Über Geld spricht man – das ist vor allem als Mama wichtig. Deshalb teilt unsere Autorin Elena Berchermeier sowohl Einblicke in ihre elterlichen Finanzen als auch Tipps der Expertin Natascha Wegelin, besser bekannt als Madame Moneypenny, die sie zum Interview getroffen hat.
Das Bare-Minimum in Sachen Finanzen
Für mich war unsere finanzielle Situation einer der ausschlaggebenden Punkte, in denen ich mir sicher sein musste, bevor wir ein Baby bekommen – vor allem in puncto Unabhängigkeit.
Auch Finanzexpertin Natascha Wegelin betont, wie entscheidend das Bewusstsein dafür ist:
„Selbstbestimmung entsteht dort, wo Frauen und Mütter ihre finanzielle Zukunft aktiv mitgestalten, unabhängig von Beziehungsstatus oder Rollenverteilung.”
Ich wusste also um meinen Notgroschen (drei Netto-Monatsgehälter) und wollte einen Puffer haben, der es mir im Notfall ermöglicht, flexibel zu bleiben.
Madame Moneypenny empfiehlt Frauen vor allem drei Faktoren zu kennen: Wie viel Geld bleibt euch am Ende des Monats nach Abzug der Fixkosten übrig? Wie hoch ist euer Notgroschen (empfohlen werden drei Nettogehälter) und wie lange kommt ihr damit über die Runden? Plus: wie groß ist eure Rentenlücke – also die Differenz zwischen tatsächlicher Rente und euren Fixkosten im Alter? Das ist erstmal unbequem und extra Arbeit, aber die Grundlage für jede weitere Verhandlung über Aufteilung.
Erstmal haben wir unsere Ausgangslage unter die Lupe genommen.
Als klar war, dass wir ein Kind bekommen, wurde es konkret: Wir haben geredet und gerechnet, all diese Zahlen mal analysiert, dann Pläne gemacht und ein paar Regeln aufgestellt, die gut für uns und unsere Lebenssituation funktionieren.
Geld war für uns nie ein Tabu. Wir sind seit vier Jahren ein Paar und wohnen fast genauso lange zusammen. Da unser Einkommen vor der Geburt immer relativ gleich war, haben wir einfach alles 50/50 aufgeteilt: Miete, Kosten für Lebensmittel und Anschaffungen, Urlaube und so weiter. Für uns war aber auch von Anfang an klar, dass wir es als Eltern schaffen wollen, dass es weiterhin während der Elternzeit und auch danach fair bleibt und ich als Frau keinen finanziellen Nachteil durch die Mutterschaft habe.
Tatsächlich bin ich auch diejenige, die sich um unsere Finanzen kümmert – was eher untypisch innerhalb von Beziehungen ist. Madame Moneypenny sagt:
„Der häufigste finanzielle Denkfehler, der uns bei Müttern auffällt, ist das Wegdelegieren von Geldverantwortung. Zu denken, wenn es um Finanzen geht: Da kümmert sich schon jemand drum – Partner, Steuerberater, Versicherung oder der Staat.”
Für mich war diese Entscheidung eine Art Selbstermächtigung.
Unser Geld teilen wir so auf: Wir haben ein gemeinsames Konto fürs tägliche Leben, mit dem wir laufende und regelmäßig anfallende Kosten zahlen, und eine Art Sparkonto, auf das wir Geld für größere Anschaffungen und Reisen zur Seite legen. Gleichzeitig haben wir beide eigene Konten und kümmern uns selbstständig um unsere Finanzen – tauschen uns aber auch hier offen aus.
Wir werden Eltern – und brauchen eine neue Aufteilung
Als klar war, dass wir Eltern werden wollen, war uns Fairness nach wie vor wichtig und deshalb wollten wir eine Lösung dafür finden, wie wir Elterngeldmonate, Betreuung, Arbeitszeit und letztendlich auch unsere Finanzen aufteilen.
Mein Freund hat seine Arbeitszeit trotz Beförderung nach der Geburt gekürzt – ja, das geht auch als Mann und trotz Führungsverantwortung – und arbeitet nun 30 Stunden pro Woche. Ich bin natürlich deutlich flexibler und arbeite je nach Auftragslage etwa zwischen zehn und 30 Stunden pro Woche, oft abends oder am Wochenende. An den Tagen, an denen wir beide arbeiten, betreut meine Mama unsere Tochter. Ein Privileg, das ich zu schätzen weiß.
Wie viel Geld fließt auf die gemeinsamen Konten?
Einfach alles 50/50 aufzuteilen und gleichzeitig genug Geld für die eigenen Ausgaben, Rücklagen und die private Altersvorsorge zurückzulegen, ist leider nicht mehr ganz so einfach. Da wir uns bewusst gegen eine klassische Rollenverteilung entschieden haben, nimmt mein Freund acht Monate und ich sechs Monate Elternzeit.
Die Lösung war daher, dass wir jeweils ein Drittel unseres Einkommens auf unser gemeinsames Konto einzahlen. Wer Elterngeld bezieht, zahlt also weniger ein und wer in dieser Zeit arbeitet, ist Hauptverantwortliche*r für das Familieneinkommen – bei meinem Freund ist das dank Festanstellung immer ein fixer Betrag und bei mir ist es relativ unterschiedlich, was uns bei guter Auftragslage eine höhere Sparrate ermöglicht.
Für die Elternzeit-Monate haben wir uns extra einen angesparten Puffer angelegt und der jeweils andere wird finanziell mehr in die Verantwortung genommen. Umgekehrt bedeutet es auch, dass wir trotz Elterngeld jeweils genug für die eigene Altersvorsorge und einen finanziellen Puffer zur Seite legen können und niemand in die Abhängigkeit rutscht.
Als Schatzmeisterin halte ich es mit dem gemeinsamen Sparen übrigens so: Ich überweise immer ungerade Beträge auf unser „Sparkonto”. Mal sind es 123,45 Euro, mal 345,67 Euro – kein Scherz. Diese Denkweise habe ich von meinem Opa à la „Kleinvieh macht auch Mist”. Er hat immer gepredigt, dass wenn ich 100 Euro sparen könnte, bestimmt auch 120 Euro möglich wären und immer auch ein paar ungerade Cent-Beträge. Das mache ich seit vielen Jahren so und habe dadurch gelernt, dass Sparen nicht unbedingt von hohen Summen, sondern von der Stetigkeit lebt.
Realitätscheck – von der Idee zum Alltag
Wir sind seit einem Dreivierteljahr Eltern und kommen mit unserer Drittel-Regelung gut hin – dennoch ist sie nicht in Stein gemeißelt. Sobald die Elternzeitmonate vorbei sind, wollen wir wieder analysieren, rechnen und überlegen, welche Aufteilung ab dann sinnvoll und fair ist.
Für wen eine gleiche Aufteilung aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist, empfiehlt Madame Moneypenny individuelle Lösungen zu finden:
„Das bedeutet, gemeinsam transparent zu machen, wer wie viel Care-Arbeit übernimmt, wer dafür auf Erwerbsarbeit verzichtet und wie das aktiv ausgeglichen wird, damit nicht eine Person die langfristigen Kosten trägt.”
Leider ist es nämlich nach wie vor oft so, dass ein Ungleichgewicht in der Bewertung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit liegt – und als selbstverständlich gesehen wird. „Man muss sich bewusst machen, dass Care-Arbeit ein ökonomischer Faktor und kein privates Hobby ist. Wer diesen Part übernimmt, zahlt häufig einen hohen finanziellen Preis: heute und im Alter.” Das heißt konkret, dass es deutlich schwieriger ist, Rücklagen zu bilden und fürs Alter vorzusorgen – und dafür Lösungen gefunden werden müssen, etwa „durch die Übernahme radikaler Eigenverantwortung für die eigenen Finanzen aber auch durch Ausgleichsmodelle, die zum Beispiel die Betreuung des Kindes strukturell berücksichtigen.”
In meinen Augen sollte all das besprochen werden, bevor man plant, Eltern zu werden. Denn finanzielle Unabhängigkeit ist nicht nice to have, sondern beschert in der Elternschaft oder bei einer Trennung mehr Entscheidungsfreiheit.
Ich will für unsere Tochter ein Vorbild sein, um ihr zu zeigen, wie wichtig und vielschichtig Selbstermächtigung ist.
Wie habt ihr euch, während der Elternzeit finanziell aufgestellt? Habt ihr weitere Tipps und Tricks?
Wie plant ihr eure Finanzen, um während der Elternzeit flexibel zu bleiben?
Lieber Harry, Elena hat ihre Finanzen mit ihrem Partner neu aufgeteilt und strukturiert. Ich kenne auch viele Paare, die sich bewusst finanziell auf die Elternzeit vorbereiten: einen finanziellen Flexibilitäts-Puffer ansparen, laufende Fixkosten minimieren und dann dem- oder derjenigen einen Ausgleich zahlen, der in Elternzeit ist (wenn man geteilte Konten hat). Außerdem kann es aus meiner Erfahrung auch helfen, ein Elternzeitbudget vorher festzulegen, so siehst du früh, ob eine finanzielle Lücke entsteht und mal zu gucken, welche Elterngeld-Modelle (ElterngeldPlus, etc.) sich für euch lohnen. Herzliche Grüße, Marie