Inhalt dieses Artikels

    „Katharina war schon am Vortag etwas kränklich, aber ich dachte zunächst an einen gewöhnlichen Infekt. Erst am Abend bemerkte ich erschrocken, dass sie völlig apathisch war. Ich legte sie auf den Wickeltisch, um sie genauer anzuschauen und da passierte es: Mein nur zwei Monate altes Mädchen verdrehte die Augen und krampfte. Als ich sie auf den Arm nahm, wurde sie bewusstlos. In diesem Moment blieb mir fast das Herz stehen. Mir wurde schlagartig klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht – das ist kein normaler Infekt.“

    Was unsere Community-Mama Tanja hier erzählt, ist der Beginn von tagelangem Bangen und Hoffen in der Klinik, dass ihr Baby überlebt. Der Grund dafür: eine Meningokokken-Infektion. Zum Glück hatte die traumatische Erkrankung einen guten Ausgang. „Es gab eine leichte Entwicklungsverzögerung – sie lief etwas später und hat noch leichte Sprachprobleme. Wir sind sehr dankbar, dass es ihr sonst aber sehr gut geht“, erzählt Tanja. Mit ihrem schnellen Handeln hat Tanja maßgeblich dazu beigetragen, dass das Leben ihrer Tochter gerettet werden konnte, denn bei der Erkrankung zählt jede Minute. Das Problem ist nur:

     

    Jede zweite Mama weiß kaum etwas über den Verlauf einer Meningokokken-Infektion

    Das hat eine Umfrage gezeigt, die wir kürzlich in unserer Community gemacht haben und an der ca. 1300 Mamas teilgenommen haben. Viele wissen zwar schon etwas über Meningokokken Bescheid, in manchen Bereichen habt ihr euch aber noch explizit bessere Aufklärung gewünscht. Also haben wir uns den tollen Kinderarzt Dr. Stephan von Landwüst geschnappt und mit ihm ein Q&A erstellt. Hier kommen eure drängendsten Fragen und die Antworten von unserem Experten rund um das Thema Meningokokken.

    Was sind Meningokokken eigentlich?

    Meningokokken sind Bakterien, die nur beim Menschen vorkommen und sich über Tröpfchen verbreiten – etwa beim Husten, Niesen oder engem Kontakt. Es wird geschätzt, dass rund 10 % der Bevölkerung diese Bakterien im Nasen‑Rachen‑Raum tragen, ohne selbst krank zu werden. „Für sie bleibt das meist völlig unbemerkt. Allerdings können sie die Bakterien weitergeben, sodass es dann bei anderen Menschen, wenn die Bakterien in den Körper eindringen, zu sehr schweren Erkrankungen kommen kann”, erklärt Dr. von Landwüst.

    Meningokokken-Infektionen können dramatische Folgeerkrankungen auslösen, da sie von einer Schutzkapsel – einer Art Panzer – umgeben sind, wodurch sie vom Immunsystem nur schwer bekämpft werden können. Das macht sie auch für Babys und Kinder in den ersten 5 Lebensjahren, deren Immunsystem noch nicht gänzlich ausgereift ist, besonders gefährlich. Hinzu kommt, dass Kinder in Schule und Kita viel Zeit in engen Gruppen verbringen, wo sich Viren und Bakterien schnell verbreiten.

    Dennoch ist es Dr. von Landwüst wichtig zu betonen: „Eine Meningokokken-Infektion kann in allen Jahreszeiten sowie in allen Altersgruppen auftreten – auch bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen.”

     

    Wie ist der Verlauf einer Meningokokken-Infektion? Was sind die Symptome?

    Diese Frage war euer mit Abstand drängendstes Anliegen in unserer Community-Umfrage, zu dem sich drei Viertel von euch weitere Infos gewünscht haben. Also here we go: Eine Meningokokken‑Infektion kann am Anfang tückischerweise total unscheinbar wirken – oft sieht sie erst mal aus wie eine normale Erkältung: Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Müdigkeit. Bei größeren Kindern kann auch eine Nackensteifigkeit dazukommen, bei Babys fehlt diese aber häufig – was es noch schwieriger macht, rechtzeitig zu merken, dass etwas nicht stimmt.

    „Das Gefährliche an Meningokokken ist, wie schnell sich der Allgemeinzustand verändern kann.“

    Dr. Stephan von Landwüst:

    Innerhalb weniger Stunden kann aus „wir beobachten das mal“ ein richtiger Notfall werden, da eine Infektion schwerwiegende Folgeerkrankungen auslösen kann. Bei den meisten Erkrankten dringen die Meningokokken ins Gehirn vor und es kann zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen, die sich z. B. durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder deutliche Bewusstseinseintrübungen zeigt.

    Wenn die Bakterien wiederum ins Blut gelangen, kann das zudem zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen – erkennbar an Schüttelfrost, kalten Händen oder Füßen, grauer Hautfarbe, Kreislaufproblemen oder Hauteinblutungen. Hiervon sind etwa ein Drittel der Erkrankten betroffen. Beides – Sepsis wie Meningitis – kann lebensbedrohlich werden und langfristige Folgen wie Hautschäden, Krampfanfälle, Amputationen oder Hörprobleme hinterlassen.

    Und genau deshalb ist dein Bauchgefühl so wichtig:

    Wenn du merkst, dass dein Kind plötzlich „anders“ ist und du ein schlechtes Gefühl hast, lass das immer in eurer kinderärztlichen Praxis abklären. Zeigen sich die oben beschriebenen Symptome oder der Zustand verschlechtert sich rasant, dann solltet ihr bitte sofort handeln und notfalls direkt ins Krankenhaus fahren oder den Notruf wählen. Bei Meningokokken zählt wirklich jede Minute.

    Und weil sich die große Mehrheit in unserer Umfrage explizit Videos zur Aufklärung gewünscht hat, erklärt Dr. Stephan von Landwüst hier noch einmal vor der Kamera: Wie kann ich eine Meningokokken-Erkrankung erkennen?

    Wie häufig kommen Meningokokken-Erkrankungen vor?

    Auch wenn Meningokokken-Infektionen zum Glück selten sind, treten sie in Deutschland jedes Jahr mehrere Hundert Mal auf – zuletzt über 300 Fälle jährlich. „Auch wenn es im ersten Moment nicht nach viel klingt, bedeutet das doch eigentlich, dass wir fast täglich in Deutschland einen dieser schweren Meningokokken-Erkrankungsfälle haben,” verdeutlicht Dr. von Landwüst.

    Man dürfe nicht vergessen, dass hinter jedem dieser Fälle nicht nur ein Patient oder eine Patientin stehe, sondern eine ganze Familie, die eine enorme emotionale Belastung durchlebe. Denn die Erkrankung verläuft oft dramatisch: Bis zu 10 % der betroffenen Kinder sterben und etwa ein Fünftel der Überlebenden kämpft langfristig mit körperlichen Folgen.

     

    Worin unterscheiden sich die verschiedenen Meningokokken-Gruppen?

    Von Meningokokken gibt es verschiedene Stämme, sogenannte Serogruppen. „Am bekanntesten sind die Gruppen A, B, C, W und Y, denn diese fünf Stämme kommen in Deutschland am häufigsten vor“, erklärt Dr. von Landwüst. Sie alle können schwere, teils lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen – der Unterschied liegt vor allem darin, wie häufig sie in bestimmten Regionen und Altersgruppen vorkommen.

    In Deutschland ist Serogruppe B bei kleinen Kindern am häufigsten, deshalb erkranken besonders Babys und Kleinkinder vergleichsweise oft an Meningokokken der Gruppe B. Serogruppe C spielt ebenfalls eine Rolle, tritt aber vor dem Jugendalter deutlich seltener auf. Die Gruppen A, W und Y sind hierzulande insgesamt weniger verbreitet, können aber insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen relevant werden.

    Diese Unterschiede sind wichtig, weil sie erklären, warum es verschiedene Impfungen für unterschiedliche Serogruppen gibt – und warum Ärzte und Ärztinnen je nach Alter unterschiedliche Empfehlungen aussprechen.

     

    Wie kann man sein Kind vor Meningokokken schützen?

    Die sicher beste Nachricht in diesem ganzen Artikel ist: Es gibt zum Glück unterschiedliche Impfungen gegen die verschiedenen Meningokokken-Gruppen, die mit guter Wirksamkeit vor den Erkrankungen schützen können und auch ein gutes Sicherheitsprofil haben.

    Dr. von Landwüst erklärt, dass es wie bei allen anderen Impfungen auch, zu leichten Nebenwirkungen wie Fieber oder zu örtlichen Reaktionen wie Schwellungen oder Schmerz an der Einstichstelle kommen könne. Dies sei aber bei Weitem nicht zu vergleichen mit der Schwere einer tatsächlichen Meningokokken-Erkrankung. „Eigentlich ist das nur ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem, unser Körperabwehrsystem, genau das macht, was es machen soll, nämlich Gedächtniszellen produzieren“.

     

    Neue Impfempfehlung der STIKO – Was hat sich geändert?

    Seit vielen Jahren schon werden verschiedene Meningokokken-Impfungen von der Ständigen Impfkommission in Deutschland empfohlen. Da das unabhängige Expert*innengremium die Impfempfehlungen fortwährend überarbeitet und erweitert, gab es in jüngerer Zeit jedoch einige Aktualisierungen bezüglich der Impfungen. Das hängt vor allem mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie der altersabhängigen Häufigkeit der Meningokokken-Gruppen zusammen.

    Die früher empfohlene Meningokokken-C-Impfung entfällt inzwischen beispielsweise als Standardimpfung für Kleinkinder, da die Zahl der Erkrankungen durch diese Erregergruppe in Deutschland stark zurückgegangen und nur noch sehr selten ist.

    Für Babys und Kleinkinder wurde hingegen in 2024 die Meningokokken-B-Impfung als Standardimpfung aufgenommen und im Oktober 2025 die Meningokokken-ACWY-Impfung für Jugendliche und junge Erwachsene. Beide Impfungen gab es schon zuvor als zusätzlich mögliche Impfungen oder als Reiseimpfung.

    Gut zu Wissen

    Sobald die STIKO eine Impfung standardmäßig empfiehlt, werden die Kosten in den empfohlenen Altersgruppen von der Krankenkasse übernommen.

     

    Aktuelle Impf-Empfehlung der STIKO im Überblick:

    Meningokokken-B-Impfung:

    • Empfohlen für alle Babys ab 2 Monaten und Kleinkinder bis zum 5. Geburtstag, da sie besonders häufig daran erkranken.
    • Da die Impfung erst seit Anfang 2024 standardmäßig empfohlen wird, könnte es bei Kindern aus den Jahrgängen 2021 bis 2024 sein, dass sie noch nicht ausreichend geschützt sind. Wurde die Impfung bisher versäumt, empfiehlt die STIKO, sie bis zum 5. Geburtstag nachzuholen.
    • Meningokokken B machen fast 60 % und somit die meisten der Erkrankungen in Deutschland aus.

    Meningokokken-ACWY-Impfung:

    • Empfohlen für alle Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren.
    • Diese Impfung wird erst seit Oktober 2025 standardmäßig empfohlen. Wurde die Impfung bisher versäumt, empfiehlt die STIKO, sie sogar bis zum 25. Geburtstag nachzuholen.
    • Meningokokken der Gruppen A, C, W und Y sind in Deutschland zusammen für etwa 40 % der Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich.

    Dr. von Landwüsts Appell an alle Eltern: „Aufgrund dieser Schwere der Erkrankungen ist es so wichtig, über Meningokokken-Erkrankungen informiert zu sein, aber auch die gegebenen Schutzmöglichkeiten, die Impfungen, zu kennen. Bitte lassen Sie sich in Ihren kinderärztlichen Praxen bezüglich aller empfohlenen Meningokokken-Impfungen beraten, auch bezüglich aller Nachholimpfungen.“

    Passt gut auf euch und eure Kinder auf!

    So ihr Lieben, wir hoffen, euch mit diesem Artikel noch einige eurer Fragen beantwortet und manche Themen noch besser erklärt zu haben. Hast du was Neues gelernt und glaubst, das könnte auch eine Mama in deinem Umfeld interessieren? Dann leite ihn doch einfach mal weiter! Noch mehr Informationen rund um das Thema Meningokokken findest du übrigens auch auf der Webseite der Aufklärungskampagne „Meningitis bewegt.“

     

    Mit freundlicher Unterstützung von GSK. 

    NP-DE-MNU-ADVR-250027; 03/26