raus und gib dir die Zeit.
Es bringt meist nichts drauf los zu sporteln, direkt eine Stunde sich auszupowern und dann zu merken, dass man sich völlig überlastet hat und eigentlich noch gar nicht so weit ist.
Dein Körper baut sich nicht nur durch Power auf. Die feine Muskulatur und Beweglichkeit – das darf alles nach und nach wieder kommen. Und deswegen würde ich jeder Frau empfehlen erstmal langsam zu starten:
Jede Minute Bewegung ist eine kostbare Minute.
Auch ein Spaziergang tut gut und die Alltagsbewegung macht einen großen Teil aus, um wieder zurück zur eigenen Fitness zu finden. Es ist simpel, aber: Lauf zum Supermarkt, nimm die Treppe und kümmere dich um deinen Beckenbogen.
Und bitte nimm den Beckenboden wirklich ernst: Unbedingt mit sanften Übungen starten und erstmal nach innen wieder gesunden lassen und festigen. Das ist die Prävention, die wir brauchen, um Mitte 40 und Mitte 50 noch stabil zu bleiben.
Es gibt so ein tolles Video, in dem eine Frau joggt und sagt:
„Es heißt, du würdest für dein Kind sterben, aber würdest du für dein Kind auch leben? Für dein Kind gesünder Essen, dich 10 Minuten am Tag bewegen?“ Wir tun so viel für unsere Kinder und kommen dabei oft zu kurz. Dabei ist unser Wohlbefinden genauso essentiell.
Alina Merkau
Als Moderatorin und auch auf Social Media bist du extrem sichtbar. Was würdest du anderen Mamas in puncto Sichtbarkeit (im Job, in der Beziehung, auf Social Media) raten?
Es waren vor allem die Tiefs in meinem Leben, die mein Selbstbewusstein gestärkt haben. Ich wurde mir selbst mehr bewusst.
Das können kleinere Dinge sein wie Hasskommentare, die ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe oder große Dinge wie der Tod meines Papas.
Das möchte anderen Frauen gern raten:
Wenn ihr gerade das Gefühl habt, dass ihr nicht stark seid, schaut mal darauf, was ihr alles bereits bewältigt und was ihr daraus gezogen habt.
Mir hat das total viel Stärke gegeben. Ich sage mir, seit mein Papa gestorben ist, bei Konflikten oder schwierigen Situationen immer: „Es stirbt ja keiner.“
Den Tod meines Papas habe ich überlebt, was sollte da noch Schlimmes passieren. Es wird alles gut werden. Hab ein bisschen Vertrauen ins Leben. Ich glaube, das spüren die Leute auch und deshalb habe ich auch keine große Scham mehr für mich einzustehen und meine Meinung zu sagen.
Klar, verhalte ich mich auch mal doof, aber:
Meistens bekomme ich auf die unangenehmen Themen, die ich gar nicht erst ansprechen wollte, die meiste Resonanz. Es gibt immer Menschen, die sich genauso fühlen und das schafft eine unglaubliche Verbindung.
Alina Merkau
Hasskommentare oder Momshame – wie reagierst du?
Gerade, wenn du auf Social Media über deine Kinder sprichst, haben auch viele Menschen eine Meinung dazu? Wie gehst du damit um?
Das ist echt schwer. Mit Rosa, meiner großen Tochter, habe ich das am Anfang oft erlebt – und zwar in den lächerlichsten Situationen:
Ich habe ihr mit acht Monaten zum Beispiel mal mein Stück Wassermelone zum Probieren hingehalten und habe böse Nachrichten bekommen, dass ich mein Kind ja quasi gerade töten würde.
Manchmal sind da groteske Kommentare dabei und manchmal denke ich dann auch: Habe ich mich nicht genug informiert, dass Wassermelone bei einem acht Monate altem Baby tödlich enden kann?
Ich habe mich dann auch für eine Weile zurückgenommen und mich gefragt, was poste ich jetzt und was nicht.
Und dann denke ich:
Halt Stopp, ich kenne meine Kinder am besten, ich habe dieses Kind geboren – ich glaube, ich darf mich ein bisschen mehr auf mich verlassen und meine eigene Mama hat mir tatsächlich auch dabei geholfen.
Ich habe sie ein paar Sachen gefragt und sie hat bei 9 von 10 Fragen geantwortet: „Darüber haben wir uns früher gar keine Gedanken gemacht. Mach doch einfach.“
Wir dürfen uns alle ein bisschen mehr auf uns verlassen und mit unserem Selbstbewusstsein wächst ja auch das der Kinder.
Alina Merkau
Viele träumen von einem Jahr im Ausland – ist es wirklich empfehlenswert?
Gerade lebt ihr für ein Jahr im Ausland? Was ist euer Résumé, würdest du es weiterempfehlen?
Ein ganz großes JA! Aber: Man sollte auf unerwartete Dinge vorbereitet sein und ich muss dazu sagen: Es war finanziell eine Herausforderungen. Wir haben ganz klar gesagt: Das wird kein Jahr, in dem wir Geld zurücklegen können – ganz im Gegenteil.
Es war ein bewusstes Investment für mehr gemeinsame Zeit als Familie.
Also: Die Finanzen müssen geregelt sein. Außerdem dauert das Ankommen mit Kindern einfach länger: Wir haben erstmal die Kinder integriert und nach sechs bis acht Wochen konnten wir selbst uns einen neuen Alltag aufbauen.
Das ist natürlich ein Prozess. Unsere Kinder haben das großartig gemacht. Interessanterweise war es für den Kleinen schwieriger als für die Große. Es gab eine klassische Eingewöhnung und auch einige Herausforderung.
Wichtig ist auch, da das Vertrauen zu behalten. Wir kennen niemanden, der ein Jahr im Ausland war und am Ende gesagt hat: Das war Mist. Wir vertrauen jetzt darauf – obwohl mein Mann und ich beide auch mal weinend im Auto saßen und uns teilweise gefragt haben:
„Was machen wir hier eigentlich?“
Warum haben wir diese Unruhe reingebracht? Die ersten Wochen sind ein Ankommen. Es ist kein Urlaub, sondern ein neues, kleines Leben, das man da beginnt. Es hat uns aber auch so viel gebracht: Das Jahr im Ausland hat uns entwickelt – als Eltern, als Paar.
Wir haben so viele Gespräche geführt, die wir sonst nie geführt hätten, wir haben neue Menschen getroffen – unsere Kinder haben eine neue Sprache gelernt, neue Freunde gefunden, ein Selbstbewusstsein für neue Situationen entwickelt.
Ich reihe mich ein, bei allen, die sagen: Wir bereuen nichts, es ist toll, es ist anstrengend, aber es lohnt sich – und die Kinder sehen das genauso.
Möchtest du Alina mal live vor Ort erleben? Dann gewinne ein Ticket fürs Echte Mamas-Festival!
Dort wird Alina auch dabei sein und auf der Bühne darüber sprechen wie Mütter heute ihre Stimme nutzen, sichtbarer werden und etwas bewegen können. So spannend!
Das Festival findet am 3. September 2026 von 12 bis 18 Uhr statt und ein Ticket kostet 39 Euro. Hier gibt’s alle Infos. Du kannst natürlich gern deine Kinder sowie deine gesamte Familie mitbringen.
Wir verlosen zusätzlich noch 10 Festival-Tickets, yeah!
Wenn du teilnehmen möchtest, schreibe uns eine Mail an [email protected] mit dem Betreff Festival und mit etwas Glück gehört ein Ticket plus ein Ticket für deine Begleitung bald dir. Viel Glück!
Moderatorin Alina Merkau: So fand ich nach zwei Geburten zu mir zurück
Von
Marie Kahle
30. Juli 2026