Lastenfahrrad-Liebe: 10 Gründe, die für ein Lastenfahrrad sprechen

Wie auch ich jetzt zum Lastenfahrrad gekommen bin? Nun, bei Wind und Wetter gibt es für mich nur ein wahres Fortbewegungsmittel: das Fahrrad. Ich liebe es, mit dem Rad unterwegs zu sein! Meiner Meinung nach gibt es in einer Großstadt wie Hamburg nichts besseres. Man kommt schnell von A nach B, muss nie lange einen Parkplatz suchen und kann jederzeit spontan auf- und absteigen.

Nur eine Sache hat mich als Mutter mit einem Kindersitz auf dem Gepäckträger immer gestört: Man kann nichts „eben mal so“ mitnehmen.

Dabei muss man als Mutter eines Kleinkindes ständig irgendwelches Zeug mit sich herumschleppen. Alleine meine Handtasche wiegt gefühlte 20 Kilogramm.

Deswegen habe ich Eltern mit einem Lastenfahrrad (in unserem Stadteil Ottensen gibt es nämlich immer mehr davon, ja, ja, die Hipster-Eltern…) bisher immer neidisch hinterhergeguckt, wenn ich mal wieder aus dem Supermarkt kam, die Einkaufstüten am Lenker befestigt habe und wackelig nach Hause geradelt bin (der reinste Wahnsinn!).

Aber ein Lastenfahrrad selbst anzuschaffen, das kam für mich dann doch lange nicht in Frage. Ich dachte immer, dass das nicht zu uns passt. Wir sind so gar nicht hip und zu viel Geld haben wir auch nicht übrig. Abgesehen davon, musste in meiner Vorstellung für ein „wertvolles“ Lastenfahrrad mindestens ein Carport oder noch besser eine Garage her.

Stimmt schon alles irgendwie… aber:

Seit Kurzem habe ich nun doch ein Lastenfahrrad vor der Haustür stehen – es hat mich einfach doch zu sehr gereizt! Zum Glück: All meine Bedenken habe ich sofort nach meiner ersten Runde über den Haufen geworfen.

Ein Lastenfahrrad ist wirklich toll – und zwar aus diesen 10 Gründen hier:

1. Preis:

Ich habe mich für das „Babboe Big-E“ entschieden. Es ist wahrscheinlich mit das bekannteste Lastenfahrrad und wird von „Babboe“, einer Firma aus Holland hergestellt. Es ist sehr robust, hat drei Räder, eine geräumige Holzbox und eine elektrische Tretunterstützung. Es kostet in dieser Ausstattung 2.199 Euro und ist damit wahrlich kein Schnäppchen. Allerdings ist das „Babboe Big-E“ für mich ein richtiger Autoersatz geworden und die Anschaffungskosten werden sich langfristig durch die gesparten Benzinkosten ausgleichen. Und vielleicht brauchen wir irgendwann gar kein Auto mehr und sparen auch noch die hohen Nebenkosten wie Versicherung oder Steuern.

Ein Lastenfahrrad kann nämlich eigentlich genau das gleiche wie ein Auto, ist im dichten Verkehr auch noch schneller und in Anschaffung, Unterhalt, oder Reparatur erheblich günstiger als ein Auto.

Und: Der Kauf eines neues elektronischen Lastenfahrrads wird seit dem 01. März diesen Jahres durch den Staat gefördert und mit einer Prämie bezuschusst. Allerdings muss man das Fahrrad gewerblich nutzen. Dann werden bei einer Neuanschaffung 30% der Kosten, maximal 2500 Euro pro Fahrrad übernommen. Es gibt aber auch schon Städte, die auch Privatpersonen beim Kauf eines E-Lastenrads unterstützen. In München werden bis maximal 1000 Euro des Kaufpreises zurückgezahlt. Man muss den Antrag auf Förderung nur VOR dem Kauf ausfüllen. Also noch einmal schlau machen und so vielleicht richtig viel Geld sparen.

Mein Sohn im „Babboe Big-E“ Lastenfahrrad

2. Umwelt:

Ein Lastenfahrrad produziert keine Abgase und keinen Lärm. Es ist somit extrem umweltfreundlich und kann erheblich zum Klimaschutz beitragen. Der „Zweirad-Industrie-Verband“ (ZIV) berichtet, dass in Deutschland die Hälfte aller Autofahren unter 5 Kilometern liegt und ein Viertel gar unter zwei Kilometern. Verrückt, oder? Diese Strecken könnten ohne Weiteres mit einem Fahrrad unternommen werden!

3. Schwere Ladung transportieren:

In der großen Holzbox des „Babboe Big-E“-Rads (90 x 58 x 53 cm) ist sehr viel Platz und es können darin maximal 100 Kilogramm transportiert werden. Die Sitzbänke lassen sich mühelos nach oben klappen und man gewinnt dadurch sehr viel Stauraum. Kind, Handtasche und mehrere Einkaufstüten passen problemlos rein und können durch die Stadt kutschiert werden. Mittlerweile machen wir unseren großen Wochenendeinkauf auch mit dem Rad und mein Mann wurde auch schon mal mit einer Kiste Bier in der Box gesichtet – auf dem Weg zur Grillparty unserer Freunde.

Das ist noch gar nichts – die Transportbox ist an manchen Tagen noch viel voller

4. Man ist super schnell am Ziel:

Ich gebe es zu: Ich möchte den elektrischen Antrieb nicht mehr missen. Ich bin so viel mit dem Rad unterwegs wie noch nie zuvor. Ich fahre durch ganz Hamburg und nutze auch bei längeren Strecken die U- oder S-Bahn fast gar nicht mehr. Man kann den Akku, der unter dem Gepäckträger befestigt ist, herausziehen und in 4-6 Stunden vollständig aufladen. Laut Hersteller reicht das für 40-60 Kilometer, je nach Belastung des Rades oder Fahrverhalten. Ich kann diese Reichweite auf jeden Fall bestätigen, da ich durchschnittlich jeden Tag ca. 10 Kilometer mit dem Lastenfahrrad fahre und den Akku alle 4-5 Tage auflade. Es gibt eine 6-stufigen Gangschaltung für den Elektro-Motor, die ganz leicht zu verstehen und zu bedienen ist. Ich bin sehr dankbar für den Motor, vor allem, weil das Lastenfahrrad natürlich wesentlich schwerer ist als ein normales Fahrrad und an jeder Ampel und auf bergigen Strecken auch richtig Anschub benötigt.

So sieht die 6-stufigen Gangschaltung für den Elektro-Motor aus

So sieht der Akku aus, der unter dem Gepäckträger befestigt ist

5. Sicherer Kindertransport:

Im „Babboe Big-E“ können auf den Sitzbänken in der Transportbox bis zu vier Kinder gleichzeitig sitzen und es gibt für alle Plätze jeweils einen Dreipunktgurt zum Anschnallen. Das muss vor jeder Fahrt auch sichergestellt werden, da das Lastenfahrrad (siehe Punkt 4) ein höheres Tempo erreichen kann. Beim Dreipunktgurt müssen die längenverstellbaren Gurte einfach über die Schultern gelegt und dann mit einem Mittelstück im Schritt zusammengeklickt werden. Das klappt im Babboe auch dann, wenn die Kids ihre Helme schon auf haben. Auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht gibt, ist ein Helm für uns ein Muss. Mit dem Lastenfahrrad ist man schließlich auch oft auf der Straße unterwegs, weil die Radwege manchmal zu schmal sind. Sicher ist sicher.

Mein Sohn ist zwei Jahre alt, aber es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, Kinder schon von klein auf sicher im Lastenfahrrad mitzunehmen. Babboe hat dafür mehreres Zubehör im Angebot wie eine Babyschale, eine Maxi-Cosi-Halterung oder ein Kleinkindersitz.

6. Einfacher als gedacht

Ich hatte immer Angst, oder sagen wir Respekt davor, ein Lastenfahrrad zu fahren. Mir kamen die Räder immer sehr schwer und „unhandlich“ vor. Sind sie natürlich in gewisser Weise auch, aber man gewöhnt sich wirklich sehr schnell an den neuen fahrbaren Untersatz. Unser Lastenfahrrad hat drei Räder und ist damit überhaupt nicht wackelig. Ganz im Gegenteil, man steigt sehr bequem und sicher auf und an. Das liegt bestimmt auch daran, dass das „Babboe Big-E“ mit einer speziellen Feststellbremse ausgestattet ist, die ein Wegrollen verhindert. Ebenso hat das Rad einen Lenkungsdämpfer, damit das Lastenfahrrad, auch wenn man nicht lenkt, immer geradeaus fährt und der Lenker sich nicht abrupt, sondern langsam und weich hin- und herbewegt.

Wir radeln mindestens einmal in der Woche zur Elbe

7. Kontakt zum Kind:

Bei meinem alten Fahrrad saß mein Sohn immer im Kindersitz auf dem Gepäckträger und ich sah ihn während der Fahrt gar nicht. Und er sah wegen meines Rückens und meinem Rucksack auch nicht besonders viel von der Welt. Im Lastenfahrrad fahre ich mein Kind quasi vor mir her und habe einen tollen Blick darauf, was er macht und wie er auf die Sachen um ihn herum reagiert. Besonders schön finde ich es, dass wir deswegen während den Fahrten öfter miteinander reden.

8. Abstellmöglichkeiten und Sicherung:

Ich hatte es am Anfang schon gesagt, wir besitzen keine Garage und keinen Carport. Wir haben auch keinen großen Fahrradkeller. Unser Fahrrad steht immer draußen, was wirklich nicht perfekt ist, aber für mich auch keine weiteren Probleme mehr darstellt. Ich habe mir einen Platz in unserer Nachbarschaft gesucht, der nicht weit von unserer Wohnung entfernt ist und wo Roller oder Motorräder abgestellt werden. Dort stelle ich unser Fahrrad ab und sichere es mit einem dicken Kettenschloss, das ich mir im Vorfeld gekauft habe. Das Kettenschloss war eine zusätzliche Investition, um die man aber nicht herumkommt, wenn man lange etwas von seinem teuren Fahrrad haben möchte. Unser Fahrrad hat als Standard noch ein zusätzliches Rahmenschloss. Eine weitere Investition war eine wind- und wasserdichte Abdeckplane, die das Fahrrad vor dem oft nasskalten Hamburger Wetter schützt.

9. Fitness:

Ein toller Nebeneffekt des vielen Fahrradfahrens ist natürlich, dass man sich bewegt und damit fit und gesund bleibt. Toll, denn gerade als Mutter hat man wenig Zeit für Sport, dass man sich über jede kleine Übung freut, die man quasi nebenbei machen kann. Ich schalte beim Lastenfahrrad auch ganz oft den Motor aus. Man kommt ganz schön ins Strampeln – aber darum geht es dann ja auch.

10. Spaß:

Spaß! Das Fahren eines Lastenrads macht einfach richtig viel Spaß!

Natürlich haben Lastenfahrräder auch einige Nachteile. Die Fahrradwege in Großstädten sind teilweise extrem eng und man muss sich erst an den größeren Wendekreis der Räder gewöhnen. Aber für mich wiegen die oben beschriebenen Vorteile alles auf.

Und ich bin mir sicher, dass wir zukünftig immer mehr E-Bikes und Lastenfahrräder auf den Straßen sehen werden und die Städteplanung sich dahingehend auch verändert wird.

Jeder der sich für ein Lastenfahrrad interessiert und nicht weiß, welches Modell am besten zu ihm passt, kann bei diversen Fahrradfachgeschäften ein Probefahren vereinbaren. Und wer ein Lastenfahrrad nur gelegentlich braucht, kann es sich auch bei Sharing-Anbietern stunden,- oder gar tageweise leihen.

Toll, oder?

Also, auf den Sattel und los geht’s!

Ich wünsche euch allen eine gute Fahrt.

Echte Mamas

Echte Mamas. Wir sind echt und ehrlich.

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