Als ich das Zitat von Emily Ratajkowski zum ersten Mal gelesen habe, musste ich kurz innehalten. Nicht, weil ich ihm uneingeschränkt zustimme. Sondern weil es so schonungslos ausspricht, was wohl viele Frauen schon einmal gedacht haben.
Die US-amerikanische Schauspielerin und Model Emily Ratajkowski (35) gehört zu den bekanntesten Gesichtern der internationalen Modebranche. In einem neuen Essay für The Cut blickt sie auf ihre Ehe mit Sebastian Bear-McClard zurück. Die beiden bekamen 2021 ihren Sohn Sylvester, trennten sich jedoch weniger als ein Jahr später. In ihrem Text schreibt Emily:
„Mit dem falschen Mann ein Kind zu bekommen, war der schnellste Weg, sich als Frau das Leben zu ruinieren. Es bedeutete, keine Freiheit mehr zu haben, keine Wahlmöglichkeiten und keinen Notausgang. Nur Ballast – und keinerlei Sicherheit.“
Es ist ein Satz, der provoziert. Aber auch einer, der einen Nerv trifft. Natürlich kann man über die Formulierung streiten. „Ruiniert“ ist ein großes Wort. Und doch steckt darin eine Realität, die viele Mütter kennen.
Denn mit der Geburt eines Kindes verändert sich nicht nur das eigene Leben. Wenn man sich dazu entscheidet, gemeinsam mit einem Partner ein Kind zu bekommen, dann bindet man sich auch dauerhaft an einen anderen Menschen. Selbst wenn die Liebe verschwindet, selbst wenn die Beziehung endet oder man sich irgendwann nichts mehr zu sagen hat: Die gemeinsame Elternschaft bleibt.
Wenn Mütter plötzlich alleine dastehen
Bei Echte Mamas erreichen uns immer wieder Erfahrungsberichte von Frauen, die sich von ihrem Partner alleingelassen fühlen, die die Last der Familienorganisation, der emotionalen Arbeit oder der Verantwortung weitgehend allein tragen.
Alles bleibt an mir hängen. Tag und Nacht war ich für unser Baby da. Seit seiner Geburt vor einem Jahr hat mein Freund keine einzige Windel gewechselt, nachts steht er nie auf, um mich zu entlasten, er hat seinen Sohn nie richtig gefüttert, ihn nie ins Bett gebracht.
Ich glaube nicht, dass es das Leben ruiniert, wenn man den falschen Mann aussucht, um gemeinsam ein Kind großzuziehen. Aber ich kann mir vorstellen, wie enttäuschend und schmerzhaft es sich anfühlt, wenn man davon ausgegangen ist, mit einem Partner gleichberechtigt eine Familie aufzubauen und dieser Traum zerbricht.
Kein trauriger Einzelfall, sondern strukturelles Problem
Studien zeigen seit Jahren, dass Mütter auch heute noch den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit und Haushaltsaufgaben übernehmen. Mit der Geburt eines Kindes vergrößert sich die Ungleichverteilung oft sogar noch.
Während viele Paare mit dem Wunsch nach einer gleichberechtigten Elternschaft starten, sieht der Alltag später häufig anders aus. Wer an Arzttermine denkt, Wechselkleidung organisiert, Kita-Mails liest, Geburtstagsgeschenke besorgt oder nachts aufsteht, ist in vielen Familien nach wie vor überwiegend die Mutter.
Dass daraus Frust entsteht, überrascht kaum. Immer wieder nennen Frauen die ungleiche Verteilung von Verantwortung und Mental Load als einen der Gründe für Konflikte in der Partnerschaft oder sogar für eine Trennung.
Gut zu Wissen
Die Aufteilung von Hausarbeit gehört zu den häufigsten Konfliktthemen in Partnerschaften. Der FReDA Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) kommt zu einem klaren Ergebnis: Ist die Hausarbeit ungleich verteilt, sinkt die Beziehungszufriedenheit deutlich – vor allem bei Frauen.
Besonders alarmierend: Etwa jede fünfte Frau, die in einer Partnerschaft lebt, in der Haushalt und Familienarbeit überwiegend an ihr hängen bleiben, denkt laut Studie darüber nach, die Beziehung zu beenden.
Alternative Familienmodelle werden beliebter
Denn noch eine andere Wahrheit begegnet mir hier bei Echte Mamas immer wieder: „Mutterschaft ist viel härter als ich gedacht habe – aber auch das Schönste, was ich je erlebt habe.” Und für diese lebensverändernde, wilde, emotionale, aber auch kräftezehrende Achterbahnfahrt, zeigt sich, wer wirklich unseren Rücken stärkt, wer wirklich mitträgt und Verantwortung übernimmt.
Wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, am Ende sowieso alles alleine zu tragen, warum dann nicht gleich alleine in die Elternschaft starten? In Anbetracht der Studienlage ist das eine nachvollziehbare Überlegung.
Der verwundert es eigentlich nicht, dass sich immer mehr Frauen für die Möglichkeit interessieren, Single-Mom by Choice zu werden. So wie auch Amelie, die über ihre Entscheidung zur Solo-Mutterschaft sagt:
Natürlich bin ich mit der Vorstellung der klassischen Familie aufgewachsen. Aber heute weiß ich: Genau dieser Weg war richtig für mich. Ich bin heute so glücklich wie nie. Mir fehlt kein Partner mehr – auch wenn das lange anders war. Heute fühle ich mich angekommen.
Was ich aus Emilys Aussage mitnehme?
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter Emilys provokanter Aussage: Nicht jede Frau braucht einen Partner, um Mutter zu werden. Aber jedes Kind braucht Erwachsene, die Verantwortung übernehmen.
Ob als Paar, im Co-Parenting oder als Solo-Mama – entscheidend ist am Ende nicht das Familienmodell. Sondern ob diejenigen, die sich für ein Kind entscheiden, die Verantwortung dafür auch wirklich gemeinsam tragen.
Habt ihr das Gefühl, dass ihr die Verantwortung in eurer Familie gleichberechtigt tragt? Oder hat euch die Realität des Familienalltags frustriert?
Es tut mir wirklich so leid für alle Mütter, die nach der Geburt mit dem Kind alleine gelassen werden. Das höre ich so oft und auch, wenn man sich nicht mehr versteht, hat niemand das Recht sich einfach aus der Erziehung zurückzuziehen oder nicht mehr zuständig zu fühlen. Das ist wirklich nicht fair.
Ich muss sagen, ich fühle mich nicht wohl damit, zu sagen, dass das Leben ruiniert ist, wenn man den falschen Partner als Vater des gemeinsamen Kindes auswählt. Klar werden Stimmen laut, die sagen „hättest du doch vorher wissen können“ etc pp. Aber für mich ist das ganze Leben eine Lernkurve, als Mama wächst man täglich an den sich verändernden Aufgaben und trotzdem bleibt man immer Mama und das in der besten Version. Alleinerziehend zu sein ist eine heftig große Aufgabe, die jeden Tag Schweiß und Tränen bedeuten und trotzdem ist da dieser kleine Mensch, dessen Leben du einfach formst