Diese News haben uns erschrocken: Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) plant, die während der Coronapandemie ausgeweiteten Kinderkrankentage wieder zu kürzen. Seine Begründung: Der Politik würde es guttun, solche Sonderregelungen wieder zurückzunehmen. Was Eltern guttun würde, scheint dabei allerdings keine Rolle zu spielen.
Wir fragen uns ehrlich, wie Carsten Linnemann sich das vorstellt – und ob er schon einmal einen typischen Bazillen-Herbst im Kindergarten miterlebt hat.
Was gilt bei Kinderkrankentagen?
Gesetzlich versicherte Eltern können für ihre mitversicherten Kinder unter zwölf Jahren Kinderkrankengeld beantragen, wenn sie zu Hause bleiben müssen, um ihr krankes Kind zu betreuen, und deshalb nicht arbeiten können. Der Gesetzgeber geht offenbar davon aus, dass sich Kinder ab zwölf Jahren problemlos selbst um sich kümmern können – nun ja.
Aktuell stehen jedem gesetzlich versicherten Elternteil pro Kind 15 Kinderkrankentage im Jahr zu. Alleinerziehende können 30 Tage pro Kind in Anspruch nehmen.
Für die ausgefallene Arbeitszeit zahlt die Krankenkasse Kinderkrankengeld in Höhe von 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes.
Warum Kürzungen unfair sind?
Überraschung! Kinderkrankentage werden in den meisten Fällen von Müttern genommen – also von denjenigen, die ohnehin einen Großteil der Care-Arbeit zu Hause übernehmen. Das zeigen auch die Zahlen der AOK in einem Artikel von zeit.de:
Im vergangenen Jahr wurden fast drei Viertel der Kinderkrankentage (rund 73 Prozent) von weiblichen Kassenmitgliedern genommen. Der Männer-Anteil lag bei nur 27 Porzent.
Hinzu kommt: Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die Beantragung eines Kinderkrankentages mit zusätzlichem bürokratischem Aufwand verbunden. Wer mit einem kranken Kind zu Hause sitzt, muss also nicht nur den Familienalltag irgendwie am Laufen halten, sondern sich auch noch durch die entsprechenden Formalitäten kämpfen. Da liegt die Frage nahe: Warum macht man es Eltern in einer ohnehin stressigen Situation noch komplizierter?
Und die Zahlen der AOK zeigen: Die Möglichkeit wird längst nicht für alle Tage ausgeschöpft. 2025 wurden im Durchschnitt gerade einmal 2,5 Kinderkrankentage pro Versicherten eingereicht. Ob dahinter unter anderem auch der bürokratische Aufwand steckt, lässt sich aus den Zahlen allein zwar nicht ablesen – auffällig ist der Rückgang trotzdem.
Wann treten die Kürzungen in Kraft?
Die aktuelle Regelung zu den Kinderkrankentagen gilt noch bis Ende 2026. Wenn sie von der Politik nicht verlängert wird, stehen Eltern ab 2027 wieder nur zehn Kinderkrankentage pro Jahr zur Verfügung – so wie vor der Pandemie.
Meiner Meinung nach braucht es deshalb keine weiteren Kürzungen, sondern eine Reform, die es Eltern leichter macht, für ihre kranken Kinder da zu sein. Mehr Flexibilität, verlässliche Homeoffice-Regelungen und vor allem mehr Akzeptanz dafür, dass auch Väter zu Hause bleiben, wenn ihr Kind krank ist, wären ein Anfang. Am besten, ohne dass Eltern dafür auf einen Teil ihres Gehalts verzichten müssen.
Denn seien wir mal ehrlich:
Nur weil wir nicht mehr mitten in einer Pandemie stecken, werden Kinder nicht weniger krank.
Heute Morgen begrüßte mich in der Kita meiner Tochter ein Schild an der Tür, auf dem all die Krankheiten aufgelistet waren, die gerade durch die Gruppen gehen: Hand-Fuß-Mund, Magen-Darm, Läuse, Grippe.
Und genau deshalb macht mir die geplante Kürzung Sorgen. Denn wenn die Möglichkeiten für Eltern, bei ihren kranken Kindern zu bleiben, wieder eingeschränkt werden, besteht die Gefahr, dass der Mental Load und der Spagat zwischen krankem Kind zu Hause und beruflichen Verpflichtungen erneut vor allem auf den Schultern der Mütter landen. Na danke!
Wie steht ihr zu den aktuellen Kürzungen des Kinderkrankengeldes – fair oder unfair? Und was müsste sich eurer Meinung nach ändern? Verratet es gern in den Kommentaren.
Eine Frechheit. Diese Politik hat von nichts eine Ahnung!