„Mein Name ist Tanja, ich bin 53 Jahre jung und arbeite halbtags als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin in einer Logopädischen Praxis. Ich wohne in einem beschaulichen Dörfchen in der Nähe von Bremen.
Aus meiner langjährigen Ehe sind drei wunderbare Kinder hervorgegangen, die inzwischen 29, 27 und 21 Jahre alt sind und mich immer wieder mit Stolz erfüllen!
Genau wie mein (fast) 3-jähriger Sohn Friedrich, der sich pünktlich zu meinem 50. Geburtstag angekündigt hat.
Mein jetziger Partner und Vater des Kindes und ich haben nicht schlecht gestaunt, als wir von der Schwangerschaft erfahren haben. Uns war aber sehr schnell klar, dass das Baby willkommen ist – und wir haben uns riesig gefreut. Besonders mein Partner, der bis dahin keine eigenen Kinder hatte.
Die Schwangerschaft verlief komplett ohne Komplikationen.
Ich habe sie richtig genossen und war so fit wie in keiner meiner vorherigen Schwangerschaften.
Nur im letzten Drittel hatte ich mit Schwangerschaftsdiabetes zu kämpfen, die mir einiges an Disziplin abverlangt hat. Das kannte ich allerdings schon aus der Schwangerschaft mit meinem dritten Kind.
Unser Sohn hat unseren Alltag ganz schön auf den Kopf gestellt.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich damit beschäftigt, mich in meinem neuen Job einzuleben, meinen Hobbys Theaterspielen und Malen nachzugehen, mich um meine drei Kinder zu kümmern, und die Zweisamkeit mit meinem Partner zu genießen. Außerdem waren wir – und sind es immer noch – dabei, unser Haus und unseren Garten zu renovieren.
Das alles musste nun pausieren, denn Friedrich hat unseren Alltag komplett umgestaltet.
Die Reaktionen aus unserem Umfeld auf die ‚frohe Botschaft‘ waren sehr unterschiedlich.
Die negativen Kommentare wurden mir meistens nicht direkt ins Gesicht gesagt, kamen allerdings manchmal über Umwege bei mir an. ‚Wie unvernünftig! In dem Alter!‘ usw. hieß es dann.
Oft wurde mir allerdings achtungsvoll Mut attestiert, teilweise sogar Neid geäußert, weil ich das Privileg hatte, in meinem Alter noch einmal Mama zu werden.
Aufgrund meines Alters wurde ich engmaschiger ärztlich betreut.
Das war ein Unterschied zu meiner letzten Schwangerschaft, die immerhin 18 Jahre zurück lag. Besonders zum Ende hin waren es deutlich mehr Untersuchungen.
Als die Geburt näher rückte, fiel die Entscheidung für einen Kaiserschnitt.
Denn Friedrich lag quer und die Ärzte wollten kein Risiko eingehen.
In der 38. SSW wurde er also geholt und hält uns seitdem auf Trab.
Wir hatten das Glück, ein Familienzimmer belegen zu dürfen, und haben die vier Tage im Krankenhaus genossen. Besonders ich war froh, dass mein Partner rund um die Uhr da sein konnte, weil ich doch ziemlich mit den Auswirkungen der OP zu kämpfen hatte.
Die schlaflosen Nächte am Anfang waren mit 50 doch anstrengender als mit Anfang/Mitte 20.
Körperlich war ich erschöpft wie nie. Doch dann hat Friedrich es uns leicht gemacht: Er war ein absolutes ein Anfängerkind!
Mit Spannung und Erstaunen habe ich via Instagram und Co. haufenweise Inspiration, Ratschläge und Informationen bekommen. Da ich aber schon Erfahrungen mit drei Kindern in einer internetfreien Zeit sammeln konnte, habe ich mich nicht verzettelt und konnte gut filtern, was mir hilft und was nicht.
In der Krabbelgruppe habe ich beobachtet, dass einige junge Mütter sich lieber auf Entwicklungs-Apps verlassen als auf ihre eigene Intuition.
Ein großer Vorteil, mit 50 noch einmal Mama zu werden: Ich lasse mir nicht mehr reinreden.
Das war anders, als ich noch jünger war. Nicht selten habe ich damals im ersten Moment gegen mein Gefühl gehandelt und mich auf Ratschläge Älterer verlassen. Das war nicht immer gut.
Heute schläft mein Sohn bei uns im Bett, ich stille immer noch, und es ist mir egal, was andere für eine Meinung dazu haben!
Das Verhältnis zwischen meinen älteren Kindern und Friedrich ist sehr gut.
Wir unterstützen uns gegenseitig voll und ganz. Meine großen Mädchen haben oft auf Friedrich aufgepasst, und inzwischen sitten Friedrich und ich gelegentlich mein Enkelkind Ylva (8 Monate). Friedrich ist also schon ein kleiner Onkel. Familienzusammenhalt ist uns allen wirklich sehr wichtig.
Ich wünsche mir von der Gesellschaft mehr Toleranz, Respekt und Akzeptanz gegenüber den Lebensentscheidungen anderer Menschen.
In unserem speziellen Fall haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wer sich für ein ‚JA‘ entscheidet, hat auch über das ‚NEIN‘ nachgedacht! Alles in allem haben wir unfassbar viel Glück gehabt und sind grenzenlos dankbar für unser kleines Wunder!
Mein Gedankenimpuls für ältere Frauen, die über ein Baby nachdenken: Überlegt es euch gut! Es ist ein Geschenk, das gewissenhaft behandelt werden möchte und man muss stark sein. Aber es ist auch einfach wunderbar schön!“
Liebe Tanja, vielen Dank, dass wir deine mutmachende Geschichte teilen dürfen!
Mama mit 50: „Welchen großen Vorteil mein Alter für mich hat“
Von
Wiebke Tegtmeyer
31. März 2026