„Es war unser letzter Tag in der Krippe meiner damals dreijährigen Tochter. Kurz bevor ich sie abholte, machte ich noch einen Schwangerschaftstest – positiv. Ich vereinbarte einen Termin bei meiner Frauenärztin für die 8. Schwangerschaftswoche. Es war Sommer, die Sonne schien, alles schien perfekt.
Die Symptome waren zunächst nicht anders als bei einer normalen Schwangerschaft
Die ersten Beschwerden kamen in der 7. Schwangerschaftswoche, rund eineinhalb Wochen nach dem Test. Mein Bauch war extrem aufgebläht. Kurzer Google-Check: Alles so weit normal. Ich hatte keine Blutungen, keine sonstigen, besorgniserregenden Auffälligkeiten. Doch das sollte sich noch ändern.
Ich wurde bewusstlos, doch die Sanitäter nahmen mich nicht mit ins Krankenhaus
Am Anfang der 8. Schwangerschaftswoche wachte ich eines Morgens mit extremen Kreislaufproblemen auf. Ich übergab mich direkt nach dem Aufstehen. Setzte jetzt etwa die Schwangerschaftsübelkeit ein? Meine Tochter war in der Eingewöhnung in den Elementarbereich – mein Mann fragte mich noch, ob ich den Weg in die Kita schaffen würde oder ob er zuhause bleiben sollte. Ich aß eine Kleinigkeit und als es mir besser ging, ließ ich ihn fahren. Doch auf dem Weg zur Kita fiel es mir extrem schwer zu laufen.
Es war, als würde mein Unterleib meine Beine blockieren. Ich schob es auf die viele Luft im Bauch, doch jeder Schritt tat weh.
Ich gab meine Tochter ab und schob mich regelrecht wieder nach Hause. Dort wurde ich bewusstlos.
Es muss nur ein kurzer Moment gewesen sein. Als ich aufwachte, rief ich sofort meinen Mann an und bat ihn nach Hause zu kommen. Er blieb am Telefon, bis er zuhause war. Wir riefen den Krankenwagen. Zwei Sanitäter kontrollierten meinen Blutdruck und rieten mir dazu, eine Cola trinken. Dann gingen sie wieder.
Sobald ich aufstehen wollte, wurde mir schwarz vor Augen
Im Liegen war alles in Ordnung, ich fühlte mich sogar relativ fit. Doch sobald ich aufstehen wollte, machte mein Kreislauf nicht mit. Am Nachmittag nützte es nichts: Ich musste auf Toilette, stand auf – und wurde bewusstlos. Diesmal im Beisein meiner kleinen Tochter. Wieder handelte es sich nur um Sekunden. Mein Mann rief erneut den Krankenwagen, diesmal mit der eindringlichen Bitte, mich mitzunehmen und genau zu untersuchen. Wir ahnten beide, dass irgendetwas nicht stimmte.
Die Ärztin sprach von einer Fehlgeburt oder Zwillingen – eine Eileiterschwangerschaft schloss sie aus
Bis ich im Krankenhaus untersucht werden konnte, vergingen mehrere Stunden – und brauchte einiges an Schmerzmitteln. Ich habe es einfach nicht vom Bett auf den Untersuchungsstuhl geschafft. Irgendwann nahm ich meine ganze Kraft zusammen. Die Ärztin machte einen Ultraschall, konnte jedoch nichts entdecken. Sie rief eine weitere Kollegin hinzu. Auch sie schallte einige Minuten.
Dann sagte sie die Worte, die alle schwangeren Frauen fürchten: „Es tut mir leid, aber ich glaube, es handelt sich um eine Fehlgeburt“.
Der Embryo hätte eine merkwürdige Form, es könnten aber auch Zwillinge sein – sie könne es in diesem frühen Stadium der Schwangerschaft nicht sicher sagen. Ich weiß noch, wie sich eine leise Stimme in meinem Kopf meldete – hier stimmt irgendwas nicht. Ich sah beide Ärztinnen direkt an und fragte: „Es ist aber keine Eileiterschwangerschaft, oder?“ „Nein, sonst wäre das jetzt hier ein Notfall“.
Weil ich mich nach wie vor nicht bewegen konnte, ließen sie mich über Nacht im Krankenhaus. Ich bekam weitere Beruhigungs- und Schmerzmittel. Am nächsten Morgen entließ man mich mit den Worten „Sie sind ja nicht krank, Sie müssen nicht weiter ein Bett belegen.“ Ich sollte vier Tage später meinen regulären Termin bei meiner Frauenärztin wahrnehmen. Dort würde man weitersehen.
Die Schmerzmittel aus dem Krankenhaus haben ganze Arbeit geleistet: Die nächsten vier Tage waren, als wäre nie etwas gewesen. Ich konnte mich ganz normal bewegen, ich war sogar mit meiner Tochter beim Kinderturnen. Innerlich schloss ich bereits mit der Schwangerschaft ab.
Beim Frauenarzttermin, vier Tage später, der große Schock
Als ich dann bei meiner Frauenärztin war, gab ich ihr den Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus. Beim Ultraschall stellte sie ebenfalls relativ schnell fest, dass sich der Embryo nicht zeitgerecht entwickelt hätte. Dann sagte sie eine ganze Weile nichts mehr. Nach gefühlten Stunden bat sie mich, mich hinzulegen. Sie ging immer wieder zurück zum Bildschirm, um sich die Aufnahmen anzusehen. Ich sah ihr die Verwirrung förmlich an und ahnte Schlimmes. Dann sprach sie es aus: „Es kann eigentlich nur eine Eileiterschwangerschaft sein.“ „Aber das wurde doch im Krankenhaus ausgeschlossen?“, sagte ich mit wachsender Panik. Sie konnte es sich nicht erklären.
Ich wusste nicht viel über Eileiterschwangerschaften – nur, dass sie tödlich enden können. „Ich will nicht sterben“, sagte ich zu meiner Ärztin. „Das werden Sie auch nicht – aber Sie müssen jetzt ins Krankenhaus.“
Ich wurde am selben Tag operiert – Rettung in letzter Sekunde
Vor Ort sollte ich an das beste Ultraschallgerät der Klinik. Diesmal untersuchte mich die Chefärztin. „Klare Sache“, stellte sie fest: „Es sitzt im linken Eileiter. Wir müssen Sie heute noch operieren.“ Klare Sache? Wieso wurde das vor vier Tagen nicht entdeckt? „Ich werde die beiden Kolleginnen zur Rede stellen“, sagte sie „Aber am Ende sind wir auch nur Menschen, die Fehler machen“.
Zwei Stunden später wurde unter Vollnarkose operiert – länger als ursprünglich angesetzt. Eine der dabei anwesenden Ärztinnen erklärte mir, dass der Eileiter gerissen war und es zu inneren Blutungen gekommen ist – eine lebensbedrohliche Situation. „Gut, dass wir Sie heute noch operiert haben“, sagte sie. Über die genaue Bedeutung ihrer Worte konnte und wollte ich in diesem Moment nicht nachdenken. Ich war müde, erschöpft. Doch als ich meine Frauenärztin beim Nachsorgetermin fragte, ob es wirklich Rettung in letzter Sekunde war, sagte sie: „Ehrlich gesagt schon“.
Der Kinderwunsch blieb, doch einfach war die Entscheidung nicht
Ich war mir lange nicht sicher, was dieses traumatische Erlebnis mit meinem zweiten Kinderwunsch machte. Meine erste Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen – und jetzt hätte ich durch eine Schwangerschaft sterben können? Es gibt so viele Ungereimtheiten, so viele offene Fragen, die mich bis heute beschäftigen. Warum hatte ich keine Blutungen, keine einseitigen Schmerzen? Und wie können sich gleich zwei Ärztinnen derart irren?
In meinem Fall konnte der Eileiter erhalten bleiben – ein großes Glück. Uns wurde geraten, gut fünf Monate zu warten, bis wir es erneut probierten. Das gab mir Zeit zum Nachdenken und heilen. Sechs Monate später war ich wieder schwanger.
Nach einer Eileiterschwangerschaft steigt das Risiko für eine erneute Extrauteringravidität (so der Fachbegriff) um 10-25 %. Doch bereits eine Woche nach dem Test gab meine Frauenärztin Entwarnung.
Heute weiß ich meine beiden Kinder mehr denn je zu schätzen. Wenn ich meinen mittlerweile einjährigen Sohn abends beim Einschlafen begleite, überkommt mich jedes Mal eine Welle an Dankbarkeit dafür, dass dieses kleine, gesunde Wunder den richtigen Weg zu uns gefunden hat. Denn ich weiß: Dass er heute hier ist, ist alles andere als selbstverständlich.
Eileiterschwangerschaften
Bei 1-2 % aller Schwangerschaften handelt es sich um eine Eileiterschwangerschaft. Sie entsteht, wenn sich ein befruchtetes Ei außerhalb der Gebärmutter einnistet – meist im Eileiter. Typische Symptome sind Schmierblutungen, einseitige Unterleibsschmerzen sowie Übelkeit und Schwindel. In diesen Fällen sollte unbedingt eine schnelle ärztliche Abklärung erfolgen.
Danke liebe Jennifer fürs Teilen deiner berührenden Geschichte.
Was würdest du gern Jennifer sagen? Hast du etwas ähnliches erlebt? Verrate es gern in den Kommentaren.
Oh ja. Davon kann ich auch berichten🥺 bei mir waren ein Drilling im Eileiter versteckt. Aufgrund meiner Zwillinge im Uterus wurde dieser einfach übersehen. Nach 3 Liter Blut im bauchraum Not op. Und alle drei Kinder verloren. Trotz Besuch in der notaufnahme vier Tage vorher. Ich wurde heimgeschickt obwohl ich alle Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft mitgeteilt hatte😔
Das tut mir schrecklich leid und ich sende dir viel Kraft. Gestern haben uns so viele weitere Nachrichten erreicht wie deine und es zeigt wirklich, dass du und auch Jennifer nicht alleine seid. Es muss sich wirklich schnell etwas ändern, damit Frauen und ihre Schmerzen ernst genommen werden. Ich bin immer noch fassunglos. Alles Liebe für dich ❤️
Oh mein Gott… mir fehlen ehrlich die Worte. 🥺 Das, was du erlebt hast, ist so unfassbar viel auf einmal. Deine Kinder zu verlieren und dann auch noch das Gefühl zu haben, nicht ernst genommen worden zu sein… das tut einfach nur weh beim Lesen.
Ich schicke dir ganz viel Kraft und Mitgefühl. ❤️ Du bist stark und nicht allein.