Schmerzen der Frauen nicht ernst genommen

Wenn die Betäubung beim Kaiserschnitt nicht richtig wirkt: Das kommt häufiger vor als viele denken – mit schlimmen Folgen für die Mütter.

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    Eine Geburt – egal ob ein Kaiserschnitt oder spontan – ist eine sehr intime und verletzliche Situation. Eigentlich sollte es das Mindeste sein, dass sich werdende Mamas im Krankenhaus sicher fühlen und dem Fachpersonal vertrauen können.

    Umso mehr bestürzen aktuelle Recherchen von Report Mainz (SWR). Sie zeigen: Es gibt erschreckend viele Fälle, bei denen die Betäubung beim Kaiserschnitt nicht so wirkt, wie sie sollte.

    Eine betroffene Mutter berichtet gegenüber Report Mainz: Sie habe während des Kaiserschnitts gespürt, wie geschnitten und gezogen wurde – doch ihre extremen Schmerzen seien nicht ernst genommen worden. Solche Erfahrungen sind extrem belastend – und offenbar kein Einzelfall.

    Versagende Betäubung: Problem ist vielen Hebammen bekannt

    Um herauszufinden, wie verbreitet das Problem ist, wurden bundesweit Hebammen befragt. Das Ergebnis: 86 Prozent der teilnehmenden Hebammen gaben laut Tagesschau an, Frauen zu kennen, die während eines Kaiserschnitts nicht ausreichend betäubt waren oder starke Schmerzen erlebt haben.

    Auch internationale Studien zeigen, dass es zu einem sogenannten Wirkversagen der Regionalanästhesie kommen kann. Je nach Studie betrifft das bis zu 14 Prozent der Fälle.

    Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Fachleute nennen unter anderem eine individuell nicht passende Dosierung oder körperliche Unterschiede als mögliche Ursachen.

    Schmerzen der Frauen nicht ernstgenommen

    Dabei geht es nicht nur darum, dass die Betäubung nicht ausreichend wirkt, sondern auch darum, wie das medizinische Fachpersonal darauf reagiert. Der Anästhesist Peter Kranke von der Uniklinik Würzburg erklärt laut Tagesschau, dass entscheidend sei, dass die Schmerzen der Frau ernst genommen werden. Wenn die Teilnarkose nicht ausreichend wirkt, müsse schnell reagiert werden. Im Zweifel sei eine Vollnarkose notwendig.

    Genau hier liegt offenbar ein zentrales Problem: Mehrere betroffene Frauen berichten, dass niemand reagierte, als sie vor Schmerzen schrieen und immer wieder sagten, dass sie alles spüren könnten.

    Die Folgen für die betroffenen Frauen sind oft weitreichend

    Fiona, die auch bei Instagram als @fiona.ungefiltert über ihren Kaiserschnitt spricht, erzählt uns: „Ich habe durch die Schmerzen eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) entwickelt, dazu schwere postpartale Depressionen.” Als sie im Krankenhaus wegen der Schmerzen geweint habe, habe man ihr nur Ibuprofen angeboten.

    Sie wird von dem medizinischen Personal immer wieder genötigt, sich zu bewegen – dass sie dabei von extremen Schmerzen gequält wird, habe niemanden interessiert. Bis ihre Kaiserschnittnarbe wieder aufreißt – Fiona muss noch einmal operiert werden.

    Das traumatische Erlebnis im Krankenhaus und die schlimmen Schmerzen überschatten auch die erste Zeit mit ihrem Baby:

    „Ein Jahr hat es gebraucht, dass ich mein Kind als meines akzeptieren und lieben konnte. Davor habe ich nur versucht zu überleben.”

    Inzwischen geht es ihr besser, doch der Weg dorthin war lang und belastend.

    Fehlende Daten erschweren die Aufarbeitung

    Ein großes Problem ist laut Tagesschau die unzureichende Datenlage. In Deutschland werden Komplikationen rund um Geburten bislang nicht systematisch erfasst. Auch andere wichtige Kennzahlen werden nur lückenhaft dokumentiert.

    Deshalb fordern Fachleute und Politiker:innen schon länger ein sogenanntes nationales Geburtenregister. Damit könnten Komplikationen besser erfasst und ausgewertet werden – auch die Erfahrungen der betroffenen Frauen.

    Bundesregierung müsste dringend handeln

    Die Bundesregierung plant ein solches Register aktuell jedoch nicht. Das stößt auf Kritik, unter anderem von Gesundheitspolitikerinnen wie Kirsten Kappert-Gonther und Lina Seitzl. Sie betonen laut Tagesschau, dass mehr Transparenz dringend notwendig sei.

    Immerhin gibt es Bewegung an anderer Stelle: Die medizinischen Leitlinien für Kaiserschnitte werden derzeit überarbeitet.

    Bisher wird das Thema „unzureichende Betäubung“ darin nicht ausdrücklich behandelt. Das könnte sich nun ändern. Fachleute gehen davon aus, dass zumindest ein Hinweis aufgenommen wird, um das Bewusstsein für solche Situationen zu schärfen.

    Wie hast du deine Geburt erlebt? Hast du dich sicher und gut betreut gefühlt? 

    5 Kommentare

  1. User Avatar
    Lauraa

     Statistiken und Studien belegen, dass Frauen im Gesundheitssystem – sowohl als Patientinnen als auch als Ärztinnen – häufiger benachteiligt werden … hier sieht man eine Paradebeispiel dafür… wow!!!! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, das ist einfach nur schlimm! 😥 

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    Elisabeth

    oh mein Gott, da zieht sich echt alles in mir zusammen. Das klingt einfach nach einem Albtraum 😮 

  3. User Avatar
    Nati

    Ich hatte bei meinem Kaiserschnitt zuerst auch panische Angst. Aber zum Glück hatte ich vorher schon die Pda Nadel drin. Somit konnte mir das Mittel darüber gespritzt werden. Außerdem wurde mehrmals getestet ob ich noch etwas spüre oder nicht. Dennoch sind die Schmerzen danach heftig. Ich verstehe nicht warum man nur ein paar Stunden danach gezwungen wird aufzustehen und zu laufen. Selbst mit Morphium , Pcm und Ibu war es heftig. Ohne meinen Mann der Altenpfleger ist hätte ich ständig nach den Schwestern klingeln müssen. Außerdem waren sich der Arzt und die nicht einig. Er meinte ich könne Pcm und Ibu zusammen nehmen. Das helfe besser. ( Was auch stimm ) Nach Meinung der Schwestern mit 3 Stunden Pause dazwischen. Nach dem Morphium musste ich förmlich betteln. Solche Schmerzen wümscht man niemandem. Die werde ich auch nicht irgendwann vergessen ! 

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      Elisabeth

      Es tut mir so leid, dass du sowas erleben musstest  ❤️