„KiTa-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz“
Ein Test mit vier Jahren, mehr Förderung und zusätzliche Fachkräfte: Das neue „KiTa-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz“ klingt erst einmal nach einem ziemlich großen Plan. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf beschlossen – jetzt müssen noch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Die ersten Regelungen sollen ab 2027 schrittweise greifen.
Was kommt da auf unsere Kinder zu?
Wie BR24 berichtet, sollen künftig alle Vierjährigen bundesweit einheitlich getestet werden. Und zwar nicht nur darauf, wie gut sie Deutsch sprechen, sondern auch Bewegung und allgemeiner Entwicklungsstand sollen erfasst werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Kind eine Kita besucht oder nicht.
Der Gedanke dahinter: Werden Entwicklungs- oder Sprachprobleme früh erkannt, kann auch früher geholfen werden.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete das Vorhaben als wichtige bildungspolitische Weichenstellung. Ihr Argument ist, dass ungleiche Bildungschancen teilweise schon vor der Einschulung entstehen – und sich später nur schwer wieder ausgleichen lassen.
Mehr Hilfe für Kitas, die besonders gefordert sind
Auch die Kitas selbst sollen Unterstützung bekommen. Vor allem Einrichtungen, in denen besonders viele Kinder aus schwierigen Lebenssituationen betreut werden, sollen zusätzliche Fachkräfte erhalten. Dazu zählen beispielsweise Kinder aus Familien mit finanziellen Problemen, Kinder mit geringen Deutschkenntnissen oder Kinder von Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss. Je nach Größe der Einrichtung sind zusätzliche Fachkraftstunden vorgesehen.
Mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland sollen von der besonderen Förderung profitieren.
Klingt gut – oder?
Da gibt es allerdings einen ziemlich großen Haken.
In den Kitas fehlt es schon jetzt an Personal
Der Paritätische Gesamtverband warnt vor einem massiven Fachkräftemangel. Nach einer Umfrage unter mehr als 3.200 Kitas fehlen rechnerisch bundesweit rund 107.000 pädagogische Beschäftigte.
Und das, obwohl gleichzeitig mehr als 550.000 Kita-Plätze ungenutzt seien – nicht etwa, weil niemand sie braucht, sondern weil vielerorts das Personal fehlt.
Besonders alarmierend: Rund zwei Drittel der befragten Fachkräfte sagen, dass sie mit dem aktuellen Personalschlüssel den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden können. Neun von zehn Einrichtungen berichten außerdem von einer hohen psychischen Belastung des Personals.
Da stellt sich natürlich die Frage:
Wie sollen zusätzliche Tests und Förderangebote funktionieren, wenn die Menschen fehlen, die sie umsetzen sollen?
Der Bund will Milliarden investieren
Ganz ohne Geld soll die Reform allerdings nicht kommen. Der Bund will den Ländern bis 2034 rund 9,25 Milliarden Euro für die zusätzlichen Aufgaben zur Verfügung stellen.
Das Ziel ist klar: Kinder sollen möglichst früh die Unterstützung bekommen, die sie brauchen – und bessere Chancen auf einen guten Start in die Schule haben.
Früh erkannt – aber auch früh geholfen?
Dass Kinder möglichst früh Unterstützung bekommen, wenn sie sie brauchen, klingt natürlich erst einmal sinnvoll. Schließlich kann es hilfreich sein, Entwicklungsverzögerungen oder Sprachprobleme früh zu erkennen und gezielt zu fördern.
Trotzdem bleibt die Frage, was ein solcher Test für die Kinder und Familien am Ende konkret bedeutet. Vierjährige sind schließlich keine kleinen Schulkinder – jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Aus einem Test sollte deshalb nicht der nächste Leistungsdruck entstehen. Und vor allem: Was bringt es, wenn festgestellt wird, dass ein Kind zusätzliche Unterstützung braucht, es dafür aber nicht genügend Fachkräfte, Förderplätze oder Angebote gibt? Genau daran wird sich am Ende zeigen, ob die geplanten Tests wirklich helfen – oder ob sie für Familien vor allem noch eine weitere Hürde bedeuten.
Wie findet ihr die geplanten Tests für alle Vierjährigen? Sinnvolle frühe Förderung – oder macht ihr euch Sorgen, dass Kinder dadurch schon zu früh unter Leistungsdruck geraten? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Großer Druck vor der Schule: Vierjährige sollen getestet werden
Von
Emmelie Feurer
11. September 2026