Ist „Ich liebe dich“ ausschließlich romantischen Beziehungen vorbehalten oder kann man es auch den eigenen Kindern sagen? Die Meinungen gehen da auseinander.

Inhalt dieses Artikels

    In unserer letzten Redaktionskonferenz kam plötzlich die Frage auf: „Sagt ihr eigentlich „ich liebe dich“ zu euren Kindern?“. Die Meinungen am Tisch gingen bei unseren Redakteurinnen weit auseinander. Reicht ein „Hab dich lieb“ – oder sollte es klar und direkt „Ich liebe dich“ heißen? Kaum ein Satz wirkt so alltäglich und gleichzeitig so emotional aufgeladen wie dieser.

    Zwei Autorinnen unseres Magazins vertreten dazu unterschiedliche Ansichten – und zeigen, warum hinter den drei kleinen Worten oft viel mehr steckt als nur eine Frage der Formulierung.

     

    Content Directorin Marie sagt zu ihren Kindern ständig „Ich liebe dich
    Content Directorin Marie sagt zu ihren Kindern ständig „Ich liebe dich". Foto: privat/ KI

    Content Directorin Marie sagt ihren Kindern bestimmt 10 Mal am Tag „Ich liebe dich“.

    „Ich persönlich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern jemals „Ich liebe dich“ gesagt haben oder ich es von ihnen gehört hätte. „Hab dich lieb“ fiel dagegen öfter. Bevor ich selbst Mama wurde, habe ich „Ich liebe dich“ ebenfalls eher der romantischen Liebe zugeordnet und diese Worte selten und bedacht gewählt. Das änderte sich jedoch mit der Geburt meiner Töchter.

    Woher es kommt, dass wir heute häufiger „Ich liebe dich“ sagen als noch vor ein paar Jahren? Wahrscheinlich hat das auch mit dem Einfluss der amerikanischen Kultur zu tun. Ein direktes Pendant zu „Ich hab dich lieb“ gibt es im Englischen schließlich nicht – dort unterscheidet man eher zwischen „I like you“ und „I love you“, wobei Letzteres oft sehr großzügig verwendet wird. Das scheint zu uns geschwappt zu sein. Mir ganz recht.

    Mir kam es so vor, als würde ein „Ich hab dich lieb“ der Intensität der Gefühle, die ich für meine Töchter habe, gar nicht gerecht werden.

    Also sage ich ihnen vor dem Schlafengehen, beim Kuscheln, aber auch zwischendurch, wenn mir danach ist, dass ich sie liebe.

    Von außen mag das vielleicht wahnsinnig kitschig klingen, doch meine Töchter sind nun einmal meine absoluten Lieblingsmenschen, und diese drei Worte sind ihnen sowie meinem Mann vorbehalten. Ich sage sie wahrscheinlich inflationär oft, doch ich möchte, dass sie keine Sekunde daran zweifeln, dass ich sie liebe – egal, was passiert, egal, was sie anstellen oder was schiefläuft. Diese Liebe ist bedingungslos und groß.

    Seien wir mal ehrlich: Hat jemals jemand Schaden genommen, weil er oder sie zu sehr geliebt wurde und das auch offen kommuniziert bekommen hat?

    Ich glaube nicht. Am Ende bereut man meist eher das, was man nicht gesagt hat, und wir kennen es aus früheren Generationen ja auch, dass mit Zärtlichkeiten eher sparsam umgegangen wurde.

    Diesen Vorwurf werde ich mir jedenfalls nicht machen müssen. Und ich freue mich schon darauf, ihnen heute Abend vor dem Einschlafen wieder sagen zu können, wie sehr ich sie liebe – nämlich bis zum Mond und zurück und noch viel weiter.“

    Online-Redakteurin Wiebke sagt ihren Kindern „Ich hab dich lieb“.
    Online-Redakteurin Wiebke sagt ihren Kindern „Ich hab dich lieb“. Foto: privat/KI

    Unsere Redakteurin Wiebke sagt ihren Kindern „Ich hab dich lieb“.

    Am letzten Muttertag hat meine Tochter mir ein buntes Herz gebastelt, mit der Aufschrift ‚I love you‘. Mir wurde ganz warm um mein Mamaherz, ich habe mich riesig gefreut und ihr direkt geantwortet: ‚Ich hab‘ dich auch lieb, Motte“.

    Denn im Gegensatz zum Englischen, wo man ‚I love you‘ für alle Varianten an Liebesbekundungen nutzt, fühlt es sich für mich richtiger an, meinen Kindern ‚Ich hab dich lieb‘ zu sagen, statt ‚Ich liebe dich‘.

    Meine Eltern haben das bei mir auch so gemacht, und ich habe mich jederzeit und von ganzem Herzen geliebt gefühlt. Vielleicht ist es deshalb  auch so in mir verankert.

    Aber das klassische ‚Ich liebe dich‘ ist für mich tatsächlich etwas Intimes und ja, auch Romantisches, dass man seinem Partner bzw. seiner Partnerin sagt.

    Und bevor jetzt der Aufschrei kommt: Das heißt natürlich nicht, dass ich meine Kinder weniger liebe (oder lieb habe) als meinen Mann.

    Aber eben auf eine andere Art und Weise.

    Ich finde nicht, dass ein ‚Ich hab dich lieb‘ weniger ‚wert‘ ist als ein ‚Ich liebe dich‘

    Es ist für mich keine abgeschwächte Form von Liebe und auch nicht weniger gefühlvoll. Aber es fühlt sich für mich einfach viel natürlicher an. Nach Nähe, Geborgenheit und Vertrauen. Gleichzeitig leicht und trotzdem bedingungslos. Und es passt zu vielen kleinen Momenten zwischendurch – viel besser als ein ‚großes‘ und oft so bedeutungsvolles ‚Ich liebe dich‘.

    Abgesehen davon finde ich, dass es eigentlich gar nicht auf die Worte ankommt, die man seinen Kindern sagt. Sondern viel mehr auf das Gefühl, das man ihnen dabei vermittelt. Dass sie spüren, Mama meint das ernst. Sie sieht mich, ist immer für mich da, und bei ihr bin ich sicher.

    Ja, vielleicht bin ich altmodisch, wenn ich sage, ‚Ich liebe dich‘ ist für meinen Mann reserviert. Aber für mich fühlt sich diese Lösung einfach genau richtig an.“

     

     

    Und vielleicht zeigt genau das, dass jede Familie ihre ganz eigene Sprache der Liebe hat. Für die einen steckt in einem „Hab dich lieb“ bereits alles, was gesagt werden muss, für die anderen in einem „Ich liebe dich“. Am Ende zählt wahrscheinlich nicht die genaue Wortwahl, sondern dass Kinder spüren: Ich bin geliebt, ich bin sicher, ich bin wichtig – jeden einzelnen Tag.

     

    Wie ist es bei euch in der Familie? Sagt ihr euren Kindern „Ich liebe dich“ oder „Ich hab‘ dich lieb“?

    4 Kommentare

  1. User Avatar
    Emmi

    Ich bin mit „ich hab dich lieb“ großgeworden und kanns mir auch nicht anders vorstellen. Viel wichtiger war für mich das Gefühl, welches mir von meinen Eltern gegeben wurde und das war defintiv nicht weniger stark als ein „ich liebe dich“. 

  2. User Avatar
    Elisabeth

    Spannendes Thema und total interessant, beide Blickwinkel zu lesen! Ich bin tatsächlich klar Team „Ich liebe dich“, runtergebrochen würde ich ja auch für meine Kinder sterben 🤓

  3. User Avatar
    Lauraa

    Spannend, beide Sichtweisen zu lesen. Ich persönlich habe als Kind bis heute mit meiner Mutter ein „Ich hab dich lieb“ – wir sagen uns das bis heute bei jedem Telefonat, wofür ich sehr dankbar bin. Aber wenn ich es heute aus meiner Perspektive sehe, würde ich mich vielmehr für ein „Ich liebe dich“ bei meinen Kind(ern) entscheiden – Liebe ist einfach ALLES –  genauso wie Kinder alles für uns Mamas bedeuten. 

  4. User Avatar
    josephinp

    Ich sage meinen Kindern auch „ich liebe dich“, finde ich schön 🥰