„Ich heiße Regina, bin 60 Jahre alt und habe keine Kinder. Meine Eltern haben mir den Unisex-Namen Renée gegeben, und ich mochte ihn einfach noch nie.
Zum einen fand ich ihn mit seinen nur drei verschiedenen Buchstaben nicht besonders schön. Er klang langweilig für mich und irgendwie nichtsagend. Zum anderen konnte ich mich einfach nicht mit dem Namen identifizieren – und das ist der wichtigere Punkt.
Gemerkt habe ich das schon sehr früh.
Das war, als ich verstand, dass ich Renée heiße, während andere Kinder Namen wie Claudia, Thomas, Andrea, Sabine oder Christian hatten. Wie man eben damals so hieß.
Zu der Zeit trugen alle diese gelben T-Shirts mit den aufgebügelten Vornamen in graublauer Schrift. Eigentlich wollte ich auch gern so ein Shirt – aber nicht mit meinem Namen!
Neben dem Klang hat mich vor allem gestört, dass der Name von den meisten Menschen als männlicher Vorname angesehen wurde. Und ehrlich gesagt klang er selbst für mich männlich.
Wenn mein Name in der Öffentlichkeit gerufen wurde, fühlte ich mich oft gar nicht angesprochen.
Ich musste so oft erklären, dass ich ein Mädchen bin.
Auch später erhielt ich fast täglich Post, die an ‚Herrn XY‘ adressiert war. Meistens hat es auch nichts gebracht, die Absender auf den Fehler hinzuweisen. Sogar im Melderegister wurde ich lange Zeit als Mann geführt.
Ich habe einfach immer und immer wieder die gleichen Fragen gehört: Was ist das denn für ein Name? Wie schreibt man den? Wo kommen deine Eltern her? Ist das nicht ein Jungenname?
Dazu kommt, dass mein Vorname einfach null zu meinem Nachnamen gepasst hat.
Denn Renée wurde auf der zweiten Silbe betont, mein Nachname auf der ersten – das klang überhaupt nicht schön.
Aus Trotz und um mich von dem Namen zu distanzieren, habe ich ihn wie die meisten Menschen falsch ausgesprochen: Rännee.
Größere oder öffentliche Veranstaltungen waren mir besonders unangenehm.
Ich war zum Beispiel mal als Trauzeugin bei einer Hochzeit. Während der Zeremonie wurde ich aufgefordert, zum Altar zu kommen.
Der Pastor sagte: ‚Kommen Sie bitte, Herr XY.‘ Und das, obwohl ich vorher mit ihm gesprochen und ihm das Thema mit meinem Namen erklärt hatte.
An der Uni war es das Gleiche. Der Dozent eines Seminares führte eine Anwesenheitsliste und hakte am Anfang jeder Stunde die Namen der Teilnehmenden ab. Auch nach mehreren Wochen und sogar bis fast zum Ende des Semesters rief er mich mit ‚Herr XY‘ auf.
Auch bei Klassen- und Kursfahrten war es jedes Mal eine Herausforderung, die Organisatoren davon zu überzeugen, dass ich im Mädchenschlafsaal besser aufgehoben wäre.
Als ich mit meinen Eltern darüber gesprochen habe, meinte mein Vater irgendwann etwas zerknirscht, dass der Name wohl keine so gute Idee gewesen sei.
Irgendwann habe ich beschlossen, meinen Namen ändern zu lassen.
Leider war ich zu diesem Zeitpunkt schon Anfang 30. Vorher war mir leider nicht klar, dass eine Namensänderung so ohne weiteres möglich ist. Heute findet man alle Infos dazu im Internet, das war damals leider noch nicht so.
Den Anstoß für die Namensänderung hat letzten Endes der Abschluss meiner Ausbildung gegeben. Denn ab diesem Zeitpunkt musst ich offizielle Schreiben in meinem Namen verfassen.
Bisher hatte ich bei Briefen den Zusatz ergänzt: ‚AbsenderIN: FRAU Renée XY – bitte beachten Sie, dass ich weiblichen Geschlechts bin‘. Aber in meinem Job bei der Behörde wäre das nicht angemessen gewesen. Und das heute gängige ‚Sie/ihr‘ hinter einem Namen gab es damals leider auch noch nicht.
Die Namensänderung an sich war wirklich sehr einfach.
Ich hatte ein kurzes, sehr nettes Vorgespräch mit der Standesbeamtin. Sie signalisierte mir quasi sofort, dass sie den Antrag in meinem Fall natürlich durchwinken würde. Übrigens hieß sie Claudia und mochte meinen Namen. Meinen spontanen Vorschlag, die Vornamen zu tauschen, hat sie allerdings dann doch abgelehnt.
Bei meinem neuen Namen habe ich mich für Regina entschieden, hauptsächlich aus rationalen Gründen.
Zum einen ist der Name eindeutig weiblich. Dann ist er allgemein bekannt und akzeptiert und die Schreibweise ist klar. Außerdem beginnt er mit einem R, das heißt, meine Mail-Adresse blieb unverändert.
Gut zu Wissen
Grundsätzlich kann jeder Mensch in Deutschland seinen Vornamen (oder auch Nachnamen) ändern lassen. Voraussetzung ist, das ein „wichtiger Grund“ vorliegt. Das kann der Fall sein, wenn der Name eine psychische Belastung darstellt, zum Beispiel durch ständige Hänseleien, wenn er ins Lächerliche gezogen wird, zu Diskriminierung führt oder negative Assoziationen hervorruft. Auch transgeschlechtliche oder nichtbinäre Personen können ihren Vornamen ändern lassen. Allerdings ist nicht genau definiert, welche Gründe als „wichtig“ angesehen werden. Deshalb hängt die Entscheidung letztendlich von der Entscheidung des Standesamtes ab.
Für mich passte der Name Regina einfach zu mir, zu meinem Nachnamen und zu meinem Alter.
Und tatsächlich finde ich ihn auch ganz hübsch und zeitlos, ohne betont altmodisch zu sein.
Die Reaktionen aus meinem Umfeld fielen unterschiedlich aus. Von ‚mutige Entscheidung, finde ich super‘, über ‚Danke für die Info‘ bis hin zu einem unverschämten ‚Regina, muss ich mir den Namen merken?‘ war alles dabei.
Als ich zum ersten Mal mit Regina angesprochen wurde, fühlte sich das für mich sehr natürlich an.
Und meinem Selbstbewusstsein hat der neue Name auch gutgetan.
Für mich war die Namensänderung definitiv die richtige Entscheidung!
Meine Tipps für alle Eltern, die einen Vornamen für ihr Baby suchen:
Auch wenn euch ein Name super gefällt: Bedenkt bitte, dass es nicht euer Name wäre, sondern der eurer Tochter oder eures Sohnes. Euer Kind muss sein Leben lang damit herumlaufen, nicht ihr.
Deshalb: Gebt euren Kindern Namen für Erwachsene und keine ‚niedlichen‘ Kindernamen. Achtet darauf, dass der Vorname zum Nachnamen passt. Und entscheidet euch doch bitte für einen bekannten bzw. beliebten Vornamen. Er muss ja nicht zu den Top 10 gehören, aber im Zweifelsfall schickt lieber den 17. Anton und die 22. Emilia in den Kindergarten, anstatt andere Menschen bei Wikipedia suchen zu lassen, wenn es um den Namen eures Kindes geht.
Aus meiner Erfahrung kann ich nur raten: Wählt einen eindeutig weiblichen oder männlichen Vornamen.
Die meisten Menschen identifizieren sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Und falls das bei eurem Kind nicht so sein sollte, oder es seinen Namen aus einem anderemGrund nicht mag, dann akzeptiert bitte den Wunsch nach einer Namensänderung.
Und schließlich: Bleibt cool! Ihr steht nicht in einem Namenswettbewerb. Das Besonders an seinem Kind ist sein Wesen und nicht sein Name!“
Liebe Regina, vielen Dank, dass wir Deine Geschichte teilen dürfen!
Wie stehst du zu Unisex-Namen, kannst du Regina verstehen? Oder hast du vielleicht selbst einen geschlechtsneutralen Namen, und wie fühlst du dich damit? Schreib es uns in die Kommentare oder tausch dich in unserem Forum mit anderen Mamas aus.
Die Geschichte hat mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht. Ich freue mich mit Regina, dass sie sich jetzt wohl fühlt und hatte auch mal überlegt meine Tochter Luca zu nennen… an viele Aspekte, die Regina gennant hat, habe ich damals gar nicht gedacht