Mit 17 wird Gerda ungeplant schwanger – und entscheidet sich voller Hoffnung für ihr Kind. Jahre später ist sie dreifache Mama. Doch hinter dem Familienalltag verbirgt sich ein Kampf, den kaum jemand sieht: schwere Depressionen.

Inhalt dieses Artikels

    „Ich bin Gerda, 26 Jahre alt und Mama von drei Kindern im Alter von ein, zwei und acht Jahren. Meine Geschichte begann eigentlich schon lange, bevor ich selbst Mutter geworden bin.

    Ich bin das erste von vier Kindern und wir sind alle ohne Vater groß geworden.

    Ich habe mich damals viel um meine Geschwister gekümmert. Ein schreckliches Erlebnis aus dieser Zeit begleitet mich bis heute: Eine Bezugsperson wurde mir gegenüber sexuell übergriffig. Ich habe damals versucht, mit meiner Mutter darüber zu sprechen, sie hat mich jedoch nicht ernstgenommen.

    Mittlerweile ist der Kontakt zur ihr abgebrochen und ich konnte vieles durch psychologische Hilfe aufarbeiten.

    Trotz dieser schwierigen Erfahrungen hatte ich schon früh einen Kinderwunsch. 2017 wurde ich dann ungeplant schwanger – wegen mangelnder Aufklärung. Die Schwangerschaft war für mich aber eine schöne Überraschung, ich habe mich gefreut.

    Schwanger mit 17 - das hatte Gerda nicht geplant
    Schwanger mit 17 - das hatte Gerda nicht geplant. Foto: Privat

    Die Reaktion meines Partners werde ich nie vergessen. Obwohl er selbst erst 22 war, hat er sich tierisch gefreut und sofort gerufen: „Ich bekomme einen Junior oder eine Juniorin.“

    Trotz der Schwangerschaft habe ich meine Lehre abgeschlossen. Nach außen sah vieles so aus, als würde ich alles problemlos schaffen. Ich habe funktioniert. Aber innerlich war da oft Überforderung.

    Hinzu kamen Familienstreitigkeiten, die mich sehr gefordert haben.

    Meine Grenzen wurden überschritten, es gab sogar einen körperlichen Angriff auf mich aus dem weiteren Familienumfeld und mir wurde einfach alles zu viel. Statt gemeinsam mit meinem Mann alles aufzuarbeiten und mir Unterstützung zu suchen, habe ich mich nach fünf Jahren Beziehung getrennt.

    Doch ich habe schnell gemerkt, dass das ein Fehler war. Wir konnten einfach nicht ohneeinander. Fast ein Jahr lang kämpfte ich darum, meinen Mann zurückzugewinnen.

    Ich wurde noch während unserer Trennung schwanger mit unserem zweiten Kind – und freute mich trotz der Umstände sehr über diese Schwangerschaft.

    Jedes ihrer Babys ist für Gerda ein Geschenk.
    Jedes ihrer Babys ist für Gerda ein Geschenk. Foto: Privat

    Ausgerechnet ein tragisches Ereignis brachte meinen Mann und mich wieder zusammen.

    Kurz nach der Geburt unseres zweiten Kindes hatte mein Mann einen schweren Unfall und ist aus sechs Metern Höhe auf Beton gestürzt. Ich habe ihn wochenlang gepflegt – mit einem Neugeborenen auf dem Arm, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wieder zusammen waren.

    Ich glaube, genau diese Zeit hat uns noch einmal die Chance gegeben, es miteinander zu probieren, auch wenn nicht alles perfekt ist.

    Ich habe mir immer drei Kinder gewünscht.

    Und wenig später kam tatsächlich unser drittes Wunder zu uns. Doch mit der Geburt unseres dritten Kindes holte mich dann die Depression endgültig ein. Als dreifache Mama, die immer wieder mit Depressionen kämpft, besteht mein Alltag aus vielen Höhen und Tiefen.

    Ich wusste lange nicht, woher meine Depressionen kommen. Aber sie sind da. Und sie begleiten mich vermutlich noch die nächsten Jahre.

    Wenn ich mitten in einer depressiven Episode stecke, laufe ich wirklich nur noch auf Notbetrieb. Ich funktioniere dann nur noch für meine Kinder und spüre eine allumfassende Lustlosigkeit

    Trotz allem schaffe ich es, sie niemals zu vernachlässigen. Aber alles andere bleibt liegen. Besonders leiden die Küche und meine eigene Hygiene.

    Aktuell bin ich deswegen in Behandlung.

    Auch mein Partner unterstützt mich sehr, aber er kennt diese Situation selbst nicht. Er weiß oft selber nicht, wie er damit umgehen soll.

    Aber er hat sich mittlerweile gut eingelesen und versteht vieles besser.

    Zusätzlich belastet uns aktuell auch die Situation unseres großen Sohnes.

    Er hat die ADS-Diagnostik bekommen und wir müssen deshalb viel zu Therapien. Das fordert uns als Familie natürlich heraus.

    Gerda hat heute die Familie, die sie sich immer gewünscht hat.
    Gerda hat heute die Familie, die sie sich immer gewünscht hat. Foto: Privat

    Wenn ich gute Phasen habe, läuft alles wie von selbst. Aber es gibt eben auch die Tiefs, in denen ich mehr Hilfe annehmen muss, als ich eigentlich möchte.

    Es ist noch immer ein langer Weg.

    Aber ich glaube trotzdem, dass wir das als fünfköpfige Familie wirklich gut rocken – mit all den Höhen und Tiefen, die dazugehören.

    Das Wichtigste ist, dass wir uns aufeinander verlassen können und auf unsere Liebe vertrauen.”

    Vielen Dank, liebe Gerda, dass wir hier deine Geschichte teilen dürfen. Mehr über Gerdas Leben erfahrt ihr auch hier: gerdadietermayr

    Kennst du selbst auch Phasen der Überforderung? Was hilft dir dann? Tausche dich gerne in den Kommentaren dazu aus!

    3 Kommentare

  1. User Avatar
    Emmi

    So eine berührende Geschichte. Es erfordert unglaublich viel Mut, so ehrlich über die eigenen Grenzen und den Kampf mit Depressionen zu sprechen. Du leistest Großartiges für deine Familie, und es ist so wichtig zu zeigen, dass auch hinter einer vermeintlich ‚heilen Welt‘ harte Kämpfe stecken können. Alles Liebe für euren weiteren Weg als Familie!

  2. User Avatar
    Elisabeth

    Ich lese, dass du in deinen jungen Jahren so viel stemmen musstest, Lasten tragen musst, Traumas aufarbeitest. Es ist doch kein Wunder, dass dein Körper irgendwann zusammenbricht. Bitte kümmere dich gut um dich  ❤️ 

  3. User Avatar
    Lauraa

    Wow, was für eine krasse Echte Geschichte!So viele Höhen und Tiefen & dabei immer weiter als Team funktionieren.Ich wünsche euch liebe Gerda nur das aller Beste! Nach deiner Geschichte, bin ich mir aber sicher, dass ihr alles schaffen könnt!