„Ich bin Pat, 36 Jahre alt, und wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal Vater werde, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht. Kinder waren für mich nie ein Thema. Ich war immer ziemlich sicher, dass ich kinderlos durchs Leben gehen würde.
Ich bin schwul und meine Expartner hatten nie einen Kinderwunsch. Meine beste Freundin Nina dagegen wollte schon immer Mama werden. Wirklich schon immer. Ich kenne sie gar nicht anders.
Kennengelernt haben wir uns 2006 im Italienischkurs in der elften Klasse. Wir waren beide neu auf der Schule. Ich hatte eine geschnittene Kaki in einer Tupperdose dabei und Nina fragte mich: „Was ist das für eine Frucht?“ Ich sagte: „Eine Kaki. Möchtest du probieren?“ Und damit begann unsere Freundschaft.
Seitdem sind fast 20 Jahre vergangen.
Wir waren immer eng befreundet. Es gab nie diese Phasen, in denen man sich nur sporadisch meldet oder sich auseinanderlebt. Wir waren immer füreinander da. Bei Todesfällen, Krisen, Trennungen, durch alle Lebensphasen hindurch.
Wir haben sogar eine Zeit lang zusammen auf einem Bauernhof gewohnt – ich mit meinem damaligen Partner, Nina in der Wohnung daneben. Unsere Leben waren schon immer eng miteinander verwoben.

Nina hatte schon sehr früh diesen großen Kinderwunsch.
Sie ist unglaublich kinderaffin, hat als Tagesmutter gearbeitet, im Kinderheim, mit Kindern mit Behinderung oder schweren Erkrankungen. Kinder waren für sie nie eine Frage, sondern immer Teil ihrer Zukunft.
Und sie sagte über Jahre hinweg immer wieder zu mir: „Wenn ich irgendwann Mitte 30 bin und keinen passenden Mann gefunden habe, dann machst du das mit mir, okay?“ Und ich antwortete immer ganz locker: „Ja klar.“
Irgendwie war das lange eher so ein Gedanke, den man immer mal wieder ausspricht, ohne wirklich darüber nachzudenken. Bis letztes Jahr.
Wir verbringen unsere Geburtstage eigentlich immer zusammen. Gehen essen, spazieren oder sitzen einfach nur zusammen. Und an ihrem 34. Geburtstag sagte Nina plötzlich: „Ich muss mit dir reden.“
Sie wurde ernst und sagte: „Meine Uhr tickt. Stehst du noch dazu oder nicht? Bitte fühl dich nicht unter Druck gesetzt – aber ich muss anfangen zu planen.“ Und plötzlich war das keine lockere Idee mehr. Plötzlich war es Realität.
Ich habe ein paar Tage darüber nachgedacht.
Und eigentlich war die Antwort schnell klar. Wenn ich mit irgendwem ein Kind bekommen würde – dann mit Nina.
Wir kennen uns in- und auswendig. Keiner kennt so viele Geheimnisse von mir wie sie und umgekehrt. Wir haben schon so viel gemeinsam getragen, dass sich dieser Schritt irgendwie logisch angefühlt hat.
Zuerst war eigentlich ihr Plan, „Single Mom by Choice“ zu werden. Sie wollte schon lange ein Kind – auch ohne klassischen Partner. Aber irgendwann wurde aus dieser Idee etwas Gemeinsames.
Heute planen wir Co-Parenting.
Das Kind wird hauptsächlich bei Nina leben, aber wir wohnen nur etwa 15 Minuten voneinander entfernt und verbringen sowieso ständig Zeit miteinander. Unser Leben war schon immer eng verbunden – jetzt eben noch mehr.
Viele denken bei Familie automatisch an ein Liebespaar. Aber für uns war sofort klar: Unsere Basis ist nicht Romantik, sondern Vertrauen.
Und ehrlich gesagt hat unser Umfeld kaum überrascht reagiert. Im Gegenteil. Niemand fragte: „Aber ihr seid doch gar kein Paar?“ Die meisten sagten einfach nur: „Natürlich ihr beide.“
Ninas Familie kennt mich seit fast 20 Jahren.
Für sie bin ich längst Teil der Familie. Meine eigenen Eltern sind früh gestorben – mein Vater 2006, meine Mutter 2013 – und dadurch bin ich noch enger in ihre Familie hineingewachsen.
Früher fragten sich ihre Eltern manchmal noch, ob zwischen uns vielleicht doch mehr läuft. Heute weiß jeder: Wir sind einfach beste Freunde.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen.
Gerade online lesen wir manchmal Kommentare wie: „Ihr setzt bewusst ein Kind in die Welt, das sofort getrennte Eltern hat.“ Aber ehrlich gesagt denken wir: Wie viele Kinder wachsen heutzutage nicht in klassischen Familienmodellen auf?
Der Unterschied ist vielleicht, dass wir uns nicht scheiden lassen können. Natürlich kann auch eine Freundschaft zerbrechen – aber nach fast 20 Jahren fühlt sich unsere Basis unglaublich stabil an.
Wir glauben sogar, dass dieses Modell für ein Kind sehr schön sein kann. Ohne Rosenkrieg, ohne Trennungskampf, ohne verletzte Gefühle zwischen Eltern.
Wir sind beide sehr empathische Menschen.
Ich arbeite als Trauerredner – Empathie ist ein riesiger Teil meines Berufs. Und wir begegnen uns schon immer mit sehr viel Respekt.
Als wir dann beschlossen hatten, es wirklich zu versuchen, entschieden wir uns zunächst für eine Home-Insemination (Anm. Redaktion: Die Samen werden per Spritze eingeführt). Einfach erstmal schauen, ob es überhaupt klappt.
Und dann hielt Nina direkt beim ersten Versuch einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.
Wir waren komplett baff.
Ich habe Wochen gebraucht, um wirklich zu begreifen, dass ich Vater werde. Gerade am Anfang, als man noch nichts gesehen hat, fühlte sich alles irgendwie surreal an.
Zum Glück verläuft die Schwangerschaft bisher sehr unkompliziert. Nina geht es gut, sie konnte lange arbeiten und hatte kaum Beschwerden. Einmal musste sie ins Krankenhaus, weil sie sich durch starken Husten einen Nerv eingeklemmt hatte und kaum noch laufen konnte – aber zum Glück war auch das schnell wieder in Ordnung.
Nach der Geburt wird Nina erstmal eine Zeit lang bei mir wohnen, damit ich sie unterstützen kann. Ich bin selbstständig und arbeite viel von zuhause, deshalb können wir uns das gut einteilen.
Was uns anfangs übrigens beschäftigt hat: das Geschlecht des Babys.
Ich bin sehr feministisch eingestellt und habe immer gesagt: Wir brauchen mehr Frauen in dieser Welt. Mehr Frauen in Politik, Verantwortung und Führungspositionen.
Deshalb dachte ich zuerst: Hoffentlich wird es ein Mädchen. Und dann haben wir erfahren, dass wir einen Sohn bekommen.
Und plötzlich wurde uns klar: Vielleicht braucht diese Welt vor allem Männer, die keine Arschlöcher sind. Männer, die empathisch, liebevoll und respektvoll aufwachsen. Und genau so einen Jungen möchten wir großziehen.
Heute freuen wir uns einfach nur noch auf unser Baby. Natürlich wird es anstrengend werden. Aber wir haben tolle Freunde, Familie und Menschen um uns herum, die hinter uns stehen.
Vielleicht zeigt unsere Geschichte auch einfach, dass Familie ganz unterschiedlich aussehen kann – solange Liebe, Vertrauen und Verantwortung da sind.”
Lieber Pat, liebe Nina, vielen Dank, dass wir eure Geschichte erzählen durften. Wir wünschen euch alles Liebe!
Wenn ihr bei den beiden dranbleiben möchtet, schaut gerne hier vorbei: @patjabbers und @zwnwaldndfeder
Könntet ihr euch vorstellen, mit dem besten Freund ein Kind zu bekommen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
Lieb doch alles daran, seine Freunde wählt man sich so bedacht aus & es liest sich wie eine Liebesgeschichte für die Freundschaft – das ist ganz ganz arg schön! Wie toll, dass sich diese Möglichkeit für beide so gut angefühlt hat. ❤️ 🥰 Ich wünsche nur das aller aller Beste!
So eine schöne Geschichte 🥹 Das Baby wird einfach mit so viele Liebe aufwachsen ❤️ Vielen Dank, dass ihr das hier geteilt habt!
Ein richtig tollen Paar – wie sieht euer Alltag aus? Und was wäre, wenn ihr neue Partner haben würdet? Das würde ich noch spannend finden
Wow, was für eine schöne Geschichte. Ich wünsche den beiden alles Gute und finde es ganz toll, wie sie als Freunde gemeinsam ihre Zukunft als Familie planen – so schön