„Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, war ich einfach nur glücklich. Unser Sohn war ein absolutes Wunschkind. Nach meiner ersten Schwangerschaft, die völlig unkompliziert verlaufen war, ging ich ganz selbstverständlich davon aus, dass auch dieses Mal alles gut werden würde.
Doch dann kam die Diagnose, die unser Leben von einem Tag auf den anderen veränderte: Placenta praevia.
Was ist eine Placenta praevia?
Bei einer Placenta praevia liegt die Plazenta (Mutterkuchen) vor oder direkt über dem Muttermund und verdeckt den Geburtsweg teilweise oder vollständig. In manchen Fällen wandert sie im Laufe der Schwangerschaft durch das Wachstum der Gebärmutter noch nach oben – das passiert jedoch nicht immer.
Da die Plazenta besonders gut durchblutet ist, kann es plötzlich zu starken Blutungen kommen. Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto größer wird das Risiko. Deshalb müssen viele Betroffene körperliche Anstrengung vermeiden und werden engmaschig überwacht. In schweren Fällen ist eine frühzeitige Entbindung per Kaiserschnitt notwendig.
Von diesem Moment an war nichts mehr, wie es vorher gewesen war.
Der erste längere Krankenhausaufenthalt begann bereits in der 25. Schwangerschaftswoche. Zwei Wochen später folgten erneut starke Blutungen. Ich bekam eine Lungenreifungsspritze für unser Baby, Wehenhemmer und das volle Programm. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Krankenhaus zu unserem Familienalltag.
Es gab Tage, an denen davon die Rede war, unseren Sohn bereits in der 27. Schwangerschaftswoche holen zu müssen.
Doch ich wollte ihm unbedingt noch mehr Zeit schenken. Jeder Tag, den er länger in meinem Bauch bleiben durfte, war ein kleiner Sieg.
Von da an lebten wir nur noch von Tag zu Tag.
Ich erlitt mehrere Sturzblutungen. Jedes Mal wurde ich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Nie wusste ich, ob alles gut ausgehen würde. Die letzten Monate der Schwangerschaft durfte ich wegen des hohen Risikos kaum noch aufstehen und musste fast ausschließlich liegen. Es gab Momente, in denen es kritisch für uns beide wurde.
Natürlich hatte ich große Angst um unser Baby. Aber ich hatte auch Angst um mich selbst – vor allem, weil zu Hause unsere kleine Tochter auf ihre Mama wartete. Mein Mann besuchte mich jeden Tag mit ihr im Krankenhaus. Jedes Mal, wenn die beiden wieder gingen, fiel mir der Abschied unendlich schwer. Ich wollte bei meiner Familie sein, stattdessen bestimmte die Angst unseren Alltag.
Mit der Zeit war ich einfach nur noch erschöpft. Ich kämpfte jeden einzelnen Tag dafür, die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten und unserem Sohn möglichst viel Zeit in meinem Bauch zu schenken.
Gleichzeitig ertappte ich mich immer öfter bei dem Gedanken, dass dieser Albtraum endlich vorbei sein sollte.
Diesen Zwiespalt auszuhalten, war unglaublich schwer.
Dann kam der Moment, vor dem ich mich die ganze Zeit gefürchtet hatte.
Unser Sohn musste per Notkaiserschnitt geholt werden – fünf Wochen vor dem errechneten Termin.
Rückblickend sind wir unglaublich dankbar, dass wir es überhaupt so weit geschafft haben. Schließlich war zwischenzeitlich bereits davon die Rede gewesen, ihn schon dreizehn Wochen früher zur Welt zu holen.
Doch mit seiner Geburt war unsere Reise noch lange nicht vorbei.
Es folgten Intensivstation, Kinderklinik und weitere Wochen im Krankenhaus. Besonders die Trennung von unserer Tochter hat uns als Familie sehr belastet – wir sehnten uns einfach nur danach, endlich wieder alle zusammen zu sein.
Heute, sieben Monate später, geht es unserem kleinen Kämpfer zum Glück wunderbar. Er hat sich großartig entwickelt, und wir sind unendlich dankbar, dass wir heute als Familie wieder gemeinsam zu Hause sind.
Doch auch wenn am Ende alles gut ausgegangen ist, hat diese Zeit Spuren hinterlassen.
Lange habe ich mir eingeredet, dass ich mich nicht so fühlen darf. Schließlich ist unser Sohn gesund. Erst nach und nach wurde mir bewusst, dass eine Risikoschwangerschaft, eine Frühgeburt und monatelange Krankenhausaufenthalte trotzdem traumatisch sein können.
Ich würde sogar sagen, dass ich das Erlebte bis heute nicht wirklich verarbeitet habe.
Mittlerweile kann ich zwar gut darüber sprechen, aber es fällt mir schwer, all das anzunehmen und wirklich Frieden damit zu schließen. Deshalb habe ich mich entschieden, eine Therapie zu beginnen.
Einen Therapieplatz zu finden, war allerdings alles andere als einfach. Man erlebt etwas Traumatisches, befindet sich im Wochenbett, soll gleichzeitig für sein Baby da sein und funktionieren – und wartet trotzdem monatelang auf Unterstützung. Zum Glück habe ich inzwischen einen Platz bekommen und kann bald mit der Therapie beginnen. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass Hilfe in einer solchen Ausnahmesituation schneller zugänglich ist.
Ich weiß, dass ich mit meiner Geschichte nicht allein bin.
Es gibt viele Mamas, die eine traumatische Schwangerschaft oder Geburt erlebt haben. Deshalb wünsche ich mir, dass wir offener über die psychischen Folgen sprechen. Manchmal hilft es schon zu wissen, dass andere ähnliche Gefühle kennen – und dass man mit ihnen nicht allein ist.“
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Hast du während deiner Schwangerschaft eine Diagnose erhalten, die dir große Angst gemacht hat? Wie bist du damit umgegangen? Lass es uns in den Kommentaren gerne wissen!
Jede Blutung ließ uns um unser Baby bangen
Von
Emmelie Feurer
2. Juli 2026