Bahnfahren mit Baby? Warum das so gut geht

Wenn die erste Reise mit dem Baby ansteht, denken viele Eltern als Transportmittel wie selbstverständlich an das eigene Auto. Bahnfahren mit Baby ist bei frischgebackenen Mamas und Papas dagegen seltener auf Platz 1. Kommt dann jedoch der erste Stau und es ist weit und breit keine Raststätte in Sicht, wird es mit einem Baby an Bord schon mal ungemütlich. Wenn der kleine Schatz dann noch weint oder quengelig wird, kommt schnell der Gedanke auf: „Hätten wir vielleicht doch besser mit dem Zug fahren sollen?“  

Es ist nachvollziehbar, warum Mamas mit kleinem Baby sich nicht unbedingt gleich an eine Bahnfahrt herantrauen. Ich selbst gehörte auch dazu. Das ganze Gepäck muss ja erst einmal in den Zug gebracht werden. Und was, wenn das Baby weint und andere Passagiere genervt reagieren? Genau wegen dieser Zweifel habe ich die erste Reise erst gewagt, als meine Tochter schon fast drei Jahre alt war.

Hätte ich gewusst, dass solche Sorgen unbegründet sind und das Bahnfahren mit Baby Spaß macht, hätte ich es schon viel früher genutzt – vor allem,  wenn ich mit meiner Tochter allein unterwegs war. So eine Reise im Zug kann nämlich zur entspannten Familienzeit werden – fernab von Stau und Fahrstress. Und das sind die Gründe:

Aufgepasst! Für Familien gibt es extra tolle Plätze

Wenn du mit einem Baby oder Kleinkind bis 3 Jahre verreisen möchtest, kannst du für euch meist Sitzplätze im geschlossenen Kleinkindabteil reservieren. Das gibt es im ICE bzw. in den meisten EC/IC-Zügen. Dort seid ihr sozusagen unter gleichgesinnten Mitreisenden, die von einem weinenden Baby nicht abgeschreckt werden. Das Kleinkindabteil hat meist einen Tisch und liegt in unmittelbarerer Nähe zu Bordrestaurant und Toiletten. Auch ein Wickeltisch ist entweder im Abteil selbst oder im angrenzenden WC vorhanden. So ist für alle wichtigen Bedürfnisse gesorgt und auch der Zugbegleiter ist für deine Fragen in der Nähe.

Was ich bis vor kurzem nicht gewusst habe: Wenn während der Fahrt der kleine Hunger kommt, kannst du Babybrei oder Wasser für das Fläschchen im Bordrestaurant erwärmen lassen. Und einen leckeren Kaffee oder andere Getränke und Snacks bekommst du an Bord natürlich auch. Viel Proviant oder schwere Thermoskannen mit warmem Wasser musst du also nicht unbedingt einpacken.

Außerdem gibt es in den ICEs auch den Familienbereich im Großraumabteil, der sich für Reisen mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter anbietet. Dieser Bereich ist extra gekennzeichnet, so dass auch andere Fahrgäste wissen, dass es hier durchaus mal etwas lustiger und lebhafter werden kann. Den Familienbereich habe ich inzwischen auch schon mehrmals für meine Tochter und mich gewählt. Wir hatten dort immer eine gute Zeit und nette Familien mit Kindern im gleichen Alter kennengelernt.

Es gibt übrigens eine Familienreservierung. Damit zahlst du für die ganze Familie 9 Euro, solange deine Kinder unter 15 Jahre alt sind und ihr euch zusammen auf der Fahrkarte eintragt. Das geht einfach online oder in der App der Deutschen Bahn, dem DB Navigator.

Auch eine gute Idee: Im Kleinkindabteil eine Decke auf den Boden legen und das Baby krabbeln lassen. Foto: privat

Kinderwagen oder Tragetuch? An Bord passt beides.

Du willst nicht nur ein Tragetuch oder eine Trage mitnehmen, sondern auch den Kinderwagen? Die gute Nachricht: Bei der Bahn ist dafür in vielen Fällen Platz. Die Kleinkindabteile sind nämlich so konstruiert, dass neben den Sitzen auch noch extra Raum ist, um diesen in der Nähe unterzustellen. Am besten verreist es sich allerdings mit einem zusammenklappbaren Buggy. Er lässt sich in der Regel auch problemlos durch die Gänge schieben und zum Beispiel bei den Gepäckablagen verstauen, wenn es im Kinderabteil mal eng wird.

Ich trage ja beim Reisen gerne einen Wanderrucksack auf den Rücken. So habe ich die Hände frei für meine Tochter und meine Handtasche – und vielleicht sogar einen Kaffee. Und falls es doch mal ein sperriger Koffer wird nehmen wir gerne den DB Gepäckservice in Anspruch.

Was ich vor der Abreise immer mache: Ich informiere mich am Bahnsteig an der Tafel mit dem Wagenstandsanzeiger, in welchem Abschnitt der Waggon mit dem Kleinkindabteil oder dem Familienbereich hält. Auch im DB Navigator kann ich die Wagenreihung vor Abfahrt einsehen. So warte ich am Bahnsteig immer direkt an der richtigen Stelle und muss nicht lange durch den Zug zu meinem Platz wandern. So vermeide ich schon den größten Stress.

Familienzeit: Spielen und schlafen statt auf die Straße zu starren

Das Grauen von uns allen beim Gedanken an eine Bahnreise: Das Kind schreit und schreit und schreit und nervt damit das ganze Abteil. Kennst du? Dann sei beruhigt, denn ich wiederhole: Die Sorge ist unbegründet! Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ist man im Kleinkindabteil wirklich unter Gleichgesinnten. Du hast also keine strengen Blicke genervter Anzugträger über ihre Zeitungs- oder Laptopränder hinweg zu befürchten. Im Gegenteil ist es sogar wahrscheinlich, dass du direkt nette Kontakte zu anderen Reisenden mit Kind knüpfst.

Außerdem kannst du dein Baby, wenn es zum Beispiel Bauchschmerzen hat oder zahnt, leichter beruhigen, wenn es nicht festangeschnallt in der Babyschale liegt.  Besser ist, wenn es während der Reise auf deinem Arm oder im Tragetuch liegen, auf deinem Schoß sitzen oder über die Sitzbank krabbeln kann. Ich habe auch schon eine Decke auf den Boden gelegt, auf der meine Tochter spielen konnte. Zumindest solange, bis sie müde wurde. Das leichte Vibrieren des Zuges während der Fahrt sorgte nämlich mit schöner Regelmäßigkeit dafür, dass sie ziemlich schnell einschlief.

Dein Kind findet nicht so leicht in den Schlaf? Dann kannst du im Gang mit ihm auf und ab gehen, bis es sich wieder beruhigt hat. Sind die Äuglein erstmal zu, kannst auch du Energie tanken – ob beim Lesen, Musikhören oder im Gespräch mit deinen Abteilnachbarn. Und wenn du auf Toilette willst, kann vielleicht sogar eine andere Mama kurz ein Auge auf dein Baby werfen.

Apropos Flug: Bei meinen Reisen von Niederbayern aus habe ich auch oft daran gedacht, den Flieger zu nehmen. Mit der Bahn reise ich jedoch je nach Strecke so schnell oder fast so schnell wie mit dem Flieger –  wenn ich die Zeit für die Fahrt zum Flughafen,  den Check-in und so weiter einrechne. Auch von München nach Berlin sind es mit dem neuen ICE-Sprinter beispielsweise nur rund vier Stunden Fahrtzeit. Ich reise auch gerne mit der Bahn, weil sie umweltfreundlicher ist als das Auto oder der Flieger und unter anderem mit Ökostrom fährt. Das gibt mir auch noch mal ein gutes Gefühl, wenn ich mit Kind verreise.

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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