Die ersten Wochen mit einem Baby sind voller neuer Momente: dieses erste Lächeln, das vertraute Einschlafen auf dem Arm, das leise Glucksen nach dem Trinken. Und irgendwann gehört auch das dazu, was fast alle Eltern erleben: ein kleiner Bauch, der sich meldet.
Verdauungsthemen wie Blähungen oder sogenannte Dreimonatskoliken treten meist nicht direkt nach der Geburt auf, sondern entwickeln sich oft erst in den ersten Lebenswochen – dann, wenn der kleine Körper beginnt, sich an Nahrung, Umwelt und seinen eigenen Rhythmus zu gewöhnen. Für viele Familien ist das ein ganz normaler Teil dieser besonderen Anfangszeit – auch wenn er sich zwischendurch ziemlich herausfordernd anfühlen kann.
Genau darüber haben wir mit Dr. Celine Schlager gesprochen. Sie ist Ärztin und kennt die Sorgen rund um Babys Bäuche aus ihrer täglichen Praxis sehr gut.
Was wirklich hinter Bauchweh steckt
Die gute Nachricht zuerst: In den meisten Fällen steckt keine ernsthafte Erkrankung dahinter. „Am häufigsten sehe ich Blähungen, sogenannte Dreimonatskoliken, sehr weichen oder sehr festen Stuhl und später bei Beikoststart auch Verstopfung“, erklärt Dr. Schlager.
Der Grund ist oft ganz simpel – und gleichzeitig für Eltern schwer auszuhalten: Der Darm ist noch nicht fertig entwickelt. „In den meisten Fällen steckt keine Erkrankung dahinter, sondern ein unreifer Darm, der erst lernen muss, Nahrung zu verarbeiten, Enzyme zu bilden und ein stabiles Mikrobiom aufzubauen.“
Sichtbare Anstrengung beim Drücken – ist das normal?
Viele Eltern erschrecken, wenn ihr Baby beim Drücken rot wird, sich windet oder scheinbar Schmerzen hat. Doch genau das gehört oft zur Entwicklung dazu.
„Babys pressen, werden rot im Gesicht, ziehen die Beine an – und das, obwohl der Stuhl weich ist“, sagt die Ärztin. Der Grund: Sie müssen die Abläufe im Körper erst lernen.
Wann Eltern genauer hinschauen sollten
Auch andere Dinge, die schnell verunsichern, sind meist unproblematisch: häufiges Aufstoßen, unruhige Abende oder ein sehr unterschiedlicher Stuhlrhythmus. „Wichtig ist: Gedeihen, Trinkverhalten und Gesamteindruck zählen mehr als die Windel allein.“
Trotzdem gibt es natürlich Situationen, in denen ihr euer Baby ärztlich abklären lassen solltet:
- wenn das Baby schlecht zunimmt
- sehr schrill und anhaltend schreit
- Blut im Stuhl zu sehen ist
- häufig schwallartig erbrochen wird
- oder es insgesamt sehr teilnahmslos wirkt
Auch ein harter, stark aufgeblähter Bauch zusammen mit Trinkverweigerung gehört abgeklärt.
Und ganz wichtig:
„Dein Bauchgefühl als Mutter oder Vater ist dabei ein entscheidender Kompass.“
Ein Mythos, der viele Eltern verunsichert
Gerade wenn Mamas stillen kommt ihnen schnell der Gedanke: Habe ich etwas Falsches gegessen, was die Bauchschmerzen verursacht? Dieses schlechte Gewissen ist aber nicht nötig. „Der Mythos, dass ausschließlich die Ernährung der Mutter schuld an Blähungen beim Stillbaby sei, hält sich hartnäckig“, sagt Dr. Schlager.
Zwar könne es individuell Unterschiede geben, aber Studien zeigen keinen generellen Zusammenhang. „Viel entscheidender ist die Darmreifung und die Entwicklung der Darmflora.“
Pauschale Verbotslisten würden Eltern eher verunsichern als helfen.
Was beim Füttern wirklich wichtig ist
Ob Stillen oder Fläschchen – beim Thema Bauchweh geht es nicht nur um das „Was“, sondern auch um das „Wie“. Über Muttermilch sagt Dr. Schlager: „Sie ist mehr als Nahrung – sie enthält Präbiotika, Immunstoffe und lebende Bakterien, die den Darm aktiv mitgestalten.“
Stillende Eltern dürfen grundsätzlich vielseitig essen. Bei Fläschchenkindern gilt: „Wichtig ist korrektes Anmischen, kein ständiger Wechsel der Marke und Geduld.“
Und etwas, das viele unterschätzen: „Auch beim Füttern spielt Ruhe eine große Rolle – hastiges Trinken begünstigt Luftschlucken.“
Was wirklich hilft, wenn der Bauch zwickt
Wenn Babys Bauchweh haben, sind es oft die einfachen Dinge, die am meisten bringen. „Sehr bewährt haben sich Bauchmassagen, Wärme, viel Körperkontakt und Tragen“, sagt Dr. Schlager. Das beruhigt nicht nur das Baby, sondern auch das Nervensystem – und damit indirekt den Darm.
Bei Bedarf können auch sanfte Mittel unterstützen, zum Beispiel Fenchel-Anis-Kümmel oder bestimmte Probiotika.
Wichtig ist ihr dabei: „Naturheilkunde ist für mich Ergänzung, nicht Ersatz, und sollte nie losgelöst von einer guten Diagnostik stehen.“
Wann doch mehr hinter dem Bauchweh stecken könnte
Manchmal steckt doch mehr hinter den Beschwerden – zum Beispiel eine Unverträglichkeit. „Wenn Beschwerden stark, anhaltend oder mit Warnzeichen verbunden sind, sollte abgeklärt werden“, betont die Ärztin.
Dazu zählen etwa Verdauungsprobleme in Kombination mit Hautveränderungen, Blut oder Schleim im Stuhl oder starkes Erbrechen. Eine Kuhmilchproteinallergie sei zwar seltener als oft vermutet, sollte aber bei Verdacht gezielt untersucht werden.
Was Eltern hilft mit dem Bauchweh ihres Kindes umzugehen
Bauchweh beim Baby ist nicht nur für die Kleinen anstrengend – sondern für die ganze Familie. Deshalb hat Dr. Schlager noch eine wichtige Botschaft:
„Du machst nichts falsch. Ein weinendes Baby ist keine Bewertung deiner Kompetenz.“
Sie rät, sich Unterstützung zu holen und sich selbst ernst zu nehmen: „Schlafmangel und Daueranspannung sind enorme Stressoren.“
Und manchmal hilft weniger Aktionismus mehr: „Ein ruhiger, getragener, begleiteter Abend hilft oft mehr als das zehnte Mittel aus der Hausapotheke.“
Mehr Infos und Hilfe rund um den Babybauch
In ihrem neuen Buch „Wenn’s im Bauch zwickt, drückt und grummelt“ möchte Dr. Schlager genau das vermitteln: Verständnis statt Verunsicherung. „Mir war wichtig zu zeigen, dass der Darm kein isoliertes Organ ist.” Wenn du dich bei dem Thema gründlicher informieren möchtest, schau dir das neue Buch von Dr. Celine Schlager gerne an. „Wissen nimmt Angst. Und ein verstandener Bauch fühlt sich oft schon ein Stück leichter an.“
Was hat deinem Baby bei Bauchweh geholfen? Teile deine Tipps unbedingt in den Kommentaren!
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Bei Blähungen haben uns besonders Massagen, der Fliegergriff und sanftes radfahren mit den Beinchen geholfen.
Hi Hanna, ja das kenne ich auch noch, das kreisen mit den Beinchen über den Bauch im Uhrzeigesinn. Liebe Grüße, Marie