„Mein Name ist Lena, ich bin 33 Jahre alt, verheiratet und Mama von drei Kindern. Zu unserer Familie gehört außerdem noch unser Jack-Russell-Old-English-Bulldog-Mischling Joker. Mein Alltag ist wahrscheinlich deutlich unspektakulärer, als viele vermuten würden. Es ist ein ganz normales Familienleben. Nur mein Beruf ist vielleicht etwas ungewöhnlicher als der vieler anderer Mütter: Ich arbeite als Creatorin auf OnlyFans.
Wie ich dazu gekommen bin?
Ganz ehrlich: Am Anfang war es einfach Neugier. Mein Mann und ich haben uns schon immer gern gegenseitig heiße Bilder geschickt und waren generell ziemlich offen, was das Thema Sexualität betrifft. Irgendwann haben wir uns gefragt, warum wir das eigentlich nicht mit anderen teilen sollten, und haben angefangen, uns über OnlyFans und ähnliche Plattformen zu informieren.
Das war natürlich nichts, was wir uns von heute auf morgen überlegt haben. Wir haben viel darüber gesprochen, die Vor- und Nachteile abgewogen und uns gemeinsam Gedanken gemacht. Am Ende war es eine bewusste Entscheidung, die wir zusammen getroffen haben.
Dass daraus irgendwann tatsächlich mein Hauptberuf – neben dem Mama-Sein – werden würde, hätten wir damals allerdings nie gedacht.
Natürlich hatte ich Ängste.
Vor allem davor, was andere Menschen denken würden. Ob ich verurteilt werde. Ob Menschen, die mich kennen, plötzlich anders auf mich schauen. Und natürlich fragt man sich auch, ob man diese Entscheidung irgendwann bereut oder welche Auswirkungen sie später auf die eigenen Kinder haben könnte.
Aber ich habe für mich festgestellt, dass ich Dinge lieber ausprobiere, als mich Jahre später zu fragen, was passiert wäre, wenn ich mich nicht getraut hätte. Am Ende war die Angst vor dem ‚Was wäre, wenn ich es nicht versuche?‘ größer als die Angst vor Kritik. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Natürlich gibt es schwierige Momente, aber insgesamt bin ich sehr glücklich mit meiner Wahl.
Gut zu Wissen
OnlyFans ist eine britische Social-Media-Plattform, auf der Nutzer gegen eine monatliche Gebühr (Abonnement) exklusive Inhalte wie Fotos, Videos und Live-Streams ansehen können. Während auch Fitnesstrainer, Musiker oder Köche vertreten sind, wird das Portal vor allem für den Verkauf von Erotik- und Sexinhalten genutzt.
Viele fragen mich, was ich auf OnlyFans eigentlich mache.
Die einfache Antwort lautet: Ich erstelle Bilder und Videos für Erwachsene. Was viele dabei unterschätzen, ist allerdings, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Die meisten sehen am Ende nur das fertige Bild oder Video – aber nicht die Planung, die Aufnahmen, die Bearbeitung, die Kommunikation mit der Community, das Marketing und die gesamte Organisation im Hintergrund.
Ein Vorurteil begegnet mir dabei immer wieder: Viele glauben, man würde mit OnlyFans schnell und einfach Geld verdienen. Meine Erfahrung ist eine ganz andere. Dahinter stecken enorm viel Zeit, Disziplin und Arbeit – wie bei eigentlich allen selbstständigen Tätigkeiten auch.
OnlyFans ist heute mein Hauptberuf und damit natürlich ein großer Teil meines Alltags. Längst geht es für mich nicht mehr nur darum, Fotos oder Videos zu erstellen. Dahinter steckt mittlerweile ein kompletter Arbeitsalltag mit Planung, Organisation, Content-Erstellung, Community-Arbeit, Marketing, Buchhaltung und allem, was zu einer Selbstständigkeit dazugehört.
Zu meinem Verdienst möchte ich keine konkreten Angaben machen.
Was ich aber sagen kann: Ich kann mit meiner Arbeit meine Familie ernähren. Ich kann unsere Rechnungen bezahlen, meinen Kindern Dinge ermöglichen und mir auch selbst etwas gönnen, wenn ich das möchte. Dafür bin ich sehr dankbar.
Hinter dem Einkommen steckt nicht nur unglaublich viel Arbeit, es gehört vor allem auch eine große psychische Belastung dazu. Man muss mit Kritik, Vorurteilen und öffentlicher Bewertung umgehen können. Deshalb finde ich es schwierig, OnlyFans nur auf das Geld zu reduzieren. Für mich ist es mein Beruf – mit allen schönen, aber eben auch herausfordernden Seiten.
Das Schönste an meiner Arbeit ist die Flexibilität. Ich plane meinen Content meistens dann, wenn die Kinder in der Schule sind oder abends schlafen. Wenn eines meiner Kinder krank ist, kann ich zu Hause bleiben. Wenn die Schule anruft, bin ich in zehn Minuten da. Ich muss mich bei niemandem rechtfertigen oder Urlaub beantragen. Das ist für mich Gold wert. Natürlich gibt es auch Tage, an denen alles drunter und drüber geht. Aber das gehört zum Leben mit Kindern dazu – egal, welchen Beruf man hat.
Mein Mann war von Anfang an dabei und hat mich in meiner Entscheidung unterstützt. Wir haben offen darüber gesprochen und er hat mir immer den Rücken gestärkt. Das war und ist für mich das Wichtigste.
Bei Freunden und Familie waren die Reaktionen unterschiedlich.
Manche haben es direkt akzeptiert, andere hatten erst einmal Fragezeichen im Kopf. Aber die meisten haben sich die Zeit genommen, mit mir darüber zu sprechen und zu verstehen, warum ich diesen Weg gehe.
Was ich gelernt habe: Die Menschen, die wirklich zu mir gehören, bleiben. Und die, die mich verurteilen, ohne mich zu kennen oder überhaupt zu versuchen, mich zu verstehen, brauche ich auch nicht in meinem Leben.
Rückblickend war die größte Angst gar nicht die Arbeit selbst, sondern die Reaktionen anderer Menschen. Genau deshalb bin ich heute froh, dass ich mich damals nicht von dieser Angst habe aufhalten lassen.
Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, welche Auswirkungen meine Arbeit später auf meine Kinder haben könnte. Ich glaube, jede Mama würde sich darüber Gedanken machen. Und wenn nicht, sollte sie das auf jeden Fall tun, bevor sie mit OnlyFans anfängt.
Dabei geht es für mich gar nicht darum, dass man sich für diesen Beruf schämen müsste.
Sondern darum, dass man nie kontrollieren kann, wie andere Menschen reagieren oder was sie ihren eigenen Kindern beibringen. Am meisten beschäftigt mich deshalb gar nicht, was andere Erwachsene über mich denken könnten. Jeder darf seine eigene Meinung haben. Viel wichtiger ist mir, dass meine Kinder wissen, wer ihre Mama wirklich ist – und nicht, was fremde Menschen über sie erzählen oder denken.
Mein Ziel ist auch gar nicht, dass meine Kinder später jede meiner Entscheidungen gut finden müssen. Ich wünsche mir nur, dass sie sehen, dass ihre Mama ihren eigenen Weg gegangen ist, Verantwortung übernommen und immer versucht hat, für ihre Familie das Beste zu geben.
Kritik gehört für mich inzwischen zum Alltag dazu. Das ist auch völlig okay. Es gibt Menschen, die neugierig sind und ehrliche Fragen stellen. Darüber rede ich sehr gern. Ich habe auch überhaupt kein Problem damit, bei konstruktiver und nachvollziehbarer Kritik in eine respektvolle Diskussion zu gehen.
Schwieriger wird es, wenn Menschen direkt in die Verurteilung gehen und haten, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, wer ich bin oder sich überhaupt die Mühe machen, Dinge zu hinterfragen. Solche Menschen kann ich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich ernst nehmen. Wenn mir etwas nicht gefällt, schaue ich es mir nicht an. Wenn es mich interessiert, stelle ich Fragen – aber ich pöbele nicht durchs Internet und verhalte mich respektlos gegenüber fremden Menschen.
Früher, am Anfang, hat mich dieser Hate sehr getroffen.
Heute versuche ich, zwischen Kritik und bloßer Verurteilung zu unterscheiden. Aus echter Kritik kann man etwas lernen. Reiner Hass sagt am Ende meistens mehr über die andere Person aus als über mich. Ich glaube, das größte Missverständnis ist, dass viele Menschen den Beruf einer Mama automatisch mit ihrer Rolle als Mutter gleichsetzen.
Sobald jemand hört, dass eine Mutter auf OnlyFans aktiv ist, entstehen oft sofort Vorurteile. Viele glauben, sie sei verantwortungslos, vernachlässige ihre Kinder oder könne keine gute Mutter sein.
Ich finde, genau mit solchen Vorurteilen sollten wir aufräumen. Eine gute Mutter erkennt man nicht an ihrem Beruf. Man erkennt sie daran, wie sie mit ihren Kindern umgeht, welche Werte sie ihnen vermittelt und wie viel Liebe, Zeit und Verantwortung sie ihnen schenkt.
Genauso wichtig finde ich aber auch, ehrlich über OnlyFans zu sprechen. Es bringt nichts, die Plattform nur zu verteufeln – genauso wenig, wie sie zu verherrlichen. Deshalb würde ich niemals behaupten, dass das der richtige Weg für jeden ist.
Mir persönlich ist außerdem Jugendschutz sehr wichtig. OnlyFans ist eine Plattform für Erwachsene und genau da gehört sie für mich auch hin. Meine Kinder sind kein Teil meines Contents und werden es auch nie sein. Ich trenne meinen Beruf ganz bewusst von meinem Familienleben, weil ich finde, dass Kinder später selbst entscheiden sollten, wie viel Öffentlichkeit sie möchten.
Was sich durch meine Arbeit ebenfalls verändert hat, ist mein Blick auf meinen eigenen Körper.
Früher habe ich mich viel zu oft auf meine vermeintlichen Makel konzentriert. Nach drei Schwangerschaften hat sich mein Körper natürlich verändert und ich habe lange gebraucht, um das zu akzeptieren.
Durch meine Arbeit habe ich gelernt, meinen Körper nicht nur zu akzeptieren, sondern ihn wertzuschätzen. Ich sehe heute, was mein Körper alles geleistet hat: drei Kinder ausgetragen, geboren und gestillt. Er ist stark, er ist schön – auch mit Dehnungsstreifen, auch mit ein paar Kilos mehr und auch mit den Spuren, die das Leben hinterlassen hat.
Heute sehe ich mich selbst deutlich realistischer und positiver. Ich konzentriere mich weniger auf das, was „perfekt“ sein sollte, und mehr darauf, was mein Körper kann und was er für mich bedeutet.
Dieser Körper hat kleine Menschen erschaffen. Er verändert sich, er wird älter und trotzdem gehört er zu mir. Ich kann inzwischen sagen: Ich bin schön – genau so, wie ich bin. Und ich finde, dass jeder Mensch das von sich selbst sagen sollte. Denn jeder Mensch ist ein Wunderwerk. Jeder Mensch ist auf seine eigene Art wunderschön.
Für die Zukunft wünsche ich mir am meisten, dass wir wieder etwas neugieriger werden, bevor wir urteilen. Nicht jede Mama ist gleich. Nicht jede Familie ist gleich. Und kein Mensch lässt sich auf einen einzigen Teil seines Lebens reduzieren. Man muss meinen Weg nicht gut finden oder die gleichen Entscheidungen treffen.
Wir haben nur dieses eine Leben.
Ich finde, wir sollten versuchen, es mit guten Erinnerungen und mit Liebe zu füllen statt mit negativen Dingen. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Gründe und seine eigenen Herausforderungen. Das sieht man von außen oft gar nicht. Ich wünsche mir deshalb eine Gesellschaft, die Rücksicht aufeinander nimmt, in der Frauen ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen. Und ich wünsche mir, dass wir alle ein bisschen freundlicher miteinander umgehen – im echten Leben und auch im Internet.”
Wie steht ihr zu dem Thema OnlyFans? Findet ihr, dass es verwerflich ist als Mutter dort erotische Inhalte hochzuladen? Verratet es uns in den Kommentaren.
„Ich bin dreifache Mama – und verdiene mein Geld mit OnlyFans.“
Von
Lena Krause
9. Juli 2026