Vater sollte aufpassen

Nach dem Tod ihres Sohnes stand ihre Ehe vor der größten Prüfung. Jetzt erzählt Influencerin Emilie Kiser, wie sie mit Schuld, Trauer und Vergebung lebt.

Mehr als ein Jahr nach dem Tod ihres kleinen Sohnes Trigg (†3) bricht die Familien-Influencerin Emilie Kiser (27) erstmals ihr Schweigen. Im Podcast „On Purpose“ von Jay Shetty spricht sie über den schwersten Schicksalsschlag ihres Lebens – und über die Frage, die viele Menschen beschäftigt: Wie kann man dem eigenen Partner verzeihen, wenn ein vermeidbarer Unfall das Leben des gemeinsamen Kindes kostet?

Der dreijährige Trigg ertrank im Mai 2025 im Pool der Familie in Arizona. Emilie war an diesem Abend mit Freundinnen unterwegs. Zu Hause kümmerte sich ihr Mann Brady um Trigg und den erst fünf Wochen alten gemeinsamen Sohn Teddy.

Im Podcast erzählt Emilie von dem Anruf, der ihre Welt bis heute erschütterte:

„Etwa zehn Minuten nachdem ich angekommen war, bekam ich einen Anruf von meinem Mann. Er sagte mir, dass Trigg in den Pool gefallen sei und nicht mehr atme (…) Ich hörte den Schmerz und die Verzweiflung in seiner Stimme. Noch bevor er etwas erklärte, wusste ich, dass etwas Schreckliches passiert war.“

Trigg wurde ins Krankenhaus gebracht, starb jedoch sechs Tage später an den Folgen des Unfalls.

Verschiedenen Medienberichten zufolge stellten Ermittler später fest, dass er mehrere Minuten unbeaufsichtigt gewesen war. Gegen Vater Brady Kiser wurde zeitweise eine Anklage wegen Vernachlässigung geprüft. Statt seinen Sohn im Auge zu behalten, habe er ein Basketballspiel angesehen.

Die Staatsanwaltschaft entschied jedoch schließlich, keine Anklage zu erheben. Sie erklärte, die Beweislage reiche für eine Verurteilung nicht aus.

Bis heute findet Emilie kaum Worte für ihren Verlust.

„Unsere ganze Welt ist zusammengebrochen“, sagt sie. „Es gibt keine Möglichkeit zu beschreiben, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Wir dachten nicht, dass wir das überstehen würden.“

Besonders schwer sei für sie die Erkenntnis gewesen, dass der Tod ihres Sohnes vermeidbar gewesen wäre.

„Wenn dein Kind durch einen vermeidbaren Unfall stirbt, fragst du dich ununterbrochen: Wo haben wir versagt? Wie konnte das passieren? Warum ist das passiert? Diese Fragen laufen in deinem Kopf rund um die Uhr.“

Doch Emilie muss nicht nur mit dem Verlust ihres Kindes klarkommen, sondern auch mit den Gefühlen gegenüber ihrem Ehemann.

„Am Anfang war ich unglaublich wütend auf ihn“, erzählt sie offen. „Ich wusste wirklich nicht, ob ich diesem Mann jemals verzeihen könnte.“

@jayshetty🚨Watch or listen🚨to this brand new episode with Emilie Kiser today by searching ‘Jay Shetty Podcast’ on your favorite platform 🎙️♬ original sound – doomalert_mrt

Im Podcast beschreibt sie, wie sie diesen Zorn auf ihren Mann schrittweise loslassen konnte.

„Der Gedanke, der alles verändert hat, war: Das hätte genauso gut mir passieren können.“ Sie erklärt, dass Brady in dem Moment nicht einfach unaufmerksam auf der Couch saß. Er kümmerte sich gleichzeitig um das wenige Wochen alte Baby der Familie.

„Das entschuldigt nicht, was passiert ist. Aber mir wurde klar, dass ich genauso gut an seiner Stelle hätte sein können.“ Mit diesem Gedanken kam auch Mitgefühl.

„Selbst wenn wir irgendwann nicht zusammengeblieben wären, hätte ich ihm verziehen. Weil ich mir so sehr wünschen würde, dass man mir verzeihen würde, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre.“

 

Heute sagt Emilie, dass sie und ihr Mann die Trauer gemeinsam tragen.

Das sei nicht immer leicht gewesen. Beide hätten intensive Therapie gemacht, zusätzlich eine Paartherapie besucht und professionelle Hilfe in Anspruch genommen.

„Wir sind die einzigen zwei Menschen, die wirklich verstehen können, was der andere durchmacht“, sagt sie.

Statt gegeneinander zu kämpfen, hätten sie gelernt, sich gegenseitig Raum für Wut, Schuldgefühle, Verzweiflung und Trauer zu geben.

Emilie wünscht sich, dass ihre Geschichte eine Warnung für andere Eltern ist.

Trotz aller Trauer hat Emilie inzwischen eine Mission gefunden. Sie möchte über die Gefahren von Pools aufklären.

„Das Einzige, was ich tun kann, um Trigg zu ehren, ist, andere Familien zu schützen.“ Dabei appelliert sie eindringlich an Eltern, mehrere Sicherheitsmaßnahmen gleichzeitig zu nutzen.

„Wenn ihr einen Pool habt und kleine Kinder, installiert einen Poolzaun.“

Außerdem empfiehlt sie Schwimmkurse, Türalarme, automatische Türschließer und zusätzliche Schutzvorrichtungen rund um das Wasser.

„Niemand kann sein Kind hundert Prozent der Zeit im Blick behalten. Jeder wird irgendwann abgelenkt. Genau deshalb braucht es zusätzliche Sicherheitsbarrieren.“

Und damit spricht Emilie einen wichtigen Punkt an. Auch wir können nicht oft genug daran erinnern: Kinder ertrinken leise – und manchmal auch dann, wenn mehrere Erwachsene daneben stehen.

Es klingt für viele sehr unwahrscheinlich, aber das Ganze hat sogar einen Namen, das Aufmerksamkeitsparadoxon. Es erklärt das Phänomen, dass Kinder unbemerkt ertrinken, obwohl sich Aufsichtspersonen in unmittelbarer Nähe befinden, zum Beispiel bei Gartenpartys, im Schwimmbad oder an Badeseen.

Mit Kindern am Wasser: Experten raten zur Pilotentechnik

Experten empfehlen deshalb die sogenannte Pilotentechnik. Dabei wird die Aufsicht nicht einfach vorausgesetzt, sondern ausdrücklich übergeben – ähnlich wie Piloten die Verantwortung im Cockpit weiterreichen.

Dr. Nikola Klün, Ärztin in der Kindermedizin, erklärt sie in einem Videobeitrag auf Instagram. Immer wenn ein Pilot die Verantwortung abgibt, sagt er: „Ich habe die Kontrolle über das Flugzeug und ich gebe sie ab.” Und derjenige, der übernimmt erwidert: „Okay, ich habe jetzt die Kontrolle über das Flugzeug und du hast sie abgegeben.”

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Echte Mamas (@echtemamas)

Und wie lässt sich das jetzt auf das Problem des Aufmerksamkeitsparadoxon übertragen? Klün empfiehlt, dass Erwachsene es genauso machen sollten, wenn viele Erwachsene und Kinder zusammen sind und irgendwo ist Wasser. „Dann muss immer klar sein, wer ist verantwortlich und wer guckt gerade auf die Kinder. Und wer gibt die Verantwortung ab und wer ist danach zuständig.”

Emilie hat einen großen Wunsch

Gerade weil Emilie selbst erfahren musste, wie schlimm es ist, sein Kind zu verlieren, wünscht sie sich von Herzen, dass andere Eltern alles tun, was in ihrer Macht steht, um ihre Kinder zu beschützen.

„Die wichtigste Erkenntnis ist: Auch wenn ihr glaubt, dass so etwas euch niemals passieren würde – es kann passieren.“

Ihr Sohn Trigg werde immer Teil ihrer Familie bleiben. „Ich möchte niemals, dass er vergessen wird“, sagt sie. „Wir sprechen jeden Tag über ihn.“

Wie seht ihr das: Könntet ihr eurem Partner in einer solchen Situation verzeihen – oder wäre das für euch unvorstellbar?

2 Kommentare

  • User Avatar
    marie

    Ja, da hast du recht. Ich finde es sehr stark wie offen Emilie mit der Tragödie umgeht und wie sie mit ihrem Mann einen gemeinsamen Weg gefunden hat

  • User Avatar
    KerstinAmalia

    Puh schwierige Geschichte aber Ja auch uns kann es passieren, ich sehe es selber bei 3 Kindern, einer ist da der andere da. Man schaut nach dem anderen, in der Zeit macht der andere aber schon was gefährliches.

  •  data-lazy-src=