Als Mutter hat man oft das Gefühl, sich zwischen all den Anforderungen zerreißen zu müssen. Ich kenne das als Mama von zwei Töchtern nur zu gut. Gerade verbringen meine Kinder die Ferien bei ihren Großeltern und haben dort eine wunderbare Zeit. Trotzdem plagt mich das schlechte Gewissen.
Gleichzeitig bin ich gedanklich schon dabei, meiner Tochter zu zeigen, wie sehr ich sie liebe, indem ich ihren Kindergeburtstag plane und möglichst besonders gestalten möchte – dabei hätte ich doch jetzt endlich mal Zeit für mich. Kennt ihr das auch?
Wir geben jeden Tag unser Bestes, versuchen Job, Kinder, Haushalt, Freunde und all die anderen Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Dabei verausgaben wir uns oft völlig – und fühlen uns am Ende trotzdem, als hätten wir nicht genug getan. Warum ist das eigentlich so?
Da kommt jetzt die Pfannkuchen-Theorie ins Spiel
Darauf aufmerksam geworden bin ich durch die amerikanische Schauspielerin Emmy Rossum. In dem Podcast „Call Her Daddy“ erzählte sie Gastgeberin Alex Cooper eine eindrückliche Geschichte über das Muttersein. Kurz bevor sie zu einem Dreh aufbrechen musste, wollte sie ihrer kleinen Tochter noch einmal zeigen, wie sehr sie sie liebt. Da sie den ganzen Tag unterwegs sein würde, plagte sie das schlechte Gewissen – ein Gefühl, das ich nur zu gut kenne.
Ich wollte eine Mutter sein, die es wert ist, die Mama dieses Kindes zu sein – und dann habe ich festgestellt: Ich gebe mir zu viel Mühe.
Emmy Rossum
Also beschloss sie, ihrer damals zehn Monate alten Tochter Pfannkuchen zum Frühstück zu backen. Sie rührte den Teig an, gab ihn in die Pfanne und stellte einen Timer auf drei Minuten. Die kurze Wartezeit wollte sie nutzen, um sich noch schnell die Haare zu waschen. Doch als sie zurückeilte, um die Pfannkuchen zu wenden, rutschte sie aus, stürzte und klemmte sich den Fuß ein.
Die Pfannkuchen bekam sie zwar noch fertig, doch statt anschließend zum Dreh zu fahren, landete sie im Krankenhaus – und erreichte dennoch wenig später das Set. Spätestens da wurde ihr klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
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Warum haben so viele Mütter ein Pfannkuchen-Problem?
Letztlich schaffte es Emmy Rossum doch noch rechtzeitig zur Arbeit, und ihre Tochter bekam wie geplant ihre Pfannkuchen. Zurück blieb jedoch vor allem eines: eine gestresste, erschöpfte Mutter mit einem schmerzenden Fuß.
„Frauen wird oft gesagt: Du kannst alles haben. Und ja, das kannst du vielleicht auch. Aber das bedeutet häufig auch, dass du versuchst, allem gleichzeitig gerecht zu werden – und das hat seinen Preis. Nicht deine Arbeit zahlt ihn, nicht deine Kinder. Den Preis zahlst du selbst.“
Um Pfannkuchen geht es dabei eigentlich gar nicht. Vielmehr beschreibt die Theorie, wie wir Mütter uns Tag für Tag abmühen, um allen gerecht zu werden – und dabei oft uns selbst aus den Augen verlieren.
Emmy Rossums Fazit daraus: „Ich bin, wie ich bin, und muss aufhören, mich ständig so sehr anzustrengen.“ Für sie war die Erkenntnis, dass nicht jede freie Minute optimiert und nicht jede Erwartung erfüllt werden muss – schon gar nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit und des eigenen Wohlbefindens.
Eine Mutter zu sein, die sich weniger anstrengt, sei sogar gut fürs Kind
Dieser Ansicht ist die Psychologin und Dreifach-Mama Dr. Becky Kennedy. Sie reagierte mit ihrem Reel auf die Podcastfolge von Emmy Rossum.
Dein Kind lernt bei dir, wie es Beziehungen in der Zukunft führen wird, weil es sich an deinem Verhalten orientiert. Es wird seine Definition davon sein, wie Liebe aussehen wird.
Dr. Becky Kennedy
Und genau dieses Verständnis von Liebe müsse auch für Kinder im echten Leben erfahrbar sein. In erwachsenen Beziehungen gehe es schließlich ebenfalls nicht darum, ununterbrochen die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen oder ständig beweisen zu müssen, wie sehr man ihn liebt.
Vielmehr gehe es, so Dr. Becky (wie sie sich selbst nennt), darum, einander tief verbunden zu sein und sich trotzdem Raum für die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele zu lassen. Genau darin liege eine besonders gesunde und echte Form von Liebe.
Für Mütter bedeutet das: Wenn vor einem 16-Stunden-Arbeitstag keine Zeit bleibt, noch schnell Pfannkuchen zu backen, oder wenn man es einmal nicht zum Fußballspiel schafft, weil etwas dazwischenkommt, dann ist das völlig in Ordnung. Wir lieben unsere Kinder – auch dann, wenn wir nicht jederzeit all ihre Bedürfnisse erfüllen oder bei jedem Termin dabei sein können.
Eine Mutter, die auf ihr eigenes Wohlergehen achtet, tut auch ihrem Kind etwas Gutes
Mit diesem Ansatz möchte die Psychologin Mütter dazu ermutigen, sich nicht ständig zu zerreißen. Stattdessen dürfen sie ihren Kindern vorleben, dass auch sie eigene Wünsche, Bedürfnisse und Verpflichtungen haben – und dass Liebe trotzdem nicht weniger wird. Im Gegenteil: Kinder profitieren davon, wenn sie erleben, dass Fürsorge auch bedeutet, auf sich selbst zu achten.
Dieser Gedanke hat bei mir etwas ausgelöst. Nachdem ich diesen Text fertig geschrieben habe, werde ich erst einmal ein Buch lesen. Die Vorbereitungen für den Kindergeburtstag können auch noch später erledigt werden. Dafür finde ich dann vielleicht sogar entspannter die Zeit, meine Kinder anzurufen und ihnen zu sagen, dass ich sie liebe.
Vielleicht liegt genau darin die Essenz der Pfannkuchen-Theorie: Es müssen nicht immer selbstgemachte Pfannkuchen zum Frühstück sein. Manchmal reichen auch Cornflakes – und die Gewissheit, dass unsere Kinder wissen, wie sehr wir sie lieben.
Wie seht ihr die Pfannkuchen-Theorie? Spricht sie euch so an wie mich? Schreibt es hier in die Kommentare.
Kennst du die Pfannkuchen-Theorie? Sie macht Mamas das Leben leichter
Von
Marie Kahle
13. Juli 2026