„Mein Ziel ist es, so zu arbeiten, als ob ich keine Kinder hätte – und so Mama zu sein, als ob ich nicht arbeiten würde“, sagt Mode-Designerin Marina Hoermanseder im Gespräch mit Sebastian Tigges im Podcast „Tigges trifft“ und löst damit eine heftige Diskussion unter Eltern aus.
Eine Aussage, die stark polarisiert
Auf das Staunen des Podcast-Hosts Sebastian Tigges erzählt die 39-jährige Zweifachmama weiter: „Ich glaube, meine Kinder checken gar nicht, dass ich arbeite, und meine Mitarbeiter checken gar nicht, dass ich Kinder habe.“ Wie das ginge? Das kann die Mode-Designerin auch nicht im Detail verraten, außer, dass sie die Doppelbelastung erfüllen würde und sie nicht nur Geschäftsfrau oder Mama sein könnte.
Die Reaktionen unter dem Post auf Instagram sind gespalten und viele Kommentator:innen fühlen sich von den Aussagen der Designerin getriggert.
Dieser Auszug aus dem Podcast löste einen Shitstorm aus
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Elena Mertel schreibt zum Beispiel unter den Beitrag: „Ich finde Narrative wie diese aus eurem Video hochgradig problematisch, weil sie suggerieren: Wer Vereinbarkeit nicht „locker flockig“ meistert, macht offenbar etwas falsch. Vor allem Frauen wird damit wieder indirekt vermittelt, sie müssten nur besser organisiert, entspannter, resilienter sein.
Aber die Realität ist: Care-Arbeit IST Arbeit. Kinder verändern Prioritäten, Energie, Verfügbarkeit und mentale Kapazitäten.
Und genau das unsichtbar zu machen, damit Eltern möglichst nahtlos funktionieren, ist für mich nicht feministisch, sondern der totale Rückschritt.“ Alleine dieses Kommentar erhielt über 2000 Likes.
Eine andere Userin schreibt: „Und wie geht das? Die ehrliche Antwort wäre gewesen: „in dem ich ganz viele Privilegien habe. Menschen, die putzen, kochen, einkaufen und sich natürlich um meine Kindern kümmern, während ich so tun kann als hätte ich keine Kinder.“
Designerin Marina Hoermanseder reagiert via Instagram
Auf ihrem Instagram-Account lud die österreichische Designerin daraufhin ein Reel hoch, in dem sie ihre Kinder befragt, wann denn das Personal käme, dass den Kindern die Brotdosen packen würde. Die Kinder antworten verdutzt und sagen, dass sie doch als Mama diese Aufgabe übernehmen würde.
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Es ist ein satirischer Weg mit den negativen Kommentaren umzugehen, der ebenfalls nicht nur positiv ankommt und von anderen Frauen wie Sheryl Sandberg seit Jahren anders besprochen wird.
Sheryl Sandberg, Ex-Meta-Chefin, argumentiert seit Jahren, dass Eltern — besonders Mütter — Familie nicht verstecken oder behandeln sollten, als wäre sie ein „Störfaktor“ im Berufsleben.
„Wir tun bei der Arbeit so, als hätten wir keine Familie – und zu Hause so, als würden wir nicht arbeiten.“, schreib sie in ihrem Buch „Lean In„, das 2013 erschienen ist. Inhaltlich sagt sie damit, dass die künstliche Trennung zwischen Berufs- und Familienleben unrealistisch ist und insbesondere Eltern unter Druck setzt, ihre Kinder im Arbeitskontext „unsichtbar“ zu machen.
Sie sagt auch:
Arbeit und Familie gehören beide zum echten Leben.
Unternehmen sollten akzeptieren, dass Mitarbeitende Kinder haben und Verantwortung tragen.
Eltern sollten nicht das Gefühl haben, Professionalität bedeute, so zu tun, als gäbe es keine Familie.
Gleichzeitig plädiert sie dafür, berufliche Ambitionen nicht vorschnell aufzugeben.
Wie ich als Mama zu Marina Hoermanseders Aussage stehe
Vielmehr geht es um die Haltung, sowohl im Job als auch mit den Kindern wirklich präsent zu sein und sich im Leben nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden zu müssen – auch wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, etwa fehlende Kinderbetreuung oder eine noch nicht selbstverständlich feministische Aufteilung von Care-Arbeit, vielerorts noch gar nicht gegeben sind.
„Diese Doppelbelastung erfüllt mich mehr, als mir eine einzelne Belastung Kraft geben würde. Für mich gibt’s nichts besseres als von der Arbeit nach Hause zu gehen. Ich könnte nicht nur Zuhause sein, und ich könnte auch nicht nur arbeiten.“
Beide Bereiche bewusst voneinander abzugrenzen, gelingt mir im Alltag nur selten. Da wird schnell nochmal eine Mail gecheckt oder ein Anruf entgegengenommen. Spannend wäre noch gewesen zu erfahren, wie Marina Hoermanseder es schafft als selbstständige Gründerin ihres Unternehmens immer voll und ganz präsent für ihre Kinder dazu sein und sich nach Feierabend auch abzugrenzen, sodass ihre Mitarbeiter:innen gar nicht das Gefühl bekommen können, dass sie die Designerin mit ihren Kindern stören. Aber wer weiß, vielleicht erfahren wir das ja noch in einem satirischen Post.
Was macht das Zitat von Marina Hoermanseder mit dir? Verrate es uns gern in den Kommentaren.
Manchmal frage ich mich wirklich, ob Leute mit riesiger Reichweite sich überhaupt bewusst sind, was für eine Verantwortung sie damit auch tragen. Es ist klar toll, dass es sich für sie so leicht anfühlt. Es hinterlässt bei mir dennoch irgendwie Unmut, denn ich fühle mich mit Teilzeit und „nur“ einem Kind manchmal einfach komplett überfordert 🤯
Ich verstehe ihre ‚Reaktion‘ leider wirklich nicht.Also ja, die Aussage ist das eine, ihre Entscheidung, ihr Leben… wie es ankommt & auf welches Echo es stößt, find ich habt ihr hier im Artikel super (für mich) beschrieben.Aber ihre Reaktion mit den gemeinsamen Kindern & ihre Kinder checken gar nicht worum es geht… – auch wenn natürlich nur lustig gemeint, ich weiß nicht… ich finds irgendwie einfach schade, dass es Gesellschaftlich als ambitioniert gelten sollte, genau dieses Bild als Frau und Mutter zu verkörpern. Ich lerne für mich daraus: Ich bin auch Mama, wenn ich als Frau arbeite & anders herum bitte auch. Eine ‚andere‘ Maske möchte ich MIR nicht aufsetzen… ❗
Vielleicht komme ich hier humorlos rüber, aber dass die Designerin nicht erkennt, wie toxisch ihre Aussage ist (wenn auch nicht so gemeint) und sich stattdessen darüber lustig macht, finde ich echt schade!
Hallo Lena, ja, auf mich wirkte es fast so, als wolle sie missverstanden werden, weil sie sich nicht erklärt. Ansonsten hätte man die Verwirrung ja schnell aus der Welt schaffen können.