Während ringsum Pläne für den Sommer geschmiedet werden, wird der gemeinsame Urlaub für immer mehr Familien zu einem unbezahlbaren Luxus.

Inhalt dieses Artikels

    Sommerferien, Koffer packen, den Alltag hinter sich lassen?

    Für Millionen Menschen in Deutschland bleibt das ein unerreichbarer Traum. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen eine bittere Realität: Gut 21 Prozent der Bevölkerung können sich selbst eine einzige Woche Urlaubsreise im Jahr finanziell nicht leisten. Besonders hart trifft es Familien – allen voran Alleinerziehende.

    Wenn in den Schulen und Kitas die Ferien vor der Tür stehen, steigt normalerweise die Vorfreude. Doch nicht bei allen. In vielen Wohnzimmern herrscht stattdessen finanzielle Sorge. Laut der aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lebte im vergangenen Jahr gut jede fünfte Person in Deutschland in einem Haushalt, dem schlichtweg das Geld fehlt, um für eine Woche wegzufahren. Das betrifft rund 17,3 Millionen Menschen.

    Alleinerziehende unter Dauerdruck: Fast jede zweite Familie betroffen

    Wer Kinder alleine großzieht, trägt nicht nur die emotionale, sondern auch die finanzielle Last meist alleine. Das spiegelt sich drastisch in der Statistik wider: 39 Prozent der Alleinerziehenden können sich keine Woche Urlaub im Jahr leisten.

    Durch die Inflation der letzten Jahre sind die Preise für Unterkünfte, Flüge, Bahnfahrten und die Gastronomie massiv gestiegen. Gleichzeitig arbeiten viele Alleinerziehende aufgrund der Kinderbetreuung in Teilzeit. Wenn nach Miete, Energie und Lebensmitteln kaum etwas übrig bleibt, ist ein Urlaub meist das Erste, das gestrichen werden muss.

    Als Vergleich sind es bei Haushalten mit zwei Erwachsenen und ohne Kinder 16 Prozent.

    Wenn das Geld nur für das Nötigste reicht

    Besonders deutlich wird der Zusammenhang beim Einkommen: Im einkommensschwächsten Fünftel der Bevölkerung – also bei Haushalten, die im Schnitt ein Nettoeinkommen von rund 1.600 Euro im Monat zur Verfügung haben – muss fast die Hälfte (48 Prozent) auf die Reise verzichten. Selbst im darauffolgenden Einkommenssegment (bis 2.100 Euro) betrifft es noch fast jeden Dritten (28 Prozent).

    Ein Blick über die Grenzen:

    Das Problem der Reise-Armut betrifft Deutschland natürlich nicht allein – auch in vielen anderen europäischen Ländern fehlt es in den Haushaltskassen an Geld für die Ferien. Im gesamten EU-Schnitt betrifft das 28 Prozent der Bevölkerung, also fast jede vierte Person.

    Besonders schwierig ist die Lage im Südosten Europas: In Rumänien müssen 61 Prozent der Menschen aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben, in Griechenland sind es 47 Prozent.

    Besser sieht es für die Menschen in Luxemburg (11 Prozent), Schweden (12 Prozent) und in den Niederlanden (13 Prozent) aus.

    So reagiert man, wenn im Kindergarten gefragt wird: „Und wo warst du im Urlaub?“

    Gleichzeitig fehlt oft nicht nur das so wichtige Urlaubsfeeling – dieses Gefühl, einfach mal rauszukommen, etwas Neues zu sehen und gemeinsam als Familie Abenteuer zu erleben. Nach den Ferien steht man natürlich auch vor der Frage in der Schule: „Und wo wart ihr im Urlaub?“, wodurch betroffene Kinder schnell in Erklärungsnot geraten. Das kann zu Ausgrenzung, Schamgefühlen und dem Gefühl führen, nicht dazuzugehören.

    Der Alltag zwischen Job, Schule, Kita und Haushalt fordert Eltern ohnehin enorm. Wenn dann die gemeinsame Auszeit wegfällt, wächst die Belastung für die gesamte Familie.

    Wir raten daher dazu, offen und ohne Umschweife zu erklären, warum das Geld für eine große Reise gerade nicht reicht, und den Fokus stattdessen voller Vorfreude auf die gemeinsamen Erlebnisse vor Ort zu richten, um den Kindern jegliche Scham oder Sorge zu nehmen.

    Mit dem Rasensprenger im eigenen Garten kommt ganz schnell echtes Urlaubsfeeling auf.
    Mit dem Rasensprenger im eigenen Garten kommt ganz schnell echtes Urlaubsfeeling auf. Foto: Unsplash

    Macht euch die Ferien zu Hause schön!

    Wenn das Budget eine Reise in diesem Jahr einfach nicht hergibt, sollten sich Eltern nicht mit Vorwürfen quälen. Denn am Ende des Tages ist das, was für Kinder wirklich zählt, nicht der teure Hotelpool oder der Flug in den Süden. Das größte Geschenk für Kinder ist es, eine unbeschwerte, schöne Zeit mit ihren Eltern zu verbringen.

    Urlaubsfeeling und Entspannung hängen oft viel mehr von der Stimmung in der Familie ab als vom Ort:

    • Gemeinsame Auszeiten schaffen: Verwandelt den Garten oder den Balkon in eine Wohlfühloase. Ein kleines Planschbecken, eine Picknickdecke und ein paar Eiswürfel im Saft wirken oft schon Wunder.

    • Den Alltag bewusst ausschalten: Macht feste „Handy-aus-Zeiten“, kocht zusammen das Lieblingsessen, baut eine riesige Höhle im Wohnzimmer oder macht eine Nachtwanderung im Wald um die Ecke.

    • Ein entspanntes Setting: Wenn die Eltern den Druck herausnehmen und die gemeinsame Zeit bewusst genießen, überträgt sich diese Leichtigkeit ganz automatisch auf die Kinder. Das Wichtigste ist, als Familie zusammenzuhalten, durchzuatmen und sich die Ferien zu Hause so richtig schön zu machen.

    Und wie sieht es bei euch aus? Konntet ihr euch dieses Jahr eine Woche Urlaub leisten oder verbringt ihr die Ferien zu Hause? Schreibt es uns in die Kommentare oder diskutiert mit anderen Mamas in unserem Forum.

    1 Kommentar

  1. User Avatar
    marie

    wow, diese Zahlen schockieren mich wirklich und da muss es Entlastungen für Familien geben. Alles wird immer teurer und das trifft eben vor allem Familien und Alleinerziehende. Auszeiten sind so wichtig!

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