„Liebe Mamas, ich habe mir heute mal die Zeit genommen, um mir meinen Kummer von der Seele zu schreiben. Ich bin 32 und habe gemeinsam mit meinem Mann einen vierjährigen Sohn. Da es für uns schwer ist, Kinder zu bekommen, war für uns von Anfang an klar, dass es bei einem Kind bleiben wird.

Auch wenn ich mir früher mehrere Kinder gewünscht habe, bin ich jetzt glücklich mit unserer kleinen Familie. Ich versuche einfach, meinem Schatz so viel Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken wie möglich. Deswegen trifft es mich umso mehr, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Kind mich ablehnt.

Schon als Baby war er recht schnell kein typisches Kuschel-Kind mehr.

Er war eher daran interessiert, seine Umgebung zu erkunden und das war vollkommen okay für mich. Härter wurde da schon die Autonomiephase, in der ich mit seiner Wut manchmal überfordert war. Mein Mann und ich sind eher Harmonie-Menschen und zunächst wussten wir gar nicht, wie uns geschieht, als unser kleiner Wutzwerg sich im Supermarkt plötzlich schreiend auf den Boden warf.

Doch die Zeit haben wir eigentlich hinter uns, nun macht mir aber eine neue Angewohnheit meines Sohnes das Herz schwer. Er sagt mir seit ein paar Wochen immer wieder, dass er mich nicht liebt oder mich nicht lieb hat. Meistens wenn er böse auf mich ist, weil ich etwas nicht erlaube oder ihn ermahne. Er ruft dann ganz laut: ‚Ich habe dich gar nicht mehr lieb! Du bist doof!‘

Neulich sagte ich ihm zum Abschied: ‚Ich liebe dich, mein Schatz‘ und er sagte nur grinsend: ‚Ich liebe dich gar nicht, geh jetzt!‘

Das war wie eine Ohrfeige für mich und es war mir auch peinlich vor der Erzieherin, die direkt daneben stand und mich nur mitleidig anlächelte. Im Auto habe ich heimlich ein bisschen geheult, weil ich mich so weggestoßen gefühlt habe. Ich weiß, dass er diese Sätze nicht so meint und sich nicht darüber bewusst ist, wie verletzend seine Worte sind. Trotzdem versetzen sie mir jedes Mal einen Stich in mein Mamaherz.

Die Kinder von meinen Freundinnen sind ganz anders, sie überschütten ihre Mamas förmlich mit Liebe. Neulich habe ich ein Video von meiner Schwester bekommen, wie ihre kleine Tochter sich an sie klammerte und ihr ganz viele Küsschen gab. Ich fand das so schön und hatte direkt wieder Pipi in den Augen, weil ich mir sowas auch wünsche. Aber mein Sohn hat gar keine Lust auf Kuscheln oder liebe Worte. Wenn er dann noch sagt, dass er mich nicht liebt, bin ich richtig verzweifelt.

Ich möchte bei meinem Kind keinen Druck aufbauen, dass er meine lieben Worte erwidern muss.

Schließlich möchte ich nicht, dass er in dem Glauben aufwächst, dass er Gefühle vortäuschen muss, um andere nicht zu verletzen. Andererseits möchte ich natürlich auch, dass er zu einem empathischen Menschen wird, der Rücksicht auf die Gefühle von anderen nimmt. Aber auch nicht zu viel Rücksicht. Uff.

Ich habe ein bisschen gegoogelt, wie man sich bei ‚gemeinen‘ Kindersätzen am besten verhält und hoffe, dass uns das weiterbringt. Wahrscheinlich ist das alles nur eine Phase, die ich durchstehen muss, aber trotzdem…


Liebe Ronja, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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28 Kommentare

  • Jo

    Hallo liebe Mama,

    Hier schreibt auch eine Mama von 2 wilden Jungs. Mein großer ebenfalls 4 1/2 ist auch ein sehr gewünschtes Wunschkind und war ein Mamakind wie es im Buche steht. Und dann wurde er 4 und auf einmal war mama Nebensache und Papa die Nummer 1. bums das Sitzt und macht traurig. Ist aber sooooo normal und richtig. Die kleinen Racker orientieren sich am Papa. Am männlichen Vorbild. Und da wo die Bindung stark ist (zu uns Mamas) muss man sich vllt auch mal etwas doller los strampeln. Mein Großer hatte es ein paar Wochen extrem, ich hab auch fast täglich geheult. Und auf einmal wurde es wieder besser.. Kopf hoch.

  • Lari

    Hallo 🙂

    Ich finde diese neue Zeit des reflektierten Erziehens so toll und schön dass du dich beliest und liebevolle Wege suchst

    Vlt helfen dir die Fragen die ich habe und mir in besonders herausfordernden Situationen stelle

    1. Welche Gefühle werden ausgelöst und warum. Meist ist die wahre Ursache eine Erfahrung aus alter Zeit, ein Glaubenssatz etc pp

    2. Welches Bedürfnis steckt beim Kind dahinter.

    Ein Tipp ist das Buch „Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“
    Vlt hilft es euch das im Rollenspiel nachzuspielen. Es muss klar sein an übertriebener Mimik, Gestil und Reaktion dass es ein Spiel ist…. vlt ist er damit dann schon gesättigt.
    Zusätzlich würde ich ganz offen sagen dass dich das sehr traurig macht und es dir schwer fällt damit umzugehen. Ich rede ganz offen und ehrlich mit meinen Kindern, reflektiere mit ihnen und kritisiere sie sowie mich und meinen Mann…. nicht leicht aber bis jetzt scheint das gut zu laufen.

    Was ich noch wichtig finde ist die Eigenverantwortung. Keiner ist für unsere Gefühle verantwortlich außer uns…. der Umgang mit anderen Menschen auch unsere Aufgabe, was nicjt bedeutet dass wir nicht nach Unterstützung fragen dürfen

  • Ninaline

    Leider kenne ich das, meine Tochter hat damit früh angefangen, sie ist mittlerweile 17 und es war keine vorübergehende Phase. Der Kummer darüber ist kaum zu ertragen, mein Mann und ich sind in ihren Augen ‚Opfertypen‘, weil wir eher sanft unterwegs sind und macht sich regelmäßig lustig über uns. Gespräche haben niemals geholfen, im Gegenteil. Das Zusammenleben wird oft zum Alptraum, ausziehen will sie seit sie 4 Jahre alt ist, wir werden das demnächst in Angriff nehmen… Mein Herz hat sie mir mehrmals gebrochen. Und wir ihres, als ihr kleiner Bruder auf die Welt kam (da war sie 3), sagt sie….

    • Laura

      Ist das traurig! Habt ihr schon eine Therapie versucht?
      Das ist doch eher ungewöhnlich oder?
      Ist ihre Beziehung zum Papa gut?
      Ganz viel Kraft und Liebe sende ich dir!!