Viele kennen Wochenbett-Hotels aus Asien – jetzt hat das erste Resort für Neu-Mamas in Hamburg eröffnet. Lohnt sich das einchecken? Wir haben es uns genauer angesehen!

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    Wenn ich mich an mein erstes Wochenbett erinnere, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Draußen herrschten Temperaturen von bis zu 40 Grad, ich hatte bei der Geburt viel Blut verloren und musste nach drei Tagen im Krankenhaus erstmal Zuhause im Elternsein ankommen. Hinzu kam, dass wir eine Hebamme hatten, die nur von 8 bis 9 Uhr morgens erreichbar war, höchstens 10 Minuten blieb und eher fragte, wie viel Miete wir bezahlen würden, statt wie es meinem Baby ging.

    Früher wusste ich nicht, dass es anders gehen kann – und schon gar nicht, dass es Hotels gibt, die frisch gebackene Mamas in dieser sensiblen Zeit willkommen heißen und sie mit einem Rund-um-Programm aus Hebammen-Beratung, Massagen, Essen und Ruhe verwöhnen – genau so ein Wochenbett-Resort hat jetzt in Hamburg-Volksdorf eröffnet. Klingt wie einen Traum, aber ist es auch bezahlbar und wirklich machbar – z.B.: wenn man gerade erst einen Kaiserschnitt hatte?

    Wochenbett-Hotels – ein Trend aus Ostasien, der nun den Weg zu uns gefunden hat

    Wochenbett-Hotels sind tatsächlich nichts Neues. Sie haben ihren Ursprung in Ostasien und gehen auf jahrhundertealte Traditionen wie Zuo Yuezi in China oder Sanhujori in Südkorea zurück.

    Diese Praktiken beruhen auf der Idee, dass sich Mütter nach der Geburt über mehrere Wochen vollständig erholen sollen, während sie intensiv umsorgt werden.

    Die Wochenbett-Betreuung in Ostasien, die früher vor allem innerhalb der Familie organisiert wurde, hat sich mit der Urbanisierung zu professionellen Angeboten weiterentwickelt, den sogenannten Postpartum Care Centers. Sie verbinden medizinische Betreuung mit hotelähnlichem Komfort, denn wie auch bei uns sind die Zeiten meist vorbei, in denen Verwandte Tür an Tür wohnen oder die Kapazitäten haben, sich 24/7 um eine Neu-Mama zu kümmern. Dass die Mutter sich dann selbst überlassen bleibt, ist natürlich auch keine Lösung. Im ostasiatischen Raum wurde schon vor einigen Jahren erkannt, dass Mütter dann professionelle Hilfe benötigen.

    Wochenbett-Hotels sind damit Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels: Sie übertragen ein traditionelles Fürsorgeprinzip in eine moderne, oft urbane Lebenswelt, in der familiäre Unterstützung nicht mehr selbstverständlich verfügbar ist.

    Durch Globalisierung, Social Media und ein wachsendes Bewusstsein für körperliche und psychische Regeneration – etwa im Hinblick auf die Postnatale Depression – findet dieses Konzept zunehmend auch in Europa und jetzt auch bei uns in Hamburg Anklang.

     

    Wie lange dauert das Wochenbett – und kann man wirklich so lange in dem Hotel bleiben?

    Als Wochenbett (auch postpartale Phase) werden die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt bezeichnet. Es ist eine Erholungs- und Heilungsphase, weil im Körper ganz viel passiert: Die Gebärmutter bildet sich zurück, der Hormonhaushalt stellt sich um, Stillen wird etabliert, die Geburtswunden heilen und dann muss man sich auch emotional in die neue Lebensphase einfinden. All das benötigt Zeit und Raum.

    Gründerin des ersten deutschen Wochenbett-Resorts ist Janette Harazin. Sie ist selbst Hebamme, Autorin und Dozentin und entdeckte auf Reisen, wie in anderen Ländern mit dem Wochenbett umgegangen wird. Besonders fasziniert habe sie das Konzept der Wochenbett-Hotels in Asien. „In Ländern wie China, Taiwan oder Korea wird das Wochenbett als als eine wichtige Regenerationsphase angesehen,“ erzählt sie uns im Gespräch. „Ein besonders prägender Moment war für mich ein Besuch in China, wo mein Sohn studiert. Dort habe ich mir verschiedene Wochenbett-Resorts angeschaut und gesehen, welchen hohen Stellenwert diese Zeit dort hat. Mütter bekommen dort bewusst Ruhe, Unterstützung, gutes Essen und professionelle Begleitung. Diese Erfahrung hat mich sehr bewegt und letztendlich dazu geführt, dass ich mir gewünscht habe, einen solchen geschützten Ort auch hier in Deutschland zu schaffen“, sagt sie.

    Nach ihrer Rückkehr aus China stand fest: Sie wollte das erste Wochenbett-Resort in Deutschland eröffnen, das nun seit 2025 in einem schönen Haus am Stadtrand Hamburgs erste Gäst:innen begrüßt.

    Jeanette Harazin ist Hebamme, Autorin und Gründerin des Wochenbett-Resorts in Volksdorf.
    Jeanette Harazin ist Hebamme, Autorin und Gründerin des Wochenbett-Resorts in Volksdorf. Foto: privat

    „In Deutschland wird von vielen Müttern erwartet, möglichst schnell wieder in den Alltag zurückzukehren. Der Haushalt wartet, Einkäufe müssen erledigt werden und gleichzeitig beginnt, der neue Alltag mit Baby. Hinzu kommen Schlafmangel, körperliche Erholung nach der Geburt und oft auch Herausforderungen beim Stillen,“ sagt Harazin und stellt ihren Gäst:innen verschiedene Buchungs-Pakete mit Vollverpflegung, Begleitung durch Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Fachpersonal sowie eine Stillbegleitung und Massage zur Verfügung.

     

    Das Angebot klingt traumhaft, hat aber natürlich auch seinen Preis

    Zwei Übernachtungen im Wochenbett-Resort liegen bei einem All-Inclusive-Paketpreis von 590 Euro – der Partner oder die Partnerin kann auch mit einchecken und muss für die kulinarische Verpflegung einen Aufpreis von 30 Euro einplanen. Wer mag, kann aber auch länger bleiben: fünf, sieben, vierzehn oder gar 14 bis 40 Nächte – all das ist möglich.

    Und wer nimmt das Wochenbett-Hotel wirklich in Anspruch? „Zu uns kommen ganz unterschiedliche Frauen und Familien. Darunter sind Erstgebärende, Frauen nach einem Kaiserschnitt, Mütter mit mehreren Kindern, Alleinerziehende und Eltern, die sich bewusst mehr Unterstützung, Ruhe und Sicherheit für die erste Zeit nach der Geburt wünschen. Manche kennen ähnliche Konzepte aus Asien, viele entdecken es aber auch ganz neu und merken schnell, wie gut ihnen diese Form der Begleitung tut“, erklärt Harazin.

     

    Ein großer Unterschied zur Betreuung zuhause liegt auch in der Intensität der Hebammenbegleitung.

    „In der klassischen Wochenbett-Betreuung zu Hause ist die Hebamme zeitlich begrenzt. In den ersten zehn Tagen nach der Geburt kann sie zwar bis zu zweimal täglich kommen, danach aber meist nur noch einmal täglich und die Besuche sind auf etwa 60 Minuten begrenzt. Außerdem ist man dort immer an einen festen Zeitpunkt gebunden.“ Aus diesem Grund gibt es im Wochenbett-Resort immer eine verfügbare Hebamme, an die man sich mit Fragen und Sorgen wenden kann.

    Gerade in Zeiten eines akuten Hebammen-Mangels kann das von Vorteil sein. Hinzu kommt: „Auch wenn das Baby zum Beispiel schon drei Wochen alt ist, können wir mehrere Hebammenkontakte am Tag ermöglichen. Gerade bei Themen wie Stillproblemen ist das ein großer Vorteil. Bei uns können wir uns an den tatsächlichen Stillmahlzeiten orientieren und auch mehrmals am Tag dazu kommen und unterstützen. Dadurch können wir sehr individuell und eng begleiten. Im Unterschied zum Krankenhaus steht bei uns nicht die medizinische Versorgung im Vordergrund, sondern die Regeneration, Bindung und das Ankommen im neuen Familienleben. Es gibt keinen Zeitdruck und keinen festen Entlassungszeitpunkt.“

     

     

    Natürlich kann und möchte nicht jede Mama nach der Geburt im Wochenbett-Hotel sein, manche sind am liebsten im eigenen Bett oder in der Nähe von beispielsweise älteren Geschwisterkindern, die schulpflichtig sind – doch ist es eine schöne Ergänzung, die die Dringlichkeit für den Heilungsprozess wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit bringt.

    Besonders Alleinerziehende würde von diesem Service profitieren, und wie großartig wäre es, wenn diese Leistung sogar von der Krankenkassen übernommen werden würde. Kleiner Spoiler: Wird sie nicht. Der Aufenthalt zählt als private Leistung.

    Wenn ich an mein eigenes Wochenbett zurückdenke, hätte ich mir so einen Besuch in so einem Resort damals gewünscht, wenn auch nur für ein paar Tage, an denen man sich um nichts kümmern muss und auf die Heilung konzentrieren kann. Statt zahlreicher Kuscheltiere und Bodys wäre es auch eine schöne Idee, im Freundeskreis für so einen Aufenthalt zusammen zu legen. Vielleicht ist das ja der Start für viele weitere Wochenbett-Hotels, zu denen dann noch mehr Frauen einen Zugang bekommen.

     

    Würdet ihr in ein Wochenbett-Hotel einchecken? Überflüssiger Luxus oder notwendige Einrichtung? Wir sind gespannt, wie ihr zu dem Thema steht.