Brei, BLW oder doch beides? Beim Beikoststart kann man zwischen verschiedenen Empfehlungen schnell den Überblick verlieren. Hebamme Alex erklärt, was Babys wirklich brauchen, welche Zutaten sich eignen und warum Eltern den Breifahrplan ruhig etwas entspannter sehen dürfen.

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    Endlich ist es so weit: Unser Baby darf essen! Doch die anfängliche Vorfreude ist bei mir schnell der heillosen Überforderung gewichen – so viele verschiedene Tipps und Meinungen. Dir geht es genau so? Willkommen im Beikost-Dschungel. Brei oder Baby-led Weaning? Muss ich mich an den Breifahrplan vom Kinderarzt halten? Was darf mein Baby überhaupt essen? Die gute Nachricht ist, dass es nicht den einen perfekten Weg gibt. Und schon gar keinen, der für jedes Baby und jede Familie gleichermaßen funktioniert.

    Gemeinsam mit Hebamme Alex (@hebamme.alex bei Instagram) schauen wir uns deshalb an, welche Möglichkeiten es beim Beikoststart gibt, worauf es wirklich ankommt und was Eltern getrost etwas entspannter sehen dürfen.

     

    Alexandra Lesmann
    Siegel

    Unsere Expertin

    Alexandra Lesmann

    Doch eine wichtige Frage wollen wir zuerst klären, an der sich die Gemüter scheiden: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für den Beikoststart? Hebamme Alex empfiehlt: „Bei einem gesunden, termingeborenen Baby kann man sich ungefähr am vollendeten sechsten Lebensmonat orientieren. Wichtig ist aber auch, ob das Baby schon bereit für Beikost ist.“ Entscheidend sind also auch die individuellen Reifezeichen des Babys – dazu weiter unten mehr.

    Brei, BLW oder beides – welche Möglichkeiten gibt es?

    Klassischerweise denken viele beim Beikoststart zunächst an Brei – und an den berühmten Breifahrplan. Der sieht vor, nach und nach verschiedene Lebensmittel einzuführen: Gestartet wird häufig mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch- bzw. Fischbrei oder einer vegetarischen Alternative. Später folgen Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei. Für die Getreidebreie eignen sich beispielsweise fein vermahlene Vollkornflocken oder Bio Schmelzflocken, die sich unkompliziert zubereiten und in ihrer Konsistenz anpassen lassen.

    Aber müssen wir diesen Plan wirklich akribisch abarbeiten? Nein, sagt Hebamme Alex: „Für mich ist der Breifahrplan eher ein Routenvorschlag.“ Er könne Eltern zwar eine hilfreiche Orientierung geben, welche Mahlzeiten klassischerweise eingeführt und wie Lebensmittel kombiniert werden. Zum Pflichtprogramm sollte er deshalb aber nicht werden.

    Nicht jedes Baby möchte mittags mit Gemüse starten und auch die nächste Milchmahlzeit muss nicht nach exakt vier Wochen ersetzt werden. Eltern dürfen langsamer vorgehen, eine andere Tageszeit wählen – oder verschiedene Ansätze miteinander kombinieren.

    Baby steckt sich Löffel mit Brei in den Mund.
    BLW und Breifütterung sind zwei verschiedene Ansätze, die gern miteinander kombiniert werden dürfen. Foto: Pexels

    Und was ist Baby-led Weaning?

    Beim Baby-led Weaning, kurz BLW, wird auf das klassische Füttern mit dem Löffel verzichtet. Stattdessen bekommt das Baby geeignete Lebensmittel (mehr dazu weiter unten) angeboten, die es selbst greifen und zum Mund führen kann – Fingerfood quasi. Es entscheidet dabei selbst, was und wie viel es davon essen möchte. Zum Speiseplan können dabei durchaus auch breiartige Konsistenzen wie beim Porridge gehören, den das Baby dann mit dem Löffel (oder am Anfang vor allem den Händen – ich habe sehr viel Zeit mit Putzen verbracht 😅) selbst isst.

    Und dann gibt es noch Möglichkeit Nummer drei: einfach beides. „Mittags kann es z.B. Brei geben und zu einer anderen Mahlzeit dann Fingerfood“, erklärt Alex. Auch beim Breifüttern kann das Baby einen eigenen Löffel bekommen und damit beispielsweise ein weiches Lebensmittel erkunden.

    Was Babys beim Beikoststart wirklich brauchen

    Eine Sache dürfen wir uns beim Beikoststart immer wieder ins Gedächtnis rufen: Unser Baby muss jetzt nicht plötzlich „richtig“ essen. Beikost ist ein Lernprozess. Oder wie Alex es ziemlich treffend formuliert:

    „Beikost ist wirklich nur BEI-Kost und nicht ANSTATT-Kost.“

    Stillen oder Säuglingsanfangsnahrung bleiben mindestens bis zum ersten Geburtstag weiterhin wichtig. Besonders am Anfang können schon winzige Mengen an Beikost ausreichen. Manche Babys essen vielleicht einen halben Teelöffel, andere sind sofort Feuer und Flamme. Beides darf sein und ist normal.

    Mutter füttert Baby im Hochstuhl.
    Beikost darf entspannt angegangen werden und Spaß machen, ohne Druck bestimmte Mengen zu erreichen. Foto: Pexels

    Statt Grammzahlen oder geleerten Schälchen hinterherzujagen, empfiehlt Alex, auf die Hunger- und Sättigungssignale des Babys zu achten. Schließt es den Mund, dreht den Kopf weg oder verliert das Interesse, sollten Eltern das respektieren. Auch schwankende Essmengen und das Ablehnen einzelner Lebensmittel sind völlig normal – ohne Druck kann man sie einfach an einem anderen Tag oder in einer anderen Konsistenz erneut anbieten.

    Denn beim Essen passiert gerade unglaublich viel: Babys lernen neue Geschmäcker und Konsistenzen kennen und üben ganz nebenbei wichtige Fähigkeiten. Und ja, dazu gehört auch, das Essen anzufassen, zu zerquetschen und vermutlich in erstaunlichen Mengen auf dem Boden zu verteilen.

    Kleiner Exkurs: Braucht mein Baby Wasser?

    Solange erst ein oder zwei Milchmahlzeiten schrittweise ersetzt werden, bekommt ein gesundes Baby über Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung normalerweise ausreichend Flüssigkeit. Wasser darf trotzdem von Anfang an zum Kennenlernen angeboten werden – spätestens ab der dritten Beikostmahlzeit sollte es laut Hebamme Alex regelmäßig dazugehören.

    Welche Zutaten eignen sich für die ersten Mahlzeiten?

    Karotte, Pastinake, Kartoffel – und dann bitte erst einmal wochenlang nichts anderes? Auch diese Vorstellung dürfen wir verabschieden. Babys können zum Beikoststart deutlich mehr Lebensmittel kennenlernen als die klassischen ersten Breizutaten. Gemüse, Obst und Getreide sind beliebte Bausteine, die Auswahl ist darauf aber nicht beschränkt.

    Viel wichtiger ist, wie wir die Lebensmittel anbieten. Gerade bei Fingerfood müssen sie altersgerecht zubereitet werden. Alex empfiehlt besonders weiche, gut greifbare Sticks. Als Faustregel gilt: Lässt sich ein Lebensmittel zwischen zwei Fingern leicht zerdrücken, ist das schon einmal eine gute Voraussetzung.

    Baby nimmt Mutter den Löffel mit Brei aus der Hand.
    Während einige Lebensmittel zum Beikoststart noch tabu sind, eignet sich Getreide besonders gut. Foto: Pexels

    Einige Lebensmittel sind in ihrer ursprünglichen Form wegen der Verschluckungsgefahr allerdings ungeeignet. Dazu zählen zum Beispiel ganze Nüsse, Popcorn, ganze Weintrauben und Cocktailtomaten, kleine runde Beeren sowie harte rohe Möhren- oder Apfelstücke. Viele davon lassen sich entsprechend vorbereiten: Trauben und kleine Tomaten beispielsweise längs vierteln, Nüsse fein mahlen und hartes Gemüse weich garen.

    Honig sollte im ersten Lebensjahr aufgrund des Risikos für Säuglingsbotulismus nicht angeboten werden. Auch rohe bzw. nicht ausreichend erhitzte tierische Lebensmittel wie Salami, roher Fisch, Rohmilchkäse oder Speisen mit rohem Ei gehören nicht auf Babys Teller.

    Und welche Rolle spielt Getreide?

    Getreide kann laut Alex von Beginn der Beikost an angeboten werden und findet zum Beispiel im Milch-Getreide- oder Getreide-Obst-Brei seinen Platz. Für den Anfang findet die Hebamme „fein vermahlene Vollkornflocken oder Bio Schmelzflocken sehr praktisch“.

    Und damit sind wir bei einer Zutat, die vermutlich einige von uns noch aus der eigenen Kindheit kennen: Schmelzflocken. Sie lassen sich unkompliziert zubereiten, vielseitig kombinieren und an die gewünschte Konsistenz anpassen.

    Warum Schmelzflocken für viele Familien so praktisch sind

    „Schmelzflocken sind vor allem super unkompliziert und vielseitig“, sagt Alex. Sie lassen sich schnell zubereiten, gut portionieren und die Konsistenz kann an die Fähigkeiten des Babys angepasst werden. Daraus lassen sich beispielsweise Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei zubereiten, aber auch herzhafte Gemüse-Getreide-Mahlzeiten. Später können sie außerdem für weiche Pancakes oder zum Binden von Gemüsebratlingen verwendet werden.

    Die Kölln Bio Schmelzflocken beispielsweise gibt es in drei Varianten: als Bio Hafer Schmelzflocken, als Bio Dinkel-Hafer Schmelzflocken und als Bio 5-Korn Schmelzflocken aus Hafer, Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. So können Eltern unterschiedliche Getreidesorten ausprobieren und herausfinden, was ihrem Baby schmeckt. Die Schmelzflocken bestehen aus Vollkorngetreide und kommen ohne Zuckerzusatz aus.

    Bei der Auswahl von Getreideprodukten empfiehlt Alex Eltern generell, auf eine kurze Zutatenliste, Bio-Qualität und eine klar ausgewiesene Herkunft zu achten. Bei den Bio Schmelzflocken von Kölln stammt das Getreide aus deutschem Bioland-Anbau. Und falls euch die Packungen im Supermarkt plötzlich irgendwie anders vorkommen: Kölln hat seinen Schmelzflocken gerade einen neuen Verpackungslook verpasst – drin steckt weiterhin die bekannte Kölln Qualität.

    Baby leckt sich Finger mit Brei ab.
    Schmelzflocken sind für den Beikoststart nicht nur bestens geeignet, sondern auch sehr vielseitig. Foto: Pexels

    Schnell muss übrigens nicht schlechter heißen

    Gerade mit Baby haben vermutlich die wenigsten von uns Zeit und Lust, dreimal täglich ein Pinterest-würdiges Mini-Buffet zu zaubern. Für einen schnellen Getreide-Obst-Brei können Kölln Bio Schmelzflocken nach Packungsanleitung mit Wasser angerührt und nach einem altersgerechten Rezept beispielsweise mit weichem, zerdrücktem oder püriertem Obst und etwas Rapsöl kombiniert werden. Alex schlägt etwa Hafer mit Birne, Dinkel-Hafer mit Apfel oder 5-Korn mit Pfirsich vor. Weiches und hygienisch einwandfreies Obst muss dabei nicht grundsätzlich gekocht werden.

    Wer es lieber herzhaft mag, kann weich gegartes, ungesalzenes Gemüse mit Schmelzflocken und Rapsöl kombinieren. Und auch Meal Prep darf sein: Ungesalzenes Gemüse lässt sich vor dem Würzen vom Familienessen abnehmen und portionsweise einfrieren. Bio-Tiefkühlgemüse ohne Zusätze kann ebenfalls eine praktische Lösung sein.

    Alex bringt es schön auf den Punkt: „Eine gute Beikostmahlzeit braucht nicht viele Zutaten und auch keine aufwendige Zubereitung. Sie muss ganz sicher nicht ‚Instagram-tauglich‘ sein.“ Puh, beruhigend oder?

    Alex‘ Checkliste für einen entspannten Beikoststart

    • 1. Euer Baby gibt das Tempo vor.
      Der Breifahrplan kann Orientierung bieten, ist aber kein Pflichtprogramm. Kleine Mengen reichen zu Beginn völlig aus und Hunger sowie Sättigung sollten respektiert werden. „Für mich zeigt sich ein gelungener Beikoststart nicht daran, wie schnell ein Baby ein ganzes Gläschen schafft“, sagt Alex. Also: Vergleiche mit anderen Babys dürfen wir uns getrost sparen.

    • 2. Ablehnung gehört dazu.
      Der liebevoll angerührte Brei wird nach einem halben Löffel verschmäht? Das Fingerfood lieber zerquetscht als gegessen? Kein Grund zur Sorge. Vielleicht ist das Baby müde, satt, zahnt oder die Konsistenz ist noch ungewohnt. Alex empfiehlt, ruhig zu bleiben, kleine Portionen anzubieten und es später einfach noch einmal zu versuchen – eventuell in einer anderen Konsistenz.

    • 3. Sicherheit und Nährstoffversorgung gehen vor Methode.
      Beim Essen sollte das Baby aufrecht sitzen und immer von einer erwachsenen Person begleitet werden. Lebensmittel müssen altersgerecht zubereitet und sicher angeboten werden. Ganze Nüsse sowie kleine, harte oder runde Lebensmittel sind beispielsweise ungeeignet. Auch Honig und rohe tierische Lebensmittel gehören im ersten Lebensjahr nicht auf den Speiseplan. Milch bleibt während der Beikostzeit weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

    • 4. Essenlernen darf Spaß machen.
      Babys dürfen anfassen, riechen, zermatschen, probieren – und ablehnen. Unterschiedliche Geschmäcker und nach und nach verschiedene Konsistenzen gehören zum Kennenlernen dazu. Gemeinsame Mahlzeiten helfen, weil wir Eltern dabei automatisch zu Vorbildern werden.

    Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Der Beikoststart ist kein Wettlauf. Es geht nicht darum, möglichst schnell Milchmahlzeiten zu ersetzen oder ein leeres Schälchen vorweisen zu können. Viel wichtiger ist, dass unser Baby Essen in seinem Tempo kennenlernen darf – Schritt für Schritt, Klecks für Klecks und ziemlich sicher mit einer ordentlichen Portion davon auf dem Fußboden.