Luisa und Fabi wünschen sich ein zweites Kind. Als es klappt, steckt sich Luisa mit zwei Kinderkrankheiten an, die dem ungeborenen Baby schaden können. Hinzu kommen Behandlungskosten von über 30.000 Euro.

Inhalt dieses Artikels

    Hi, ich bin Luisa und teile unter @meinefamilienrezepte gern Gerichte für die ganze Familie. Heute möchte ich euch aber eine andere Geschichte erzählen, die ich bisher noch nicht öffentlich geteilt habe, da während der Schwangerschaft nicht klar war, wie sie ausgehen wird.

    Wie alles begann

    Als ich meinen Mann auf der Arbeit kennengelernt habe, war das erste, was ich eine Kollegin gefragt habe: „Wer ist das?“ und „Ist der single!?“ Es war seine offene, herzliche und ehrliche Art, die mir vom ersten Moment an gefallen hat und egal wen ich gefragt habe: es gab wirklich keinen, der Fabi nicht leiden konnte…

    Über ein paar Jahre hinweg sind wir uns immer mal wieder zufällig über den Weg gelaufen und es war immer mein Highlight des Tages. An einem Tag – an dem ich eigentlich frei hatte – überkam mich plötzlich ein Gefühl, bei den Kollegen vorbeischauen zu müssen, und wer war da? Richtig, Fabi!

    Aus einem Gespräch entwickelte sich schnell mehr. An dem Abend sind wir um Mitternacht noch schwimmen gegangen. Die nächsten Wochen haben wir fast jeden Feierabend miteinander verbracht. Nach einer Woche habe ich seinen Sohn und seine Eltern kennengelernt, ein paar Wochen später hab ich dann spontan meine Sachen gepackt und bin bei ihm eingezogen. Kurz darauf war ich schwanger.

    Als unser Sohn ein Jahr alt wurde, war uns klar, dass wir uns bald ein zweites Kind wünschen – wieder hat es auf Anhieb geklappt.

    Fabi war sich von Anfang an sicher, diesmal wird es ein Mädchen.

     

    Der Frauenarzttermin änderte alles

    Ich war ziemlich sorgenlos, bis ich beim Frauenarzt saß, der mir ganz nebenbei erzählt hat, ich hätte CMV. Auf Nachfrage meinte er, es wäre eine sehr häufige Kinderkrankheit, in der Schwangerschaft sollte man das aber im Blick behalten und ich solle mich doch mal beim Facharzt melden, der hätte mehr Kapazitäten.

    Was ist CMV?

    Das Cytomegalievirus ist ein sehr verbreitetes Virus aus der Familie der Herpesviren. Viele Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit, oft ohne es zu merken und nach der Erstinfektion bleibt das Virus lebenslang im Körper (wie andere Herpesviren). Bei gesunden Menschen verursacht CMV meist keine oder nur leichte Symptome (ähnlich einer Erkältung). Wann das Virus problematisch ist? Für Schwangere sowie für Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Mit dem Cytomegalievirus steckt man sich über Körperflüssigkeiten an.

    Es klang, als hätte ich einen Schnupfen. Im Auto habe ich dann erstmal einen CMV-Podcast angemacht. Ich erinnere mich nur vereinzelnd an die genannten Stichwörter, die im Zusammenhang mit dem Virus und einer Schwangerschaft gefallen sind:

    Schwere Hirn- und Organschäden, Entwicklungsverzögerung, Schwerhörigkeit – und Totgeburt.

    Aber es gäbe wohl eine Behandlung, die gerade erforscht wird – und das Risiko, die Infektion ans Baby weiter zu geben, stark vermindert.

    Viele Kinderkrankheiten haben keine großen Auswirlkungen auf gesunde, erwachsene Personen – können jedoch für Schwangere gefährlich werden.
    Viele Kinderkrankheiten haben keine großen Auswirlkungen auf gesunde, erwachsene Personen – können jedoch für Schwangere gefährlich werden. Foto: privat

    An das Gespräch mit der Fachärztin kann ich mich kaum erinnern

    Nur einen Satz der ebenfalls schwangeren Ärztin werde ich wohl nie vergessen:

    „Also… Sie wollen das Kind?“

    Sie schien richtig ungläubig. Sie hat mir dann noch erklärt, dass die von mir angesprochene Behandlung aber nicht zwangsläufig von der Krankenkasse übernommen wird – und ich dafür vielleicht jedes Mal ans andere Ende des Landes fahren müsste.

    Es war Ostern und über die Feiertage hat es ewig gedauert, bis ich die erste Infusion bekommen habe. Nach einer Nacht im Krankenhaus bin ich kaum zur Tür rein, als mein Handy geklingelt hat: meine Frauenärztin.

    Nachdem sie aufgelegt hat, musste ich so lachen, weil es einfach so absurd war…

    Ich wurde positiv auf Ringelröteln getestet. Die Risiken wären hauptsächlich Blutarmut und Wassereinlagerungen beim Baby, die würden sich aber gut mit einer intrauterinen Bluttransfusion behandeln lassen.

    Was ist eine intrauterine Bluttransfusion?

    Eine intrauterine Bluttransfusion (IUT) ist eine Blutübertragung für ein ungeborenes Kind noch während der Schwangerschaft. Sie wird eingesetzt, wenn der Fötus eine schwere Anämie (Blutarmut) hat und dadurch gefährdet ist. Die Transfusion erfolgt meist unter Ultraschallkontrolle, über eine dünne Nadel durch die Bauchdecke der Mutter, direkt in die Nabelschnurvene oder seltener in die Bauchhöhle des Fötus.

    So sind die Wochen ins Land gezogen, ich habe Infusionen bekommen und noch gescherzt, dass ich am besten nicht so viel zunehme, weil das Medikament anhand des Gewichtes berechnet wird.

    Es war immer noch nicht klar, ob die Kasse die Behandlungskosten übernimmt.

    Bei einer der vielen Krankenhausaufenthalte hat mir die Chefärztin der Geburtshilfe dann eine Rechnung für meine erste Infusion vorgelegt. Anscheinend dachte jemand, ich würde 560 kg wiegen und dementsprechend belief sich die Rechnung für das Medikament auf 30.000 Euro – ohne Übernachtung und Chefarztbehandlung.

    Ein paar Tage später kam im Urlaub dann auch ein extrem unfreundlicher Anruf von der Krankenkasse

    Sie hätten die Rechnung der Klinik bekommen und meine Anfrage wurde abgelehnt. Sie würden keinen Cent zahlen. Auch wenn die Chefärztin meinte, dass sie dafür kämpft, dass die Rechnung korrigiert wird und die Verwaltung sich nochmal mit der Krankenkasse in Verbindung setzt, war uns klar, dass die Chancen gering sind.
    Luisa und Fabi mussten einiges in ihrer zweiten Schwangerschaft durchmachen: Krankheiten, hohe Rechnungen sowie die große Sorge ums ungeborene Kind.
    Luisa und Fabi mussten einiges in ihrer zweiten Schwangerschaft durchmachen: Krankheiten, hohe Rechnungen sowie die große Sorge ums ungeborene Kind. Foto: privat

    Die Meinungen zur Schwangerschaft hätten nicht unterschiedlicher sein können

    Die einen haben überlegt, ihr Haus zu verkaufen, um uns mit den Rechnungen zu helfen, die anderen haben uns gefragt, wie dumm wir eigentlich sind, dass wir das Kind überhaupt behalten haben.

    Wir hätten es ja „einfach wegmachen“ und dann ein „neues, gesundes Kind machen“ können.

    Das Thema Schwangerschaftsabbrüche hat uns die ganze Zeit verfolgt

    Auch wenn ich weiß, dass Schwangerschaftsabbrüche ein wichtiges Frauenrecht ist und jede Frau für sich die Entscheidung treffen muss, die in ihrer Situation die richtige ist, hat mich der Vorschlag der Ärztin und das Urteil unserer Bekannten einfach nur wütend gemacht. Auch der Gedanke, dass ich bald in der 20. Schwangerschaftswoche sein würde, in der die Fruchtwasseruntersuchung und der Ultraschall anstehen würden und dann eine Entscheidung von uns erwartet werden würde, hat mich richtig fertig gemacht. Instinktiv wollte ich mein Baby vom ersten Moment an vor allem beschützen und alles erdenklich Mögliche versuchen, damit es gesund zur Welt kommen wird.

    Die Ansteckungsrate bei CMV liegt bei ca. 30 bis 40 Prozent, bei Ringelröteln bei etwa 30 bis 50 Prozent.  Selbst wenn alles gut aussehen würde, wenn das Gehirn und die Organe normal entwickelt sind, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 10 Prozent, dass im Laufe des Lebens Folgeschäden auftreten werden.

    Auch wenn andere nicht verstanden haben, wie ein „kleiner Zellhaufen“ für uns so viel Wert haben kann, dass wir solche Risiken eingehen – für uns war es von Anfang an unser Baby und auch wenn wir nichtmal 10 Prozent der ersten Krankenhausrechnung hätten bezahlen können, gab es für uns nie eine andere Wahl. Was bedeutet Geld, wenn es um die Gesundheit des eigenen Kindes geht?

    Dann kam die Untersuchung.

    Am nächsten Tag bin ich zur Kontrolle ins Krankenhaus gefahren, wo eine junge Ärztin ein Hämatom an der Plazenta festgestellt hat. Das kann lebensgefährlich sein. Mit einem Mal wurde mir klar, dass ich mit der Untersuchung das Leben unseres Babys gefährdet habe. Und gleichzeitig wurde mir klar, dass es völlig egal ist, was bei der Untersuchung rauskommt. Unser kleines Mädchen – damit hatte Fabi von Anfang an recht – war für uns perfekt.

    Es stellte sich schließlich heraus, dass die Untersuchungen alle in Ordnung waren. Auch mit meiner Plazenta war alles okay. Und ein paar Tage vor meinem ET hat mich ganz überraschend die Krankenkasse angerufen: Sie haben alle Rechnungen bezahlt.
    Eine Schwangerschaft mit vielen Hürden, die Fabi und Luisa gemeinsam gemeistert haben.
    Eine Schwangerschaft mit vielen Hürden, die Fabi und Luisa gemeinsam gemeistert haben. Foto: privat
    Unsere kleine Maus hat sich mit ihrer Geburt Zeit gelassen. Jeder Einleitungsversuch scheiterte, bis wir schließlich – 10 Tage über ET und ein Tag vor dem zweiten Geburtstag ihres Bruders – einen Kaiserschnitt machen mussten.
    Bei meinem Mann ist in dem Moment der Geburt alles hochgekommen und der Kreislauf hat nicht mehr mitgemacht. So ist ein geniales Foto entstanden, wo Fabi mit angewinkelten Beinen fix und fertig im OP auf dem Boden liegt und unsere Hebamme mit breitem Grinsen unsere kleine Tochter über ihn hält.
    Fabi ist überglücklich im Kreissaal – nach all den Strapazen ist seine Tochter geboren.
    Fabi ist überglücklich im Kreissaal – nach all den Strapazen ist seine Tochter geboren. Foto: privat

    Nach der Geburt hat sich rausgestellt, dass die Maus auf einer Seite schlecht hört.

    Jetzt – mit eineinhalb Jahren – trägt sie ein Hörgerät.

    Wenn ich sie ansehe, denke ich so oft, was sie doch für ein kleines Wunder ist. Sie ist rundum perfekt, ein wunderschönes und glückliches kleines Mädchen, das alle (vor allem den Papa!) um den kleinen Finger wickelt. Und ich bin einfach nur dankbar, dass ich ihre Mama sein darf und hoffe, dass sie für immer fühlt, wie sehr sie gewollt und wie sehr sie geliebt wird.
    Danke, ihr beiden, dass ihr eure bewegende Geschichte mit uns geteilt habt. Wir wünschen euch alles Gute.
    Gibt es etwas, das du Luisa und Fabi sagen möchtest? Schreib es gern in die Kommentare

    7 Kommentare

  1. User Avatar
    Lauraa

    Wahnsinn. Was für eine unglaubliche Geschichte! Nur das Beste für die Familie. ❤️ 

  2. User Avatar
    Elisabeth

    Wow, das liest sich alles wir ein richtiger Krimi. Ich wünsche der Familie nur das beste!

    • User Avatar
      Marie

      Ich habe tatsächlich beim Lesen auch mitgefiebert

  3. User Avatar
    Ja Ma

    Was für eine krasse Story! Das Foto vom Papa am Boden im Kreißsaal ist echt eine gute Erinnerung und Sinnbild für den wilden Ritt, den die arme kleine Familie durchmachen musste 🤭 Was ein Glück, dass am Ende doch alle Rechnungen bezahlt wurden!