Wenn in der Kita plötzlich alle von ihren Ferien erzählen, vom Hotelpool, vom Bauernhof oder vom Flug ans Meer, zieht sich bei vielen Eltern kurz das Herz zusammen. Nicht nur, weil man selbst auch gern mal raus würde – sondern vor allem wegen dieses schlechten Gewissens den Kindern gegenüber: Reicht das, was wir ihnen bieten? Und merken sie, dass es finanziell gerade einfach nicht drin ist?
Vor allem: Wie erklären wir das unseren Kindern?
Im schlimmsten Fall haben sie durch die Erzählungen in Kita oder Schule sowieso schon das Gefühl, dass alle anderen ständig wegfahren – nur sie selbst nicht. Wie bringen wir ihnen bei, dass finanzielle Ressourcen nicht unendlich sind, dass wir in einer Zeit leben, in der ohnehin alles teurer wird, in der viele von uns einfach aufs Geld achten müssen?
Wir haben Tipps gesammelt und eine Finanz-Expertin befragt. So viel Ermutigendes sei vorweg gesagt: Es gibt Wege, um trotz finanzieller Knappheit ein gutes Gefühl zu erzeugen und sich eine schöne Zeit zu machen. Und: Die Kids profitieren sogar ihr Leben lang von einer solchen Erfahrung.
Tipps von einer Finanzexpertin
„Kinder spüren finanzielle Anspannung ohnehin, deshalb ist Ehrlichkeit fast immer die liebevollste Variante“, sagt Hava Misimi, die sich mit ihrem Unternehmen Femance für finanzielle Bildung und Beratung von Frauen einsetzt. Und dabei ist die Wortwahl entscheidend:
„Statt ‚Das können wir uns nicht leisten‘ lieber ‚Wir entscheiden uns gerade dafür, unser Geld für etwas anderes zu sparen‘. Das nimmt das Gefühl von Mangel und ersetzt es durch eine bewusste Entscheidung.“
Hava Misimi
So erscheint Geld nicht als Problem, sondern als Werkzeug, mit dem die Familie etwas gestalten kann. Und es ist eine Sache, über die wir bewusst bestimmen können.
Bei den Kindern kommt trotzdem Frust auf? Dann können wir diesen ernstnehmen, Verständnis zeigen, mit den Kindern darüber sprechen – und uns eine schöne Unternehmung zur Ablenkung überlegen.
Kleine Ferien-Specials und Rituale ausdenken
Damit sind wir schon beim nächsten Tipp: Bleiben wir zu Hause, wenn andere Familien verreisen, sollten wir auf keinen Fall den ganzen Tag Frust schieben – sondern es uns richtig nett machen. Hilfreich sind dabei Rituale, die an genau solchen Tagen stattfinden: Vielleicht gibt es an langen Wochenenden immer Frühstück im Bett? Oder die Kids dürfen im Schlafzimmer der Eltern campen? Vielleicht schaut man gemeinsam Filme oder liest alle Bücher, die die Kinder sich wünschen.
Solche Rituale – die bewusst an solchen Tagen durchgeführt werden, an denen man hätte verreisen können – sorgen dafür, dass Kinder positive Assoziationen mit Ferientagen ohne Urlaub aufbauen.
Sparziele sichtbar machen und Kinder einbeziehen
Zurück zum Geld: Wenn Urlaube ausfallen, es aber dafür im kommenden Jahr wieder eine schöne Reise gibt, alternativ ein Umzug oder eine andere teure, aber attraktive Sache ansteht: Dann sollte man diese sichtbar machen. „Ein Sparglas oder eine bemalte Spar-Karte am Kühlschrank, auf der die Familie jeden Monat einen Schritt weiter Richtung Ziel malt, gibt Vorfreude“, sagt die Expertin.
„Ich würde Kinder altersgerecht einbeziehen: Sie dürfen zum Beispiel mitentscheiden, wo es bei der geplanten Reise hingeht, und vielleicht aus dem Taschengeld einen kleinen Beitrag dazugeben.“
Hava Misimi
So wird aus dem vorher abstrakten Sparziel ein gemeinsames Familienprojekt – und natürlich sollten die Beiträge der Kinder überschaubar bleiben. Es geht nicht darum, dass sie den Urlaub tatsächlich mitfinanzieren, sondern darum, dass sie sich beteiligt fühlen.
Hilfreich ist es auch, wenn wir die Kinder aktiv in die Gestaltung des Alternativprogramms einbeziehen. „Du darfst entscheiden, welche drei Dinge wir am langen Wochenende unternehmen“, macht Kinder stolz und gibt ihnen das Gefühl zurück, die Situation beeinflussen zu können. Sie fühlen sich selbstwirksam.
Tolle Ausflüge planen und die eigene Umgebung neu entdecken
Diese Strategie ist genauso simpel wie wirkungsvoll: Wir suchen uns spannende Ausflugsziele in der Umgebung raus, die wir an den freien Tagen erkunden. In jeder Gegend gibt es sicher Orte, die wir und unsere Kinder noch nicht kennen, die uns aber schon immer im Vorbeifahren gereizt haben.
Ob ein schöner Spielplatz oder Tierpark, ein Badesee mit Strand, ein (Freilicht-)Museum oder ein Bauernhof, auf dem wir Erdbeeren pflücken oder Tiere streicheln können: Wer nach einem solchen Ausflug nach Hause kommt, fühlt sich fast wie nach dem Urlaub – und es gibt viele Ziele, die nichts oder nur wenig kosten.
Vergleichsdruck rausnehmen – für sich und die Kinder
Wir alle kennen es von Social Media: Wir nehmen täglich die glänzenden Momentaufnahmen von anderen Menschen wahr – und schließen daraus, dass es bei ihnen allen immer genauso super läuft wie auf dem einen Selfie, das sie gepostet haben. All diese positiven Eindrücke fügen wir in unserem Kopf zusammen, und es formt sich das Bild, dass es überall easy läuft, nur bei uns nicht.
Bei Kindern kann es ähnlich ablaufen: In der Schule erzählt Lotta von dem tollen Urlaub in den Osterferien, die große Reise in den Sommerferien macht Elif. Es ist Henry, der die Herbstferien in Tunesien verbringt, Alma geht Weihnachten Skifahren und von den vier Tagen an der holländischen Küste über Pfingsten erzählt Mia.
Kinder fügen all diese Geschichten zusammen zu einem Gefühl von „alle fahren immer weg“ – dabei sind es jeweils nur einmalige Ereignisse im Leben der anderen Kinder. Wenn wir es schaffen, diese Illusion in den Köpfen unseren Kindern aufzulösen, ist schon viel gewonnen.
Zur Wahrheit gehört auch: Es gibt Familien, bei denen Geld keine Rolle spielt, die in jeden Ferien die tollsten Trips machen. Sie können ein guter Anlass sein, um in unserer Familie darüber zu sprechen, dass Vermögen in der Gesellschaft einfach unterschiedlich verteilt ist.
Kindern vorleben: Es ist normal, nicht immer alles zu haben
Wichtig ist auch, dass wir erkennen, wie sehr Kinder von der Erfahrung profitieren, nicht jederzeit über genug Geld für alle Wünsche zu verfügen. „Wer früh lernt, zwischen Wunsch und Bedürfnis zu unterscheiden, hat einen Vorsprung fürs Leben“, sagt Hava Misimi. „Sparen, Geduld und Priorisieren sind Kompetenzen, die in der Schule nicht immer vermittelt werden, im echten Leben aber sehr über finanzielle Freiheit entscheiden.“
Es stärkt also das finanzielle Verständnis unserer Kinder, wenn wir als Familie zeitweise sparen müssen und das offen kommunizieren – so lernen die Kids fürs Leben.
Doch was ist, wenn wir selbst total enttäuscht sind?
Hier hilft es, genau hinzuschauen, worum es uns dabei geht: Geht es um gemeinsame, freie Zeit für uns als Familie? Dafür brauchen wir keine große Reise.
Geht es darum, selbst mal zu entspannen? Dann können vielleicht mal Oma und Opa die Kleinen übernehmen – während wir einen Tag in der Therme verbringen oder auf der Couch ein Buch lesen.
All diese Tipps helfen dabei, den Fokus auf das Positive zu drehen, und den Frust zu beseitigen, der sich in finanziellen Engpässen in uns oder unseren Kindern aufstaut. Deshalb gilt – egal, wo ihr die freie Zeit verbringt: Macht es euch so schön wie möglich!
Müsst ihr in diesem Jahr auf einen Familienurlaub verzichten? Tauscht euch in den Kommentaren gerne aus!
Ich finde den Punkt so spannend: Für einige Kinder hört es sich so an, als würden alle anderen VIEL MEHR URLAUB machen – im Grunde ist es bei den meisten Familien aber ein Urlaub pro Kind. Der Artikel zeigt sehr schön, was wir daraus lernen können. Wir selbst sehen auch oft auf Social Media und co. nur die Piks… niemals die negativen und schlechten Seiten der Urlaube, Ausflüge und co. 🥰 lass mal bei uns selbst bleiben!
Das sind sehr hilfreiche Tipps und ich finde es so wichtig, Kindern zu vermitteln, was auch ein Urlaub für die Familie kostet und dass man darauf sparen muss.
Bei meiner Tochter in der Schule gibt es nach den Ferien auch nur kurze Erzählrunden, damit kein Vergleichen unter den Kindern entsteht, das finde ich auch gut. Meiner Erfahrung nach ist es Kindern im Grundschulalter meist aucb egal, ob man ins Schwimmbad fährt oder in den Pool im Sommerurlaub springt – hauptsache man verbringt wieder Zeit miteinander und erlebt etwas – in der eigenen Stadt, bei Oma und Opa oder im Urlaub
Gerade als Mama merkt man, wie schwer es einfach ist, Geld für Urlaube zu sparen und kann so manche Jahre ohne Urlaub in der Kindheit viel besser nachvollziehen. Es bleibt nicht nur weniger Geld am Monatsende übrig, die Urlaube werden ja irgendwie auch immer teurer. Letztes Jahr waren wir 2 Wochen einfach hier zuhause (Wir leben in einer Großstadt) und haben hier fast jeden Tag Ausflüge gemacht. Das war wirklich richtig toll und man hat wiedermal mehr von der Umgebung gesehen, in der man lebt 😀