Die Geburt ihres Sohnes soll für Aurelia der schönste Tag ihres Lebens werden. Doch ein Behandlungsfehler zerstört diesen Traum und reißt der Familie den Boden unter den Füßen weg.

„Im Januar 2026 bin ich im Alter von 25 Jahren zum ersten Mal Mama geworden. Wir haben vorher lange über das Thema Schwangerschaft gesprochen und uns viele Gedanken dazu gemacht. Dann sind wir zu dem Entschluss gekommen, den Dingen ihren Lauf zu lassen, und zu schauen, ob das Schicksal entscheidet, uns ein kleines Wunder zu schenken.

Nachdem ich die Pille abgesetzt hatte, ging es relativ schnell. Ein halbes Jahr später schlug das kleine Herz unseres Babys schon in meinem Bauch.

Die Schwangerschaft war wunderschön und unbeschreiblich.

Ich hatte keinerlei Beschwerden, der Kleine hat sich wunderbar entwickelt, und die zehn Monate waren für mich voller Liebe und Vorfreude. Ich habe meinen Körper noch nie so geliebt und bewundert wie in dieser Zeit. Es war für mich absolut magisch.

Die Geburt sollte der schönste Tag unseres Lebens werden.

Wir haben uns eine Hausgeburt gewünscht, umgeben von all der familiären Liebe und Geborgenheit. Gemeinsam mit meinem Geburtsengel haben wir alles geplant und vorbereitet.

Ich war so aufgeregt, weil ich endlich wissen wollte, wie mein Baby aussieht, wie es riecht und wie es sich anfühlt. Und vor allem, wie es sich anfühlt, sein Baby endlich in den Armen zu halten.

Zwei Tage vor dem ET ist dieser Traum dann leider geplatzt.

Ich habe die Diagnose bekommen, dass mein Blutdruck viel zu hoch war, und bekam direkt eine Überweisung ins Krankenhaus.

Obwohl mein Baby noch nicht bereit war, meinen Bauch zu verlassen, kam mein Körper an seine Grenzen. Das führte dazu, dass die Geburt eingeleitet werden musste, um das Leben unseres Babys und auch mein eigenes nicht zu gefährden.

Nach zwei Tagen Einleitung hatte ich am ET plötzlich heftige Presswehen.

Leider kamen sie nicht in Schüben und nach und nach, sondern es ging von Null auf Hundert los und blieb die nächsten 12 Stunden auf diesem Niveau.

Keine Schmerzmittel, kein Wechsel der Geburtspositionen und keine anderen Hilfsmittel konnten den Schmerz unterdrücken oder zumindest lindern.

Als mein Muttermund schließlich bei 9,5 cm war, und es nach 4 Stunden zu einem Geburtsstillstand kam, habe ich die Ärzte um eine PDA gebeten. Leider kamen sie dieser Bitte erst nach ein paar weiteren Stunden nach.

Als sich am nächsten Morgen noch immer nichts getan hatte, entschieden die Ärzte sich zu einem Kaiserschnitt.

Dieser gab mir dann den Rest. Da mein Blutdruck noch immer viel zu hoch war, und ich jedes Reißen und Schneiden mitbekommen habe, bekam ich eine Vollnarkose.

Meinem Baby ging es während der ganzen Zeit jedoch gut. Auch nach der Geburt waren seine Werte alle unauffällig.

Die Zeit im Krankenhaus war für Aurelia und ihren Mann traumatisch.
Die Zeit im Krankenhaus war für Aurelia und ihren Mann traumatisch. Symbolfoto: Adobe Stock

Aufgrund der Narkose nahm ich sein Schreien nur sehr dumpf wahr. Doch ich war mir sicher, dass er in guten Händen ist, schließlich waren wir im Krankenhaus.

Doch dann nahm ein Kinderarzt ihn zur Untersuchung mit, und plötzlich wurde es still. Während ich langsam aufwachte, wollte mein Mann zu unserem Baby, doch man ließ ihn nicht.

Stunden später kam dann endlich ein Arzt zu uns.

Er sprach sehr schnell und warf mit Fachbegriffen um sich, die uns in dem Moment aber gar nicht erreichten. Wir wussten nur, dass mit unserem Sohn etwas nicht stimmte. Und damit sollten wir leider recht behalten.

Denn es stellte sich heraus, dass unser Baby beatmet werden musste. Doch der behandelnde Arzt machte dabei einen schwerwiegenden Fehler:

Er beatmete unser Baby mit zu viel Druck, sodass beide Lungenflügel zusammenfielen. Unser kleiner Engel war 20 Minuten auf der Welt und kämpfte um sein Leben.

Wenig später wurde er in seinem Inkubator abgeholt und per Helikopter zur nächstgelegenen Klinik mit Kinderintensivstation gebracht. Dort bekam er eine Atemmaske, eine Magensonde und wurde mit vielen Kabeln an verschiedene Geräte angeschlossen.

Doch unser kleiner Sohn ist ein großer Kämpfer und hat innerhalb weniger Tage allein geatmet. Nach und nach konnten die Kabel entfernt werden, und wir konnten ihn endlich berühren, ohne die Angst, ihm zusätzlich zu schaden.

Ganze 5 Tage musste ich warten, bis ich nach der Geburt endlich zu meinem Kind konnte.

Vorher war es mir aufgrund der Narbe, der Schmerzen und vor allem der Psyche einfach nicht möglich. Mein Mann ist zum Glück schon seit dem Tag nach der Geburt jeden Tag zu unserem Sohn gefahren und hat ihn mit all seiner Liebe zwischen all den Monitoren begleitet.

Nach fünf Tagen sind wir die Strecke von 70 Kilometern jeden Tag zusammen gefahren und haben viele Stunden bei unserem Sohn verbracht. Eine Woche später durften wir dann mit unserem Baby auf die Pflegestation umziehen. Dort konnten wir uns endlich als Familie richtig kennenlernen und unser kleines Wunder in Ruhe begrüßen.

Nach 2 Wochen kämpfen, glauben und hoffen durften wir endlich nach Hause. Doch die Angst ist geblieben.

Einige Tage nach unserer Entlassung mussten wir unsere erste große Reise antreten, denn mein Sohn wurde zur Kontrolle seiner Lunge nah Leipzig überwiesen. Bis zu diesem Termin habe ich kaum geschlafen, weil ich ständig geschaut habe, ob mein Kind noch atmet oder andere Anzeichen einer Atemnot sichtbar sind. Doch zum Glück konnten die Ärzte in Leipzig uns beruhigen. Und von diesem Tag an konnten wir endlich aufatmen und unser Leben als kleine Familie genießen.

Heute geht es unserem Sohn sehr gut.

Er entwickelt sich normal und hält uns ordentlich auf Trab.

Heute geht es Aurelias Sohn gut, doch das Erlebte lässt seine Mama nicht los.
Heute geht es Aurelias Sohn gut, doch das Erlebte lässt seine Mama nicht los. Foto: privat

Letztendlich kann ich sagen, dass wir den Ärzten auf der Kinderintensivstation zu 100 % vertrauen konnten. All die Gespräche, die wir dort mit den Ärzten und auch den Schwestern führen konnten, haben uns Sicherheit gegeben.

Das Gleiche hätten wir uns von dem Krankenhaus gewünscht, in dem mein Sohn zur Welt gekommen ist.

Doch der Arzt, der ihn falsch beatmet hat, hat nach dem Vorfall gekündigt und wurde nie wieder gesehen.

Folglich haben wir von ihm nie eine Stellungnahme, geschweige denn eine Entschuldigung bekommen.

Das Ärzteteam dort ist sich keiner Schuld bewusst und zeigt keinerlei Einsicht oder Verständnis. Wir werden mit dem Erlebten völlig allein gelassen.

Zum Glück haben wir die beste Hebamme, die man sich wünschen kann. Auf sie können wir voll und ganz zählen.

Leider werden uns diese Bilder nie wieder loslassen und die weitere Vorgehensweise wird alles andere als leicht werden, denn Schuld will natürlich niemand haben. Aber unser Anwalt ist sehr engagiert und zuverlässig. Er kämpft für uns, und wir alle zusammen kämpfen für das Recht unseres Sohnes.

In der Anfangszeit hätte ich mir eine Person gewünscht, die rund um die Uhr für mich da ist und sich all meine Gedanken, Sorgen und Ängste anhört. Denn um so etwas zu verarbeiten, braucht es sehr viel Zeit.

Meine Botschaft an alle Familien, die Ähnliches erleben mussten: Sprecht über das, was ihr erlebt habt!

Seid niemals still, sondern erzählt, was euch passiert ist. Es ist kein Petzen oder Rufen nach Mitleid. Es beweist Mut und Stärke, offen darüber zu sprechen.

Ich möchte mit meiner Geschichte keine Angst machen. Ich möchte Frauen und Familien ermutigen, auch über negative Erfahrungen zu berichten und niemals zu schweigen.“

Liebe Aurelia, vielen Dank, dass wir deine Geschichte teilen dürfen. Wir wünschen dir und deiner Familie von Herzen alles Gute!

Wie ist es bei dir: Hast du grundsätzlich Vertrauen zu den Ärzten? Oder musstest du vielleicht etwas ähnliches erleben? Schreib es uns in die Kommentare – oder hinterlasse eine Botschaft für Aurelia.

 

4 Kommentare

  • User Avatar
    Elisabeth

    Das liest sich ja wie ein Krimi und ich bin wirklich froh über dieses Happy End! Nur das Beste für euch!

  • User Avatar
    Lauraa

    Happy End! Ein Glück  🥰 Was für eine unglaublich bewegende Geschichte!

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    Marie

    Oh, bin ich erleichtert, dass es Mama und Kind heute gut geht und ich hoffe, dass die Mama das Erlebte irgendwann aufarbeiten kann. Alles Gute für euch!

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    Lena

    Was für ein Schock für die Familie  😕  Toll, dass die Mama dran bleibt und für ihr Recht kämpft!