Kein Schreien. Kein wildes Winken. Kein lautes Rufen nach Hilfe. Wenn ein Kind ertrinkt, sieht das oft ganz anders aus, als wir es aus Filmen kennen. Und genau das macht es so gefährlich.

Inhalt dieses Artikels

    „Kein Problem, geht ihr ruhig schon mal zum Schwimmbecken. Mama kommt gleich nach.“

    Ein kurzer Blick aufs Handy, noch schnell etwas nachschauen, kurz zu Hause anrufen – nur ein paar Minuten.

    Was danach passieren kann, ist das Szenario, das sich wohl keine Mutter und kein Vater jemals vorstellen möchte:

    Plötzlich treibt das eigene Kind regungslos im Wasser.

    Kein Schreien, kein Winken: So sieht Ertrinken tatsächlich aus

    Viele von uns haben ein Bild im Kopf, wie ein Mensch aussieht, der gerade ertrinkt: Jemand ruft um Hilfe, schlägt wild mit den Armen, versucht verzweifelt, sich über Wasser zu halten.

    Bei Kindern kann das ganz anders aussehen.

    Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, kann es innerhalb kürzester Zeit nicht mehr in der Lage sein, auf sich aufmerksam zu machen. Es bleibt deshalb oft erschreckend ruhig. Genau deshalb können wenige Sekunden Unaufmerksamkeit entscheidend sein.

    Allein von Januar bis Ende Juli 2026 sind in Deutschland bereits mindestens 261 Menschen ertrunken.

    Ein Moment, den man als Eltern niemals erleben möchte.
    Ein Moment, den man als Eltern niemals erleben möchte. Foto: unsplash

    „Er kann doch schon schwimmen“ reicht nicht

    Ein Schwimmabzeichen ist wichtig. Es gibt Kindern Sicherheit und zeigt, dass sie bestimmte Fähigkeiten im Wasser beherrschen. Es ersetzt aber niemals die Aufsicht durch Erwachsene.

    Das gilt für das Seepferdchen genauso wie für Bronze – und auch für Kinder, die bereits richtig gut schwimmen können.

    Denn auch ein geübter kleiner Schwimmer kann plötzlich in eine schwierige Situation geraten: durch einen Krampf, Erschöpfung, einen Sprung ins Wasser, eine unerwartete Strömung oder schlicht einen Moment der Panik.

    Was aber tun, im Fall der Fälle?

    Und trotzdem kann es passieren. Deshalb ist es genauso wichtig, zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist.

    • Hole das Kind aus dem Wasser – vergiss aber nicht dabei auf den Eigenschutz achten.

    • Spreche das Kind laut an und prüfe die Reaktion.

    • Hole Hilfe und lasse den Rettungsdienst über 112 alarmieren.

    • Überstrecke nun den Kopf des Kindes, lege dein Ohr über Mund und Nase und die Hand auf den Brustkorb. Kontrolliere zehn Sekunden, ob eine Atmung vorhanden ist.

    • Wenn du feststellst, dass das Kind nicht atmet, musst du jetzt Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten. Dazu überstreckst du wieder den Kopf des Kindes und beatmest fünfmal initial entweder Mund zu Mund oder Mund zu Nase.

    • Dann beginnt der normale Reanimations-Algorithmus: 30 Kompressionen unteres Drittel des Brustbeines, je nach größe des Kindes mit einer oder zwei Händen nachfolgen wieder zwei Beatmungen.

    • Für Laien bzw. einzelne Helfer gilt: 30 Herzdruckmassagen, dann 2 Beatmungen.

    • Für entsprechend ausgebildete Helfer, die in der Kinderreanimation geschult sind: 15 Herzdruckmassagen, dann 2 Beatmungen.

    • Die Wiederbelebung ohne unnötige Unterbrechung fortführen, bis der Rettungsdienst übernimmt oder das Kind wieder eindeutige Lebenszeichen zeigt. Im Optimalfall wechselt ihr euch alle zwei Minuten ab.

    Das alles klingt im ersten Moment vielleicht viel. Gerade deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Schritte einmal zu kennen – bevor man sie hoffentlich nie braucht.

    In unserem Reel zeigen Notfallsanitäter Alex Böhning und Hebamme Laura Rohmann-Höhn anhand eines Beispiels, wie schnell eine Situation kippen kann und welche Maßnahmen im Ernstfall wichtig sind:

     

     

    Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

     

    Ein Beitrag geteilt von Echte Mamas (@echtemamas)

    Am besten kommt es gar nicht erst so weit

    Natürlich möchten wir unseren Kindern ihre Freiheit lassen. Sie sollen planschen, toben, schwimmen und Spaß am Wasser haben. Aber gerade weil Ertrinken so schnell und häufig lautlos passieren kann, brauchen Kinder am Wasser unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

    Seit ich weiß, dass ein Kind im Wasser nicht unbedingt laut um Hilfe ruft oder wild mit den Armen winkt, schaue ich im Freibad automatisch genauer hin. Wenn ich im Wasser bin und Kinder um mich herum sehe, habe ich immer ein Auge darauf – auch wenn es nicht meine eigenen sind. Denn manchmal kann ein aufmerksamer Blick im richtigen Moment entscheidend sein.

    Bleibt in der Nähe. Bleibt aufmerksam. Behaltet eure Kinder im Blick. Wie sicher fühlt ihr euch, wenn eure Kinder im Wasser sind?

     data-lazy-src=