„Hallo, ich bin Vanessa, 36 Jahre alt und schon lange Mama. Meine Töchter sind heute 15 und 10 Jahre – und seit der Geburt meiner ältesten Tochter verfolgt mich eine undurchsichtige Krankheitsgeschichte, die ich euch hier erzählen möchte.
Falls ihr euch gerade unwohl mit eurem Körper fühlt und den Wunsch verspürt, etwas daran zu verändern, solltet ihr euch erstmal meine Geschichte anhören. Los geht’s:
Ich war schon immer eher kleinbrüstig – hatte ein volles A-Körbchen, mit dem ich gut leben konnte.
Das änderte sich jedoch drastisch nach der Geburt meiner ältesten Tochter. Kurz danach wurde bei mir Morbus Basedow (eine Autoimmunkrankheit der Schilddrüse) diagnostiziert. Die Krankheit ließ mich extrem abnehmen – ich wog teilweise nur noch 40 kg.
Meine Brust verwandelte sich dadurch komplett, war fast nicht mehr zu sehen – ich fühlte mich damit mehr als unwohl.
Ich nahm wieder an Gewicht zu und ließ mich von meinem Arzt behandeln – doch das Volumen meiner Brust kehrte nicht mehr zurück, auch nicht, als es mir gesundheitlich besser ging.
Deshalb entschied ich mich 2012 für einen Brustaufbau mit Implantaten.
Brustimplantate einer bestimmten Marke wurden wegen eines erhöhten Risikos für die Entstehung einer seltenen Lymphdrüsenkrebsart (BIA-ALCL) weltweit (freiwillig) vom Markt genommen – das war aber erst 2018. Das betraf damals die, die noch im Lagerbestand waren. Bei denen, die schon eingesetzt wurden, galt keine Rückruf-Pflicht – nur bei gesundheitlichen Problemen.
Mein damaliger Arzt klärte mich nicht auf, bzw. wusste wahrscheinlich damals noch nichts von den Folgeerscheinungen.
Nach der Operation war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden – ich hatte keine größeren Probleme, alles fühlte sich gut an. Allerdings hatte ich relativ früh nach der OP immer wieder schwankende TSH-Werte, obwohl ich medikamentös eingestellt war.
Gut zu Wissen
Der TSH-Wert im Blut sagt viel über die Schilddrüsenfunktion aus: Veränderte TSH-Werte werden vor allem beim Verdacht gemessen, dass die Schilddrüse nicht mehr ausreichend oder aber zu viele Hormone produziert.
Trotz intensiver Behandlung besserten sich weder die Fieberschübe noch die chronische, lähmende Fatigue.
Stattdessen kamen Schmerzen im linken Schlüsselbeinbereich hinzu und das quälende Gefühl, nicht richtig Luft zu bekommen. Im Juli 2025 folgte ein CT des Brustraums – der Befund blieb weitgehend unauffällig, nur eine leichte Veränderung im Mittellappen der Lunge war erkennbar.
Danach folgten Termine bei Hämatologen und Rheumatologen – wieder ohne klare Diagnose.
Und auch Onkologen auf der Suche nach einem Tumor konnten nichts finden. Alles blieb ergebnislos. Ich stand kurz vor dem Aufgeben.
Diese Erschöpfung war kein normales Müde-Sein; es fühlt sich an, als würde jemand meinen Akku einfach herausnehmen.
Und es hält bis heute an. An schlechten Tagen komme ich kaum aus dem Haus, bin seit Mai 2025 komplett arbeitsunfähig. Manchmal schaffe ich es nicht mal mehr aufs Sofa und lege mich einfach auf den Boden.
Durch puren Zufall stieß ich irgendwann auf einen Beitrag, der mir die Augen öffnete.
Es war ein Bericht, in dem es um Krankheiten durch Brustimplantante (Breast Implant Illness (BII)) ging. Mir fiel alles wie Schuppen von den Augen. So viele Frauen mit ähnlichen oder gleichen Symptomen äußerten sich dort! Dabei erfuhr ich auch, dass meine Implantate wegen eines erhöhten Risikos für BIA-ALCL weltweit (freiwillig) vom Markt genommen wurden. Ich wurde von niemanden darüber informiert. Es war zwar keine Pflicht, jedoch für mich völlig unverständlich.
Gut zu Wissen
BIA-ALCL ist eine seltene, aber ernste Form von Lymphkrebs, die mit texturierten Implantaten in Verbindung gebracht wird. Zusätzlich können Komplikationen wie Kapselfibrose auftreten, bei der sich eine harte, schmerzhafte Kapsel um das Implantat bildet.
BII ist nämlich leider auch noch nicht anerkannt, sondern wird nur im Zusammenhang mit anderen Krankheiten ernst genommen, das nimmt leider sehr viel Zeit in Anspruch. Über ein halbes Jahr war ich auf Suche nach meiner Diagnose. Das ist eigentlich das größte Problem: Viele Ärzte wissen von BII nichts oder nehmen es nicht ernst. Auch viele Brustimplantatträgerinnen haben davon keine Ahnung.
Ich möchte betonen, wie wichtig es ist, dass Frauen über diese Risiken informiert werden – viele Ärzte verharmlosen das Thema noch immer, obwohl tausende von Betroffenen davon berichten.
Täglich brauche ich Schmerztabletten, um den Tag zu überstehen.
Durch die Schmerzen im Rippenbereich ist ein aufrechtes Gehen nicht mehr möglich.
So sieht mein Alltag seit über einem Jahr aus– aber endlich habe ich einen kompetenten Arzt gefunden, der mich ernst nimmt.
Sobald ich das Go von der Krankenkasse bekomme, mit dem ich fest rechne, operiert er mich so schnell wie möglich. Diese Operation, bei der Implantat und Kapsel vollständig entfernt werden, ist der einzige Weg, um meine Symptome zu lindern.
Da ich denke, dass es hier die ein oder andere Mama gibt, die selbst aus unterschiedlichen Gründen Brustimplantaten trägt bzw. durch die Veränderung der Brust (beispielsweise nach dem Stillen) vielleicht mit den Gedanken spielt, sich die Brüste vergrößern zu lassen, möchte ich aufklären: über die potenziellen Risiken von Brustimplantaten, insbesondere über Breast Implant Illness (BII), Komplikationen wie Kapselfibrose und das erhöhte Risiko für BIA-ALCL (Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma).
Viele Frauen leiden still unter ähnlichen Symptomen, ohne zu wissen, dass ihre Implantate der Auslöser sein könnten und ich wünsche mir, dass wir Frauen uns mehr darüber austauschen.“
Herzlichen Dank für deine Offenheit liebe Vanessa. Falls ihr Vanessas Reise auf Instagram folgen wollt, findet ihr hier ihren Account.
Hast du selbst schon mal mit dem Gedanken einer Brust-Op gespielt oder gibt es etwas, das du Vanessa sagen möchtest? Dann schreibe es gern in die Kommentare.
Eigentlich wünsche ich mir schöne Brüste, nun bin ich berufsunfähig
Von
Marie Kahle
10. Juni 2026