Die News des Tages: Immer mehr Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt – aber ist die OP wirklich die einfachere Lösung? Redakteurin Wiebke ist da anderer Meinung.

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    Immer häufiger fällt die Wahl auf einen Kaiserschnitt – auch dann, wenn keine zwingende medizinische Notwendigkeit besteht. Das berichtete zuletzt der Spiegel. Doch warum ist das so und ist die Operation wirklich der leichtere Weg?

    Ein Irrtum wie viele Expert:innen sagen. Der Kaiserschnitt kann Schmerzen und eine längere Erholungszeit bedeuten und sogar für spätere Schwangerschaften eine Rolle spielen. Eine überarbeitete medizinische Leitlinie soll deshalb künftig für mehr Aufklärung sorgen.

     

    In Deutschland kommt inzwischen etwa jedes dritte Baby per Kaiserschnitt zur Welt.

    Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich der Anteil der Kaiserschnitte mehr als verdoppelt. Dabei ist ein Kaiserschnitt in vielen Situationen ein echter medizinischer Segen: Wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet ist, kann die Operation die sicherste und manchmal sogar lebensrettende Möglichkeit sein.

    Doch nicht jeder Kaiserschnitt wird aus einem akuten Notfall heraus durchgeführt. Manche Frauen entscheiden sich bewusst dafür – und bei manchen spielt dabei die Angst vor einer vaginalen Geburt eine große Rolle.

    Viele glauben, der Kaiserschnitt sei der leichtere Weg.

    Eine Hebamme aus Hamburg beobachtet genau das seit Jahren:

    „In sozialen Netzwerken kann machmal schnell der Eindruck entstehen, der Kaiserschnitt sei die einfachere Lösung“, sagt Izabel Ohlsen, leitende Hebamme am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf gegenüber dem Spiegel. Es könne schnell der Eindruck entstehen, ein Kaiserschnitt sei die entspanntere Variante. Der Termin steht fest, die Geburt ist planbarer und die Ungewissheit rund um Wehen und Geburtsverlauf fällt weg.

    Doch ganz so einfach ist es nicht.

    Ein Kaiserschnitt ist eine Operation. Die Mutter bekommt dabei in der Regel eine Regionalanästhesie, sodass sie die Geburt ihres Babys miterleben kann; in bestimmten Situationen ist auch eine Vollnarkose notwendig.

    Und auch wenn die eigentliche Geburt meist deutlich schneller vorbei ist als bei einer vaginalen Geburt, bedeutet das nicht automatisch eine leichtere Zeit danach. Die Operationswunde muss heilen, Bewegungen können zunächst schmerzhaft sein und die körperliche Erholung braucht Zeit.

    Wer sich also vor allem wegen der Schmerzen für einen Kaiserschnitt entscheidet, sollte wissen:

    Ganz ohne Schmerzen verläuft die Geburt dadurch nicht.

    Sie verlagern sich häufig eher in die Zeit nach der Operation.

     

    Das unterschätzte Risiko bei mehreren Kaiserschnitten

    Besonders wichtig wird die Entscheidung auch mit Blick auf mögliche weitere Schwangerschaften.

    Denn nach einem Kaiserschnitt bleibt eine Narbe an der Gebärmutter zurück. Mit weiteren Kaiserschnitten können bestimmte Risiken zunehmen.

    Dazu gehört das sogenannte Placenta-Accreta-Spektrum. Dabei wächst die Plazenta ungewöhnlich tief in die Gebärmutterwand ein und kann sich nach der Geburt nur schwer lösen. In schweren Fällen können dadurch starke Blutungen entstehen, die für die Mutter lebensgefährlich werden können.

    Auch eine sogenannte Gebärmutterruptur ist möglich. Dabei kann die Gebärmutter im Bereich der früheren Narbe während einer späteren Schwangerschaft oder unter der Geburt einreißen. Insgesamt ist diese Komplikation selten, das Risiko ist nach einem früheren Kaiserschnitt aber erhöht.

    Das bedeutet allerdings nicht, dass nach einem Kaiserschnitt automatisch wieder operiert werden muss. Für viele Frauen kann bei einer späteren Schwangerschaft auch eine vaginale Geburt infrage kommen – abhängig von der individuellen Situation.

    Warum trotzdem so viele Kaiserschnitte gemacht werden

    Die steigende Kaiserschnittrate hat vermutlich nicht den einen Grund.

    • Frauen bekommen ihr erstes Kind heute häufiger in einem höheren Alter. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen, beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes.
    • Auch Übergewicht kann eine Schwangerschaft und Geburt komplizierter machen.
    • Hinzu kommt: Bestimmte komplizierte vaginale Geburten werden heute seltener durchgeführt. Wo weniger Erfahrung mit solchen Situationen vorhanden ist, kann die Entscheidung für einen Kaiserschnitt schneller fallen.
    • Und auch der Klinikalltag spielt eine Rolle. Ein geplanter Kaiserschnitt lässt sich organisatorisch deutlich besser vorhersehen als eine Geburt, deren Verlauf niemand exakt planen kann.
    • Ein weiterer Punkt ist die Angst der Frauen selbst. Wer eine Geburt als bedrohlich erlebt oder bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann den Wunsch nach einem geplanten Kaiserschnitt verständlicherweise als besonders beruhigend empfinden.
    Es gibt bei Geburten nicht DEN einen Weg – aber es ist spannend zu beobachten, welche Gründe hinter den hohen Kaiserschnitt-Zahlen stecken. Foto: Unsplash

    Ost gegen West: Auffällige Unterschiede

    Auch regional gibt es deutliche Unterschiede: In westdeutschen Bundesländern werden mehr Kinder per Kaiserschnitt geboren als im Osten Deutschlands. Hamburg lag 2024 mit 36,4 Prozent an der Spitze. In Sachsen waren es dagegen 27,4 Prozent.

    Warum die Unterschiede so groß sind, lässt sich bislang nicht eindeutig erklären. Vermutlich kommen mehrere Faktoren zusammen – von der medizinischen Versorgung über die Zusammensetzung der Patientinnen bis hin zu unterschiedlichen geburtshilflichen Strukturen.

    Und was bedeutet der Kaiserschnitt für das Baby?

    Auch für das Kind gibt es einige Punkte, die in der Diskussion über den Kaiserschnitt eine Rolle spielen: Studien haben nach Kaiserschnitten unter anderem ein mögliches erhöhtes Risiko für Asthma in der Kindheit, Übergewicht und Typ-1-Diabetes beschrieben.

    Aber ganz wichtig: Die Unterschiede sind sehr gering.

    Außerdem reichen die wissenschaftlichen Erkenntnisse bislang nicht aus, um sicher zu sagen, dass ein Kaiserschnitt diese Erkrankungen verursacht. Hier spielen viele andere Faktoren eine Rolle.

    Einen klaren Unterschied gibt es direkt bei der Geburt: Bei einem Kaiserschnitt durchquert das Baby nicht den mütterlichen Geburtskanal. Dadurch kommt es nicht auf dieselbe Weise mit der Vaginalflora der Mutter in Kontakt.

    Diese Mikroorganismen stehen unter anderem mit der Entwicklung des kindlichen Mikrobioms und der Immunabwehr in Verbindung. Deshalb wird untersucht, welche Bedeutung der unterschiedliche Start ins Leben langfristig haben könnte.

    Die Kaiserschnitt-Zahlen sind so hoch wie nie – aber der einfachere Weg ein Kind zu gebären, ist es nicht. Foto: KI
    Die Kaiserschnitt-Zahlen sind so hoch wie nie – aber der einfachere Weg ein Kind zu gebären, ist es nicht. Foto: KI

    Vaginal Seeding: Bitte nicht selbst ausprobieren!

    Was Eltern daraus auf keinen Fall ableiten sollten: das Baby nach einem Kaiserschnitt eigenständig mit Vaginalsekret in Kontakt zu bringen.

    Das sogenannte „Vaginal Seeding“ wird von Fachleuten nicht empfohlen. Dabei wird beispielsweise versucht, Mund oder Nase des Neugeborenen mit Vaginalsekret der Mutter zu bestreichen. Denn der Grund ist ernst: Auf diese Weise können auch Krankheitserreger übertragen werden, was für ein Neugeborenes sehr gefährlich werden kann.

    Hautkontakt zwischen Mutter und Baby und – wenn es für beide möglich ist – das Stillen gelten dagegen als wichtige Möglichkeiten, den Start ins gemeinsame Leben zu unterstützen.

    Die neue Leitlinie ist noch nicht veröffentlicht

    Mehr Aufklärung soll künftig auch die überarbeitete medizinische Leitlinie zur Sectio caesarea bringen.

    Die bisherige S3-Leitlinie stammt aus dem Jahr 2020 und ist seit Mai 2025 abgelaufen. Im offiziellen Leitlinienregister der AWMF wird sie derzeit als „in Überarbeitung“ geführt. Eine fertige neue Fassung ist bislang noch nicht öffentlich abrufbar.

    Der SPIEGEL durfte nach eigenen Angaben bereits vorab Einblick in die neue Fassung nehmen. Im Mittelpunkt steht demnach vor allem die Frage, wie Frauen umfassend über die unterschiedlichen Geburtswege und deren mögliche Folgen informiert werden können.

    Redakteurin Wiebke küsste ihr Kinder auf Wange. Nasenspitze und Stirn – aber nicht auf den Mund.
    Redakteurin Wiebke hätte sich nie freiwillig für einen Kaiserschnitt entschieden. Foto: privat

    Redakteurin Wiebke sagt: „Ich hatte Panik vor einem Kaiserschnitt!“

    Zuallererst ist mir wichtig zu sagen: Jede Frau sollte selbst entscheiden (dürfen), wie sie ihr Baby zur Welt bringen möchte. Ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt, keine Variante ist „richtiger“ und schon gar nicht „falsch“. Und für jede Entscheidung gibt es ganz individuelle Gründe.

    Für mich persönlich kann ich sagen: Ein Kaiserschnitt wäre mein Albtraum gewesen. Das heißt nicht, dass ich nicht darüber nachgedacht hätte. Denn die vielen Geburtsgeschichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und ja, auch aus dem Internet, haben meine Vorfreude auf die Geburt nicht gerade gesteigert. Und von vielen habe ich gehört, dass nach 20 Stunden Wehen (oder sogar noch länger) das Baby doch per Kaiserschnitt geholt werden musste. Warum dann also nicht gleich?

     

    Allerdings habe ich seit meiner Kindheit eine ausgeprägte Phobie vor Krankenhäusern.

    Und ehrlich gesagt auch vor den meisten Ärzt*innen. Wenn ich Spritzen und/oder Katheter sehe, wird mir schwummerig, und beim Blutabnehmen kippe ich auch gern mal weg. Die Vorstellung, dass mir für die Betäubung eine Nadel in die Nähe meines Rückenmarks gebohrt wird – ein absoluter Albtraum.

    Dazu kommt, dass ich an Migräne mit Aura leide. Daher weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn Körperteile komplett taub werden.

    Und ich finde es jedes Mal wieder gruselig. Dabei ist es meistens „nur“ eine Hand, ein Arm oder auch mal ein Bein. Bei einem Kaiserschnitt wäre es der komplette Unterkörper und das für mehrere Stunden – für mich eine furchtbare Vorstellung.

     

    Jetzt könnte man sagen: Dann eben unter Vollnarkose.

    Aber natürlich wollte ich den Moment, in dem mein Baby auf die Welt kommt, nicht verpassen. Und auch wenn es inzwischen ein Routineeingriff ist: Es bleibt immer ein Restrisiko.

    Deshalb habe ich für mich entschieden: Ich möchte keinen Kaiserschnitt – wenn er sich irgendwie vermeiden lässt.

    Natürlich weiß ich, dass es manchmal nicht anders geht, und es ist toll, dass es diese Möglichkeit gibt.

    Aber in meinem Fall war die Angst einfach größer. Aus dem gleichen Grund wollte ich auch möglichst keine PDA. Die Hebamme war davon ziemlich überrascht, hat meinen Wunsch aber zum Glück akzeptiert.

     

    Die Geburt meiner Tochter hat dann übrigens tatsächlich über 20 Stunden gedauert.

    Aber: Es war bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Denn zum Glück waren es nicht 20 Stunden durchgehend die schlimmsten Wehen. Natürlich war es auch kein Spaziergang, aber ich konnte es irgendwie aushalten.

    Deshalb habe ich mich bei meinem Sohn später genauso entschieden – und würde es immer wieder tun.

    Ich bin mir sicher, jede Mama hat ihre guten Gründe für den Weg, den sie bei der Geburt gehen möchte. Niemand trifft so eine Entscheidung leichtfertig.  Ich würde mir nur wünschen, dass jede Schwangere genau über alle Möglichkeiten und Risiken aufgeklärt wird.

     

    Wusstest du vor deiner Geburt über die Risiken beider Optionen Bescheid? Schreib uns deine Erfahrung in die Kommentare!

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