Mitten in der Schwangerschaft erhält Kirsten die Diagnose Brustkrebs. Ärzte raten zum Abbruch – doch sie gibt die Hoffnung auf ihr Baby nicht auf.

„Ich bin Kirsten, 39 Jahre alt, und Mama von zwei Söhnen: Emil (6) und Karli (4). Wir sind einfach ein starkes Team als Familie – mit einem unglaublich tollen Freundes- und Familienkreis. Ohne dieses Konstrukt wäre vieles einfach nicht so gut zu verkraften gewesen.

Im Juli 2021 waren wir frisch verheiratet. Wir hatten uns ein wunderschönes Zuhause aufgebaut, unser erster Sohn war gerade einmal 15 Monate alt und ich war in der 11. Schwangerschaftswoche mit unserem zweiten Kind. Gleichzeitig steckten wir mitten in den Vorbereitungen für unsere große Hochzeitsfeier.

Eines Tages ertastete ich unter der Dusche zufällig einen Knoten in meiner Brust. Ich wusste irgendwie sofort, dass etwas nicht stimmt.

Ich kann schwer beschreiben, warum. Aber es fühlte sich einfach nicht richtig an. Nie zuvor hatte ich etwas Ähnliches an meinem Körper gespürt. Ich hatte nie Probleme beim Stillen gehabt und auch keine Zysten.

Also vereinbarte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin. Sie beruhigte mich und meinte, wahrscheinlich sei es nichts Schlimmes. Eine zweite Gynäkologin schickte mich schließlich zum Ultraschall. Dort hieß es zwar, man sehe etwas, könne aber nicht sagen, was es sei.

Trotzdem sollte ich erst einmal abwarten.

Dieses Gefühl in mir, dass etwas nicht stimmt, ließ mir einfach keine Ruhe. Ich konnte mit dieser Ungewissheit nicht umgehen. Rückblickend war es gut, dass ich nicht locker gelassen habe.

Schließlich erkämpfte ich mir einen Termin in einem Brustzentrum.
Heute weiß ich: Hätte ich nur abgewartet, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Dort wurde sofort eine Stanzbiopsie durchgeführt. Vier Tage später, an einem Sonntag, bekam ich das Ergebnis: Ein hochgradig aggressiver Brustkrebs – G3, hormonrezeptorpositiv. Unsere heile Welt brach völlig zusammen.

Der Arzt nahm sich viel Zeit. Neben mir saßen mein Mann und unser 15 Monate alter Sohn. Ich habe es irgendwie gewusst, dass es eine Scheißdiagnose wird. Genau diese Worte sagte der Arzt zu mir. Er nahm meine Hand und fragte: ‚Sie haben es gewusst, oder?’ Ich ließ all seine Worte über mich ergehen. Als wir den Raum verließen, brach ich in Tränen aus.

Für mich besonders schmerzhaft: Mir wurde von den Ärzten dazu geraten, die Schwangerschaft abzubrechen. Der Abbruch sollte gemeinsam mit der Entfernung des Tumors erfolgen, fünf Tage nach der Diagnose. Ich hinterfragte diese Empfehlung damals gar nicht.

Als wäre der Schock nicht schon groß genug gewesen, hatte ich noch am selben Tag einen Fahrradunfall.

Ich stand völlig unter Schock und stürzte. Noch am Abend musste ich wegen eines komplizierten offenen Armbruchs operiert werden. Eigentlich sollte nur wenige Tage später der Tumor entfernt, ein Port eingesetzt und gleichzeitig die Schwangerschaft beendet werden.

Noch am Tag der Diagnose hatte ich über Social Media zufällig eine Frau gefunden, die eine ähnliche Situation erlebt hatte.
Sie rief mich an, machte mir Mut und riet uns dringend, eine Zweitmeinung einzuholen.

Über ein Familienmitglied bekamen wir kurzfristig einen Termin bei einer Onkologin. Von dort wurden wir sofort an die Uniklinik weitergeleitet. In der Uniklinik hieß es dann: Ich könnte die Chemotherapie machen – und unser Baby behalten. Nur deswegen änderten wir den Plan – der Tumor wurde entfernt, aber die Schwangerschaft nicht abgebrochen.

Kirsten startet so schnell wie möglich in die Behandlung. Foto: Privat

Mein Löwenjunge wollte leben – von Anfang an. Er war ein Wunschkind.

Kurz darauf begann meine Chemotherapie. Insgesamt bekam ich 16 Chemotherapien während der Schwangerschaft. Ich hatte jeden Tag Angst um mein Baby. Aber nach jeder Chemo gab es einen großen Ultraschall, der mich wieder aufmunterte.

Gleichzeitig war ich Mama eines kleinen Kindes.

Mein Mann arbeitete damals im Außendienst und war voll berufstätig. Ich habe einfach funktioniert. Ich musste funktionieren. Für mein großes Kind und für uns als Familie.

Nach meiner letzten Chemotherapie dauerte es nicht lange:
Mittwochs erhielt ich die letzte Behandlung. Am darauffolgenden Sonntag kam unser Sohn bereits zur Welt. Als Frühchen: 47 Zentimeter groß, 2.100 Gramm schwer, aber gesund.

Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es mir unbegreiflich, wie ich das alles geschafft habe.

Auch blicke ich heute anders auf mein Leben.

Ich befinde mich zwar noch immer in der Antihormontherapie und die Angst vor den Nachsorgeuntersuchungen war lange sehr groß. Doch gleichzeitig habe ich heute eine unglaubliche Lebensfreude entwickelt.

Ich sehe viele Dinge mit anderen Augen und kann die kleinen Momente viel mehr wertschätzen. Und ich sehe die vielen kleinen Wunder, die uns täglich umgeben. Denn manchmal passieren Dinge, die ich bis heute nicht erklären kann:

Mit drei Jahren sagte mein Sohn plötzlich zu mir: ‚Mama, ich habe den Krebs gesehen. Er war schwarz. Aber wir haben das geschafft.‘ Ich war so sprachlos. Und wenn ich das heute erzähle, könnte ich direkt wieder losheulen.

Kirstens Jungs sind ihr ganzer Stolz.
Kirstens Jungs sind ihr ganzer Stolz. Foto: Privat

Meinem Sohn geht es bis heute gesundheitlich gut. Er hat in der Schwangerschaft also zwei Operationen und eine Chemotherapie unbeschadet überstanden. Und nicht nur das: Er gilt heute sogar als hochbegabt. Für mich ist er also in vielerlei Hinsicht ein Wunderkind.

Wenn ich anderen schwangeren Frauen oder Müttern, die plötzlich dieselbe Diagnose bekommen, etwas mitgeben könnte, dann diesen Satz: Ihr dürft an Wunder glauben!”

Liebe Kirsten, vielen Dank, dass wir eure berührende Geschichte erzählen dürfen. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe!

Musstet ihr auch schon einmal für euer Bauchgefühl kämpfen, obwohl euch zunächst niemand ernst genommen hat? Verratet es uns gerne in den Kommentaren!

1 Kommentar

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    Emmi

    Respekt vor eurem Mut und eurer Stärke. ❤️ Ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auf sein Bauchgefühl zu hören!

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