Eine Hamburger Schule hat entschieden: Ab sofort brauchen die Kinder dort keinen Ranzen mehr, stattdessen reicht ein Rucksack. Innovativ – oder?

Inhalt dieses Artikels

    Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich mit meiner Tochter losgezogen bin, um einen Schulranzen zu kaufen. Sie war komplett aufgeregt (ich ehrlich gesagt auch), wir haben uns beraten lassen, und sie hat ein Modell nach dem anderen ausprobiert. Im Endeffekt standen dann nur zwei Ranzen zur Auswahl, weil meine Tochter relativ klein ist. Aber egal: Als wir den Laden mit der großen Tüte verlassen haben, war meine Kleine stolz wie Oskar – und ich 270 Euro ärmer.

    Die Einschulung rückte näher, und wir bekamen die letzten Infos für den großen Tag.

    In dem Brief stand unter anderem auch: Die Kinder brauchen nicht zwingend einen Ranzen, ein Rucksack würde auch reichen.

    Ich war erstaunt: Gehört ein Ranzen für Grundschüler nicht eigentlich dazu – zumindest in der Grundschule?

    „Nein“– findet aktuell auch eine andere Grundschule hier in Hamburg.

    Dort gilt seit diesem Schuljahr die Regel: Ein Schulranzen ist grundsätzlich nicht nötig. Stattdessen reicht ein leichter, gutsitzender Rucksack.

    Und wenn es euch wie mir damals geht, und ihr euch fragt: Was ist denn mit den Büchern, Heften und Mappen?

    Bei der Grundschule handelt es sich genau wie bei unserer Schule um eine Ganztagsschule. Das heißt, die Kinder sind ab der ersten Klasse bis nachmittags dort, erledigen auch ihre Hausaufgaben während der Schulzeit und brauchen im Idealfall Bücher und Co. nicht zuhause. Und falls es doch einmal nötig sein sollte, zum Beispiel vor einer Klassenarbeit, dann lässt sich problemlos auch im Rucksack ein Buch verstauen.

     

    Gut für den Rücken der Kinder – und für den Geldbeutel von uns Eltern

    Eigentlich doch wirklich praktisch, oder? Wenn ich überlege, welches Gewicht wir „früher“ in unseren Ranzen durch die Gegend geschleppt haben. Die Rücken unserer Kinder werden es auf jeden Fall danken. Was nicht heißt, dass man nicht auch bei einem Rucksack auf den richtigen Sitz und die Ergonomie achten sollte.

    Entlastet wird aber nicht nur der Rücken unserer Kinder, sondern definitiv auch die Familienkasse. Denn so ein Ranzen kostet locker um die 100, 200 oder sogar 300 Euro. Extrem viel Geld, das nicht jede Familie aufbringen kann.

    Der teure Ranzen als Statussymbol – das muss nicht (mehr) sein

    So sieht das auch Denise Piontek, Schulleiterin der Hamburger Grundschule. „Das ist extrem viel Geld“, sagt sie im Interview mit Spiegel Online. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Kinder ab Klasse drei, spätestens ab Klasse vier, ohnehin auf einen Rucksack umschwenken, weil sie den Ranzen dann uncool finden.“

    Gleichzeitig nimmt die Regelung den Druck von Eltern, die den Ranzen möglicherweise als Statussymbol sehen und sich deshalb verpflichtet fühlen, ihrem Kind einen zu kaufen.

    Dabei sei es laut Denise Piontek für die Kinder selbst gar nicht so wichtig: „Bei den Kindern an unserer Schule beobachte ich, dass es keine Rolle spielt, was jemand auf dem Rücken trägt.“

    Okay, das ist natürlich super! Denn ich habe mich schon kurz gefragt, wie es wohl für die Kinder ist, wenn sie keinen Ranzen zur Einschulung bekommen. Aber vielleicht sind es ja wirklich mehr wir Eltern, die dieses klassische Bild im Kopf haben, und es unseren Kindern vermitteln? Denn tatsächlich gab es in der Klasse meiner Tochter einige Kinder, die zur Einschulung mit einem Rucksack kamen. Und soweit ich es mitbekommen habe, war es auch nie in Thema.

    Und noch eine Frage ist offen, die es auch von Eltern der Hamburger Grundschule gab:

     

    Bekommen wir Eltern zu wenig mit, wenn die Materialien in der Schule bleiben?

    Ganz ehrlich, ich habe manchmal schon das Gefühl, dass ich im Vergleich zu meinen Eltern damals viel weniger davon mitbekomme, was meine Kinder in der Schule machen. Aber: Natürlich kann ich jederzeit bei den Lehrkräften nachfragen.

    Deshalb finde ich die Regelung, dass kein Ranzen nötig ist, grundsätzlich sehr gut. Frage mich nur ein bisschen, wie innovativ sie eigentlich wirklich ist? Diese Frage könnt ihr mir bestimmt beantworten:

    Wie ist es denn bei euren Kindern: Gibt es so etwas wie eine „Ranzenpflicht“ überhaupt? Gehen wir Eltern vielleicht nur automatisch davon aus, weil es bei uns früher so war? Oder sind Rucksäcke an eurer Grundschule vielleicht auch schon selbstverständlich? Schreibt es uns in die Kommentare oder diskutiert mit anderen Mamas in unserem Forum.

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    3 Kommentare

  1. User Avatar
    marie

    Ich musste bei den Schulranzen-Preisen damals auch wirklich schlucken, fand ich wirklich ziemlich teuer. Bei dem Thema bin ich unentschlossen. Einerseits finde ich es gut, wenn man von der Pflicht eines Schulranzens befreit, andererseits hätte ich dann die Befürchtung, dass meine Tochter einen Rucksack mit Motiv ihrer Lieblingsserie ausgewählt hätte, der ihrem Rücken auch nicht wirklich guttut. 

  2. User Avatar
    Elisabeth

    Also ich muss sagen: Wir haben den Schulranzen schon ein Jahr im Voraus gekauft, weil WAS SIND DAS FÜR PREISE 🤯 Somit konnten wir da schon sparen, ABER sehr schnell hat sich herausgestellt, dass der doch trotzdem einfach viel zu unhandlich ist. Mein Sohn nimmt nur Essen, Trinken, seine Postmappe und seine Federtasche mit zur Schule. Somit sind wir sehr schnell auf einen „normalen“ und trotzdem alltagstauglichen Rucksack umgestiegen. 

    • User Avatar
      wiebke

      Das war auch ein Punkt, der uns wirklich gestört hat. Obwohl wir das kleinste Modell genommen haben, war der Ranzen eigentlich trotzdem noch viel zu groß. In der Grundschulzeit haben wir es trotzdem „durchgezogen“, aber mit dem Wechsel gab es dann endlich einen Rucksack. Und bei meinem Sohn sehe ich jetzt auch, dass der Ranzen eigentlich immer halbleer ist. Aber er wollte gern einen haben  ❤️