Ich musste damals eine Entscheidung treffen, die mein Leben nachhaltig verändern sollte. Um gesund zu werden, sollten mir meine gebärfähigen Organe entfernt werden.
Ich war 19 Jahre alt, hatte keinen Partner und war weit davon entfernt, mir konkret Gedanken über Familienplanung zu machen. Und trotzdem entstand genau in diesem Moment ein Gedanke, der mich seitdem begleitet:
Vielleicht werde ich eines Tages adoptieren.
Wir meldeten uns beim Jugendamt, durchliefen das Verfahren, wurden als Adoptiveltern anerkannt und kamen schließlich in den aktiven Adoptivelternpool. Damit begann eine Zeit, die uns wahrscheinlich mehr geprägt hat als alles, was wir uns damals hätten vorstellen können: das Warten auf den Anruf.
Als Adoptiveltern kommt man grundsätzlich infrage, indem man den gesamten Adoptionsprozess durchläuft und vom Jugendamt bzw. der Adoptionsvermittlungsstelle als geeignet anerkannt wird. Dazu gehören unter anderem Gespräche, Seminare, Hausbesuche und eine intensive Vorbereitung. Natürlich gibt es auch Familien, die am Ende nicht infrage kommen. Das kann verschiedene Gründe haben – unter anderem kann auch das Alter eine Rolle spielen.
Wenn Bewerber beispielsweise schon ein recht hohes Alter haben (ab 50 Jahre alt), wird dies berücksichtigt, weil am Ende immer das Wohl und die Möglichkeit der Versorgung des Kindes im Mittelpunkt steht. Aus unserer eigenen Erfahrung haben wir jedoch nicht erlebt, dass Familien pauschal allein aufgrund ihres Alters abgelehnt wurden. Es wird immer die individuelle Situation betrachtet.
Und wir warteten… Nicht Wochen, Monate, sondern Jahre.
Jahre, in denen wir immer wieder darüber nachdachten, ob wir diesen Weg noch weitergehen wollten. Denn Adoption bedeutet nicht einfach, sich für ein Kind zu entscheiden. Man wartet darauf, dass irgendwo eine Situation entsteht, in der ein Kind ein Zuhause braucht und die eigenen Voraussetzungen zu dieser Situation passen.
Es gab zwischendurch Anfragen. Telefonate, die unseren Alltag innerhalb von Sekunden völlig aus den Fugen geraten ließen. Plötzlich war da die Möglichkeit, dass wir Eltern werden könnten. Wir machten uns Gedanken, stellten uns auf ein Kind ein, bewegten emotional ganze Welten.
die Angst, das Kind wieder loslassen zu müssen.
Wir haben im Laufe unserer Reise erlebt, wie sich diese Angst tatsächlich anfühlt. Wir durften einmal ein Kind aufnehmen, es in unser Zuhause und unser Leben lassen – und mussten es nach einiger Zeit wieder gehen lassen.
Es geht nicht darum, einen unerfüllten Kinderwunsch zu ersetzen. Es geht nicht darum, dass wir ein Kind „bekommen“. Adoption beginnt bei einem Kind, das aus unterschiedlichen Gründen nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann oder soll.
Es geht darum, was für dieses Kind das Beste ist. Wir dürfen Familie sein, wenn Familie fehlt.
Dieser Gedanke ist für uns über die Jahre immer fester geworden. Und vielleicht ist genau das der größte Unterschied zwischen dem Satz, den ich mit 19 so selbstverständlich gesagt habe – „Dann werde ich einfach adoptieren“ – und dem, was Adoption heute für mich bedeutet
Damals wusste ich noch nicht, welchen Weg ich damit einmal einschlagen würde.
Heute weiß ich: Es ist kein einfacher Weg. Aber es ist unser Weg.
Und unsere Familie wächst weiter.
Aktuell haben wir unser drittes Kind bei uns aufgenommen. Noch ist es nicht adoptiert. Unser Kind befindet sich in der Adoptionspflege und hat bei uns zunächst einmal eines gefunden: ein Zuhause
Wir wissen nicht, wohin diese Reise führen wird. Wir wissen nicht, was die nächsten Monate bringen werden. Aber wir wissen, dass wir diesen Weg mit offenem Herzen gehen.
Wir freuen uns. Wir sind dankbar. Und wir sind gespannt darauf, was diese Reise noch mit uns machen wird.
Unsere beiden Großen sind heute 5 Jahre und 18 Monate – dazu haben wir jetzt noch Baby.
Wir sprechen auch ganz offen darüber, dass unsere Kinder eine Bauchmama haben – die Mama, aus deren Bauch sie geboren wurden – und ich ihre Herzensmama bin. Für unsere Kinder ist das etwas ganz Natürliches. Sie wachsen mit diesem Wissen auf und lernen von Anfang an, dass Familie über den Weg der Adoption entstehen kann und dass Liebe das ist, was eine Familie ausmacht.
Danke liebe Kim, dass du diese besondere Reise und eure Geschichte mit uns geteilt hast. Wer noch mehr über Kim erfahren möchte, findet sie hier auf Instagram.
Könntest du dir auch vorstellen, ein Kind zu adoptieren? Oder habt ihr bereits adoptiert? Dann verrate es gern in den Kommentaren.
Sehr bewegende Geschichte. Mir war ehrlich gesagt gar nicht bewusst, wie lang und emotional so ein Adoptionsprozess sein kann und dass auch nach der Aufnahme eines Kindes noch so viel Unsicherheit besteht. Besonders den Gedanken, dass es in erster Linie darum geht, einem Kind ein Zuhause zu geben, finde ich wichtig. Danke für den offenen Einblick!
Liebe Hanna, danke für dein Kommentar. Deine Meinung kann ich gut nachvollziehen. Ich habe auch großen Respekt davor, wie Kim und ihre Familie mit den Abschieden umgeht.
Ich finde es toll, wie Kim einen Einblick in die Welt der Adoption gegeben hat.Dass es nicht darum geht, den kinderwunsch zu erfüllen.Sondern in erster Linie bedeutet,einem Kind ein Zuhause und liebe zugeben.Es auch wieder Abschiede geben kann und man diese emotional aushalten muss.Ich finde es schön, dass es die Möglichkeiten gibt.Persönlich könnte ich es aber nicht, Weil ich es psychisch und emotional nicht könnte, wieder loslassen, so gern ich allen Kindern auf der Welt, liebe schenken würde.Vorallem sind es auch, schwere Schicksale und problematischen familienverhältnisse, die manche Kinder erlebt haben und aus denen sie kommen.Und sich das alles nicht zu sehr zu Herzen nehmen ist nicht einfach, was viele auch vorher wissen sollten.
Ja, mich hat dieser Einblick auch berührt und meiner Meinung nach haben Kim und ihre Familie eine sehr beeindruckende Einstellung zum Thema Adoption