Ein Baby bekommen und glücklich sein – so wird es uns oft erzählt. Aber was, wenn genau das nicht passiert? Wenn statt Glück plötzlich Gereiztheit, Leere und das Gefühl da sind, sich selbst nicht mehr wiederzuerkennen? Postpartale Depressionen sind ein großes Thema, über das noch immer viel zu selten offen gesprochen wird. Auch Comedienne Hazel Brugger hat nach der Geburt ihrer ersten Tochter eine schwere postpartale Depression erlebt. Heute, fünf Jahre später, spricht sie offen darüber – und erzählt auch, warum sie sich trotz dieser Erfahrung für ein zweites Kind entschieden hat.
Im Podcast „Hotel Matze“ redet Hazel Brugger mit Podcast-Host Matze Hielscher über die Zeit nach der Geburt ihrer ersten Tochter. „Das erste Kind verspeist einen und spuckt einen wieder aus“, sagt die Schweizer Comedienne.
Denn damals ging es ihr mental immer schlechter. Schon seit ihrer Jugend neigte Hazel zu Depressionen. Das erzählte sie 2023 im NDR-Podcast „Raus aus der Depression“. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter spitzte sich ihr Zustand jedoch zu.
„Ich wurde immer gereizter, habe gar kein Spaß mehr an Dingen gehabt. Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt.“
Ihr Mann riet Hazel schließlich zu einem Besuch beim Psychiater. Dort wurde bei ihr eine postpartale Depression diagnostiziert.
Besonders offen spricht Hazel darüber, wie schwer es für sie damals war, eine Verbindung zu ihrem Baby zu empfinden: „Ich habe keine Freude mehr an den Sachen. Ich finde auch mein Kind nicht süß.“
Gut zu Wissen
Eine postpartale Depression ist eine Depression, die im ersten Jahr nach der Entbindung auftritt und länger als zwei Wochen anhält. Laut MSD Manual tritt sie bei etwa sieben Prozent aller Entbindenden auf. Sie unterscheidet sich vom sogenannten Babyblues, der deutlich häufiger vorkommt und in der Regel von selbst wieder verschwindet. Eine postpartale Depression dagegen erfordert professionelle Hilfe. Mögliche Symptome sind unter anderem extreme Traurigkeit, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf, Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essen, Reizbarkeit und Wut, Angst- oder Panikattacken sowie Angst, dem Baby zu schaden. Auch Suizidgedanken können auftreten.
Hazel bekam eine Therapie, die ihr half, die schwere Zeit zu überwinden. Zwei Jahre lang war die Zeit nach der Geburt für sie eine enorme Belastung. An diese Jahre erinnert sie sich nicht unbedingt gerne. Und trotzdem wollte sie danach noch ein Kind.
Ihr zweites Kind nennt Hazel Brugger ihr „Wiedergutmachungsbaby“
Obwohl die erste Zeit mit ihrem Kind so schwer für sie gewesen war, entschied sich Hazel gemeinsam mit ihrem Mann für eine zweite Schwangerschaft. Sie selbst bezeichnet ihr zweites Kind als „Wiedergutmachungsbaby“.
Denn die zweite Geburt und auch die Wochen danach erlebte Hazel ganz anders. Ihr Kind lache viel, schreie kaum und schlafe, berichtet sie im Podcast. Die Zeit nach der Geburt sei kein Vergleich zu dem gewesen, was sie nach ihrer ersten Schwangerschaft erlebt hatte.
Eine Wiedergutmachung für die anstrengende Zeit? Hazel sagt: „Ja!“
Gleichzeitig ist ihr wichtig, dass ihre postpartale Depression nicht so verstanden wird, als habe sie ihr erstes Kind nicht gewollt oder sei mit ihm als Mensch unzufrieden gewesen.
„Ich will jetzt auch nicht, dass es so klingt, als wäre ich nur unzufrieden mit dem ersten Kind gewesen. Das erste Kind scheint ja so schöne Gefühle in mir ausgelöst zu haben, dass ich gesagt habe: ‚Ich will das noch mal.‘“
Hazel und ihr Mann ließen sich von den schlechten Erinnerungen nicht davon abbringen, noch einmal Eltern zu werden. Für Hazel spielte dabei auch Ehrgeiz eine Rolle. Sie wollte sich selbst beweisen, dass sie es schaffen kann, und nicht zulassen, dass ihre erste Schwangerschaft und die Zeit danach für sie als etwas Schlechtes in Erinnerung bleiben.
Heute blickt sie anders auf diese Zeit zurück. Sie sei erleichtert, glücklich und dankbar und habe sich nach den Ängsten und Zweifeln selbst wiedergefunden. Durch ihre zweite Schwangerschaft sei sie außerdem zuversichtlicher geworden als vor ihrem ersten Kind „Weil ich einfach weiß, dass ich mir mehr zumuten kann, als ich denke. Aber dass ich mir auch nicht so viel zumuten muss..”
Vielleicht ist genau das eine Botschaft, die viele Mütter gebrauchen können:
Du musst nicht jede Vorstellung davon erfüllen, wie eine Mutter sich zu fühlen hat. Du musst nicht dankbar sein, glücklich sein und alles im Griff haben, nur weil du gerade ein Baby bekommen hast. Und wenn es dir nach der Geburt nicht gut geht, macht dich das nicht zu einer schlechten Mutter.
Eine postpartale Depression ist keine persönliche Schwäche und kein Versagen. Und gerade deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen – auch dann, wenn sich die eigenen Gefühle vielleicht überhaupt nicht so anfühlen, wie man es sich vor der Geburt vorgestellt hat.
Wenn du selbst merkst, dass es dir nach der Geburt dauerhaft schlecht geht, du dich leer, überfordert oder hoffnungslos fühlst, hol dir bitte Unterstützung. Du musst da nicht allein durch.
Du hast selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht und möchtest darüber sprechen oder dich mit anderen Mamas über Hazels Erfahrungen austauschen? Dann komm gerne in unser Forum>>>
Hazel Brugger: Warum ihr zweites Kind für sie ein „Wiedergutmachungsbaby“ ist
Von
Lena Krause
22. September 2026