Hi, ich bin Luisa und teile unter @meinefamilienrezepte gern Gerichte für die ganze Familie. Heute möchte ich euch aber eine andere Geschichte erzählen, die ich bisher noch nicht öffentlich geteilt habe, da während der Schwangerschaft nicht klar war, wie sie ausgehen wird.
Wie alles begann
Als ich meinen Mann auf der Arbeit kennengelernt habe, war das erste, was ich eine Kollegin gefragt habe: „Wer ist das?“ und „Ist der single!?“ Es war seine offene, herzliche und ehrliche Art, die mir vom ersten Moment an gefallen hat und egal wen ich gefragt habe: es gab wirklich keinen, der Fabi nicht leiden konnte…
Über ein paar Jahre hinweg sind wir uns immer mal wieder zufällig über den Weg gelaufen und es war immer mein Highlight des Tages. An einem Tag – an dem ich eigentlich frei hatte – überkam mich plötzlich ein Gefühl, bei den Kollegen vorbeischauen zu müssen, und wer war da? Richtig, Fabi!
Aus einem Gespräch entwickelte sich schnell mehr. An dem Abend sind wir um Mitternacht noch schwimmen gegangen. Die nächsten Wochen haben wir fast jeden Feierabend miteinander verbracht. Nach einer Woche habe ich seinen Sohn und seine Eltern kennengelernt, ein paar Wochen später hab ich dann spontan meine Sachen gepackt und bin bei ihm eingezogen. Kurz darauf war ich schwanger.
Als unser Sohn ein Jahr alt wurde, war uns klar, dass wir uns bald ein zweites Kind wünschen – wieder hat es auf Anhieb geklappt.
Fabi war sich von Anfang an sicher, diesmal wird es ein Mädchen.
Der Frauenarzttermin änderte alles
Ich war ziemlich sorgenlos, bis ich beim Frauenarzt saß, der mir ganz nebenbei erzählt hat, ich hätte CMV. Auf Nachfrage meinte er, es wäre eine sehr häufige Kinderkrankheit, in der Schwangerschaft sollte man das aber im Blick behalten und ich solle mich doch mal beim Facharzt melden, der hätte mehr Kapazitäten.
Was ist CMV?
Das Cytomegalievirus ist ein sehr verbreitetes Virus aus der Familie der Herpesviren. Viele Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit, oft ohne es zu merken und nach der Erstinfektion bleibt das Virus lebenslang im Körper (wie andere Herpesviren). Bei gesunden Menschen verursacht CMV meist keine oder nur leichte Symptome (ähnlich einer Erkältung). Wann das Virus problematisch ist? Für Schwangere sowie für Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Mit dem Cytomegalievirus steckt man sich über Körperflüssigkeiten an.
Schwere Hirn- und Organschäden, Entwicklungsverzögerung, Schwerhörigkeit – und Totgeburt.
Aber es gäbe wohl eine Behandlung, die gerade erforscht wird – und das Risiko, die Infektion ans Baby weiter zu geben, stark vermindert.
An das Gespräch mit der Fachärztin kann ich mich kaum erinnern
Nur einen Satz der ebenfalls schwangeren Ärztin werde ich wohl nie vergessen:
„Also… Sie wollen das Kind?“
Sie schien richtig ungläubig. Sie hat mir dann noch erklärt, dass die von mir angesprochene Behandlung aber nicht zwangsläufig von der Krankenkasse übernommen wird – und ich dafür vielleicht jedes Mal ans andere Ende des Landes fahren müsste.
Es war Ostern und über die Feiertage hat es ewig gedauert, bis ich die erste Infusion bekommen habe. Nach einer Nacht im Krankenhaus bin ich kaum zur Tür rein, als mein Handy geklingelt hat: meine Frauenärztin.
Nachdem sie aufgelegt hat, musste ich so lachen, weil es einfach so absurd war…
Was ist eine intrauterine Bluttransfusion?
Eine intrauterine Bluttransfusion (IUT) ist eine Blutübertragung für ein ungeborenes Kind noch während der Schwangerschaft. Sie wird eingesetzt, wenn der Fötus eine schwere Anämie (Blutarmut) hat und dadurch gefährdet ist. Die Transfusion erfolgt meist unter Ultraschallkontrolle, über eine dünne Nadel durch die Bauchdecke der Mutter, direkt in die Nabelschnurvene oder seltener in die Bauchhöhle des Fötus.
Es war immer noch nicht klar, ob die Kasse die Behandlungskosten übernimmt.
Ein paar Tage später kam im Urlaub dann auch ein extrem unfreundlicher Anruf von der Krankenkasse
Die Meinungen zur Schwangerschaft hätten nicht unterschiedlicher sein können
Die einen haben überlegt, ihr Haus zu verkaufen, um uns mit den Rechnungen zu helfen, die anderen haben uns gefragt, wie dumm wir eigentlich sind, dass wir das Kind überhaupt behalten haben.
Wir hätten es ja „einfach wegmachen“ und dann ein „neues, gesundes Kind machen“ können.
Das Thema Schwangerschaftsabbrüche hat uns die ganze Zeit verfolgt
Auch wenn ich weiß, dass Schwangerschaftsabbrüche ein wichtiges Frauenrecht ist und jede Frau für sich die Entscheidung treffen muss, die in ihrer Situation die richtige ist, hat mich der Vorschlag der Ärztin und das Urteil unserer Bekannten einfach nur wütend gemacht. Auch der Gedanke, dass ich bald in der 20. Schwangerschaftswoche sein würde, in der die Fruchtwasseruntersuchung und der Ultraschall anstehen würden und dann eine Entscheidung von uns erwartet werden würde, hat mich richtig fertig gemacht. Instinktiv wollte ich mein Baby vom ersten Moment an vor allem beschützen und alles erdenklich Mögliche versuchen, damit es gesund zur Welt kommen wird.
Auch wenn andere nicht verstanden haben, wie ein „kleiner Zellhaufen“ für uns so viel Wert haben kann, dass wir solche Risiken eingehen – für uns war es von Anfang an unser Baby und auch wenn wir nichtmal 10 Prozent der ersten Krankenhausrechnung hätten bezahlen können, gab es für uns nie eine andere Wahl. Was bedeutet Geld, wenn es um die Gesundheit des eigenen Kindes geht?
Dann kam die Untersuchung.
Am nächsten Tag bin ich zur Kontrolle ins Krankenhaus gefahren, wo eine junge Ärztin ein Hämatom an der Plazenta festgestellt hat. Das kann lebensgefährlich sein. Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich mit der Untersuchung das Leben unseres Babys gefährdet habe. Und gleichzeitig wurde mir klar, dass es völlig egal ist, was bei der Untersuchung rauskommt. Unser kleines Mädchen – damit hatte Fabi von Anfang an recht – war für uns perfekt.
Nach der Geburt hat sich rausgestellt, dass die Maus auf einer Seite schlecht hört.
Jetzt – mit eineinhalb Jahren – trägt sie ein Hörgerät.
Wahnsinn. Was für eine unglaubliche Geschichte! Nur das Beste für die Familie. ❤️
Wow, das liest sich alles wir ein richtiger Krimi. Ich wünsche der Familie nur das beste!
Ich habe tatsächlich beim Lesen auch mitgefiebert
Was für eine krasse Story! Das Foto vom Papa am Boden im Kreißsaal ist echt eine gute Erinnerung und Sinnbild für den wilden Ritt, den die arme kleine Familie durchmachen musste 🤭 Was ein Glück, dass am Ende doch alle Rechnungen bezahlt wurden!